Presse

Herzlich willkommen im Presseportal der Franckeschen Stiftungen!
Hier stellen wir Ihnen unser Text- und Bildmaterial zur aktuellen Berichterstattung zur Verfügung.

Foto- und Drehgenehmigung

Für alle Dreharbeiten und Fotoaufnahmen in den Franckeschen Stiftungen, einschließlich Außenaufnahmen auf dem Gelände, benötigen Sie eine Genehmigung. Bitte senden Sie uns dafür das ausgefüllte Formular vor Ihrer Anreise  zu.  Um einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können, setzen Sie sich gerne vor Beginn Ihrer Arbeit rechtzeitig mit uns in Verbindung.

Upstream-Prozess der Welterbebewerbung

Am 13. Oktober 2022 um 14 Uhr eröffnen der Staatssekretär für Kultur in der Staatskanzlei und Ministerium für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Sebastian Putz, und Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke im Historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen eine internationale Tagung, die den Grundstein für eine vergleichende Architekturgeschichte von vormodernen Schulbauten und Bildungsräumen auf internationaler Ebene legen will. Die Veranstaltung ist eingebettet in die Vorbereitungen für einen neuen Antrag der Franckeschen Stiftungen auf Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe. Bis zum Jahr 2023 fördert das Land Sachsen-Anhalt die Erarbeitung der inhaltlichen Grundlagen und der Konzeption sowie anschließend des sogenannten Upstream-Prozesses. Hierbei soll, im Dialog mit ICOMOS International und nach eingehender Prüfung, eine endgültige Entscheidung über die Aufnahme des Antragsverfahrens gefällt werden.

Die Glauchaschen Anstalten in Brandenburg-Preußen, die heutigen Franckeschen Stiftungen in Halle, waren eine außergewöhnliche Bildungseinrichtung des 18. Jahrhunderts. Hier wurden junge Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem sozialen Status und ihrem Geschlecht erzogen und ausgebildet. Zu diesem Zweck wurde ein in vier Typen gegliedertes Schulsystem (Elementarschulen, Lateinschule, Königliches Pädagogium, Mädchenschulen) geschaffen, in dem lebensnaher Unterricht, Lehrerausbildung und Begabtenförderung systematisch angewandt wurden. Das zugrundeliegende pietistische Erziehungskonzept ist in den erhaltenen Gebäuden der Stiftungen, die auch heute noch für pädagogische Zwecke genutzt werden, noch ablesbar. Die Tagung Frühneuzeitliche Bildungsarchitekturen. Die »Schulstadt« Franckesche Stiftungen im Vergleich will der Frage nachgehen, wie außergewöhnlich die Stiftungen in einer übergreifenden, vergleichenden und internationalen Perspektive waren.

Die Organisatoren der Tagung, Dr. Thomas Grunewald und Prof. Dr. Holger Zaunstöck, Stabsstelle Forschung der Franckeschen Stiftungen, konstatierten bei der Vorbereitung zunächst ein Forschungsdesiderat. Zahlreiche lokale Studien zur Geschichte des Schulbaus vor 1800 stehen vor allem in internationaler Perspektive derzeit unverbunden nebeneinander. Umfassende und vergleichende Studien zu Schulbauten und Bildungsarchitektur in der Frühen Neuzeit gibt es kaum. Immer noch eine zentrale Referenz ist das vor über 50 Jahren erschienene Werk von Hermann Lange »Schulbau und Schulverfassung der frühen Neuzeit« (1967). »Die Vorbereitung der Tagung wurde also von der Frage geleitet: Wie kann eine vergleichende Architekturgeschichte von Schulbauten und Bildungsräumen auf der Basis der Sozial-, Kultur-, Religions- und Bildungsgeschichte konzipiert werden und wie ist die »Schulstadt« der Glauchaschen Anstalten darin zu verorten?«, erläutert Dr. Thomas Grunewald.

Ausgehend von dem Befund fehlender (international) vergleichender Studien und den damit verbundenen Fragestellungen werden sich vom 13.–15. Oktober 2022 in den Franckeschen Stiftungen 15 WissenschaftlerInnen u.a. aus Großbritannien, Portugal, Tschechien, Belgien, Dänemark und Deutschland aus interdisziplinärer Perspektive mit der Bildungsarchitektur der Frühen Neuzeit in Theorie und Praxis auseinandersetzen. Die fruchtbaren und differenzierten Forschungen in den verschiedenen Ländern sollen miteinander verbunden und konkrete Architekturbeispiele aus verschiedenen vormodernen Territorien und religiösen Kulturräumen beleuchtet sowie unterschiedliche Bildungskonzeptionen in den Blick genommen werden.

Frühneuzeitliche Bildungsarchitekturen. Die »Schulstadt« Franckesche Stiftungen im Vergleich
Internationale, interdisziplinäre Tagung im Historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen
13.–15. Oktober 2022

Um Anmeldung wird bis zum 10. Oktober 2022 gebeten.

Öffentlichen Abendvortrag
14. Oktober 2022 um 18.30 Uhr
August Hermann Franckes erfolgreiches Scheitern und die Transformation vom Waisenhaus zur Schulstadt unter Gotthilf August Francke
Thomas Eißing (Bamberg)

Francke im Wandel

Neue Austellung im Francke-Wohnhaus

Francke im Wandel. Franckesche Stiftungen eröffnen partizipatives Ausstellungsprojekt für die neue Dauerausstellung im Francke-Wohnhaus

  • partizipatives, nachhaltiges und ergebnisoffenes Ausstellungsprojekt für die neue Dauerausstellung zu August Hermann Francke (1663–1727) betritt kuratorisches Neuland.
  • Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Kustos Dr. Claus Veltmann und wissenschaftliche Volontärin Maria Junker stellen mit der Agentur FORMIKAT aus Halle der Presse das Projekt vor.

O-Töne und Fotos in der Ausstellung sind zum Pressetermin möglich.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir laden Sie am Donnerstag, dem 8. September 2022 um 11 Uhr, ein, das neue, partizipative, nachhaltige und ergebnisoffene Ausstellungsprojekt im Francke-Wohnhaus kennenzulernen. Wir betreten mit dieser Schau, die die neue Dauerausstellung zu August Hermann Francke vorbereiten will, kuratorisches Neuland: Tagtäglich gehen in den Franckeschen Stiftungen hunderte Menschen ein und aus. Sie leben, lernen,  arbeiten hier oder verbringen hier ihre Freizeit. Warum sollten also nur einige wenige daran beteiligt sein, wenn es darum geht, eine neue Dauerausstellung zum Stiftungsgründer zu konzipieren? Themen-Teaser mit Angeboten und Einladungen zum Vordenken, Mitdenken und Nachdenken sollen die BesucherInnen einladen, die zukünftige Ausstellung mitzugestalten.

Zum Pressetermin begrüßt Sie Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke und stellt Ihnen die Besonderheit des Projektes vor.

Die KuratorInnen Maria Junker, wissenschaftliche Volontärin und Projektleiterin, und Claus Veltmann, Kustos des Historischen Waisenhauses, führen in die Idee und ersten Schritte des neuen Vorgehens ein und begleiten Sie auf Ihrem Rundgang durch die Ausstellung. Lernen Sie die Themen kennen und hinterlassen Sie Ihre Meinungen und Impulse.

Das Büro FORMIKAT aus Halle hat sich besonders der Nachhaltigkeit der Ausstellung verschrieben und wird die Umsetzungen erläutern.

Pressefotos sind während des Rundgangs möglich. Für O-Töne stehen alle TeilnehmerInnen des Pressetermins gerne zur Verfügung. Interviews können gerne nach dem Presserundgang aufgenommen werden oder Sie verabreden einen Termin mit uns.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Ihre

Dr. Kerstin Heldt und Friederike Lippold

 

Francke im Wandel. Franckesche Stiftungen eröffnen partizipatives Ausstellungsprojekt für die neue Dauerausstellung im Francke-Wohnhaus

  • Deutschlandweit einmaliges biografisches Ausstellungsprojekt ist konsequent partizipativ, nachhaltig und ergebnisoffen angelegt.
  • Machen Sie mit! BesucherInnen der Ausstellung stimmen für die neue Dauerausstellung über August Hermann Francke (1663–1727) ab.

Eröffnung zum Tag des offenen Denkmals am 11. September 2022, 14 Uhr

Die Franckeschen Stiftungen eröffnen zum Tag des offenen Denkmals 2022 im Francke-Wohnhaus eine Ausstellung zum Stiftungsgründer August Hermann Francke (1663–1727), mit der Kustos Dr. Claus Veltmann und die wissenschaftliche Volontärin Maria Junker kuratorisches Neuland betreten. Unter dem Titel »Francke im Wandel« verbirgt sich ein deutschlandweit einzigartiges Ausstellungsprojekt, das die BesucherInnen aktiv in die Themenauswahl für eine neu zu konzipierende, biografische Dauerausstellung einbezieht. Ergebnisoffenheit, Partizipation und Nachhaltigkeit haben sich die KuratorInnen zusammen mit dem hallischen Gestaltungsbüro FORMIKAT vorgenommen und stellen vor, wie das bis ins Detail gelingen kann. »Diese Ausstellung ist vollkommen neu: Wir verlassen konsequent den bisherigen Weg, Franckes Talente durch prominente Personen vorzustellen und nehmen gezielt die Themen, Fragen und Gedanken der AusstellungsbesucherInnen zum Stiftungsgründer auf«, beschreibt Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke den Weg zur neuen Dauerausstellung.

