Press

Welcome to the press portal of the Francke Foundations!
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Photographic and filming permission

For all filming and photography in the Francke Foundations, including outdoor shots on the premises, you need a permit. You can fill out the form directly, save it and send it to us.  Please get in touch with us in good time before you start work so that we can ensure that everything runs smoothly.

Pressemitteilungen chronologisch

Unsere Höhepunkte im Jahresprogramm »Ganz im Affekt«

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir laden Sie am Montag, dem 5. Dezember 2022 um 14 Uhr, ein, gemeinsam mit Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke ein neues Bauwerk in den Franckeschen Stiftungen einzuweihen. Südlich der Theologischen Fakultät (Haus 30), am Südwest-Ausgang der Franckeschen Stiftungen, ist für die seit vielen Jahren im Bildungskosmos angesiedelten Graswurzelbewegungen bookcrossing.com und foodsharing.de ein passgenaues Zuhause entstanden. »Die Franckeschen Stiftungen sind seit 300 Jahren ein Ort der Partizipation und des gesellschaftlichen Engagements. Leibliche und geistige Versorgung waren August Hermann Francke gleichermaßen wichtig. All dies spiegelt sich auch in dem neuen Bauwerk und seinen Funktionen wider«, erklärt Stiftungsdirektor Thomas Müller-Bahlke das Bauwerk und die damit verbundenen Funktionen.

Zum Pressetermin werden die künstlerischen Verantwortlichen vom Amt für Wunschentwicklung, Christin Deringer (Spiel- und Lerndesignerin) und Nikos Probst (Künstler und Kunstvermittler), sowie Jean Vogel (bookcrossing.com) und Ulrike Fanghänel (foodsharing.de) anwesend sein. Zusammen mit dem Projektsteuerer Hans-Jürgen Mönch stellen sie die Entwicklung und Umsetzung der Idee für das Bauwerk und die Bedingungen für die Nutzung vor.

Die »Kunst am Bau« im Rahmen der Förderung für den Abschluss des Wiederaufbaus der Franckeschen Stiftungen mit der Historischen Druckerei und der großen und kleinen Feldscheune hatte die Umsetzung der Initiative ermöglicht. Die Partner:innen fanden sich über einen Mikrowettbewerb am Designhaus der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle im April 2021, den das Amt für Wunschentwicklung (https://designhaus.burg-halle.de/cpt-office/amt-fuer-wunscherfuellung/) gewonnen hatte. Corona-Pandemie und damit einhergehende Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung haben die Umsetzung verzögert.

Jetzt ist am südwestlichen Ausgang der Franckeschen Stiftungen nicht nur ein hochwertiger Raum für die Rettung von Büchern und Fairteilung von Lebensmitteln entstanden. Gleichzeitig wird mit dem neuen Bauwerk auch die räumliche Situation aufgewertet: An dem neuen Bauwerk mit Applikationen von Silhouetten aus der Wunderkammer und der Einladung zum Mitmachen in Hebräisch, Tamil, Russisch, Arabisch und Englisch »Bring, was du hast. Nimm, was du brauchst.« kann niemand beim Verlassen des Stiftungsgeländes unberührt vorbeigehen.

Wir freuen uns, Sie zum Pressetermin bei uns zu begrüßen zu dürfen,

Ihre

Dr. Kerstin Heldt und Friederike Lippold

Francke im Wandel. Franckesche Stiftungen eröffnen partizipatives Ausstellungsprojekt für die neue Dauerausstellung im Francke-Wohnhaus

  • Deutschlandweit einmaliges biografisches Ausstellungsprojekt ist konsequent partizipativ, nachhaltig und ergebnisoffen angelegt.
  • Machen Sie mit! BesucherInnen der Ausstellung stimmen für die neue Dauerausstellung über August Hermann Francke (1663–1727) ab.

Eröffnung zum Tag des offenen Denkmals am 11. September 2022, 14 Uhr

Die Franckeschen Stiftungen eröffnen zum Tag des offenen Denkmals 2022 im Francke-Wohnhaus eine Ausstellung zum Stiftungsgründer August Hermann Francke (1663–1727), mit der Kustos Dr. Claus Veltmann und die wissenschaftliche Volontärin Maria Junker kuratorisches Neuland betreten. Unter dem Titel »Francke im Wandel« verbirgt sich ein deutschlandweit einzigartiges Ausstellungsprojekt, das die BesucherInnen aktiv in die Themenauswahl für eine neu zu konzipierende, biografische Dauerausstellung einbezieht. Ergebnisoffenheit, Partizipation und Nachhaltigkeit haben sich die KuratorInnen zusammen mit dem hallischen Gestaltungsbüro FORMIKAT vorgenommen und stellen vor, wie das bis ins Detail gelingen kann. »Diese Ausstellung ist vollkommen neu: Wir verlassen konsequent den bisherigen Weg, Franckes Talente durch prominente Personen vorzustellen und nehmen gezielt die Themen, Fragen und Gedanken der AusstellungsbesucherInnen zum Stiftungsgründer auf«, beschreibt Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke den Weg zur neuen Dauerausstellung.

Partizipativ, ergebnisoffen und nachhaltig

»Der Titel Francke im Wandel steht nicht nur für den neuen Ausstellungsansatz, er setzt sich konsequent auch inhaltlich und gestalterisch in der Schau fort.« erläutert Maria Junker, die das Projekt in ihrem wissenschaftlichen Volontariat an den Franckeschen Stiftungen maßgeblich entwickelt hat. Vor mehr als einem Jahr startete sie mit der Befragung einer repräsentativen Gruppe zu den Inhalten, die in einer Francke-Ausstellung vertreten sein sollten. Daraus entwickelte das Kuratorenteam das neue Ausstellungskonzept.

Der Rundgang beginnt mit einer Bild-Klang-Installation, die an einem der bewegendsten Momente im Leben August Hermann Franckes teilhaben lässt, dem von ihm in einer Beschreibung überlieferten Erweckungserlebnis am vierten Weihnachtstag, dem 28. Dezember 1687. Hier besiegte er seine Zweifel, erlangte Gewissheit im Glauben und entschied sich für die Laufbahn als Theologe.

Dieser Einführung schließen sich die Themenstationen Familie und Gegner, Gemeinde und Spiritualität, Manager und Pädagoge, Projektemacher und Netzwerker an, mit denen der prall gefüllte Ausstellungsrundgang zum Austausch über den Stiftungsgründer, dessen Wirken und Wirkungen einlädt. Jede Themenstation wurde aus der Befragung entwickelt und fordert die BesucherInnen wiederum auf, ihre Meinung zu hinterlassen und aus ihrer Erlebniswelt zu berichten. Fragen wie »Wer stärkt Ihnen den Rücken?« oder »Welches Projekt liegt bei Ihnen seit Ewigkeiten herum?« bauen die Brücke zur Lebenswirklichkeit der Besuchenden und geben wichtige Impulse für die Dauerausstellung.

