Salzsieder, Bergleute, Handwerker - Salzkothen, Bergwerke, Manufakturen

Eine virtuelle Buchausstellung aus der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen

Die Kabinettausstellung präsentiert Menschen in ihrer Arbeitsumgebung, wie sie auf historischen Kupferstichen und Holzschnitten aus der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen dargestellt sind. Die in diesem Jahr erfolgte bauliche Fertigstellung des renovierten und restaurierten Ensembles der Franckeschen Stiftungen fußt auf dem Baugeschehen, das die Anfangsjahre der Glauchaschen Anstalten prägte. Diese Komponente ist genauso Teil der Ausstellung, wie im städtischen Themenjahr »Halexa, siede Salz!« ein besonderer Fokus auf das Arbeitsumfeld der Salzleute und die Geschichte der Salzwerke und Salzgruben gelegt wird.

1. Salzgewinnung in Halle und Salzbergbau in Kleinpolen und Siebenbürgen

Die Salzgewinnung in Halle an der Saale

Die Geschichte der Stadt Halle ist eng mit dem Salz verbunden, das einst im Bereich des heutigen Hallmarktes gewonnen wurde. Die Saline auf dem Gebiet des Hallmarktes wurde pfännerschaftliche Saline im „Thal zu Halle“ genannt. Sie war vom übrigen Stadtgebiet abgegrenzt und besaß eine eigene Gerichtsbarkeit. Auf engem Raum wurde aus vier unterschiedlich tiefen Schächten die Sole geschöpft. Die an den Schächten tätigen Arbeiter wurden in Halle als Bornknechte bezeichnet. Ein Eimer (Fördereinheit) zum Soleschöpfen fasste 12,5 Liter. Zwei Männer trugen den aus acht Eimern befüllten Zober zu den Siedehütten.

Bei der Salzgewinnung in Siedesalinen wurde die aus Salzbrunnen gewonnene Sole in großen Pfannen eingekocht (gesotten) und das so erzeugte Endprodukt wurde als Koch- oder Siedesalz bezeichnet. Die Siedepfannen waren in sogenannten Siedehäusern aufgestellt. Die dort beschäftigten Salzarbeiter wurden in Halle als Salzwürker (= Salzwirker) bezeichnet und die Betreiber (Besitzer oder Pächter) als Pfänner. Der einzelne Siedevorgang wurde „Werk“ genannt. Während des Siedevorgangs wurde das Salz vom Sieder aus der Pfanne gezogen und in zwei Körbe gefüllt. Pro Pfanne waren binnen 24 Stunden sechs Werke bzw. zwölf Körbe zu erzielen. Die Wochenproduktion lag bei 72 Körben bzw. nach dem Trocknen 72 Salzblöcken.

In den Jahren 1719 bis 1721 entstand auf Befehl des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. sowie auf Initiative von Johann Paul Stecher (1662–1737), der zugleich erster Pächter war, vor dem Klaustor die Königlich-Preußische Saline direkt am Ufer der Saale. Heute befindet sich in diesem Komplex das Halloren- und Salinemuseum Halle.

Bildbeschreibung

1557 erschien in Basel bei Hieronymus Froben (1501–1563) und seinem Schwager Nikolaus Bischoff (Episcopius) (1501–1564) unter dem Titel Vom Bergk-werck XII Bücher die erste deutschsprachige Übersetzung der De re metallica libri XII von Georg Agricola (1494–1555).

Das zwölfte Buch beinhaltet Vorschriften für die Gewinnung von Salz, Soda, Alaun, Vitriol, Schwefel, Bitumen und Glas.

Der hier gezeigte Holschnitt stellt Salzbrunnen und Siedehütten mit Siedebetrieb auf einer Saline vor. Es wird angenommen, dass es sich dabei um die Saline im »Thal zu Halle« handelt. Im Vordergrund sind zwei unterschiedlich ausgestattete Brunnen und dahinter zwei Siedehütten zu sehen. An den Siedehütten erkennt man die Hauszeichen. Zwischen den Brunnen und den Siedehütten transportieren Männer auf ihren Schultern an Tragestangen befestigte Zuber. In ihren Händen halten sie Stützgabeln, auf denen sie bei Pausen die Tragestangen absetzen konnten.

Bildbeschreibung

Friedrich Hondorff (1628–1694), ab 1660 Salzgraf in Halle, veröffentlichte 1670 eine Beschreibung der hallischen Saline unter dem Titel Das Saltz-Werck zu Halle in Sachsen. Er behandelte in seinem Werk die Salzquellen und deren Besitzverhältnisse, die Salzgewinnung sowie damit verbundene Ämter und Berufe, ergänzt durch rechtliche Regelungen. Im 5. Kapitel wird die Soleförderung ausführlich beschrieben. Die detaillierte Schilderung des Salzsiedeprozesses im 13. Kapitel findet auf dem gezeigten Kupferstich ihre bildliche Darstellung.