Partizipativ, ergebnisoffen und nachhaltig

»Der Titel Francke im Wandel steht nicht nur für den neuen Ausstellungsansatz, er setzt sich konsequent auch inhaltlich und gestalterisch in der Schau fort.« erläutert Maria Junker, die das Projekt in ihrem wissenschaftlichen Volontariat an den Franckeschen Stiftungen maßgeblich entwickelt hat. Vor mehr als einem Jahr startete sie mit der Befragung einer repräsentativen Gruppe zu den Inhalten, die in einer Francke-Ausstellung vertreten sein sollten. Daraus entwickelte das Kuratorenteam das neue Ausstellungskonzept.

Der Rundgang beginnt mit einer Bild-Klang-Installation, die an einem der bewegendsten Momente im Leben August Hermann Franckes teilhaben lässt, dem von ihm in einer Beschreibung überlieferten Erweckungserlebnis am vierten Weihnachtstag, dem 28. Dezember 1687. Hier besiegte er seine Zweifel, erlangte Gewissheit im Glauben und entschied sich für die Laufbahn als Theologe.

Dieser Einführung schließen sich die Themenstationen Familie und Gegner, Gemeinde und Spiritualität, Manager und Pädagoge, Projektemacher und Netzwerker an, mit denen der prall gefüllte Ausstellungsrundgang zum Austausch über den Stiftungsgründer, dessen Wirken und Wirkungen einlädt. Jede Themenstation wurde aus der Befragung entwickelt und fordert die BesucherInnen wiederum auf, ihre Meinung zu hinterlassen und aus ihrer Erlebniswelt zu berichten. Fragen wie »Wer stärkt Ihnen den Rücken?« oder »Welches Projekt liegt bei Ihnen seit Ewigkeiten herum?« bauen die Brücke zur Lebenswirklichkeit der Besuchenden und geben wichtige Impulse für die Dauerausstellung.

»Zeichnet sich in der Laufzeit der Ausstellung ab, dass ein Thema abgewählt wird, wird Francke im Wandel sich wandeln und wir nehmen einen der neuen Vorschläge auf.« erklärt der Kustos des Historischen Waisenhauses Dr. Claus Veltmann und ergänzt: »Ich bin gespannt, wie unsere erste Annäherung an Francke aufgenommen wird.« Dazu werden am Ende des Rundgangs die BesucherInnen eingeladen, einen kurzen Fragebogen zu beantworten. Das Ausstellungskonzept sieht auch vor, regelmäßig ausgewählte Besuchergruppen aus den Zielgruppen der Dauerausstellung zu Themenfindungsworkshops einzuladen.

Im Wandel ist zudem die Ausstellungsgestaltung, die nur mit ausgesuchten Objekten arbeitet. Das Provisorium wird zum absichtlichen Gestaltungsmerkmal. Die Verpackungskartons für die Objekte der Dauerausstellung erleben hier ihren großen Auftritt. Sie gestalten maßgeblich als variabel einsetzbares Baumaterial die Ausstellungsarchitektur. Die Zusammenarbeit mit dem lokal ansässigen Gestaltungsbüro FORMIKAT macht auch die konsequente Wiedernutzung von Materialien aus vergangenen Präsentationen möglich. Und auch das Lichtkonzept setzt ganz auf Nachhaltigkeit. Es werden durchgängig LEDs eingesetzt.

Francke im Wandel
11. September 2022–10.September 2024

Eröffnung am 11. September um 14 Uhr

Ausstellung im Francke-Wohnhaus, Haus 28
Franckesche Stiftungen, Franckeplatz 1, Haus 28

Öffnungszeiten: Di-So und feiertags 10–17 Uhr

Eintritt: frei

Jahresausstellung 2022 »Die Macht der Emotionen«

Die Macht der Emotionen

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir laden Sie am Donnerstag, dem 17. März 2022 um 11 Uhr, herzlich zu unserer Pressekonferenz anlässlich der Francke-Feier (18. –20. März 2022) und der Eröffnung der Jahresausstellung »Die Macht der Emotionen« in das Amerika-Zimmer des Historischen Waisenhauses ein.

Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke wird Ihnen die Höhepunkte der dreitägigen Francke-Feier mit insgesamt 14 Veranstaltungen, darunter die Eröffnungsrede der Bundespolitikerin Renate Künast zum Themenjahr bei der Festveranstaltung am 19. März 2022 und die erste Predigt der neuen Stiftungspfarrerin Gabriele Zander, vorstellen.

Anschließend führt Dr. Kerstin Heldt durch das Wochenendprogramm mit der Festveranstaltung mit dem Musikzweig, der Gedenkstunde am Francke-Denkmal, der Motette mit dem Stadtsingechor, der Schülerpreisverleihung, dem Solistenkonzert des Musikzweigs der Latina, dem Gottesdienst in der Marktkirche und vielem mehr.

Familien sind wieder zum Programm ins Kinderkreativzentrum Krokoseum und zum Schaubacken mit Pop-Up-Café in die historische Backstube eingeladen. In diesem Jahr ist das traditionsreiche Holzofenbrot offizielles Brot des Jahres!

Florian Halbauer, Leiter des Kuratorenteams, stimmt Sie auf die neue Jahresausstellung ein, die sich nach dem überwältigenden Erfolg von 2017 (»Du bist frei«) wieder an Jugendliche und junge Menschen richten wird. Im Anschluss lädt er zu einem Rundgang durch den Mitmachparcours ein.

Alle TeilnehmerInnen der Pressekonferenz stehen für O-Töne und Interviews zur Verfügung.

Wir freuen uns, Sie zum Pressetermin wieder bei uns begrüßen zu dürfen!

Ihre Dr. Kerstin Heldt und Friederike Lippold

  • Mit einem Debattenbeitrag der Bundespolitikerin Renate Künast zu Emotionen in Politik und Alltag eröffnen wir unsere Jahresausstellung (19. März, 11 Uhr)
  • Die Welt ist in Aufruhr, unsere Gefühle sind es auch. Die Jahresausstellung rückt als interaktiver Mitmachparcours für – nicht nur – junge Menschen die Emotionen in den Mittelpunkt (19. März 2022 – 5. Februar 2023)
  • Aus Jerusalem nach Halle: Stiftungspfarrerin Gabriele Zander predigt erstmals zum Festgottesdienst in der Marktkirche (20. März, 10 Uhr)

18. – 20. März 2022

Zum 359. Geburtstag August Hermann Franckes (1663 – 1727) lässt die Francke-Feier der Franckeschen Stiftungen mit einem hochkarätigen Programm mit vielen Höhepunkten für alle Generationen wieder Gäste aus ganz Deutschland nach Halle blicken. Zur Eröffnung des Jahresprogramms »Ganz im Affekt« wird die Bundespolitikerin Renate Künast zu Gast im Freylinghausen-Saal sein und in einem Debattenbeitrag über Emotionen, Verstand, Courage und Kompromissbereitschaft in Zeiten der Digitalisierung die Auswirkungen auf die Demokratie beleuchten (Festveranstaltung am 19. März um 11 Uhr im Freylinghausen-Saal). Das dreitägige Festprogramm gestalten unter anderem die vielfach ausgezeichneten SolistInnen des Musikzweigs der Latina August Hermann Franckes (35. Solistenabend am 18. März um 19 Uhr), der älteste Knabenchor Mitteldeutschlands, der Stadtsingechor (Motette am 19. März um 17.30 Uhr) und die zuletzt in Jerusalem wirkende Stiftungspfarrerin Gabriele Zander (Festgottesdienst in der Marktkirche am20. März um 10 Uhr). Zu den Publikumsmagneten der Francke-Feier zählen das Schaubacken mit Pop-up-Café am ältesten Holzbackofen in Halle, der im 18. Jahrhundert Franckes Schulstadt versorgte, im historischen Brau- und Backhaus der Franckeschen Stiftungen (19. März um 10 – 17 Uhr) und das Familienprogramm im Kinderkreativzentrum Krokoseum (19. März um 11 – 15 Uhr).

Im Zentrum des Festwochenendes steht die neue Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen unter dem Titel »Die Macht der Emotionen« im Historischen Waisenhaus. Zwei Jahre lang hat das Kuratorenteam unter Susanna Kovacs und Florian Halbauer recherchiert, sich mit ExperInnen ausgetauscht und die Mitmachideen entwickelt. Für die Realisierung konnte die Agentur Good to know gewonnen werden, die seit über 10 Jahren experimentelle Formate in eigens dafür kreierten Räumen für Wissensvermittlung und den Austausch installiert. So ist ein einzigartiger interaktiver Rundgang als Gefühls-Parcours entstanden. Er richtet sich vor allem – aber nicht nur – an Jugendliche und junge Erwachsene und greift ein hochaktuelles Thema auf: Die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine führen uns vor Augen, wie Gefühle unseren Alltag und unser Zusammenleben gestalten. In sieben Themenräumen erleben die Besucherinnen und Besucher, welchem Zweck Emotionen dienen, was sie bewirken, wie sie uns beeinflussen, warum wir sie brauchen und wie wir lernen können, mit ihnen umzugehen. Dafür bündelt die Schau neuestes Emotionswissen und verknüpft dieses mit Alltagserfahrungen der BesucherInnen.