»Zeichnet sich in der Laufzeit der Ausstellung ab, dass ein Thema abgewählt wird, wird Francke im Wandel sich wandeln und wir nehmen einen der neuen Vorschläge auf.« erklärt der Kustos des Historischen Waisenhauses Dr. Claus Veltmann und ergänzt: »Ich bin gespannt, wie unsere erste Annäherung an Francke aufgenommen wird.« Dazu werden am Ende des Rundgangs die BesucherInnen eingeladen, einen kurzen Fragebogen zu beantworten. Das Ausstellungskonzept sieht auch vor, regelmäßig ausgewählte Besuchergruppen aus den Zielgruppen der Dauerausstellung zu Themenfindungsworkshops einzuladen.

Im Wandel ist zudem die Ausstellungsgestaltung, die nur mit ausgesuchten Objekten arbeitet. Das Provisorium wird zum absichtlichen Gestaltungsmerkmal. Die Verpackungskartons für die Objekte der Dauerausstellung erleben hier ihren großen Auftritt. Sie gestalten maßgeblich als variabel einsetzbares Baumaterial die Ausstellungsarchitektur. Die Zusammenarbeit mit dem lokal ansässigen Gestaltungsbüro FORMIKAT macht auch die konsequente Wiedernutzung von Materialien aus vergangenen Präsentationen möglich. Und auch das Lichtkonzept setzt ganz auf Nachhaltigkeit. Es werden durchgängig LEDs eingesetzt.

Francke im Wandel
11. September 2022–10.September 2024

Eröffnung am 11. September um 14 Uhr

Ausstellung im Francke-Wohnhaus, Haus 28
Franckesche Stiftungen, Franckeplatz 1, Haus 28

Öffnungszeiten: Di-So und feiertags 10–17 Uhr

Eintritt: frei

Pressetermin in der Kunst- und Naturalienkammer mit Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor, Dr. Claus Veltmann, Kustos und Tom Gärtig, Projektleiter

  • Vorstellung der Digitalisierung der Salzkothen und der neuen Digital Story. Damit positionieren sich die Franckeschen Stiftungen in einem kontrovers diskutierten Feld der Museumsarbeit.
  • Spannendes Pressefoto/ Filmmaterial in der Kunst- und Naturalienkammer mit der 3D-Darstellung der Salzkothen-Modelle im Raum (Augmented Reality)
  • Für die Veranstaltung gilt die 2G -Regel.

Montag, 21. Februar 2022, 13 Uhr | Historisches Waisenhaus


Die Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen zählt zu den ältesten am originalen Ort erhaltenen barocken Wunderkammern Europas. Die über 3.000 Objekte aus der ganzen Welt in den originalen Schrankvitrinen bilden nicht nur ein Abbild der Welt vor 300 Jahren, sie erlauben auch einen einzigartigen Einblick in den Unterrichtsalltag an August Hermann Franckes (1663 – 1727) Schulen. Die Schränke 9 und 10 zeigen eine beeindruckende Sammlung von detailgetreuen Lehrmodellen aus der ersten Realschule Deutschlands. Gegenüber sind zwei Salzkothen-Modelle unter einer Glasvitrine geschützt. Mittels aufwändiger 3D- Technik können diese beiden Modelle von den Besucherinnen und Besuchern jetzt wieder wie vor 300 Jahren bis in den letzten Winkel, vom Boden bis unter das Dach, entdeckt werden.

»Der Realienunterricht ist ein bahnbrechendes Charakteristikum der erfolgreichen pädagogischen Konzepte August Hermann Franckes«, unterstreicht Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen und Wiederentdecker der Wunderkammer. Zusammen mit der Historischen Bibliothek, Lehrgärten und den astronomischen Beobachtungen auf dem Altan war sie ein zentraler Baustein der Lehrsammlungen des ehrgeizigen Bildungsprogramms Franckes, das Jungen und Mädchen aus allen sozialen Schichten umfasste. Aus Anlass des 25. Jubiläums der Wiedereröffnung der Kunst- und Naturalienkammer initiierte der Stiftungsdirektor am 13. Oktober 2020 gemeinsam mit dem Teylers Museum in Haarlem (Niederlande) und dem Museum für Anthropologie und Ethnographie – Kunstkamera in St. Petersburg (Russland) die Gründung einer Alliance of Early Universal Museums. Eines der Ziele ist der Austausch über die zeitgemäße Präsentation der für BesucherInnen des 21. Jahrhunderts oft ungewöhnlichen Sammlungen.

Mit der Digitalisierung der beiden Salzkothen-Modelle haben sich die Franckeschen Stiftungen in einem kontrovers diskutierten Feld der Museumspraxis positioniert und die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Objekt in den Mittelpunkt der Strategie gerückt. Die Modelle wurden zu Beginn des 18. Jahrhunderts für den Anschauungsunterricht gefertigt und dienten in den Stiftungsschulen zur Erläuterung des Siedehandwerks. Angesichts der Geschichte der Stadt Halle, die seit ihrer Gründung eng mit der Salzgewinnung verbunden ist, verwundert die Auswahl nicht. In den in Fachwerk ausgeführte Salzsiedehütten, die sich in der Zeit um 1700 auf der alten Thalsaline am heutigen Hallmarkt noch zahlreich um die vier Solebrunnen drängten, gewannen die Salzsieder – Halloren genannt – mühsam das begehrte »weiße Gold«.

Ihre detailgenaue Digitalisierung bot die Chance, den ursprünglichen Sinn und Zweck der Lehrmodelle in zeitgemäßer Form wieder aufgreifen und sie zur Veranschaulichung historischer Siedetechniken virtuell zugänglich machen zu können. Beim dabei eingesetzten 3D-Scan-Verfahren, der Photogrammetrie, wurden die Modelle von allen Seiten unzählige Male fotografiert, um virtuelle Abbilder errechnen zu können, die anschließend aufwendig bearbeitet werden mussten. »Die virtuellen Modelle ersetzen die Originale nicht, sondern sie erweitern die Rezeptionsmöglichkeit.«, fasst Dr. Claus Veltmann, Kustos des Waisenhauses, zusammen. Dafür hat sie der Projektleiter Tom Gärtig auf der Webseite der Franckeschen Stiftungen in eine Digital Story eingebunden.