Der Kupferstich zeigt Szenen aus der Salzgewinnung und eine Ansicht der Stadt Halle. Er ist gleichsam eine Gesamtschau zu Aufbau und Arbeitsweise der Saline im „Thal zu Halle“. Die Darstellung umfasst sämtliche Arbeitsschritte, die nahezu unverändert seit dem Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert in der Saline üblich und notwendig waren, um Sole zu heben, daraus Salz zu sieden und Salz für den Export bereitzustellen.

1749 brachte der Jurist und Historiker Johann Christoph von Dreyhaupt (1699–1768), nunmehriger Salzgraf zu Halle, eine mit Anmerkungen aktualisierte Ausgabe von Hohndorffs Beschreibung des Saltz-Wercks zu Halle in Sachsen heraus. Dreyhaupt stellte in seinen Anmerkungen auch die seit 1670 in der Saline erfolgten Veränderungen heraus, wie beispielsweise die Umstellung des Deutschen Brunnens vom Haspelbetrieb auf ein Pferdegöpelwerk und die Umstellung von Holz auf Kohle als Brennmaterial.

Ausführliche Bildbescheibung von Christian Schwela, Kustos des Halleschen Salinemuseums

Bildbeschreibung zum Kupferstich aus: Friedrich Hondorff. Das Saltz-Werck zu Halle in Sachsen befindlich. Halle 1670

Christian Schwela (Kustos Hallesches Salinemuseum e.V.)

 

Der Kupferstich aus dem Hondorff-Buch gibt eine Gesamtschau zu Aufbau und Arbeitsweise der Saline (= Salzwerk) im »Thal zu Halle«. Es sind sämtliche Arbeitsschritte dargestellt, die nahezu unverändert seit dem Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert in der Saline üblich und notwendig waren, um Sole zu heben, daraus Salz zu sieden und Salz für den Export bereitzustellen. Nicht dargestellt sind die ganzen Organisationsstrukturen, die mit der Verwaltung und Führung der Saline einhergehen.

Oben ist neben einer Stadtansicht von Halle links eine Legende mit Benennung der Bildelemente zu sehen, wovon »2« gleich rechts das »Stadt Wahr-Zeichen« darstellt: Der mit einem Sack beladene, von einem Salzarbeiter angetriebene Esel, der auf Rosen geht. Der Sinnspruch weist auf das Salzwerk zu Halle hin: »Die Arbeit und den Nutz darin zu Hall besteht | Das Saltzwerck zeiget an der hier auf (R)rosen geth«. Das Motiv von Esel und Burschen ist auch an der Marktkirche zu Halle zu finden (seitengespiegelt) und als Brunnen-Denkmal auf dem Alten Markt verewigt. Die Zitierung in dem Bild entzieht der anderen Deutung in historischer Sage, dass es ein Müllersbursche mit Esel sei, die Grundlage.

Folgen wir der Reihenfolge der Legende, werden wir genau an der Reihenfolge der Arbeitsschritte entlanggeführt, wie sie Friedrich Hondorff in seinem Buch beschreibt. Der 1. Schritt besteht in der Förderung der Sole aus der Tiefe. Exemplarisch wird hier der »Deutsche Brunnen« (3) in der Bildmitte mit seinem doppelten Haspelwerk (4 und 5) vorgestellt.

Hondorff schreibt dazu (in Cap. V): »… So gehen die zum Deutschen Brunne bestellte Bornknechte derer viererler seyn, nemlich Haspeler und Störtzer, Zäpffer und Träger, des SontagAbends, und zwar die Haspeler und Störtzer gegen Fünf, die Träger und Zäpffer aber umb Sieben Uhr zu dem Brunne, und verrichten ihrer Arbeit dergestalt: Daß die Haspeler derer Sechzehen seyn, vermittelst Zweyer oben über den Brunne darzu gemachten Kamp-Räder, derer iegliches mit zwo grossen Seilen beleget, und an ieden zwey mit Eisen beschlagene Eimer hangen, die Sole also herauff winden, daß wechselsweise auff ieder Seite ein voller Eimer herauff kömmet, und auff ieder Seite ein lediger wieder hinunter gehet. …«

»Kamp-Räder« sind Teil des Haspelwerks. Haspeln sind vergleichbar mit Seilwinden, nur dass zum Drehen bzw. Auf- und Abseilen damals die Muskelkraft des Menschen benötigt wird. Die Seile sind so auf die Haspel gedreht, dass jedes Seil an seinen beiden Seilenden mit je einem Eimer bestückt ist, sodass, wenn der mit Sole gefüllte Eimer vom Brunnengrund hochgezogen wird, der andere leere Eimer von oben nach unten abgelassen wird. Die Haspeln werden von den „Haspelern“ bedient, von denen 16 gleichzeitig im Schichtbetrieb arbeiteten, das heißt: 8 Mann drehten an der Haspel, 8 Mann ruhten sich aus. Das »Tagwerk« betrug 24 Stunden, die Schichten waren in große (7 bis 8 Stunden) und kleine Schicht (3 bis 4 Stunden) eingeteilt, so dass die reelle Arbeitszeit 10 bis 12 Stunden pro Tag betrug. Unter dem Haspelwerk sind die »Störtzer« bei der Arbeit zu sehen. Sie hatten die Aufgabe, die hochgezogenen Soleeimer in eine Art Trog, auch »Kahn« genannt, umzufüllen (6). »Störtzer« kommt von »umstürzen« = umgießen. Auch hier arbeiteten immer 2 Mann, während die anderen 2 Störtzer ruhten, im Schichtbetrieb.