Der Parcours lädt zu Beginn ein, die eigenen Gefühle anzuschauen. Ein ‚Hau den Lukas‘ lässt am Emo-Meter die Stimmung ablesen, der Verlockungsknopf oder das Glücksrad bringen die Emotionen auf die Achterbahn, ein Komplimente-Automat schafft Wohlgefühl und Karaoke oder Fotobox geben den Gefühlsausdrücken Raum. Gespickt mit Fun Facts (»Manche Menschen haben keine Worte für Gefühle. Sie leiden unter Alexithymie. Etwa 10% der in Deutschland lebenden Menschen sind alexithym, können ihre Gefühle also gar nicht oder schlecht in Worte fassen.«) leitet der Rundgang weiter zur Schaltzentrale des Gefühlschaos, dem Gehirn. Nervenzellen, Muskeln und Sinnesorgane werden unter die Lupe genommen, um Äußerungen der Emotionen, etwa in der Lautkarte, kennenzulernen. Diese wurde von WissenschaftlerInnen aus Berkeley gestaltet, die 24 Arten von unterscheidbaren Emotionen identifiziert und die dazugehörigen Lautäußerungen in einer Karte zusammengestellt haben.

Im zweiten Teil lässt der Parcours ergründen, was Emotionen eigentlich mit uns machen und wie wir damit umgehen können. Eine interaktive Stimmungskurve des gestrigen Tages zeigt die Hochs und Tiefs des Alltags auf und das eigene Befinden wird in der Mitmach-Installation »Wie geht es dir?« in langen Wortschlangen für andere lesbar. Nicht immer können Emotionen im Alltag aufgefangen werden. Videoinstallationen mit SchauspielerInnen, PädagogInnen oder SeelsorgerInnen erlauben einen Einblick, wie Menschen professionell mit Gefühlen umgehen. An dieser Stelle bietet der Parcours die Möglichkeit, die eigenen Emotionen zurückzulassen. In einem Tagebuch können Eindrücke festgehalten, ausgetauscht, kommentiert, im Schredderspalt Erinnerungen an unangenehme Gefühle abgegeben oder im Liebesbriefkasten anonym weitergegeben werden. Nach dem Manifest der Gefühle der 20-jährigen Verena Jackstein sind die BesucherInnen ein letztes Mal aufgefordert, mitzumachen. An der Station: Was wünschst du dir für dich, für die Welt? speisen sie ihre Antwort ein, die auf einem digitalen Laufband im Foyer des Historischen Waisenhauses erscheint und die nächsten BesucherInnen zum emotionalen Abenteuer begrüßt.

Die Ausstellung wird begleitet von
+ speziell konzipierten und am Lehrplan orientierten Vermittlungsangeboten (www.francke-halle.de/ausstellung/macht-der-emotionen)

+ und einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm (www.francke-halle.de) mit Dunya Hayali (11. Mai) und Dota Kehr (27. September), der Museumsnacht Halle&Leipzig (7. Mai) oder dem Historischen Lindenblütenfest (18./19. Juni)

DIE MACHT DER EMOTIONEN
Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen 2022
19. März 2022 - 05. Februar 2023
Di – So 10 – 17 Uhr

Franckeplatz 1, 06110 Halle (Saale)
Eintritt 6 Euro, erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre frei

Anmeldungen für Gruppen unter infozentrum(at)francke-halle.de; Tel. 0345 2127 450

© anschlaege.de

© anschlaege.de

Eine junge Frau probiert in der Ausstellung "Die Macht der Emotionen" die Mitmachstationen im Panoptikum der Gefühle aus

Das Panoptikum der Gefühle in der Jahresausstellung »Die Macht der Emotionen« lässt in aufregenden Mitmachstationen die eigene Gefühlswelt erkunden. 
Download Das Panoptikum der Gefühle, © Jörg Gläscher

Auf einem Bildschirm in der Ausstellung "Die Macht der Emotionen" tanzen junge Leute in buntem Licht.

Schattentanzen in der Ausstellung »Die Macht der Emotionen«

Download Schattentanzen, © Jörg Gläscher

Zwei Besucherinnen der Ausstellung " Die Macht der Emotionen" probieren aus, wie sie sich mit Brillenmasken verändern.

Gefühle durch die Maske ausdrücken in der Ausstellung »Die Macht der Emotionen«.  

Download Setz deine Maske auf! ©Jörg Gläscher

Jahrespressekonferenz 2022

Höhepunkte im Jahresprogramm der Franckeschen Stiftungen »Ganz im Affekt«

3. Februar 2022: Emotionen beeinflussen unsere Entscheidungen, prägen unseren Alltag, treiben uns an in dem, was wir tun und gestalten maßgeblich unser Miteinander. Unter dem Motto »Ganz im Affekt« widmen die Franckeschen Stiftungen den Emotionen in ihrem Jahresprogramm 2022 ihre ganze Aufmerksamkeit. Analoge, hybride und digitale Veranstaltungen mit spannenden Gästen und aktuellen Themen werden aus verschiedenen Perspektiven Antworten auf die Fragen suchen, wie viel Emotion unser gesellschaftlicher Zusammenhalt eigentlich verträgt, welche Rolle heute die Emotionen in Politik und Medien spielen, ob und welche Emotionen gut für die demokratische Meinungsbildung sind und was uns eigentlich glücklich macht. Das hochaktuelle Thema ist der Stiftungsgeschichte gleichsam eingeschrieben: Zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als die Aufklärung begann, die Vernunftbegabung über alle anderen menschlichen Eigenschaften zu stellen, entwarf der Hallesche Pietismus ein ganzheitliches Menschenbild, das die Emotionen selbstverständlich einschloss.

Herzstück des Jahresprogramms ist die Jahresausstellung »Die Macht der Emotionen« (19.3.2022–5.2.2023), die sich als interaktiver Gefühls-Parcours mit der Relevanz von Emotionen beschäftigen wird und sich vor allem - aber nicht nur - an Jugendliche und junge Erwachsene richtet. Die Besucherinnen und Besucher erleben in sieben Themenräumen im Historischen Waisenhaus, welchem Zweck Emotionen dienen, was sie bewirken, wie sie uns beeinflussen, warum wir sie brauchen und wie wir mit ihnen umzugehen lernen. Am Ende des Rundgangs stehen die Handlungsspielräume und Chancen, aber auch die Herausforderungen und die Verantwortungen im Mittelpunkt, die sich aus dem Wissen um die Macht der Emotionen ergeben.
Mit dem neuen LeoLab im Historischen Druckereigebäude steht erstmals ab diesem Jahr ein eigener Werkstattraum im Historischen Druckereigebäude für die begleitende Vermittlungsarbeit mit Schulklassen ab Sekundarstufe I und junge Erwachsene zur Verfügung.
Die Kabinettausstellung in der Historischen Bibliothek »Fromme Gefühle in Text und Bild in alten Büchern« (21.4–6.11.2022), verortet die Emotionen in der Stiftungsgeschichte und bietet Einblicke in die Sammlungsschätze, selten gezeigte Bücher und Kleinode der Buchkultur.

Die Jahresausstellung wird in der Festveranstaltung (19.3.2022) zur Eröffnung des Jahresprogramms im Rahmen der Francke-Feier (18.–20.3.2022) mit einer Festrede der Bundespolitikerin Renate Künast eröffnet. Sie setzt mit ihrem Engagement für eine konstruktive Streitkultur ein klares Zeichen für mehr Mut im öffentlichen Diskurs. Zum Festgottesdienst in der Marktkirche (20.3.2022) wird erstmals die langjährige Leiterin des evangelischen Pilger- und Begegnungszentrums auf dem Ölberg in Jerusalem und neue Stiftungspfarrerin Gabriele Zander predigen.

Namhafte Stimmen der Gesellschaft sind der Einladung der Franckeschen Stiftungen gefolgt, mit ihrem Beitrag das Jahresthema zu schärfen: Darunter Dunja Hayali, streitbare Journalistin und erfolgreiche Sportschau-Moderatorin, die sich nicht davor scheut, in hochaufgeladene Situationen einzusteigen und die journalistische Ethik zu verteidigen (Persönlichkeiten im Gespräch am 11.5.2022), Hans Ulrich Gumbrecht, einer der führenden Intellektuellen der Gegenwart (Paul Raabe-Vorlesung am 9.7.2022) und Dota Kehr (Persönlichkeiten im Gespräch am 8.11.2022), Musikerin und Sängerin, die mit ihren berührenden Liedern einen poetischen und gleichzeitig lebensnahen Blick auf die Welt erlaubt.

Eine der wichtigsten und vielfach ausgezeichneten deutschen Historikerinnen, Prof. Dr. Ute Frevert, wird mit der von ihr kuratierten Ausstellung »Die Macht der Gefühle. Deutschland 19/19« (6.10.–5.2. 2023) den Blick auf die Emotionen richten, die Geschichte gestalten. Sie prägen und steuern nicht nur einzelne Menschen, sondern ganze Gesellschaften, ist eine ihrer Thesen, die sie zur Ausstellungseröffnung (6.10.2022) und im Interview mit Andrea Klapperstück im Jahresmagazin der Franckeschen Stiftungen vorstellt.

Für Kinder und Familien wird das Jahresthema mit spielerischen und ästhetischen Zugängen aufbereitet, um gemeinsam Stellenwert und Wirkmacht der Emotionen sowie deren kulturelle und gesellschaftliche Prägungen zu entdecken. Höhepunkte sind die Museumsnacht (7.5.2022) und – wenn es die pandemische Lage zulässt – das Historische Lindenblütenfest (18./19.6.2022) unter dem Titel »Nah am Glück«. Das Kinderkreativzentrum Krokoseum ist im Januar mit einer aufregenden digitalen Rettungsaktion in der Wunderkammer gestartet: »Die Stimmen der Dinge«, die seit 300 Jahren Weltgeschichte(n) erzählen, drohen zu verklingen. Gemeinsam entreißen die Kinder Aktion für Aktion dem Vergessen die Erinnerungen zurück.