Die neue Online-Ausstellung »Die Thalsaline – Halle und das Salz um 1700« bettet die 3D-Modelle –  bereichert durch Exponate unter anderem aus dem Salinemuseum, dem Stadtarchiv und dem Kunstmuseum Moritzburg – in den kultur- und stadtgeschichtlichen Kontext der Salzgewinnung in der Zeit um 1700 ein. Damals sah sich die Thalsaline mannigfaltigen Umbrüchen und neuer Konkurrenz ausgesetzt, die schließlich ihr langsames Ende einläuteten. Vier kurzweilige Kapitel erzählen von der eigentümlichen Arbeitswelt und den vielen dort tätigen Menschen, aber auch von den neuen brandenburgischen Landesherren, den technischen Errungenschaften und dem Salzverkauf.

Das Digitalisierungsprojekt ist ein bleibender Beitrag der Franckeschen Stiftungen zum stadtweiten Themenjahr 2021 »Halexa, siede Salz! Herkunft trifft Zukunft« und wurde von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen des Programms »Neustart Kultur« großzügig gefördert.

Die Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen
Franckeplatz 1, Haus 1
Di – So 10 – 17 Uhr

Digital Story »Die Thalsaline – Halle und das Salz um 1700«


WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN
Bildband zur Wunderkammer

Thomas Müller-Bahlke: Die Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen. Fotografien von Klaus E. Göltz. Zweite, überarbeitete und erweiterte Auflage. Halle 2012.176 S., 152 Abb., € 42,00; ISBN 978-3-447-06986-1

Digitale Rettungsmission für Kinder und Familien in der Wunderkammer
Die Stimmen der Dinge

  • 23 Kirchenlieder mit Melodien in böhmischer Tradition für den praktischen Hausgebrauch sind im Verlag der Franckeschen Stiftungen in Kooperation mit dem ortus musikverlag erschienen.
  • Kurze, wissenschaftlich fundierte Beiträge lassen in vertrauten Kirchenliedern den Einfluss des mitteleuropäischen Raumes, vornehmlich Böhmens, auf die Ausbil-dung der Melodik des abendländischen, insbesondere deutschen Kirchenlieds entdecken.
  • Ein umfassendes Register nicht nur der vorgelegten, sondern auch sämtlicher in den Begleittexten genannten Gesänge richtet sich gleichermaßen an das hymnolo-gische Fachpublikum wie an interessierte Laien.

Singen macht nachweislich glücklich und das nicht nur im Advent. Eine Vorstellun davon, wie wirkungsvoll sich Gesang, der einst sogar Schlachten entschieden haben soll, verbreitet hat, gibt das passend zur Jahreszeit und der aktuellen Situation im Verlag der Franckeschen Stiftungen in Kooperation mit dem ortus musikverlag erschienene kleine Liederbuch für den Hausgesang »Denn die Sach ist nicht mein allein«. Im bereits vierten Liederbändchen der Forschungsgruppe Hymnologie der Franckeschen Stiftungen unter Leitung von Dr. Wolfgang Miersemann lädt der Herausgeber Dr. Hans-Otto Korth ein, vertrautes Kirchenliederrepertoire aus einem besonderen Blickwinkel, der böhmische Tradition, kennenzulernen. Ausgangspunkt ist der 1531 unter dem Titel Ein New Gesangbuchlen im mittelböhmischen Jungbunzlau (Mladá Boleslav) für die Böhmischen Brüder erschienene, bis dahin umfangreichste deutsche Gesangbuchdruck. Er markiert eindrucksvoll den Aufschwung der Gattung Kirchenlied, basierend auf dem bereits reichen reformatorischen Liedgut, im dritten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts.

Die Publikation gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil stellt die 23, von Axel Gebhardt mehrheitlich für Singstimme und Tasteninstrument eingerichteten Lieder, vor und lädt zum gemeinsamen Singen und Musizieren ein. Bekannten Kirchenliedern wie »Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Frauen«, »Lobt Gott, ihr Christen allzugleich« oder »O Heiland, reiß die Himmel auf« öffnet sich wieder in zum Teil überraschenden Versionen der Weg in die Häuser der Menschen, wie es in der besonderen Musikkultur des Halleschen Pietismus schon vor mehr als 300 Jahren Tradition war. Teil der pietistischen halleschen Memorialkultur ist es auch, den Blick nach Böhmen, in ein Ursprungsland der reformatorischen Bewegung, zu richten. August Hermann Francke und sein Umfeld hatten sich gezielt dafür eingesetzt, den lutherischen Glauben in dieser von der Gegenreformation beherrschten Kultur wachzuhalten, wie Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke in seinem Vorwort erinnert.

Im ausführlichen zweiten Teil werden vornehmlich die Melodien in ihrer Entstehungsgeschichte vorgestellt. Kurze, wissenschaftlich fundierte Beiträge lassen sie als Wegmarken des Einflusses des mitteleuropäischen Raumes auf die Ausbildung der Melodik des abendländischen, insbesondere deutschen Kirchenlieds erkennen. Korth zieht dafür Cantiones (spätmittelalterliche lateinische geistliche Gesänge), weitere Liedsätze und Melodien aus zeitgenössischen Quellen und zwei der einflussreichsten Gesangbücher der Frühen Neuzeit, Johann Crügers (1598–1662) Praxis Pietatis Melica (Berlin seit 1640) und Johann Anastasius Freylinghausens (1670–1739) Geistreiches Gesangbuch (Halle seit 1704), heran. Im Zusammenhang ergibt sich so ein Bild, das aufzeigt, auf welcher gemeinsamen Verständigungsgrundlage die ungebrochene Ausstrahlungskraft des deutschen Kirchenliedes von Beginn an bis in die Gegenwart hinein beruht. Ein umfassendes Register nicht nur der vorgelegten, sondern auch sämtlicher in den Begleittexten genannten Gesänge wird gleichermaßen der hymnologischen Fachperson wie interessierten Laien willkommen sein.

Denn die Sach ist nicht mein allein.
23 Kirchenlieder mit Melodien in böhmischer Tradition.
Musikalisch eingerichtet von Axel Gebhardt. Ausgewählt, herausgegeben und erläutert von Hans-Otto Korth. Halle 2021.VII, 104S., 22Abb., € 27,00; ISBN 978-3-939922-70-4

 

In der Reihe sind seit 2007 im Verlag der Franckeschen Stiftungen erschienen:

Die güldne Sonne.
Lieder von Paul Gerhardt in Fassungen des Freylinghausenschen Gesangbuches.
Hrsg. von Wolfgang Miersemann.
Musikalisch eingerichtet von Axel Gebhardt auf Grundlage der kritischen Edition des Freylinghausenschen Gesangbuches von Dianne Marie McMullen und Wolfgang Miersemann.
Halle 2007.64 S. und 8 S. Beiheft mit Instrumentalstimme, 4 Abb., € 23,00; ISBN 978-3-931479-94-7

