Das gesungene Wort
Martin Luther kultivierte das Kirchenlied als Verkündigungsform und dichtete selbst neue geistliche Lieder. Seit der Reformation hatte der Gemeindegesang seinen festen Platz im Gottesdienst. Dadurch ging das Wort Gottes in gesungener Form jedem Gläubigen über die Lippen und zu Herzen. Zudem wurde so die ganze Gemeinde aktiv in den Gottesdient einbezogen. Anknüpfend an bestehendes Liedgut fand das neue Lied auch Eingang in die christliche Bildung und Erziehung.
Im Pietismus wurde das Kirchenlied zum Ausdruck der persönlichen Glaubenserfahrung. Die in Franckes Anstalten entwickelte Gesangs- und Liedkultur war beschwingt und bewegend zugleich. Sie entfaltete sich in den Schulen und den regelmäßigen öffentlichen Singstunden. Dort wurden auch die Lieder erprobt, die Johann Anastasius Freylinghausen in seinem Geist=reichem Gesang=Buch erstmals 1704 zusammengestellt hatte: Lieder, die in lebendigen Melodien von einer »Hoffnung besserer Zeiten« künden und weit über Deutschland hinaus ihre Verbreitung fanden. Pietistisches Liedgut hallischer und Herrnhuter Prägung hat bis heute seinen Platz in Gesangbüchern und Gottesdiensten protestantischer Kirchen weltweit.
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