Das Jahresprogramm 2022 setzt auch im stetig weiterentwickelten internationalen Netzwerk der Franckeschen Stiftungen Akzente, das in einer über 300-jährigen Geschichte verankert ist. Über 100 WissenschaftlerInnen aus aller Welt werden sich in der größten Fachtagung dieser Art, dem VI. Internationalen Kongress für Pietismusforschung (28.8.–1.9.2022), unter dem Thema »Reisen und Religion im (langen) 18. Jahrhundert« in den Franckeschen Stiftungen austauschen. Das Liselotte Kirchner-Stipendienprogramm der Franckeschen Stiftungen lädt neun WissenschaftlerInnen u.a. aus den Niederlanden, den USA, Australien und Ungarn zu einem Forschungsaufenthalt in Bibliothek und Archiv ein.

Abhängig von der pandemischen Lage wird erstmals die Amerikanische Sommerschule unter dem Titel»Reading the Human Psyche: A History of Technologies« stattfinden und damit die Techniken in der Frühen Neuzeit, mit denen die menschliche Psyche verstanden worden.

Die Franckeschen Stiftungen arbeiten 2022 weiter auch an den Voraussetzungen für einen zweiten Antrag zur Aufnahme in das UNESCO-Welterbe. Höhepunkt wird in diesem Rahmen eine große internationale und interdisziplinäre Tagung (13.10.2022–15.10.2022) zu frühneuzeitlichen Schularchitekturen und Bildungsräumen sein.

Das Jahresprogramm der Franckeschen Stiftungen schöpft aus der Geschichte, fokussiert die Gegenwart und leistet einen tragenden Beitrag zum stadtweiten Themenjahr in Halle »Macht der Emotionen«.

Franckesche Stiftungen Magazin 2022: Ganz im Affekt
64 Seiten mit vielen farbigen Abbildungen, kostenlos (nur Abholung) erhältlich im Informationszentrum der Franckeschen Stiftungen: infozentrum@francke-halle.de, telefonische Anmeldung unter 0345 2127 450

03. Februar 2022: Informativ und unterhaltsam führt das 64-seitige Jahresmagazin mit ExpertInneninterviews, Reportagen zum Alltag in ausgewählten Stiftungseinrichtungen und persönlichen Geschichten in das Jahresprogramm der Franckeschen Stiftungen 2022 unter dem Motto »Ganz im Affekt« ein. Prof. Dr. Ute Frevert, eine der führenden und vielfach ausgezeichneten Historikerinnen in Deutschland, konnte für das Expertinneninterview gewonnen werden. Im Gespräch mit der Redakteurin des Magazins, Andrea Klapperstück, erzählt sie, wie Emotionen den Lauf der Geschichte beeinflussten und wie HistorikerInnen weltweit Schritt für Schritt die »Macht der Gefühle« entdecken.

»Jeder Ort, jede gesellschaftliche Institution hat eine eigene, historisch generierte emotionale Signatur. Dahinter steckt eine Menge Vernunft und Verstand. Kurzum: wir sollten die krasse Entgegensetzung von Vernunft und Gefühl ad acta legen. Gefühle sind nichts Irrationales.«

Das wussten schon die Halleschen Pietisten im 18. Jahrhundert, als sie in einer Zeit, in der die Aufklärung begann, die Vernunftbegabung über alle anderen menschlichen Eigenschaften zu stellen, ein ganzheitliches Menschenbild entwarfen, das die Emotionen selbstverständlich einschloss. Wider alle »Unruhe des Herzens« ist der Beitrag von Dr. Brigitte Klosterberg überschrieben, die das Tagebuchschreiben als fromme und emotionale Praxis am Halleschen Waisenhaus vorstellt. Maria Junker, Volontärin in der Kustodie, erlaubt im Magazin, Affekte und Gefühle im Halleschen Pietismus nachzulesen.

Einen Einblick darin, welchem Zweck Emotionen in unserem Alltag heute dienen, was sie bewirken, wie sie uns beeinflussen, warum wir sie brauchen und wie wir mit ihnen umzugehen lernen, gibt die Kuratorin der Jahresausstellung »Die Macht der Emotionen«, Susanna Kovacs. Der interaktive Gefühls-Parcours richtet sich in diesem Jahr vor allem - aber nicht nur - an Jugendliche und junge Erwachsene. Die kommen im Magazin in der Reportage zum TiQ selbst zu Wort. Birgit Pfeiffer hat den Rap-Workshop besucht und sich mit den jungen Teilnehmern über Emotionen und ihre Leidenschaft für Musik unterhalten, die sie schon auf die Bühnen in Halle geführt hat. Einige ihrer Texte sind im Anschluss an die Reportage nachzulesen.

Emotional ging es auch her, als 60.000 Bände der Bibliothek, 4.500 Archivkartons, 1.000 Mappen mit historischen Plänen, Grafiken und Karten und 21 Gemälde im Jahr 2021 in die neuen Magazine in der Historischen Druckerei umzogen. Der Praxisbericht von Dr. Brigitte Klosterberg zeigt die neuen Unterbringungsmöglichkeiten auf und erinnert an die Situation vor dem Umzug. »Erste Überlegungen, das Gebäude als Magazintrakt für das Studienzentrum zu nutzen, gehen auf das Jahr 2005 zurück. Schon damals war absehbar, dass der Magazinplatz in Haus 22–24 nicht mehr lange reichen würde. Aufgrund dessen wurden in den letzten Jahren über das Stiftungsgelände verstreute Räume für die Lagerung von Akten und Büchern genutzt.«

Im Partnerporträt des Magazins stellt sich traditionell eine Einrichtung auf dem Stiftungsgelände vor. In diesem Jahr hat der Journalist Theo Lies das Spielehaus in der frisch sanierten Feldscheune der Meierei besucht. Wie haben sich die kleinen und großen SpielerInnen an ihrem Stammplatz wieder eingelebt?

Kurznachrichten aus Wissenschaft, Kultur und Bildung sowie Höhepunkte des Kulturprogramms machen neugierig auf das Jahresprogramm, das von der Pandemie gelenkt wird: Die Veranstaltungen werden analog, hybrid oder digital geplant.

Franckesche Stiftungen Magazin 2022: Ganz im Affekt
64 Seiten mit vielen farbigen Abbildungen, kostenlos (nur Abholung) erhältlich im Informationszentrum der Franckeschen Stiftungen: infozentrum {at} francke-halle.de

Pressemitteilungen chronologisch

› Presserundgang durch die Ausstellung mit Dr. Britta Klosterberg
› Kabinettausstellung »Fromme Gefühle. Bilder und Texte in Büchern des Pietismus« (21. April –6. November 2022) im Jahresprogramm »Ganz im Affekt«
› Eröffnung mit einem musikalisch-literarischen Abend im Freylinghausen-Saal mit pietistischen Liedern und Texten: David Erler (Altus), Martin Steuber (Laute), Tom Wolter (Sprecher)

Presseeinladung am 20. April 2022, 11 Uhr | Historische Bibliothek

Ausstellungseröffnung und Konzert am 21. April, 18 Uhr | Historisches Waisenhaus | Eintritt frei


Beherrschung der Affekte, Herzensfrömmigkeit und Tränen der Reue: der Pietismus als Frömmigkeitsbewegung nutzte ganz bewußt die Macht der Gefühle, um die Haltung zu Gott im Inneren der Gläubigen aufzuspüren und sie in der Gemeinschaft bezeugen zu lassen. Die Lektüre frommer Schriften zielte auf die Stärkung des individuellen religiösen Empfindens und die Anleitung zu einem frommen, sittlichen Leben. In der Kabinettausstellung werden fromme Gefühle auf Kupferstichen und in Texten des Mediums Buchs  an Beispielen aus der Historischen Bibliothek der Franckeschen Stiftungen vorgestellt (21. April – 6. November 2022).

Ein hochkarätig besetzter musikalisch-literarischer Abend lädt am 21. April zur Eröffnung der Ausstellung in den Freylinghausen-Saal ein. Im Konzert des europaweit gefragten Solisten und Barockspezialisten David Erler (Altus) mit dem renommierten Lautisten Martin Steuber erklingen berührende pietistische Lieder, umrahmt von Texten in Büchern des Pietismus mit dem Schauspieler Tom Wolter.

Im stadtweiten Themenjahr »Macht der Emotionen« zeigt die Schau eine Auswahl der Gefühle, die beim Betrachten der Illustrationen und beim Lesen in den Bibelausgaben und erbaulichen Schriften evoziert werden sollten:

 

Buße und Bekehrung

Buße und Bekehrung beschreiben einen Prozess der Umkehr und Erneuerung im Glauben zur Erlangung wahrer Gotteskindschaft. Die Gläubigen durchlebten dabei eine breite Palette von Gefühlen – von tiefer Verzweiflung bis zur reinen, vollkommenen Freude. Bekehrungserzählungen, Predigten, Gebete und Lieder begleiteten die Gläubigen mit einer »einfältigen« Sprache auf ihrem Weg zur ewigen Seligkeit. In mehrteiligen Bildprogrammen auf Titelkupfern, wie in Johann Heinrich Reitz` Historie der Wiedergebohrnen (1716) und in Johann Porsts Theologia Viatorum Practica (1722), wurden die Stationen des Heilswegs anschaulich in Szene gesetzt und sprachen Sinne und Verstand gleichermaßen an.