Schmücke dich, o liebe Seele
33 ausgewählte Kirchenlieder aus Johann Crügers PRAXIS PIETATIS MELICA.
Hrsg. von Hans-Otto Korth und Wolfgang Miersemann.
Halle 2012.IX, 91 S., € 23,00;ISBN 978-3-939922-34-6

Kommt nur her und helft mir singen
24 ausgewählte Lieder aus dem Freylinghausenschen Gesangbuch.
Musikalisch eingerichtet von Axel Gebhardt auf Grundlage der kritischen Edition des Freylinghausenschen Gesangbuches von Dianne Marie McMullen und Wolfgang Miersemann.
Hrsg. und mit einem Nachwort versehen von Wolfgang Miersemann. Halle 2020.X, 78S., 19Abb., € 27,00; ISBN 978-3-939922-61-2

PRESSEMITTEILUNG

  • Neue Wege in der Vermittlungsarbeit der Franckeschen Stiftungen: digitales Angebot »Die Stimmen der Dinge« lädt Kinder (6–12 Jahre)und Familien ein, dem Vergessen Spiel für Spiel die Geschichten (die Stimmen) der Dinge aus der Wunderkammer zu entreißen
  • Das Angebot ist Teil des Projekts »Suddenlife Gaming im Vermittlungsangebot der Franckeschen Stiftungen«. Das Projekt wurde entwickelt im Rahmen von »dive in. Programm für digitale Interaktionen« der Kulturstiftung des Bundes, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Programm NEUSTART KULTUR.

Am 10. Dezember 2021 haben die Franckeschen Stiftungen auf stimmen.francke-halle.de »Die Stimmen der Dinge«, ein neues, erstmals digitales und ortsungebundenes Vermittlungsangebot für Kinder (6-12 Jahre) und Familien freigeschaltet und begehen damit neue Wege in der Vermittlungsarbeit. Kleine und große MitspielerInnen werden Teil einer spannenden Geschichte in der Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen, die mit kreativen, analogen Spielen verknüpft ist. Von zu Hause aus, während einer Reise nach Halle oder bei einem Besuch in den Stiftungen können sie in die Stiftungsgeschichte eintauchen, sie mitgestalten und sich im Wochenprogramm des Kinderkreativzentrums Krokoseum mit anderen darüber austauschen. »Das Krokoseum versteht sich als Dritter Ort im Museumsbereich der Franckeschen Stiftungen, als ein Raum für den Austausch, respektvolle Kommunikation und Demokratiebildung. Diese Themen sollen jetzt auch im digitalen Raum mit den erweiterten (Gestalt-)Möglichkeiten und neuen Kommunikationsformen ausgehandelt werden«, unterstreicht Anneheide von Biela, stellvertretende Direktorin der Franckesche Stiftungen und Leiterin des Bereichs Bildung und Soziales.

Die Projektidee ist aus den Erfahrungen der Corona-Pandemie erwachsen. Angesichts der Schließungen der Kultureinrichtungen stand die Frage im Raum: Wie können Kinder und Familien unkompliziert einen Zugang zu den Vermittlungsangeboten im Museum erhalten? Ein Jahr lang haben die Abteilungen Vermittlung in Museen und Sammlungen, Kinderkreativzentrum Krokoseum und Kommunikation und Veranstaltungen in einem agilen und co-creativen Prozess zusammen mit der Agentur Thadeus Roth (Leipzig) und Kindern im Hort August Hermann Francke die Geschichte entwickelt, die Stimmen der Dinge recherchiert und Spielideen für zu Hause ausprobiert, die an die Erlebniswelt der NutzerInnen anknüpfen. Praktiken und Zugänge der ästhetischen Bildung verknüpfen sich mit Fragen wie: Was steckt in dir? Wie wollen wir leben? Wofür braucht man Wissen? Gemeinschaft steht im Mittelpunkt des hybriden Angebots, dessen Zugang bewusst niedrigschwellig gewählt ist: Alles, was dazu benötigt wird, ist ein Smartphone, Spaß am Spielen und Geschichten Hören und jede Menge Alltagsmaterial zum künstlerisch kreativen Ausprobieren und Experimentieren.

Durch das Spiel leitet Tayé, das bei kleinen und großen BesucherInnen besonders beliebte Krokodil in der Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen. Er ist in großer Not, denn die Stimmen der Dinge, die hier seit über 300 Jahren die Geschichte der Welt erzählen, werden vom Vergessen bedroht. Gerade noch hatte Wilhelm, die Glasfaserperücke, Opernarien gesungen und obwohl ihn das manchmal fast zur Verzweiflung getrieben hat – jetzt fehlt ihm sein schräger Gesang. Ananda, die Trommel aus Südindien, ist verstummt und Anton und Martha, die Kinder der Salzburger, sind außer Rand und Band, denn ihre Eltern haben alles vergessen! Mit den Stimmen der Dinge verschwinden ihre Geschichten und Chaos greift um sich.

Die NutzerInnen des digitalen Angebots »Die Stimmen der Dinge« werden zu Hüterinnen und Hütern, die gegen das Vergessen antreten. Lösen sie die Aufgabe, erobern sie Schritt für Schritt die Stimmend der Dinge zurück. Jeden dritten Donnerstag im Monat können sie sich in der Medienwerkstatt im Krokoseum treffen, um hier selbst das digitale Angebot im Blog der Hüterinnen und Hüter weiterzuentwickeln.

Für das Projekt haben sich zwei Partner gefunden, die bisher noch nicht zusammengearbeitet hatten: Die Franckeschen Stiftungen sind ein Museumsstandort mit einem kreativen Bildungsprogramm, das Kinder und Familien immer wieder begeistert. Die kreativen Köpfe in der Agentur Thadeus Roth haben sich auf digitale Schnitzeljagden spezialisiert, die mit spannenden und überraschenden Aktionen in die Welt der Geschichte entführen. Für den Geschäftsführer Dennis Levin war dieser Auftrag trotzdem ganz besonders: »Spielerische Angebote mit Suddenlife Gaming haben wir schon vielfach mit Partnern im Marketingbereich erprobt. Allerdings noch nie mit einem Museum und seinen BesucherInnen. Das machte die Entwicklung dieses neuen Vermittlungsangebots auch für uns sehr spannend!«

Pressemitteilungen zu den großen Jahresthemen

Jahresausstellung 2022 »Die Macht der Emotionen«

Die Macht der Emotionen

Ausstellung »Die Macht der Emotionen« feiert Besuchererfolg mit einem Bergfest für junge Menschen

  • »Ich habe mir Zeit für meine Emotionen genommen… Danke für den Raum!«* Ausstellungsparcours zieht nach der Corona-Pandemie gruppenweise junge Menschen in das Historische Waisenhaus
  • Beginn der zweiten Halbzeit der Ausstellung wird mit Bergfest für junge Menschen mit Illustrator cheslo, Mini-Workshops und Polylux-Battle im LeoLab gefeiert.
  • › Eintritt frei