Bei Hondorff heißt es (Cap. V): »… also dann die Störtzer, derer Viere seyn, die vollen Eimer mit der herausgezogenen Sole, in einen, auff dem Brunne liegenden grossen Kahn oder Trog, umbstürtzen, und ausgiessen.«

Am Ende des Troges links ist – ein wenig verdeckt - der »Zäpfer« (7) zu sehen. Seine Aufgabe war es, das Zapfenloch (könnte man übersetzen mit »Ablasshahn«) am Troggrund mit einer Zapfstange zu öffnen und zu schließen, unter dem die »Zober« (»Zuber« = Bottiche) zum Wegtragen der Sole gefüllt wurden. Analog zur linken Seite des Troges gab es eine Zapfstelle am rechten Ende des Troges, im Bild ist es nicht dargestellt.

Hondorff setzt seine Beschreibung fort:  »Darauff die Zäpffer, derer auch Viere seyn, durch Ausziehung zweyer, in solchen Kahne, an dem einem Ende desselben, steckenden langen höltzernen Zapffen, die Sole, in die, unter den Zapffen-Löchern stehende Zwey höltzerne Zöber, lauffen lassen, welche wann sie voll gelauffen, von denen Trägern, derer Zwey und dreyßig seyn, an einen Baume oder Zoberstangen, auff den Achseln von den Brunnen weg, vor die Saltz-Kothe getragen, und daselbst in die bey ieglichen Kothe, etwas heraus auff die Gassen gebauete Solfasse ausgegossen werden.«

Die mit Sole gefüllten Zober wurden, an einem »Baum« oder »Zoberstange« (Tragestange) aufgehängt, von je 2 Trägern (8) vom Brunnen in der Bildmitte zu den Siedekothen (Siedehäusern) getragen, wo die Sole vom Zober in ein Solefass (Sole-Vorratsbehäter), das durch die Fassade des Siedehauses hindurch ragte (12), umgefüllt wurde. Zu sehen ist das im Bild unten links. Von den Trägern waren 32 Mann gleichzeitig  im Einsatz, ebenfalls im Schichtbetrieb. Das Tragen der Sole zu den verschiedenen Siedehäusern war der zweite wichtige Schritt im Salzwerk.

Hondorff vergisst nicht, auch die andere damals praktizierte Fördertechnologie im Salzwerk zu zeigen und zu beschreiben. Am rechten Bildrand mittig ist dargestellt ein Brunnen mit Tretrad (9) und »Radetreter« (10) anstelle der Haspel. Das Heraufziehen der Sole mittels Tretrad war an den anderen drei Brunnen im Thal zu Halle üblich, sie werden in der Legende bei (9) genannt: Gutjahr- und Meteritzbrunnen sowie Hackeborn. An den Tretrad-Brunnen war nicht soviel Personal im Einsatz wie an der Haspelanlage des Deutschen Brunnens, doch war auch dort genau vorgeschrieben, wie die Arbeit abzuleisten war, wann in der Schicht gewechselt wurde, wieviel Eimer gezogen werden mussten.

Hondorff schreibt (Cap. V):

»Über den Gutjahrs-Brunne seynd keine Haspeler, sondern zwölff Radetreter, die da in einen grossen Rade, zwölff Ellen weniger vier Zoll hoch, gehen und treten, darmit sie eine daran gemachte Welle, darumm ein groß Born-Seil geleget, an welchen zweene grosse mit Eisen beschlagene Eimer hangen, umbtreiben, und also ein Eimer umb den andern in den Born gelassen und voll Sole wieder heraus gezogen wird.

Diese Radetreter theilen sich auch in Zwo Schichten, also: daß in einer ieglichen Schicht Sechse zugleich zu Borne an die Arbeit gehen, und iegliches Tagewerck in zwo grossen Sieben bis Acht Stunden und zwo kleinen Drey biß Vier Stunden wehrenden Schichten heraus bringen:

Bey ieglicher Schicht treten von den Sechs Radetretern zweene in das Rad, und einer an den Brunn, Jene winden mit ihren treten die Eimer mit der Sole aus den Brunne, dieser aber störtzet die herauff kommende Eimer mit der Sole, in den, über den Brunn gemachten Kahn, aus. An dem Kahne seynd auch keine solche eiserne Haken, wie über den Deutschen Brunne, weil die Eimer durch das Rad nicht mit solcher Gewalt, wie durch die Haspel aus den Brunnen gezogen werden. Auch ruffet der Jenige, so da störtzet, so offt ein Eimer so weit herauff ist daß er umbgestürtzet werden kann, den Radetretern zu: Halt! Die sich dann alsobald in Rade umbkehren, und mit den treten dasselbe also regiren, daß die Eimer umbgestörtzet und ausgegossen werden können. Wann nun diese Part Zwölff Eimer heraus getreten, oder wie sie reden, geholet hat, so gehen sie aus dem Rade, und der so die Zwölff Eimer ausgestörtzet, von den Brunnen weg: Hingegen treten von den übrigen Dreyen wieder Zweene in das Rad, und einer, der aus dem Rade kömt, gehet an dem brunn und holen gleicher gestalt Zwölff Eimer heraus, wie die vorigen.«

Die Aufzählung des weiteren Arbeitsablaufs am Tretrad könnte noch weiter fortgesetzt werden, da sie nicht im Bilde dargestellt ist, verzichten wir darauf.