 

Erwünschte und unerwünschte Gefühle

Das Leben in Gottesfurcht und täglicher Glaubenspraxis führten zu einer Disziplinierung der Gefühle. Heftige Affekte sollten vermieden werden, wohingegen Demut, Geduld, Selbstbeherrschung und Seelenruhe einen wahren Gläubigen auszeichneten. Das Lesen von frommen Exempelgeschichten, selbst für Kinder, Anleitungen in der rechten Lebensführung und tägliches Tagebuchschreiben dienten der Vermeidung unerwünschter Affekte.

 

Das fromme Herz

Die persönliche Herzensbeziehung zu Gott spielt traditionell in der christlichen Ikonographie eine herausragende Rolle. Der Pietismus bediente sich dieser Bilder der Herzensfrömmigkeit im Kontext von Bekehrung und Wiedergeburt. Gebets- und Predigtliteratur, aber auch die darin enthaltenen Kupferstiche sollten sowohl Emotionen ausdrücken als auch bei den Betrachtenden auslösen. Das belegen beispielsweise eindrucksvoll zahlreiche Kupferstiche in Johanna Eleonora Petersens Hertzens-Gespräch mit Gott (1694). 

 

Der körperliche Ausdruck von Gefühlen

Im Verständnis der Zeit wurden Gefühle als körperliche Phänomene und Erfahrungen verstanden. Tränen, Weinen, Seufzen, Knien und Beten drückten Gefühle aus, wobei Tränen und Weinen sowohl mit Sündenerkenntnis und Reue als auch mit Freude verbunden sein konnten. In seltenen Fällen, wie bei den so genannten »begeisterten Mägden«, kam es sogar zu Ausdrucksformen religiöser Ekstase und Verzückung.

 

Die emotionale Gemeinschaft

Gemeinsames Beten und Singen, das Vorlesen pietistischer Erbauungsliteratur in der Hausgemeinschaft, divinatorische Praktiken, wie Losen, Däumeln oder Nadeln, dienten der Stärkung der pietistischen Bewegung und erzeugten eine emotionale Verbundenheit. Sie begleiteten den Gläubigen ein Leben lang bis zu seiner Sterbestunde. In sogenannten »Letzten Stunden«, einer beliebten Gattung der pietistischen Erbauungsliteratur, wurde das vorbildhafte Sterben der Bekehrten im Beisein ihrer Angehörigen und des Pastors als Trost und Stärkung für die Leser und Leserinnen mit bewegenden Worten dargestellt und verbreitet.

 

Fromme Gefühle. Bilder und Texte in Büchern des Pietismus
Kabinettausstellung in der Historischen Bibliothek
21. April –6. November 2022
Di – So 10 –17 Uhr
Eintritt 6 Euro, erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre frei

Einladung zum Foto- und Pressetermin

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir laden Sie am Mittwoch, dem 9. März 2022 um 14 Uhr, herzlich zu einem Foto- und Pressetermin an das älteste Denkmal für August Hermann Francke (1663 – 1727) aus dem Jahr 1788 auf dem Gelände der Franckeschen Stiftungen ein. Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke wird Ihnen die Geschichte des Denkmals und das Konzept der heutigen Präsentation vorstellen. »Das Denkmalensemble des ersten Francke-Denkmals ist heute der Ort in den Franckeschen Stiftungen, an dem die wechselvolle Geschichte von Denkmälern erlebbar wird«, macht er auf diese neue Sehenswürdigkeit aufmerksam.

Die Initiative für die Errichtung des Denkmals geht auf das 75. Jubiläum des Königlichen Pädagogiums zurück. Der damalige Direktor und Urenkel Franckes, August Hermann Niemeyer (1754 – 1828), sammelte aus diesem Anlass bei Schülern und Lehrern Spenden dafür. Eine Amphore aus Sandstein auf einem Sockel sollten Francke und sein Werk würdigen. Das Denkmal konnte noch im selben Jahr errichtet und in dem weitläufigen Park zwischen den Königlichen Pädagogium und der Waisenhausapotheke aufgestellt werden. Viele Hallenserinnen und Hallenser haben es bis in die 1970er Jahre von Schulabschluss- oder sogar Hochzeitsfotos noch in Erinnerung.

1990 wiesen die original erhaltenen Teile des ersten Francke-Denkmals einen so kritischen Erhaltungszustand auf, dass nach eingehender Prüfung durch Fachleute eine Restaurierung nicht in Frage kam. 1997 wurde dank des Einsatzes von Dr. Rolf Osterwald (1923 – 2020) eine exakte Kopie des Denkmals angefertigt und in einer eigenen kleinen Grünanlage im Zentrum der Stiftungen errichtet.

Für das originale Denkmalensemble kam jetzt die Rettung. Spenden im Gedenken an Uwe Nebert (1930 – 2021), selbst ehemals Stiftungsschüler und langjähriges Mitglied des Freundeskreises der Franckeschen Stiftungen, erlaubten die fachmännische Sicherung, Reinigung und Aufstellung von Sockel und Amphore am historischen Ort. Die neue Präsentation mag erstaunen. Grundlage ist ein Foto aus dem Jahr 1990, das den Sockel und die davor im Gras liegende, in ihrem Erhaltungszustand stark angegriffene Amphore zeigt. Die Momentaufnahme dokumentiert mehr als einen Zustand. Sie führt vielmehr die bewegte Geschichte des Denkmals und dessen eigene Vergänglichkeit vor Augen. Die neue Sehenswürdigkeit in den Franckeschen Stiftungen greift diesen Impuls auf. Ein Kiesbett um das Ensemble erlaubt einen uneingeschränkten Zugang und damit die direkte Begegnung mit dem Denkmal und seiner Geschichte. Das aktuelle Arrangement ist so auch ein Denkmal für die Vergänglichkeit von Denkmälern.

Wir freuen uns, Sie zum Pressetermin wieder bei uns begrüßen zu dürfen!

Ihre Dr. Kerstin Heldt und Friederike Lippold

Pressetermin in der Kunst- und Naturalienkammer mit Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor, Dr. Claus Veltmann, Kustos und Tom Gärtig, Projektleiter

  • Vorstellung der Digitalisierung der Salzkothen und der neuen Digital Story. Damit positionieren sich die Franckeschen Stiftungen in einem kontrovers diskutierten Feld der Museumsarbeit.
  • Spannendes Pressefoto/ Filmmaterial in der Kunst- und Naturalienkammer mit der 3D-Darstellung der Salzkothen-Modelle im Raum (Augmented Reality)
  • Für die Veranstaltung gilt die 2G -Regel.

Montag, 21. Februar 2022, 13 Uhr | Historisches Waisenhaus


Die Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen zählt zu den ältesten am originalen Ort erhaltenen barocken Wunderkammern Europas. Die über 3.000 Objekte aus der ganzen Welt in den originalen Schrankvitrinen bilden nicht nur ein Abbild der Welt vor 300 Jahren, sie erlauben auch einen einzigartigen Einblick in den Unterrichtsalltag an August Hermann Franckes (1663 – 1727) Schulen. Die Schränke 9 und 10 zeigen eine beeindruckende Sammlung von detailgetreuen Lehrmodellen aus der ersten Realschule Deutschlands. Gegenüber sind zwei Salzkothen-Modelle unter einer Glasvitrine geschützt. Mittels aufwändiger 3D- Technik können diese beiden Modelle von den Besucherinnen und Besuchern jetzt wieder wie vor 300 Jahren bis in den letzten Winkel, vom Boden bis unter das Dach, entdeckt werden.

»Der Realienunterricht ist ein bahnbrechendes Charakteristikum der erfolgreichen pädagogischen Konzepte August Hermann Franckes«, unterstreicht Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen und Wiederentdecker der Wunderkammer. Zusammen mit der Historischen Bibliothek, Lehrgärten und den astronomischen Beobachtungen auf dem Altan war sie ein zentraler Baustein der Lehrsammlungen des ehrgeizigen Bildungsprogramms Franckes, das Jungen und Mädchen aus allen sozialen Schichten umfasste. Aus Anlass des 25. Jubiläums der Wiedereröffnung der Kunst- und Naturalienkammer initiierte der Stiftungsdirektor am 13. Oktober 2020 gemeinsam mit dem Teylers Museum in Haarlem (Niederlande) und dem Museum für Anthropologie und Ethnographie – Kunstkamera in St. Petersburg (Russland) die Gründung einer Alliance of Early Universal Museums. Eines der Ziele ist der Austausch über die zeitgemäße Präsentation der für BesucherInnen des 21. Jahrhunderts oft ungewöhnlichen Sammlungen.

Mit der Digitalisierung der beiden Salzkothen-Modelle haben sich die Franckeschen Stiftungen in einem kontrovers diskutierten Feld der Museumspraxis positioniert und die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Objekt in den Mittelpunkt der Strategie gerückt. Die Modelle wurden zu Beginn des 18. Jahrhunderts für den Anschauungsunterricht gefertigt und dienten in den Stiftungsschulen zur Erläuterung des Siedehandwerks. Angesichts der Geschichte der Stadt Halle, die seit ihrer Gründung eng mit der Salzgewinnung verbunden ist, verwundert die Auswahl nicht. In den in Fachwerk ausgeführte Salzsiedehütten, die sich in der Zeit um 1700 auf der alten Thalsaline am heutigen Hallmarkt noch zahlreich um die vier Solebrunnen drängten, gewannen die Salzsieder – Halloren genannt – mühsam das begehrte »weiße Gold«.