AM 30.09.2022 AB 16.00 UHR, HISTORISCHES WAISENHAUS UND LEOLAB, (FRANCKEPLATZ 1, Haus 1 und Haus 52/53)

Wie bringt man junge Menschen ins Museum? Mit dieser Frage haben sich die VermittlerInnen in den Franckeschen Stiftungen zwei Jahre lang intensiv beschäftigt und im stadtweiten Themenjahr in Halle mit der Eröffnung des gleichnamigen Ausstellungsparcours »Die Macht der Emotionen« im Historischen Waisenhaus ein Experiment gewagt. Zur Halbzeit ist sicher, dass es wieder eine Ausstellung für junge Menschen in den Franckeschen Stiftungen geschafft hat, das für Museen schwierigste Publikum zu erreichen und in zahlreichen Gruppen in die Ausstellung zu locken. Aber auch die IndividualbesucherInnen nehmen das Angebot gerne wahr. »Es fühlt sich an, als hätten junge Menschen darauf gewartet, sich nach zwei Jahren Corona-Pandemie über ihre Emotionen auszutauschen«, freut sich Museumspädagoge Florian Halbauer über den nicht abnehmenden Zuspruch. Gleich zum Anfang des Schuljahres waren die kommenden Wochen innerhalb weniger Tage ausgebucht. Das Konzept der KuratorInnen ist aufgegangen und das soll zusammen mit jungen Menschen gefeiert werden.

Am 30. September 2022 zwischen 16 und 20 Uhr lädt das LeoLab in den Franckeschen Stiftungen zum Bergfest der Jahresausstellung »Die Macht der Emotionen« ein. Von 16–18 Uhr können die BesucherInnen in der Ausstellung und im Aktionsraum LeoLab an Mini-Workshops teilnehmen, am Glücksrad Sondergewinne abgreifen und mit den Illustrator*innen Phine von Hagelganz und cheslo die Ausdrucksmöglichkeiten von Comics erforschen. Zwischen 18 und 20 Uhr wird das LeoLab zur Arena eines Polylux-Battles – wer hat den kühlsten Kopf, die ruhigste Hand, die beste Idee?

»Wunderschöne Ausstellung, wir hatten super viel Spaß.«*
Beim Ausstellungsrundgang zum Beginn der Party erleben die Gruppen in sieben Themenräumen, welchem Zweck Emotionen dienen, was sie bewirken, wie sie jeden von uns beeinflussen, warum wir sie brauchen und wie wir lernen können, mit ihnen umzugehen. Dafür bündelt die Schau neuestes Emotionswissen und verknüpft dieses mit Alltagserfahrungen der BesucherInnen. Der Parcours lädt zu Beginn ein, die eigenen Gefühle anzuschauen. Ein ‚Hau den Lukas‘ lässt am Emo-Meter die Stimmung ablesen, der Verlockungsknopf oder das Glücksrad bringen die Emotionen auf die Achterbahn, ein Komplimente-Automat schafft Wohlgefühl und Karaoke oder Fotobox geben den Gefühlsausdrücken Raum. Gespickt mit Fun Facts (»Manche Menschen haben keine Worte für Gefühle. Sie leiden unter Alexithymie. Etwa 10% der in Deutschland lebenden Menschen sind alexithym, können ihre Gefühle also gar nicht oder schlecht in Worte fassen.«) leitet der Rundgang weiter zur Schaltzentrale des Gefühlschaos, dem Gehirn. Nervenzellen, Muskeln und Sinnesorgane werden unter die Lupe genommen, um Äußerungen der Emotionen kennenzulernen.

»nice, die Spiele am Ende waren am besten.«*
Im zweiten Teil lässt der Parcours ergründen, was Emotionen eigentlich mit uns machen und wie wir damit umgehen können. Eine interaktive Stimmungskurve des gestrigen Tages zeigt die Hochs und Tiefs des Alltags auf und das eigene Befinden wird in der Mitmach-Installation »Wie geht es dir?« in langen Wortschlangen für andere lesbar. Nicht immer können Emotionen im Alltag aufgefangen werden. Videoinstallationen mit SchauspielerInnen, PädagogInnen oder SeelsorgerInnen erlauben einen Einblick, wie Menschen professionell mit Gefühlen umgehen. An dieser Stelle bietet der Parcours die Möglichkeit, die eigenen Emotionen zurückzulassen. In einem Tagebuch können Eindrücke festgehalten, ausgetauscht, kommentiert, im Schredderspalt Erinnerungen an unangenehme Gefühle abgegeben oder im Liebesbriefkasten anonym weitergegeben werden. Nach dem Manifest der Gefühle der 20-jährigen Verena Jackstein sind die BesucherInnen ein letztes Mal aufgefordert, mitzumachen. An der Station: Was wünschst du dir für dich, für die Welt? speisen sie ihre Antwort ein, die auf der Wand des Ausstellungsraums erscheint und die BesucherInnen in den Alltag entlässt.

DIE MACHT DER EMOTIONEN
Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen
bis 05. Februar 2023
Di – So, feiertags 10 – 17 Uhr
Franckeplatz 1, 06110 Halle (Saale)
Eintritt 6 Euro, erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre frei

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir laden Sie am Donnerstag, dem 17. März 2022 um 11 Uhr, herzlich zu unserer Pressekonferenz anlässlich der Francke-Feier (18. –20. März 2022) und der Eröffnung der Jahresausstellung »Die Macht der Emotionen« in das Amerika-Zimmer des Historischen Waisenhauses ein.

Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke wird Ihnen die Höhepunkte der dreitägigen Francke-Feier mit insgesamt 14 Veranstaltungen, darunter die Eröffnungsrede der Bundespolitikerin Renate Künast zum Themenjahr bei der Festveranstaltung am 19. März 2022 und die erste Predigt der neuen Stiftungspfarrerin Gabriele Zander, vorstellen.

Anschließend führt Dr. Kerstin Heldt durch das Wochenendprogramm mit der Festveranstaltung mit dem Musikzweig, der Gedenkstunde am Francke-Denkmal, der Motette mit dem Stadtsingechor, der Schülerpreisverleihung, dem Solistenkonzert des Musikzweigs der Latina, dem Gottesdienst in der Marktkirche und vielem mehr.

Familien sind wieder zum Programm ins Kinderkreativzentrum Krokoseum und zum Schaubacken mit Pop-Up-Café in die historische Backstube eingeladen. In diesem Jahr ist das traditionsreiche Holzofenbrot offizielles Brot des Jahres!

