Bildung, Individualisierung, Sozialfürsorge: Der Hallesche Pietismus, die bedeutendste protestantische Reformbewegung am Beginn der Moderne, prägte Kultur und Gesellschaft tiefgreifend.
In der Eingangsetage des Halleschen Waisenhauses entdecken Sie, welche zentrale Rolle das Wort in August Hermann Franckes Reformbewegung spielte – und wie es um die Welt getragen wurde.
Francke entwickelte die reformatorischen Ziele Martin Luthers weiter und setzte auf einen radikal einfachen Ansatz: Jeder Mensch sollte durch eigene Bibellektüre den Weg zu Gott finden. Dafür mussten alle – Jungen wie Mädchen – lesen lernen. Jeder sollte sich eine Bibel leisten können, und diese sollte in der eigenen Muttersprache vorliegen.
Er gründete Schulen für alle sozialen Schichten, druckte Millionen deutschsprachiger Volksbibeln und baute ein internationales Netzwerk auf, das Bibeln in zahlreiche Sprachen übersetzte. Diese Bildungsoffensive befähigte breite Bevölkerungsschichten, mit dem Wort umzugehen.
Im Pietismus entstand zudem eine Kultur der Selbstreflexion, die sich in Tagebüchern und persönlichen Zeugnissen niederschlug und uns heute tiefe Einblicke in das Seelenleben des 18. Jahrhunderts gibt. Symbolisch für die Kraft des Wortes steht die reich restaurierte Kanzel aus der Kirche St. Ulrich in Halle, von der Francke ab 1715 predigte – heute ein Highlight unserer Ausstellung.