Zu den Trägern gibt es noch zu bemerken: Auch dort war genau vorgeschrieben, wer wann seine Position beim Zober-Tragen zu ändern hatte, sprich: wer mal vor dem Zober oder nach dem Zober die Zoberstange trägt.

All die genannten Arbeiter, die mit dem Heben und Verteilen der Sole befasst waren, wurden Bornknechte genannt. Wer von Ihnen nahe am Thal wohnte, konnte während der Pausen zu Hause ausruhen, alle anderen weiter entfernt wohnenden Bornknechte mussten in Kammern bei den Brunnen pausieren.
Damit vor allem die Träger der »drittehalben Centner« (ca. 175 kg) schweren Zober nicht ausrutschten und Sole verschütteten, gab es noch »Stegeschäufler«, die die Fußsteige sauber halten mussten, und »Spulzieher«, die die Ablaufkänale an den Wegen reinigten und dafür sorgten, dass diese Gräben nicht überliefen. Der »Flößmeister« war zuständig für den groben und festen Unrat, der mit Schubkarren zu Saalekähnen gebracht wurde. Die Ladung der Saalekähne wurde dann in der Landschaft entsorgt. Diese drei Tätigkeitsfelder sind in dem Bild nicht dargestellt.

Setzen wir die Bildbetrachtung fort: Unten links ist ein Siedekoth (Siedehaus) von außen zu betrachten (11), vor dessen Fassade ein Solfaß hervorsteht, welches gerade von 2 Trägern mit einem Zober befüllt wird (12). In der Bildmitte links (neben dem Deutschen Brunnen) ist das Innere eines Siedekoths zu sehen (13).

Zur Bauweise und Beschaffenheit dieser Siedehäuser folgen wir Hondorffs Beschreibung (in Cap. XII):

»Sonsten ist zu wissen, daß die Kothe Häuser seyn, von Tännen oder Fichten, die in der Erden liegende Schwellen, aber von kiefernen starcken Holtze, Leim und Stroh gebauet, und kostet iegliches Sieben biß Acht Hundert Thaler zu bauen, mit dem Solfasse, welches alleine über Achzig Thaler zu stehen kömt, in die Erde gegraben und auff einen höltzernen Rost gesetzet ist, doch das ein Theil desselben etwas über der Erde stehet, und darvon ein Stücke ausserhalb des Koths auff die Gasse gebauet, darein die Träger die Sole aus den Zöbern giessen können.

Daß aber so leicht nichts unreines in das Solfaß komme, so ist in dem auff die Gasse gebaueten Theile, ein von weiden geflochtener Korb gesetzt, wodurch die Sole darein gegossen, bey Kaltlägern aber das Loch mit einen darüber gemachten höltzernen Deckel verwahret wird. Innerhalb des Koths hat das Solfaß auch eine höltzerne Decke, worinne ein Loch mit einer Thür, dardurch mit dem Füll-Eimer die Sole heraus geschöpffet, und in die Pfanne zum Saltzsieden gegossen wird, worvon folgendes Capitel handelt:

Darmit nun die Kothe, sonderlich bey Kaltlägern, warm bleiben, das Saltz nicht feuchte werde, und die Stücken zerfallen, so seynd sie nicht nur auff allen Seiten mit Holtz wohl ausgestaket, sondern auch gar dicke mit Leim bekleibet, und beschwartet, zum theil auch mit Bretern beschlagen.

Sonderlich ist das Dach also gefertiget, daß die Sparren erst mit Latten, auch Bretern oder Strichschindeln beleget, und dann mit Leim und Stroh unter ein ander vermenget, starck bedecket.«

Die Siedekothe sind also hölzerne Fachwerkbauten, die zum Trocknen des Salzes besonders gegen Feuchte geschützt werden, indem unter anderem die Wände mit Leim (gemeint ist Lehm) und Stroh gefüllt und ausgekleidet werden. Das Solfaß (Sole-Vorratsbehälter) ist so gebaut, dass es von außen gefüllt und von innen geleert werden kann. Der Begriff »Kaltlägern« ist eine Umschreibung für Produktionsstillstand, wenn zum Beispiel die Lager mit unverkauftem Salz überfüllt waren. Dann blieben die Siedepfannen außer Betrieb, es blieb kalt in den Siedekothen.