Florian Halbauer, Leiter des Kuratorenteams, stimmt Sie auf die neue Jahresausstellung ein, die sich nach dem überwältigenden Erfolg von 2017 (»Du bist frei«) wieder an Jugendliche und junge Menschen richten wird. Im Anschluss lädt er zu einem Rundgang durch den Mitmachparcours ein.

Alle TeilnehmerInnen der Pressekonferenz stehen für O-Töne und Interviews zur Verfügung.

Wir freuen uns, Sie zum Pressetermin wieder bei uns begrüßen zu dürfen!

Ihre Dr. Kerstin Heldt und Friederike Lippold

  • Mit einem Debattenbeitrag der Bundespolitikerin Renate Künast zu Emotionen in Politik und Alltag eröffnen wir unsere Jahresausstellung (19. März, 11 Uhr)
  • Die Welt ist in Aufruhr, unsere Gefühle sind es auch. Die Jahresausstellung rückt als interaktiver Mitmachparcours für – nicht nur – junge Menschen die Emotionen in den Mittelpunkt (19. März 2022 – 5. Februar 2023)
  • Aus Jerusalem nach Halle: Stiftungspfarrerin Gabriele Zander predigt erstmals zum Festgottesdienst in der Marktkirche (20. März, 10 Uhr)

18. – 20. März 2022

Zum 359. Geburtstag August Hermann Franckes (1663 – 1727) lässt die Francke-Feier der Franckeschen Stiftungen mit einem hochkarätigen Programm mit vielen Höhepunkten für alle Generationen wieder Gäste aus ganz Deutschland nach Halle blicken. Zur Eröffnung des Jahresprogramms »Ganz im Affekt« wird die Bundespolitikerin Renate Künast zu Gast im Freylinghausen-Saal sein und in einem Debattenbeitrag über Emotionen, Verstand, Courage und Kompromissbereitschaft in Zeiten der Digitalisierung die Auswirkungen auf die Demokratie beleuchten (Festveranstaltung am 19. März um 11 Uhr im Freylinghausen-Saal). Das dreitägige Festprogramm gestalten unter anderem die vielfach ausgezeichneten SolistInnen des Musikzweigs der Latina August Hermann Franckes (35. Solistenabend am 18. März um 19 Uhr), der älteste Knabenchor Mitteldeutschlands, der Stadtsingechor (Motette am 19. März um 17.30 Uhr) und die zuletzt in Jerusalem wirkende Stiftungspfarrerin Gabriele Zander (Festgottesdienst in der Marktkirche am20. März um 10 Uhr). Zu den Publikumsmagneten der Francke-Feier zählen das Schaubacken mit Pop-up-Café am ältesten Holzbackofen in Halle, der im 18. Jahrhundert Franckes Schulstadt versorgte, im historischen Brau- und Backhaus der Franckeschen Stiftungen (19. März um 10 – 17 Uhr) und das Familienprogramm im Kinderkreativzentrum Krokoseum (19. März um 11 – 15 Uhr).

Im Zentrum des Festwochenendes steht die neue Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen unter dem Titel »Die Macht der Emotionen« im Historischen Waisenhaus. Zwei Jahre lang hat das Kuratorenteam unter Susanna Kovacs und Florian Halbauer recherchiert, sich mit ExperInnen ausgetauscht und die Mitmachideen entwickelt. Für die Realisierung konnte die Agentur Good to know gewonnen werden, die seit über 10 Jahren experimentelle Formate in eigens dafür kreierten Räumen für Wissensvermittlung und den Austausch installiert. So ist ein einzigartiger interaktiver Rundgang als Gefühls-Parcours entstanden. Er richtet sich vor allem – aber nicht nur – an Jugendliche und junge Erwachsene und greift ein hochaktuelles Thema auf: Die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine führen uns vor Augen, wie Gefühle unseren Alltag und unser Zusammenleben gestalten. In sieben Themenräumen erleben die Besucherinnen und Besucher, welchem Zweck Emotionen dienen, was sie bewirken, wie sie uns beeinflussen, warum wir sie brauchen und wie wir lernen können, mit ihnen umzugehen. Dafür bündelt die Schau neuestes Emotionswissen und verknüpft dieses mit Alltagserfahrungen der BesucherInnen.

Der Parcours lädt zu Beginn ein, die eigenen Gefühle anzuschauen. Ein ‚Hau den Lukas‘ lässt am Emo-Meter die Stimmung ablesen, der Verlockungsknopf oder das Glücksrad bringen die Emotionen auf die Achterbahn, ein Komplimente-Automat schafft Wohlgefühl und Karaoke oder Fotobox geben den Gefühlsausdrücken Raum. Gespickt mit Fun Facts (»Manche Menschen haben keine Worte für Gefühle. Sie leiden unter Alexithymie. Etwa 10% der in Deutschland lebenden Menschen sind alexithym, können ihre Gefühle also gar nicht oder schlecht in Worte fassen.«) leitet der Rundgang weiter zur Schaltzentrale des Gefühlschaos, dem Gehirn. Nervenzellen, Muskeln und Sinnesorgane werden unter die Lupe genommen, um Äußerungen der Emotionen, etwa in der Lautkarte, kennenzulernen. Diese wurde von WissenschaftlerInnen aus Berkeley gestaltet, die 24 Arten von unterscheidbaren Emotionen identifiziert und die dazugehörigen Lautäußerungen in einer Karte zusammengestellt haben.

Im zweiten Teil lässt der Parcours ergründen, was Emotionen eigentlich mit uns machen und wie wir damit umgehen können. Eine interaktive Stimmungskurve des gestrigen Tages zeigt die Hochs und Tiefs des Alltags auf und das eigene Befinden wird in der Mitmach-Installation »Wie geht es dir?« in langen Wortschlangen für andere lesbar. Nicht immer können Emotionen im Alltag aufgefangen werden. Videoinstallationen mit SchauspielerInnen, PädagogInnen oder SeelsorgerInnen erlauben einen Einblick, wie Menschen professionell mit Gefühlen umgehen. An dieser Stelle bietet der Parcours die Möglichkeit, die eigenen Emotionen zurückzulassen. In einem Tagebuch können Eindrücke festgehalten, ausgetauscht, kommentiert, im Schredderspalt Erinnerungen an unangenehme Gefühle abgegeben oder im Liebesbriefkasten anonym weitergegeben werden. Nach dem Manifest der Gefühle der 20-jährigen Verena Jackstein sind die BesucherInnen ein letztes Mal aufgefordert, mitzumachen. An der Station: Was wünschst du dir für dich, für die Welt? speisen sie ihre Antwort ein, die auf einem digitalen Laufband im Foyer des Historischen Waisenhauses erscheint und die nächsten BesucherInnen zum emotionalen Abenteuer begrüßt.