Ihre detailgenaue Digitalisierung bot die Chance, den ursprünglichen Sinn und Zweck der Lehrmodelle in zeitgemäßer Form wieder aufgreifen und sie zur Veranschaulichung historischer Siedetechniken virtuell zugänglich machen zu können. Beim dabei eingesetzten 3D-Scan-Verfahren, der Photogrammetrie, wurden die Modelle von allen Seiten unzählige Male fotografiert, um virtuelle Abbilder errechnen zu können, die anschließend aufwendig bearbeitet werden mussten. »Die virtuellen Modelle ersetzen die Originale nicht, sondern sie erweitern die Rezeptionsmöglichkeit.«, fasst Dr. Claus Veltmann, Kustos des Waisenhauses, zusammen. Dafür hat sie der Projektleiter Tom Gärtig auf der Webseite der Franckeschen Stiftungen in eine Digital Story eingebunden.

Die neue Online-Ausstellung »Die Thalsaline – Halle und das Salz um 1700« bettet die 3D-Modelle –  bereichert durch Exponate unter anderem aus dem Salinemuseum, dem Stadtarchiv und dem Kunstmuseum Moritzburg – in den kultur- und stadtgeschichtlichen Kontext der Salzgewinnung in der Zeit um 1700 ein. Damals sah sich die Thalsaline mannigfaltigen Umbrüchen und neuer Konkurrenz ausgesetzt, die schließlich ihr langsames Ende einläuteten. Vier kurzweilige Kapitel erzählen von der eigentümlichen Arbeitswelt und den vielen dort tätigen Menschen, aber auch von den neuen brandenburgischen Landesherren, den technischen Errungenschaften und dem Salzverkauf.

Das Digitalisierungsprojekt ist ein bleibender Beitrag der Franckeschen Stiftungen zum stadtweiten Themenjahr 2021 »Halexa, siede Salz! Herkunft trifft Zukunft« und wurde von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen des Programms »Neustart Kultur« großzügig gefördert.

Die Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen
Franckeplatz 1, Haus 1
Di – So 10 – 17 Uhr

Digital Story »Die Thalsaline – Halle und das Salz um 1700«


WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN
Bildband zur Wunderkammer

Thomas Müller-Bahlke: Die Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen. Fotografien von Klaus E. Göltz. Zweite, überarbeitete und erweiterte Auflage. Halle 2012.176 S., 152 Abb., € 42,00; ISBN 978-3-447-06986-1

Digitale Rettungsmission für Kinder und Familien in der Wunderkammer
Die Stimmen der Dinge

  • 23 Kirchenlieder mit Melodien in böhmischer Tradition für den praktischen Hausgebrauch sind im Verlag der Franckeschen Stiftungen in Kooperation mit dem ortus musikverlag erschienen.
  • Kurze, wissenschaftlich fundierte Beiträge lassen in vertrauten Kirchenliedern den Einfluss des mitteleuropäischen Raumes, vornehmlich Böhmens, auf die Ausbil-dung der Melodik des abendländischen, insbesondere deutschen Kirchenlieds entdecken.
  • Ein umfassendes Register nicht nur der vorgelegten, sondern auch sämtlicher in den Begleittexten genannten Gesänge richtet sich gleichermaßen an das hymnolo-gische Fachpublikum wie an interessierte Laien.

Singen macht nachweislich glücklich und das nicht nur im Advent. Eine Vorstellun davon, wie wirkungsvoll sich Gesang, der einst sogar Schlachten entschieden haben soll, verbreitet hat, gibt das passend zur Jahreszeit und der aktuellen Situation im Verlag der Franckeschen Stiftungen in Kooperation mit dem ortus musikverlag erschienene kleine Liederbuch für den Hausgesang »Denn die Sach ist nicht mein allein«. Im bereits vierten Liederbändchen der Forschungsgruppe Hymnologie der Franckeschen Stiftungen unter Leitung von Dr. Wolfgang Miersemann lädt der Herausgeber Dr. Hans-Otto Korth ein, vertrautes Kirchenliederrepertoire aus einem besonderen Blickwinkel, der böhmische Tradition, kennenzulernen. Ausgangspunkt ist der 1531 unter dem Titel Ein New Gesangbuchlen im mittelböhmischen Jungbunzlau (Mladá Boleslav) für die Böhmischen Brüder erschienene, bis dahin umfangreichste deutsche Gesangbuchdruck. Er markiert eindrucksvoll den Aufschwung der Gattung Kirchenlied, basierend auf dem bereits reichen reformatorischen Liedgut, im dritten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts.

Die Publikation gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil stellt die 23, von Axel Gebhardt mehrheitlich für Singstimme und Tasteninstrument eingerichteten Lieder, vor und lädt zum gemeinsamen Singen und Musizieren ein. Bekannten Kirchenliedern wie »Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Frauen«, »Lobt Gott, ihr Christen allzugleich« oder »O Heiland, reiß die Himmel auf« öffnet sich wieder in zum Teil überraschenden Versionen der Weg in die Häuser der Menschen, wie es in der besonderen Musikkultur des Halleschen Pietismus schon vor mehr als 300 Jahren Tradition war. Teil der pietistischen halleschen Memorialkultur ist es auch, den Blick nach Böhmen, in ein Ursprungsland der reformatorischen Bewegung, zu richten. August Hermann Francke und sein Umfeld hatten sich gezielt dafür eingesetzt, den lutherischen Glauben in dieser von der Gegenreformation beherrschten Kultur wachzuhalten, wie Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke in seinem Vorwort erinnert.

Im ausführlichen zweiten Teil werden vornehmlich die Melodien in ihrer Entstehungsgeschichte vorgestellt. Kurze, wissenschaftlich fundierte Beiträge lassen sie als Wegmarken des Einflusses des mitteleuropäischen Raumes auf die Ausbildung der Melodik des abendländischen, insbesondere deutschen Kirchenlieds erkennen. Korth zieht dafür Cantiones (spätmittelalterliche lateinische geistliche Gesänge), weitere Liedsätze und Melodien aus zeitgenössischen Quellen und zwei der einflussreichsten Gesangbücher der Frühen Neuzeit, Johann Crügers (1598–1662) Praxis Pietatis Melica (Berlin seit 1640) und Johann Anastasius Freylinghausens (1670–1739) Geistreiches Gesangbuch (Halle seit 1704), heran. Im Zusammenhang ergibt sich so ein Bild, das aufzeigt, auf welcher gemeinsamen Verständigungsgrundlage die ungebrochene Ausstrahlungskraft des deutschen Kirchenliedes von Beginn an bis in die Gegenwart hinein beruht. Ein umfassendes Register nicht nur der vorgelegten, sondern auch sämtlicher in den Begleittexten genannten Gesänge wird gleichermaßen der hymnologischen Fachperson wie interessierten Laien willkommen sein.

Denn die Sach ist nicht mein allein.
23 Kirchenlieder mit Melodien in böhmischer Tradition.
Musikalisch eingerichtet von Axel Gebhardt. Ausgewählt, herausgegeben und erläutert von Hans-Otto Korth. Halle 2021.VII, 104S., 22Abb., € 27,00; ISBN 978-3-939922-70-4

 

In der Reihe sind seit 2007 im Verlag der Franckeschen Stiftungen erschienen:

Die güldne Sonne.
Lieder von Paul Gerhardt in Fassungen des Freylinghausenschen Gesangbuches.
Hrsg. von Wolfgang Miersemann.
Musikalisch eingerichtet von Axel Gebhardt auf Grundlage der kritischen Edition des Freylinghausenschen Gesangbuches von Dianne Marie McMullen und Wolfgang Miersemann.
Halle 2007.64 S. und 8 S. Beiheft mit Instrumentalstimme, 4 Abb., € 23,00; ISBN 978-3-931479-94-7

Schmücke dich, o liebe Seele
33 ausgewählte Kirchenlieder aus Johann Crügers PRAXIS PIETATIS MELICA.
Hrsg. von Hans-Otto Korth und Wolfgang Miersemann.
Halle 2012.IX, 91 S., € 23,00;ISBN 978-3-939922-34-6

Kommt nur her und helft mir singen
24 ausgewählte Lieder aus dem Freylinghausenschen Gesangbuch.
Musikalisch eingerichtet von Axel Gebhardt auf Grundlage der kritischen Edition des Freylinghausenschen Gesangbuches von Dianne Marie McMullen und Wolfgang Miersemann.
Hrsg. und mit einem Nachwort versehen von Wolfgang Miersemann. Halle 2020.X, 78S., 19Abb., € 27,00; ISBN 978-3-939922-61-2

PRESSEMITTEILUNG

  • Neue Wege in der Vermittlungsarbeit der Franckeschen Stiftungen: digitales Angebot »Die Stimmen der Dinge« lädt Kinder (6–12 Jahre)und Familien ein, dem Vergessen Spiel für Spiel die Geschichten (die Stimmen) der Dinge aus der Wunderkammer zu entreißen
  • Das Angebot ist Teil des Projekts »Suddenlife Gaming im Vermittlungsangebot der Franckeschen Stiftungen«. Das Projekt wurde entwickelt im Rahmen von »dive in. Programm für digitale Interaktionen« der Kulturstiftung des Bundes, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Programm NEUSTART KULTUR.