Das Innere des Siedekoths (13) ist im wesentlichen in drei Bereiche aufgeteilt: die Herdstätte mit der Siedepfanne (14), die »Salzstätte« (15) zum Trocknen des Salzes, oft auch auf dem Dachboden gelegen, und die »Reißbanck« (16), ergänzt durch eine »Strohstätte«, die hauptsächliche Lagerstätte für das Brennholz für den Herd.

Über das Aussehen des Herdes schreibt Hondorff (Cap. XII): »Ingleichen unten an der Erde der viereckigte Herd, darauff das Saltz, in einer Pfanne gesotten wird: Das hinderste Theil am Herde, ist ein Stücke Mauer, die Pitzschke oder Petsche genant, daran die Lohe aus dem Herde hinanschläget: Und hinter der Pitschke der Zaun, gleich einen Bleichwercke, von Holtze gestacket, und dichte mit vermengten Leime und Strohe geklebet.«

Zu Hondorffs Zeiten wurde noch mit Holz und Stroh die Pfanne beheizt, daher gibt es keinen Schornsteinabzug am Herd zu sehen. Erst später wurde auf Kohlenbefeuerung umgestellt.

Am Herd stehen zwei »Würcker« (Salzwirker = Salzsieder). »Die Würcker seynd die jenigen Personen, welche aus der Sole in denen Kothe das Saltz sieden, werden auch zum Unterscheid ihrer Knechte, die ihnen in der Arbeit helffen, Meister genennet.«

Über ihre Arbeit berichtet Hondorff im Cap. 13 ganz ausführlich, beschreibt auch den Pfannenaufbau mit allen Details, die aber so im Bild nicht ganz nachzuvollziehen sind. Darum wird hier eine Zusammenfassung gegeben:

Zuerst wird die Siedepfanne aus Eisenblech über den Herd positioniert, das heißt, an einem hölzernem Gestell mit sogenannten Pfannhaken aufgehängt. Zum waagerechten Ausrichten der Pfanne werden Ziegelsteine zwischen den Pfannenbodenecken und den Herdecken geklemmt. Das hölzerne Gestell über der Pfanne ist so konstruiert, dass es auch zwei Salzkörbe aufnehmen kann, in die das frische Salz aus der Pfanne aufgeschlagen (eingeschaufelt) wird. Dann wird das Feuer unter der Pfanne entzündet und Sole in die Pfanne gegossen, mit Unterbrechungen sind es insgesamt 36 bis 38 Fülleimer (ca. 4,5 Zober). Die Sole wird anfangs mit Hitze aufgeschäumt, zum Binden der Unreinheiten in der Sole wird Rinderblut dazugegossen, was als Schaum auf der Soleoberfläche abgeschöpft wird. Dann wird die Feuertemperatur so gehalten, dass die Salzkristallbildung einsetzt. Durch Hinzufügen von »Schwenke-Bier« wird die Bildung grobkörnigen Salzes gefördert. Darauf weist auch die Kanne auf dem Tisch im Bild hin. Das Salz wird mit Holzschaufeln aus der Pfanne gehoben und schichtweise in die zwei Salzkörbe aus Weidenholz geschüttet, bis kein Salz mehr in der Pfanne ist, wobei das Salz über den Korbrand hinausragt. Ein solchermaßen überfüllter Korb wird ein Stück Salz genannt, zwei Stück Salz bilden ein »Tagewerk«. Dann wird Sole nachgefüllt, die gefüllten Salzkörbe werden zum Trocknen zur »Salzstätte« gebracht, zwei neue Salzkörbe auf die Pfanne gestellt. Das Prozedere mit Hinzufügen von Rinderblut zum Reinigen der Sole und Bier zum Körnen des Salzes wiederholt sich. In 24 Stunden sollten so 6 Tagewerke bzw. 12 Stück Salz geschafft werden.

Nach zwei Tagen Dauerbetrieb unter Feuer muss die Pfanne gereinigt werden, denn angebranntes hartes Salz verhindert, dass die Sole richtig erwärmt wird. Für das Reinigen wird die Pfanne vom Herd genommen und draußen vor dem Siedekoth zuerst mit kaltem Wasser abgespült und dann mit einem kleinen Strohfeuer so erhitzt, dass die harten Salzschichten an Pfannenrand und Pfannenboden mit einem Hammer abgeklopft werden können. Zu sehen ist das auf dem Bild unter den Zober-Trägern (8), in der Legende bezeichnet mit »Ausbrennen der Pfanne« (22). Bei Bedarf mussten auch die Blechnähte der Pfanne auf schadhafte Stellen geprüft und geflickt werden. Diese Prozedere wiederholte sich alle zwei Tage. Die Nutzungsdauer einer solchen Pfanne lag bei vollen (das heißt 6 Tage die Woche) 20 Siedewochen, danach musste sie durch eine neue Pfanne ersetzt werden. Der Pfann-Schmied besserte die gebrauchten Pfannen aus und fertigte neue Pfannen. Die Salzkörbe konnten für 10 bis 12 Siedevorgänge verwendet werden, vor jedem neuen Befüllen mussten sie aber in der Saale gewaschen werden.

