Die Reformation Martin Luthers, der Pietismus und das Wort

Die Reformation Martin Luthers stellte seit dem 16. Jahrhundert erstmals die Bibel in den Mittelpunkt der Heilsvermittlung. Gleichzeitig forderte Luther, jeden einzelnen Menschen in die Lage zu versetzen, sich selbständig mit der Bibel zu beschäftigen. So wurde das „Wort“, gerade auch durch Luthers Bibelübersetzung ins Deutsche, zu einer Kraft, die das Verhältnis von Gläubigen zu Religion und Gesellschaft veränderte.

Die Betonung einer persönlichen Frömmigkeit sowie einer Verantwortung des Individuums für das eigene Seelenheil in aktiver Befassung mit dem Wort Gottes gehörten zu den prägendsten Wirkungen der Reformation, denn das setzte eine grundlegende Bildung breiter Schichten voraus und bewirkte langfristig ein verändertes gesellschaftliches Miteinander. Die Entstehung neuer Schultypen revolutionierten das Bildungssystem. Die Einführung der Volkssprache im Gottesdienst und die Aufwertung der Predigt sowie die protestantische Liedkultur stärkten zudem auch die einfachen Gemeindeglieder und verpflichteten sie gleichzeitig zu einem verantwortlichen und moralischen Leben.

Hier knüpfte im 17. Jahrhundert der Pietismus als Reformbewegung an, um Luthers Grundanliegen  zu vollenden. Durch fundierte Bildung sollten alle Gläubigen befähigt werden, sich des „Wortes“ zu bemächtigen – sei es gesprochen, gesungen, geschrieben oder gedruckt. Gleichzeitig waren die Pietisten durch die Übersetzung der lutherischen Texte in andere Sprachen bestrebt, den reformatorischen Anliegen weltweite Geltung zu verleihen. Damit ebnete der Pietismus den Weg zur Entstehung eines modernen bürgerlichen Selbstverständnisses, das der persönlichen Entfaltung des Einzelnen bis heute hohen Wert beimisst.


Weitere Informationen hören Sie in unserem Audiorundgang.