Die Ausstellung wird begleitet von
+ speziell konzipierten und am Lehrplan orientierten Vermittlungsangeboten (www.francke-halle.de/ausstellung/macht-der-emotionen)

+ und einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm (www.francke-halle.de) mit Dunya Hayali (11. Mai) und Dota Kehr (27. September), der Museumsnacht Halle&Leipzig (7. Mai) oder dem Historischen Lindenblütenfest (18./19. Juni)

DIE MACHT DER EMOTIONEN
Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen 2022
19. März 2022 - 05. Februar 2023
Di – So 10 – 17 Uhr

Franckeplatz 1, 06110 Halle (Saale)
Eintritt 6 Euro, erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre frei

Anmeldungen für Gruppen unter infozentrum(at)francke-halle.de; Tel. 0345 2127 450

© anschlaege.de

© anschlaege.de

Eine junge Frau probiert in der Ausstellung "Die Macht der Emotionen" die Mitmachstationen im Panoptikum der Gefühle aus

Das Panoptikum der Gefühle in der Jahresausstellung »Die Macht der Emotionen« lässt in aufregenden Mitmachstationen die eigene Gefühlswelt erkunden. 
Download Das Panoptikum der Gefühle, © Jörg Gläscher

Auf einem Bildschirm in der Ausstellung "Die Macht der Emotionen" tanzen junge Leute in buntem Licht.

Schattentanzen in der Ausstellung »Die Macht der Emotionen«

Download Schattentanzen, © Jörg Gläscher

Zwei Besucherinnen der Ausstellung " Die Macht der Emotionen" probieren aus, wie sie sich mit Brillenmasken verändern.

Gefühle durch die Maske ausdrücken in der Ausstellung »Die Macht der Emotionen«.  

Download Setz deine Maske auf! ©Jörg Gläscher

Vorbereitung eines neuen Antragsverfahrens für die Aufnahme in das UNESCO-Welterbe

Frühneuzeitliche Bildungsarchitekturen. Die »Schulstadt« Franckesche Stiftungen im Vergleich

Am 13. Oktober 2022 um 14 Uhr eröffnen der Staatssekretär für Kultur in der Staatskanzlei und Ministerium für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Sebastian Putz, und Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke im Historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen eine internationale Tagung, die den Grundstein für eine vergleichende Architekturgeschichte von vormodernen Schulbauten und Bildungsräumen auf internationaler Ebene legen will. Die Veranstaltung ist eingebettet in die Vorbereitungen für einen neuen Antrag der Franckeschen Stiftungen auf Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe. Bis zum Jahr 2023 fördert das Land Sachsen-Anhalt die Erarbeitung der inhaltlichen Grundlagen und der Konzeption sowie anschließend des sogenannten Upstream-Prozesses. Hierbei soll, im Dialog mit ICOMOS International und nach eingehender Prüfung, eine endgültige Entscheidung über die Aufnahme des Antragsverfahrens gefällt werden.

Die Glauchaschen Anstalten in Brandenburg-Preußen, die heutigen Franckeschen Stiftungen in Halle, waren eine außergewöhnliche Bildungseinrichtung des 18. Jahrhunderts. Hier wurden junge Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem sozialen Status und ihrem Geschlecht erzogen und ausgebildet. Zu diesem Zweck wurde ein in vier Typen gegliedertes Schulsystem (Elementarschulen, Lateinschule, Königliches Pädagogium, Mädchenschulen) geschaffen, in dem lebensnaher Unterricht, Lehrerausbildung und Begabtenförderung systematisch angewandt wurden. Das zugrundeliegende pietistische Erziehungskonzept ist in den erhaltenen Gebäuden der Stiftungen, die auch heute noch für pädagogische Zwecke genutzt werden, noch ablesbar. Die Tagung Frühneuzeitliche Bildungsarchitekturen. Die »Schulstadt« Franckesche Stiftungen im Vergleich will der Frage nachgehen, wie außergewöhnlich die Stiftungen in einer übergreifenden, vergleichenden und internationalen Perspektive waren.

Die Organisatoren der Tagung, Dr. Thomas Grunewald und Prof. Dr. Holger Zaunstöck, Stabsstelle Forschung der Franckeschen Stiftungen, konstatierten bei der Vorbereitung zunächst ein Forschungsdesiderat. Zahlreiche lokale Studien zur Geschichte des Schulbaus vor 1800 stehen vor allem in internationaler Perspektive derzeit unverbunden nebeneinander. Umfassende und vergleichende Studien zu Schulbauten und Bildungsarchitektur in der Frühen Neuzeit gibt es kaum. Immer noch eine zentrale Referenz ist das vor über 50 Jahren erschienene Werk von Hermann Lange »Schulbau und Schulverfassung der frühen Neuzeit« (1967). »Die Vorbereitung der Tagung wurde also von der Frage geleitet: Wie kann eine vergleichende Architekturgeschichte von Schulbauten und Bildungsräumen auf der Basis der Sozial-, Kultur-, Religions- und Bildungsgeschichte konzipiert werden und wie ist die »Schulstadt« der Glauchaschen Anstalten darin zu verorten?«, erläutert Dr. Thomas Grunewald.

Ausgehend von dem Befund fehlender (international) vergleichender Studien und den damit verbundenen Fragestellungen werden sich vom 13.–15. Oktober 2022 in den Franckeschen Stiftungen 15 WissenschaftlerInnen u.a. aus Großbritannien, Portugal, Tschechien, Belgien, Dänemark und Deutschland aus interdisziplinärer Perspektive mit der Bildungsarchitektur der Frühen Neuzeit in Theorie und Praxis auseinandersetzen. Die fruchtbaren und differenzierten Forschungen in den verschiedenen Ländern sollen miteinander verbunden und konkrete Architekturbeispiele aus verschiedenen vormodernen Territorien und religiösen Kulturräumen beleuchtet sowie unterschiedliche Bildungskonzeptionen in den Blick genommen werden.

Frühneuzeitliche Bildungsarchitekturen. Die »Schulstadt« Franckesche Stiftungen im Vergleich
Internationale, interdisziplinäre Tagung im Historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen
13.–15. Oktober 2022

Um Anmeldung wird bis zum 10. Oktober 2022 gebeten.