Es gab noch weitere Helfer an der Siedepfanne: Neben dem Salz-Knecht, der dem Siedemeister beim Sieden half, musste die »Zustörerin« sich um das Feuer unter der Pfanne kümmern, und Jungen mussten das Holz dafür zureichen.

Ist das Salz nach dem Trocknen verladefertig, wird es vom »Saltzträger« (18) im Korb zu den Wagen (19) und Karren (20) der Salzgäste (17) gebracht, das sind meist Fuhrleute und Kaufleute, die andere Waren nach Halle brachten und auf dem Rückweg Salz mitnehmen. Die Salzgäste kaufen das Salz direkt im Siedekoth.

An den Wagen oder Karren wird das Salz umgeladen. Entweder werden die Salzstücke direkt in den Wagen geschüttet oder in Tonnen oder Fässer gestoßen, die dann verladen werd. Das ist Aufgabe der »Läder«. Die »Stöpper« (22) verdichten die Ladung und polstern sie ab.

Bei Hondorff heißt es (Cap. XV): »Die Stöpper seynd die jenigen, welche die, mit Saltz beladene Wagen, auff der Seiten mit Stroh, oben aber mit einen zugespeilten Tuche, ingleichen mit Matten oder Decken verwahren, Haselne Ruthen darüber spannen und dieselben mit einen Stricke, den sie ein Lauff-Seil nennen, zusammen binden.«

Die Salzkörbe werden nach ihrer Entleerung zum Sieden wiederverwendet.

Damit sind wir ans Ende der Bildbetrachtung angelangt. Bei Hondorff können wir eine Fülle weiterer Details zum Aufbau der Saline, ihren Strukturen, zur Verteilung der »Thalgüter« (Solezuteilung), Berechnung und Belohnung der Salzarbeiter, Beamten und Angestellten, zu Vorschriften und Strafen der Thal-Ordnung, Wirkungsbereich und Rechte des Salzgrafen und der Bornmeister, den Anteil der Aufgaben und Rechte der Pfänner am Salzwerk nachlesen, die im Bild nicht dargestellt.

©Christian Schwela

Salzbergbau in Kleinpolen und Siebenbürgen

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden in der Umgebung Krakaus in Kleinpolen die unterirdischen Steinsalzlagerstätten von Wieliczka und Bochnia entdeckt, nachdem hier die schon seit alters her für die Salzsiederei genutzten Solebrunnen erschöpft waren.

Etwa 1280 wurde der Goryszowskischacht abgeteuft. Bis zum 18. Jahrhundert erfolgte der Abbau nur im oberen Teil des Salzflözes bis in etwa 60 m Tiefe. Die Bergleute schlugen Salzblöcke von bestimmter Größe und Gewicht aus dem Flöz. Diese wurden noch im Bergwerk selbst in Fässer gefüllt, die man seit dem 15. Jahrhundert mittels Maschinen zu Tage förderte. 1368 erließ König Kasimir der Große (1310–1370) eine Bergordnung, die die Salzproduktion und den Salzhandel regelte. Die Salzminen Wieliczka und Bochnia wurden als Königliche Salzbergwerke vereinigt und behielten diesen Status bis 1772. Die Verwaltung der Salinen oblag einem Salzgrafen, der seinen Sitz im Schloss Wieliczka hatte. Die Zahl der Arbeitsplätze war auf je 60 begrenzt.

In der Salzmine von Wieliczka befindet sich heute das größte Bergbaumuseum der Welt. Sie gehört zusammen mit der Salzmine von Bochnia und dem Salzgrafenschloss Wieliczka zum UNESCO-Weltkulturerbe.

In Europa wurde schon in der Eisenzeit durch die Kelten Salz im Untertagebau gefördert. Nordwestlich der Stadt Turda in der historischen Region Siebenbürgen finden sich bedeutende Steinsalzvorkommen, die bereits in römischer Zeit für die Salzgewinnung genutzt wurden. Unter Habsburger Herrschaft wurde 1690 mit der Anlage des heute als touristisches Freizeitzentrum dienenden Salzbergwerkes begonnen. Die Schächte Josif, Teresia und Anton waren bis 1862 in Benutzung. Die ursprünglich fünf abgeteuften Schächte dienten als Einstieg für die Bergleute, zur Belüftung der Gruben und zu Förderung der Salzblöcke. Sie waren Ausgangspunkt für über Treppen miteinander verbundene Balkone sowie für die Anlage horizontaler Strecken. Die Förderung geschah mittels Seilwinden, die von Göpeln mit je vier Pferden angetrieben wurden. In den Salzbergwerken von Turda wurden stets nur freie Arbeitskräfte mit Jahresverträgen eingesetzt, was im Salinenwesen der damaligen Zeit eine Besonderheit darstellt.