Am 10. Dezember 2021 haben die Franckeschen Stiftungen auf stimmen.francke-halle.de »Die Stimmen der Dinge«, ein neues, erstmals digitales und ortsungebundenes Vermittlungsangebot für Kinder (6-12 Jahre) und Familien freigeschaltet und begehen damit neue Wege in der Vermittlungsarbeit. Kleine und große MitspielerInnen werden Teil einer spannenden Geschichte in der Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen, die mit kreativen, analogen Spielen verknüpft ist. Von zu Hause aus, während einer Reise nach Halle oder bei einem Besuch in den Stiftungen können sie in die Stiftungsgeschichte eintauchen, sie mitgestalten und sich im Wochenprogramm des Kinderkreativzentrums Krokoseum mit anderen darüber austauschen. »Das Krokoseum versteht sich als Dritter Ort im Museumsbereich der Franckeschen Stiftungen, als ein Raum für den Austausch, respektvolle Kommunikation und Demokratiebildung. Diese Themen sollen jetzt auch im digitalen Raum mit den erweiterten (Gestalt-)Möglichkeiten und neuen Kommunikationsformen ausgehandelt werden«, unterstreicht Anneheide von Biela, stellvertretende Direktorin der Franckesche Stiftungen und Leiterin des Bereichs Bildung und Soziales.

Die Projektidee ist aus den Erfahrungen der Corona-Pandemie erwachsen. Angesichts der Schließungen der Kultureinrichtungen stand die Frage im Raum: Wie können Kinder und Familien unkompliziert einen Zugang zu den Vermittlungsangeboten im Museum erhalten? Ein Jahr lang haben die Abteilungen Vermittlung in Museen und Sammlungen, Kinderkreativzentrum Krokoseum und Kommunikation und Veranstaltungen in einem agilen und co-creativen Prozess zusammen mit der Agentur Thadeus Roth (Leipzig) und Kindern im Hort August Hermann Francke die Geschichte entwickelt, die Stimmen der Dinge recherchiert und Spielideen für zu Hause ausprobiert, die an die Erlebniswelt der NutzerInnen anknüpfen. Praktiken und Zugänge der ästhetischen Bildung verknüpfen sich mit Fragen wie: Was steckt in dir? Wie wollen wir leben? Wofür braucht man Wissen? Gemeinschaft steht im Mittelpunkt des hybriden Angebots, dessen Zugang bewusst niedrigschwellig gewählt ist: Alles, was dazu benötigt wird, ist ein Smartphone, Spaß am Spielen und Geschichten Hören und jede Menge Alltagsmaterial zum künstlerisch kreativen Ausprobieren und Experimentieren.

Durch das Spiel leitet Tayé, das bei kleinen und großen BesucherInnen besonders beliebte Krokodil in der Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen. Er ist in großer Not, denn die Stimmen der Dinge, die hier seit über 300 Jahren die Geschichte der Welt erzählen, werden vom Vergessen bedroht. Gerade noch hatte Wilhelm, die Glasfaserperücke, Opernarien gesungen und obwohl ihn das manchmal fast zur Verzweiflung getrieben hat – jetzt fehlt ihm sein schräger Gesang. Ananda, die Trommel aus Südindien, ist verstummt und Anton und Martha, die Kinder der Salzburger, sind außer Rand und Band, denn ihre Eltern haben alles vergessen! Mit den Stimmen der Dinge verschwinden ihre Geschichten und Chaos greift um sich.

Die NutzerInnen des digitalen Angebots »Die Stimmen der Dinge« werden zu Hüterinnen und Hütern, die gegen das Vergessen antreten. Lösen sie die Aufgabe, erobern sie Schritt für Schritt die Stimmend der Dinge zurück. Jeden dritten Donnerstag im Monat können sie sich in der Medienwerkstatt im Krokoseum treffen, um hier selbst das digitale Angebot im Blog der Hüterinnen und Hüter weiterzuentwickeln.

Für das Projekt haben sich zwei Partner gefunden, die bisher noch nicht zusammengearbeitet hatten: Die Franckeschen Stiftungen sind ein Museumsstandort mit einem kreativen Bildungsprogramm, das Kinder und Familien immer wieder begeistert. Die kreativen Köpfe in der Agentur Thadeus Roth haben sich auf digitale Schnitzeljagden spezialisiert, die mit spannenden und überraschenden Aktionen in die Welt der Geschichte entführen. Für den Geschäftsführer Dennis Levin war dieser Auftrag trotzdem ganz besonders: »Spielerische Angebote mit Suddenlife Gaming haben wir schon vielfach mit Partnern im Marketingbereich erprobt. Allerdings noch nie mit einem Museum und seinen BesucherInnen. Das machte die Entwicklung dieses neuen Vermittlungsangebots auch für uns sehr spannend!«

  • Ausstellung zum nationalen, von der DFG- geförderten Digitalisierungsprojekt »Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 18. Jahrhunderts« (VD 18) in Kooperation mit der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt im Historischen Waisenhaus
  • Eröffnung am 17. November 2021, 18Uhr im Historischen Waisenhaus mit dem Festvortrag »Von einem zum anderen. Zwischen Büchern wandern« von Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider, Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig
  • Nahezu 50.000 Drucke aus hallischen Bibliotheken sind  im VD 18 digital verfügbar; damit ist Halle der Standort mit den meisten Nachweisen in diesem national-bibliographischen Projekt.  

18. November – 13. Februar 2022 | HISTORISCHES WAISENHAUS | Eintritt 6 Euro, erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre Eintritt frei

Unter dem Titel »Einladung in das 18. Jahrhundert. Bücherwelten digital erleben« laden die Franckeschen Stiftungen und die Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt (ULB) am 17. November um 18 Uhr zur Eröffnung einer Ausstellung in das Historische Waisenhaus ein, in der Bücher aus dem 18. Jahrhundert analog und digital im Mittelpunkt stehen. Der Anlass für diese Ausstellung ist das nationale, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt »Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 18. Jahrhunderts«, kurz VD 18, das maßgeblich von der ULB initiiert wurde. Es zielt darauf, das kulturelle Erbe des 18. Jahrhunderts digital sichtbar zu machen und ein umfassendes Angebot zur Erkundung und Erforschung der deutschen und europäischen Kultur- und Wissensgeschichte zu befördern. Für den Festvortrag zur Ausstellungseröffnung konnte Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider, Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig, gewonnen werden.

Das 18. Jahrhundert markiert in der Geschichte des Buches eine besondere Zeit. Die Buchproduktion steigerte sich ab 1770 signifikant von ca. 1.800 Neuerscheinungen jährlich auf über 4.000 am Ende des 18. Jahrhunderts. Gelehrte Journale und Zeitschriften intensivierten den Wissensaustausch, Enzyklopädien bereiteten Informationen übersichtlich auf, Entdeckungen und die Erforschung der Natur führten zu einem Zuwachs an Wissen bis hin zur Entwicklung neuer wissenschaftlicher Disziplinen. Durch die Schul- und Unterrichtspflicht und die damit einhergehende Lese- und Schreibfähigkeit nahmen mehr Personen als zuvor ein Buch in die Hand, nicht nur die Bibel oder ein Gesangbuch, sondern auch Zeitschriften, Romane, Erziehungsratgeber, Lexika und anschaulich illustrierte Werke aller Wissensgebiete. Der Buchmarkt passte sich den Lesewünschen an: Während die schöne Literatur um 1745 lediglich einen Anteil von 6,4% an der Gesamtproduktion erzielte, nahm sie um 1800 mit 27,3% eine Spitzenstellung unter den Novitäten ein. Dieser Leserevolution fühlten sich viele Zeitgenossen hilflos ausgeliefert und fürchteten die schlimmen Folgen der »Lesewut« für die Jugend, der nur mit pädagogischer Lenkung zu begegnen sei – eine Parallele zu heutigen Diskursen um den unlimitierten Medienkonsum.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die digitale Präsentation der Arbeitsschritte, mit der ein Buch ins WWW eingepflegt wird. Den vielen Menschen, die daran beteiligt sind, wird gewissermaßen über die Schultern geschaut: dem Restaurator, der prüft, ob die Bücher überhaupt digitalisiert werden dürfen, den MagazinerInnen, die die Bücher aus den Regalen holen, den KatalogisiererInnen, die Titel normgerecht katalogisieren, den ScanoperatorInnen, die die Bücher Seite für Seite auf unterschiedlichen Scannern bestandsschonend digitalisieren und die Qualität der Images prüfen oder den IT-Kräften, die für die Langzeitarchivierung der Digitalisate sorgen.

Der Ausstellungsrundgang entführt die BesucherInnen dann in die wissenschaftliche und private Bücherwelt des 18. Jahrhunderts. VertreterInnen verschiedener Wissenschaftsdisziplinen stellen ein für ihre heutige Arbeit wichtiges oder interessantes Buch mit einem kurzen Begleittext vor. Auf diese Weise sind von Immanuel Kants „Kritik der praktischen Vernunft“ bis zur „Abhandlung von dem Nutzen der Electricität in der Arzneywissenschaft“ bekannte und manche in Vergessenheit geratene Bücher aus den verschiedenen Wissensdisziplinen der Zeit vertreten. Schlaglichtartig werden auch die Bücher präsentiert, die sehr gerne gelesen wurden: von der protestantischen Erbauungsliteratur über Klassiker der Kinder- und Jugend- sowie der schönen Literatur bis hin zu prächtig gestalteten Werken zur Naturgeschichte. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Bücher aus und über Halle, einem der wichtigsten Verlagsstandorte im 18. Jahrhundert.