Öffentlichen Abendvortrag
14. Oktober 2022 um 18.30 Uhr
August Hermann Franckes erfolgreiches Scheitern und die Transformation vom Waisenhaus zur Schulstadt unter Gotthilf August Francke
Thomas Eißing (Bamberg)

Bildung für Alle: Die Franckeschen Stiftungen stellen sich der Herausforderung eines zweiten Welterbe-Antragsverfahrens

  • Rainer Robra, Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt und Dr. Gunnar Schellenberger, Staatssekretär für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, überreichten am 1. Juni 2021 Zuwendungsbescheid des Landes Sachsen-Anhalt für die Förderung des Upstream-Prozesses bis Ende 2023

Halle, Franckesche Stiftungen, 1. Juni 2021

Die Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale) stehen seit 1999 auf der deutschen Tentativliste für die UNESCO-Welterbeliste. Ein erster Antrag wurde 2015 nach eingehenden Diskussionen aus dem Wettbewerbsverfahren zurückgezogen. Seitdem haben die Stiftungen zusammen mit dem Land Sachsen-Anhalt und dem Auswärtigen Amt über mögliche Perspektiven gesprochen. Dank der vollen Unterstützung durch das Land Sachsen-Anhalt kann jetzt die Arbeit an einem zweiten Antrag aufgenommen werden.

Hierzu überreichte Staats- und Kulturminister Rainer Robra Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke einen Zuwendungsbescheid des Landes in Höhe von 186.600 Euro. Minister Robra zeigt sich vom Förderziel überzeugt:

»Die UNESCO-Stätten Sachsen-Anhalts sind in ihrer Mehrheit nicht einfach herausragende kulturelle Zeugnisse; sie stehen auch für Ideen, die die Welt verändert haben. Das gilt selbstredend für die Reformation Martin Luthers und für das Bauhaus in Dessau als Grundlage der weltweiten Moderne. Es gilt aber auch für das Gartenreich Dessau-Wörlitz als praktische Anwendung der philosophischen Ideen der Aufklärung. Zur Reihe dieser Orte revolutionärer Ideen zählen auch die Franckeschen Stiftungen. Franckes Vision war die Verbesserung des Menschengeschlechts, die Erziehung und Bildung jedes Einzelnen entsprechend seiner individuellen Begabungen – Waisen und Fürstenkinder gleichermaßen, Jungen ebenso wie Mädchen. Seine Pädagogik ist bis heute wirksam in den Schulen unseres Landes, seine Schulstadt hier in Halle gibt als Kulturdenkmal ersten Ranges Zeugnis von dieser Leistung und ist es wert, als Erbe der Menschheit anerkannt zu werden.«

Staatssekretär Dr. Gunnar Schellenberger unterstreicht:

»August Herrmann Franckes Idee ist heute so aktuell wie je: die bestmögliche Bildung aller Schülerinnen und Schüler nach Fähigkeit und Neigung zu ermöglichen, unabhängig von Stand und Vermögen ihrer Eltern. Sie ist als Schlüssel für Innovation und persönliche Entfaltung ein Ideal, das mir als langjährigem Pädagogen besonders am Herzen liegt und das in den Franckeschen Stiftungen schon vor über 300 Jahren verwirklicht wurde. Diesen andauernden Auftrag der Franckeschen Stiftungen für die Gegenwart und Zukunft wird die Überarbeitung des UNESCO-Antrags in den Mittelpunkt stellen. Als Mitglied des Kuratoriums der Franckeschen Stiftungen ebenso wie als Staatssekretär für Kultur ist es mir eine Freude, dieses Verfahren finanziell zu unterstützen!«

Die Förderung dient der Erarbeitung der inhaltlichen Grundlagen eines neuen Antragsverfahrens. Der geplante Welterbeantrag der Franckeschen Stiftungen wird unter dem Thema Bildung für Alle stehen. »Vor allem im Bauensemble der Franckeschen Stiftungen kommt die grundlegende Idee der Bildung für Alle einzigartig zur Geltung.«, erläutert Stiftungsdirektor Thomas Müller-Bahlke und ergänzt: »Damit greifen die Stiftungen eines ihrer eigenen Kernthemen auf, das bis heute von höchster Aktualität ist und unsere gesellschaftlichen Debatten bestimmt sowie global eine der größten Zukunftsherausforderungen für die Menschheit darstellt.«

Das Antragsverfahren ist in zwei Phasen unterteilt. Der Zuwendungsbescheid ermöglicht die Durchführung der ersten Phase. Dabei liegt der Fokus auf einem sogenannten »Upstream-Prozess«, der jetzt vorbereitet und voraussichtlich im Jahr 2023 durchgeführt werden soll. Hierfür werden mit internationaler fachwissenschaftlicher Unterstützung Konzept und Argumentationslinien für den eigentlichen Antrag erarbeitet und anschließend kritisch durch ICOMOS International in einem Dialog geprüft. Erst nach erfolgreichem Abschluss erfolgt in der zweiten Phase die Erarbeitung des eigentlichen Welterbeantrags.

HINTERGRUND

Die Franckeschen Stiftungen sind ein einzigartiges Zeugnis sozialer und pädagogischer Architektur bürgerlichen Ursprungs aus dem Zeitalter des Barock. Sie wurden 1698 von dem Theologen und Pädagogen August Hermann Francke (1663–1727) gegründet. Im Zentrum des Gebäudeensembles stand die Idee von einer bestmöglichen Bildung für Alle. Das Hauptaugenmerk lag darauf, jungen Menschen gemäß ihren individuellen Begabungen maßgeschneiderte schulische Ausbildungsgänge zu ermöglichen. Dabei sollte die Herkunft – vom Waisen bis zum Adelskind – keine Rolle spielen. Dieser Ansatz war zukunftsweisend und ist bis heute beispielgebend. Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts herrscht über politische und kulturelle Grenzen hinweg Einigkeit darüber, dass die Bewältigung der anstehenden Aufgaben der Menschheit im Allgemeinen und die Behebung von sozialen, ökonomischen, gesundheitlichen und ökologischen Herausforderungen im Besonderen nur durch den Zugang zu Bildung für alle Menschen gelingen kann und zwar unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Zugehörigkeit.

Eben diese Idee hat Francke vor dreihundert Jahren auf eindrucksvolle Weise umgesetzt und dafür ein architektonisch vorbildhaftes und weltweit zugleich einzigartiges Bauensemble errichtet. Zwischen 1698 und 1748 entstand eine ganze Schulstadt, zu der ein Waisenhaus, zahlreiche Schulen (für Jungen und Mädchen) und Internate, eine Bibliothek, eine berühmte Kunst- und Naturalienkammer sowie Wirtschafts- und Fürsorgebetriebe (Apotheke, Labore, Buchdruckerei, Verlag, Buchhandlung, Krankenhaus, landwirtschaftliche Betriebe) gehörten.

Vor dem Historischen Waisenhaus überreicht der Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt, Rainer Robra, dem Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke einen Förderbescheid für den UNESCO Upstream-Prozess.

Der Staats- und Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt, Rainer Robra, überreicht im Beisein des Staatssekretärs Dr. Gunnar Schellenberger Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke einen Zuwendungsbescheid über die Förderung zur Vorbereitung eines Upstream-Prozesses für eine neues Welterbe-Bewerbungsverfahren.

Download des Pressebildes © Thomas Meinicke