Informationen zu den Abbildungen

Fichtel, Johann Ehrenreich von:
Geschichte des Steinsalzes und der Steinsalzgruben im Großfürstenthum Siebenbürgen, mit einer, das Streichen des unterirrdischen Salzstockes, durch mehrere Länder andeutenden Karte, und andern Kupfern. [...] herausgegeben von der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin.
Nürnberg: Raspe, 1780

1780 veröffentlichte der österreichische Mineraloge Johann Ehrenreich von Fichtel (1732–1795) ein zweibändiges Werk zur Mineralgeschichte von Siebenbürgen. Zu den graphischen Anhängen im zweiten Band, in dem sich Fichtel der Geschichte des Steinsalzes und der Steinsalzgruben im Großfürstentum Siebenbürgen widmet, gehören mehrere Pläne der Salzbergwerke von Turda.

2. Bergbau

Die vielfältigen Arbeiten in Bergwerken erfolgen zunächst mit menschlicher Körperkraft und einfachsten Hilfsmitteln. Mit der Zeit entwickelten sich die Bergbautechniken, die spezifische Arbeitsorganisation sowie die wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen.

Für den Bergbau wegweisend war das Mitte des 16. Jahrhunderts erschienene geo- und montanwissenschaftliche Werk De re metallica libri XII des Nürnberger Arztes Georg Bauer, genannt Agricola (1494–1555), dem Begründer der Bergbau- und Hüttenkunde. Diese durch große Sachlichkeit ausgezeichnete Schrift gilt als das erste Lehrbuch der technischen Wissenschaften überhaupt und macht die Anfänge der Mechanisierung in der Bergbautechnik sehr gut nachvollziehbar.

Die Georg Agricolas ausführlichem Werk über die Bergwerke beigegebenen 292 Holzschnitte sind von hohem Informations- und Schauwert. Teilweise von Agricola selbst als Skizzen entworfen, schuf der Sankt Joachimsthaler Bergmann und Maler Basilius Wefringaus (od. Blasius Weffringer) die Vorlagen für die Holzschnitte, die dann von den Formschneidern Hans Rudolf Manuel, genannt Deutsch (1525–1571), und Zacharias Specklin (1530–1576) angefertigt wurden. Die in Basel hergestellten Druckstöcke blieben so gut erhalten, dass sie bei allen acht zwischen 1556 und 1657 erschienenen Ausgaben verwendet werden konnten.

Informationen zu den Abbildungen

Agricola, Georg:
De Re Metallica Libri XII. Quibus Officia, Instrumenta, Machinae [...].
Basel: Froben ; Basel: Episcopius, 1561

Agricola beschrieb in diesem Werk die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts weithin im Bergbau eingesetzten mechanischen Vorrichtungen. Wurden Bergwerkaufzüge zunächst mithilfe einer waagerecht über dem Schacht installierten Haspel (Wickelbalken mit Handkurbeln) angetrieben, so kamen schließlich z.T. auf Zahnradgetrieben basierte, von Menschen bewegte Trettrommeln (für innen laufende Personen) oder Treträder mit Speichen oder Stufen (für außenlaufende Personen) zum Einsatz. 1504 fand die Einführung von Pferdegöpeln (durch Pferde in Bewegung gesetzte Welle) im deutschen Bergbau statt.

1. Ab 1500 wurde die von Agricola beschriebene große, als Bulgenkunst bezeichnete Wasserhebemaschine zur Grubenentwässerung eingesetzt, die durch ein oberschlächtiges Kehrrad (Wasserrad mit zwei gegenläufigen Beschaufelungen) angetrieben wurde und bereits das Prinzip der modernen Fördermaschine verkörperte. Sie fand bald auch als Schachtfördereinrichtung Verwendung und konnte Erz aus Tiefen bis zu 550 Metern fördern.

2. Darstellung eines als Heinzenkunst bezeichneten Kettenschöpfwerks zur Hebung des Grubenwassers. Da die Endloskette eine Ähnlichkeit mit einer Gebetskette hatte, wurde sie auch als Paternosterkette bezeichnet. Das vorgestellte Paternosterwerk wurde mit einer Trettrommel angetrieben. Die Anfang des 16. Jahrhunderts erfundene Heinzenkunst wurde 1535 im Harzer Bergbau eingeführt.

3. Um 1540 wurde das Ehrenfriedersdorfer Kunstgezeug erfunden. Die übereinander angebrachten Saugpumpen wurden zunächst von Menschen, später durch Wasserräder angetrieben. Die Abbildung stellt ein Kunstgezeug mit drei „niedrigen“ Saugsätzen vor. Mit den noch einfachen Saugpumpen konnten Höhenunterschiede von acht bis zehn Metern bewältigt werden.

4. Zur Grubenbewetterung (Be- und Entlüftung) wurden Wetterkünste eingesetzt. Die Abbildung zeigt eine Wettermaschine mit einer ganzen Batterie von Blasebälgen, angetrieben durch Menschenkraft, durch Tretscheibe und Pferd und durch Pferd am Göpel.