HINTERGRUND: Die ULB ist eine der führenden Bibliotheken in Deutschland auf dem Gebiet der Digitalisierung. Sie hat das Projekt VD 18 im Jahr 2004 mit einem Symposium maßgeblich initiiert. 2009 bis 2012 übernahm sie die Federführung für dessen Pilotphase, an der die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen und die Bayerische Staatsbibliothek München beteiligt waren.  Mit Stand vom September 2021 ist sie diejenige Bibliothek in Deutschland, die die meisten Titel im Rahmen des VD18-Projekts erschlossen und digitalisiert hat. Fast 50.000 Drucke aus hallischen Bibliotheken sind derzeit im VD 18 digital verfügbar. Seit 2019 übernahm die ULB auch die Bearbeitung von Beständen der Marienbibliothek und der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen. Diese in ihrer Entstehungszeit Anfang des 18. Jahrhunderts größte öffentliche Bibliothek der Stadt Halle bringt die weltweit ausstrahlende Frömmigkeitsbewegung des Pietismus in das nationale Projekt ein.

BEGLEITPROGRAMM

20. November 2021, 15–17Uhr
Scanne Dein Lieblingsbuch!
ExpertInnen aus der Universitäts- und Landesbibliothek zeigen, wie ein Buch gescannt wird.

24. November 2021, 18 Uhr
Digitalisierung als Herausforderung und Chance für Bibliotheken und Wissenschaft. Podiumsdiskussion mit Anke Berghaus-Sprengel, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt; Prof. Dr. Elisabeth Décultot, Martin-Luther- Universität Halle-Wittenberg; Dr. Dorothea Sommer, Bayerische Staatsbibliothek. Moderation: Vladimir Balzer (mdr)

28. Januar 2022, 19 Uhr, Literaturhaus Halle
Literarisches Quartett.
Über ihr Lieblingsbuch aus dem 18. Jahrhundert unterhalten sich Dr. Katrin Schuhmacher, mdr Kultur; Dr. Ute Pott, Gleimhaus Halberstadt; Johanna Wildenauer, Halle und Alexander Suckel, Literaturhaus Halle

Vorbereitung eines neuen Antragsverfahrens für die Aufnahme in das UNESCO-Welterbe

Bildung für Alle: Die Franckeschen Stiftungen stellen sich der Herausforderung eines zweiten Welterbe-Antragsverfahrens

  • Rainer Robra, Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt und Dr. Gunnar Schellenberger, Staatssekretär für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, überreichten am 1. Juni 2021 Zuwendungsbescheid des Landes Sachsen-Anhalt für die Förderung des Upstream-Prozesses bis Ende 2023

Halle, Franckesche Stiftungen, 1. Juni 2021

Die Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale) stehen seit 1999 auf der deutschen Tentativliste für die UNESCO-Welterbeliste. Ein erster Antrag wurde 2015 nach eingehenden Diskussionen aus dem Wettbewerbsverfahren zurückgezogen. Seitdem haben die Stiftungen zusammen mit dem Land Sachsen-Anhalt und dem Auswärtigen Amt über mögliche Perspektiven gesprochen. Dank der vollen Unterstützung durch das Land Sachsen-Anhalt kann jetzt die Arbeit an einem zweiten Antrag aufgenommen werden.

Hierzu überreichte Staats- und Kulturminister Rainer Robra Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke einen Zuwendungsbescheid des Landes in Höhe von 186.600 Euro. Minister Robra zeigt sich vom Förderziel überzeugt:

»Die UNESCO-Stätten Sachsen-Anhalts sind in ihrer Mehrheit nicht einfach herausragende kulturelle Zeugnisse; sie stehen auch für Ideen, die die Welt verändert haben. Das gilt selbstredend für die Reformation Martin Luthers und für das Bauhaus in Dessau als Grundlage der weltweiten Moderne. Es gilt aber auch für das Gartenreich Dessau-Wörlitz als praktische Anwendung der philosophischen Ideen der Aufklärung. Zur Reihe dieser Orte revolutionärer Ideen zählen auch die Franckeschen Stiftungen. Franckes Vision war die Verbesserung des Menschengeschlechts, die Erziehung und Bildung jedes Einzelnen entsprechend seiner individuellen Begabungen – Waisen und Fürstenkinder gleichermaßen, Jungen ebenso wie Mädchen. Seine Pädagogik ist bis heute wirksam in den Schulen unseres Landes, seine Schulstadt hier in Halle gibt als Kulturdenkmal ersten Ranges Zeugnis von dieser Leistung und ist es wert, als Erbe der Menschheit anerkannt zu werden.«

Staatssekretär Dr. Gunnar Schellenberger unterstreicht:

»August Herrmann Franckes Idee ist heute so aktuell wie je: die bestmögliche Bildung aller Schülerinnen und Schüler nach Fähigkeit und Neigung zu ermöglichen, unabhängig von Stand und Vermögen ihrer Eltern. Sie ist als Schlüssel für Innovation und persönliche Entfaltung ein Ideal, das mir als langjährigem Pädagogen besonders am Herzen liegt und das in den Franckeschen Stiftungen schon vor über 300 Jahren verwirklicht wurde. Diesen andauernden Auftrag der Franckeschen Stiftungen für die Gegenwart und Zukunft wird die Überarbeitung des UNESCO-Antrags in den Mittelpunkt stellen. Als Mitglied des Kuratoriums der Franckeschen Stiftungen ebenso wie als Staatssekretär für Kultur ist es mir eine Freude, dieses Verfahren finanziell zu unterstützen!«

Die Förderung dient der Erarbeitung der inhaltlichen Grundlagen eines neuen Antragsverfahrens. Der geplante Welterbeantrag der Franckeschen Stiftungen wird unter dem Thema Bildung für Alle stehen. »Vor allem im Bauensemble der Franckeschen Stiftungen kommt die grundlegende Idee der Bildung für Alle einzigartig zur Geltung.«, erläutert Stiftungsdirektor Thomas Müller-Bahlke und ergänzt: »Damit greifen die Stiftungen eines ihrer eigenen Kernthemen auf, das bis heute von höchster Aktualität ist und unsere gesellschaftlichen Debatten bestimmt sowie global eine der größten Zukunftsherausforderungen für die Menschheit darstellt.«

Das Antragsverfahren ist in zwei Phasen unterteilt. Der Zuwendungsbescheid ermöglicht die Durchführung der ersten Phase. Dabei liegt der Fokus auf einem sogenannten »Upstream-Prozess«, der jetzt vorbereitet und voraussichtlich im Jahr 2023 durchgeführt werden soll. Hierfür werden mit internationaler fachwissenschaftlicher Unterstützung Konzept und Argumentationslinien für den eigentlichen Antrag erarbeitet und anschließend kritisch durch ICOMOS International in einem Dialog geprüft. Erst nach erfolgreichem Abschluss erfolgt in der zweiten Phase die Erarbeitung des eigentlichen Welterbeantrags.

HINTERGRUND

Die Franckeschen Stiftungen sind ein einzigartiges Zeugnis sozialer und pädagogischer Architektur bürgerlichen Ursprungs aus dem Zeitalter des Barock. Sie wurden 1698 von dem Theologen und Pädagogen August Hermann Francke (1663–1727) gegründet. Im Zentrum des Gebäudeensembles stand die Idee von einer bestmöglichen Bildung für Alle. Das Hauptaugenmerk lag darauf, jungen Menschen gemäß ihren individuellen Begabungen maßgeschneiderte schulische Ausbildungsgänge zu ermöglichen. Dabei sollte die Herkunft – vom Waisen bis zum Adelskind – keine Rolle spielen. Dieser Ansatz war zukunftsweisend und ist bis heute beispielgebend. Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts herrscht über politische und kulturelle Grenzen hinweg Einigkeit darüber, dass die Bewältigung der anstehenden Aufgaben der Menschheit im Allgemeinen und die Behebung von sozialen, ökonomischen, gesundheitlichen und ökologischen Herausforderungen im Besonderen nur durch den Zugang zu Bildung für alle Menschen gelingen kann und zwar unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Zugehörigkeit.

Eben diese Idee hat Francke vor dreihundert Jahren auf eindrucksvolle Weise umgesetzt und dafür ein architektonisch vorbildhaftes und weltweit zugleich einzigartiges Bauensemble errichtet. Zwischen 1698 und 1748 entstand eine ganze Schulstadt, zu der ein Waisenhaus, zahlreiche Schulen (für Jungen und Mädchen) und Internate, eine Bibliothek, eine berühmte Kunst- und Naturalienkammer sowie Wirtschafts- und Fürsorgebetriebe (Apotheke, Labore, Buchdruckerei, Verlag, Buchhandlung, Krankenhaus, landwirtschaftliche Betriebe) gehörten.

Vor dem Historischen Waisenhaus überreicht der Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt, Rainer Robra, dem Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke einen Förderbescheid für den UNESCO Upstream-Prozess.

Der Staats- und Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt, Rainer Robra, überreicht im Beisein des Staatssekretärs Dr. Gunnar Schellenberger Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke einen Zuwendungsbescheid über die Förderung zur Vorbereitung eines Upstream-Prozesses für eine neues Welterbe-Bewerbungsverfahren.

Download des Pressebildes © Thomas Meinicke