Bildbeschreibung

Der Metallurge Christoph Andreas Schlüter (1668–1743) war von 1724 bis 1743 als Zehntner (landesherrlicher Finanzbeamter in Bergbauregionen und Bergbaustädten) sowie als Leiter des Bergamtes in Goslar tätig und somit eng mit dem Harzer Hüttenwesen verbunden. 1738 veröffentlichte Schlüter sein grundlegendes metallurgisch-historisches Werk Gründlicher Unterricht von Hütte-Werken, bestehend aus einem Text- und einem Tafelband mit Kupferstichen. Darin beschäftigt sich Schlüter mit der Hüttenkunde und Probierkunst (Prüfung von Erzen auf deren Gehalt an nutzbaren Metallen, damit die Schmelzhütten den Verhüttungsprozess entsprechend einstellen konnten) und beschreibt Hüttenwerke sowohl in Deutschland als auch in Großbritannien, Skandinavien und Südosteuropa. Das Frontispiz mit allegorischen Figuren zeigt eine Ansicht von Goslar. 1753/54 erschien in Paris eine französischsprachige Ausgabe.

3. Das Bauhandwerk in den Franckeschen Stiftungen zu Beginn des 18. Jahrhunderts

Wie schon in den Jahrtausenden zuvor, so war auch in der Frühen Neuzeit der arbeitende Mensch das entscheidende Element der handwerklichen Produktion. Bestimmend waren Handfertigkeit sowie individuell ausgeprägte Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit den Werkstoffen. Ab dem späten Mittelalter bildeten sich verschiedene Innungsorganisationen, wie z.B. Zünfte oder Gilden, mit dem Ziel des Rechtsschutzes und der gegenseitigen Unterstützung einzelner Berufsgruppen. Durch den Zunftzwang sollten Privilegien geschützt und unliebsame Konkurrenz ausgeschlossen werden. Neben den zünftig organisierten Handwerkern gab es die nichtzünftigen, umherziehenden Lohnarbeiter. Bis zum Spätmittelalter war eine Arbeitsteilung nur gering ausgeprägt. Die zunehmende Differenzierung und Spezialisierung geschah auf der beruflichen Ebene. In der Frühen Neuzeit wurde besonders in den Manufakturen eine neue soziale Organisation der Arbeit notwendig, die, geprägt durch Zentralisierung, bald zu einer Vereinheitlichung und Standardisierung der Arbeitsvorgänge führte.

Die in diesem Jahr erfolgte bauliche Fertigstellung des renovierten und restaurierten Ensembles der Franckeschen Stiftungen fußt auf dem Baugeschehen und den damit verbundenen vielfältigen Gewerken, das die Anfangsjahre der Glauchaschen Anstalten prägte. Zu diesen gehörten unter anderem Zimmerleute, Dachdecker, Bleiarbeiter und Schlosser.

Bildbeschreibung

Illustrierte Beschreibungen der verschiedensten Handwerks- und Dienstleistungsarten in der Frühen Neuzeit finden sich bereits in den sogenannten Ständebüchern, wie der Abbildung Der Gemein-Nützlichen Haupt-Stände von Christoph Weigel (1654–1725) aus dem Jahre 1698. In diesem Werk werden auf 212 Kupferstichen die Stände und Ämter der Zeit in ihrer „gottgewollten Ordnung“ vorgestellt. Das besondere Verdienst des Nürnberger Kupferstechers und Verlegers Weigel besteht darin, dass er die meisten Werkstätten selbst aufgesucht, seine originalgetreuen Zeichnungen vor Ort angefertigt und die Beschreibungen mit den Handwerksmeistern abgestimmt hat.

 

Bildbeschreibung

Schauplatz der Künste und Handwerke ist der Titel der von 1762 bis 1805 in 21 Bänden erschienenen deutschsprachigen Ausgabe der von der Académie Royale des Sciences in Paris beinahe zeitgleich von 1761 bis 1788 veröffentlichten Descriptions des arts et métiers. In dieser mit 603 ausfaltbaren Kupfertafeln ausgestatteten Enzyklopädie finden sich umfassende Beschreibungen einer Vielzahl von zeitgenössischen Handwerken und Fertigungsprozessen. Die beigefügten Illustrationen sind außerordentlich detailreich und akkurat. Somit handelt es sich hierbei um eine unvergleichlich informative Quelle zum Handwerk, den Herstellungstechniken sowie dem Handwerk nahestehenden Berufen im 18. Jahrhundert.

Bildbeschreibung

Zu den Aufgaben des Bleiarbeiters gehörten der Guss, das Plattenziehen, die Weißverzinnung von Decken und Gesimsen sowie die Anfertigung unter anderem von Tafeln, Dachfenstern, Giebelverzierungen, Röhren, Dachrinnen, Traufen, Wasserhähnen, Springbrunnen, Wasserbehältern und Särgen.

Bildbeschreibung

Der auch als Kleinschmied bezeichnete Schlosser stellte vor allem Schlösser, Schlüssel, Angeln und Bänder für Türen, Beschläge, Gitter, Sakramentshäuschen, Kaminzubehör, Türklopfer, Griffe, Laternen- und Fackelhalter her, wobei großer Wert auf die Schönheit der Formen gelegt wurde.