Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht ein respektvolles Miteinander auf Augenhöhe in einer sich wandelnden, vielfältigen Gesellschaft. Wir beteiligen uns aktiv an der Diskussion über die Herkunft von Kulturgütern aus kolonialen Kontexten und erforschen gemeinsame Geschichte in internationalen Kooperationsprojekten. Historische Quellen machen wir in mehrsprachigen Editionsprojekten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Darüber hinaus entwickeln wir Angebote für Menschen unterschiedlicher geografischer und kultureller Herkunft und setzen gezielte Outreach-Projekte in unserer kulturellen Arbeit um.
Weltweit
Internationale Kooperationen und Projekte

Aktuelle Themen
Alliance of Early Universal Museums
Das interdisziplinär zusammengesetzte Fachgremium widmet sich dem Erhalt und der Erforschung frühmoderner Universalsammlungen. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Fragen des musealen Umgangs mit überlieferten Sammlungen und ihren erhaltenen Beständen, die Provenienzforschung sowie die Entwicklung zukunftsweisender Szenarien für Forschung, Vermittlung und Präsentation.

Ein Museum für den interkulturellen Dialog in Tharangambadi
Im Jahr 2017 gründete die Tamil Evangelical Lutheran Church (TELC) mit Unterstützung der Franckeschen Stiftungen und zahlreicher Partner ein Museum für interkulturellen Austausch in Tharangambadi. Auf dem historischen Campus ermöglicht es Besucherinnen und Besuchern aus ganz Indien, die Geschichte der Dänisch-Halleschen Mission aus unterschiedlichen Perspektiven zu entdecken. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Thema Sprache: Übersetzungen, Handschriften auf Palmblättern und Papier sowie der frühe Buchdruck eröffnen Menschen aller Hintergründe einen gemeinsamen Zugang zu Geschichte, Kultur und Wissen.

Transkulturelles Museumslabor »Weltblicke«
Seit über 300 Jahren präsentiert die Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen Objekte aus vielen Teilen der Welt. Als Lehrsammlung der Halleschen Pietisten spiegelt sie den Blick einer Epoche wider, in der Wissenschaft, persönliche Welterfahrung und Religion eng miteinander verbunden waren. Jedes Objekt der Sammlung trägt Geschichten in sich – von den Menschen, die es geschaffen, genutzt, weitergegeben oder gesammelt haben. Viele dieser Stimmen wurden lange Zeit nicht gehört oder sind bis heute unsichtbar geblieben. Im transkulturellen Museumslabor »Weltblicke« werden Menschen unterschiedlicher geografischer und kultureller Herkunft in eigens entwickelten Workshops eingeladen, ihre Perspektiven auf die Sammlung zu teilen. Gemeinsam machen sie verborgene Geschichten sichtbar und eröffnen neue, vielfältige Zugänge zu den Objekten.

300 Jahre polnischer Bibeldruck in Halle
Die Bibliothek der Franckeschen Stiftungen beherbergt Bibeln in über 100 Sprachen. Viele davon wurden in den Druckereien des Halleschen Waisenhauses oder der Cansteinschen Bibelanstalt in herausragender Qualität gefertigt. Im Jahr 2026 jährt sich zum 300. Mal der Druck der Bibel in polnischer Sprache – ein herausragendes Kooperationsprojekt des 18. Jahrhunderts. Im Zentrum stand die Jesuskirche in Cieszyn, an der Adlige, Bürgerliche, Kaufleute, Großbauern und Handwerker gemeinsam mit Akteuren aus Politik, Kirche und Gesellschaft wirkten. Auf lokaler, regionaler und europäischer Ebene arbeiteten sie zusammen, um das Ziel zu erreichen: eine Kirche für die bedrängten Lutheraner zu errichten. Heute ist die evangelische Gemeinde der Jesuskirche in Cieszyn ein wichtiger Partner der Franckeschen Stiftungen in Polen und setzt die Tradition kultureller und religiöser Zusammenarbeit fort.

Quellenedition zur Geschichte der Salzburger Exulanten
Im Jahr 1733 verließen zehntausende Lutheraner das Salzburger Land, weil sie sich weigerten, zum Katholizismus zu konvertieren. Einige dieser Gruppen gelangten über Halle in die britische Kolonie Georgia in Nordamerika. Begleitet wurden sie von Pastoren aus Halle, die während der Jahre der Ansiedlung und Konsolidierung der Salzburger Gemeinde regelmäßig nach Halle berichteten. In Zusammenarbeit mit der Georgia Salzburger Society werden diese historischen Quellen heute in deutscher und englischer Sprache veröffentlicht. So stehen sie unter anderem den Nachfahren der ersten Salzburger Siedler für genealogische Forschungen zur Verfügung und eröffnen neue Einblicke in die transatlantische Migrations- und Kirchengeschichte des 18. Jahrhunderts.

Historische Hintergründe

Europa
Im 18. Jahrhundert richtete der Hallesche Pietismus seinen Fokus vor allem auf die protestantischen Länder Europas. Politische Entscheidungsträger wurden gezielt angesprochen, Initiativen zur Erneuerung des Glaubens mit Schriften, Medikamenten und qualifiziertem Personal unterstützt und Bildungsprogramme grundlegend erneuert. Die vielfältigen Spuren dieses Engagements sind bis heute sichtbar – in Kultur, Architektur und den Bildungslandschaften Europas.
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Nordamerika
Spannende Quellen zur Entstehungsgeschichte der Vereinigten Staaten sowie bewegende Biografien ihrer zentralen Akteure sind im Archiv der Franckeschen Stiftungen zugänglich. Dazu zählen unter anderem die Berichte der Pastoren der Salzburger Gemeinde in Georgia aus dem 18. Jahrhundert sowie umfangreiche Dokumente zur einflussreichen Familie Mühlenberg. Diese einzigartigen archivalischen Bestände bilden die Grundlage für fruchtbare transatlantische Forschungs- und Kooperationsprojekte und eröffnen neue Perspektiven auf die frühneuzeitliche Geschichte Nordamerikas.
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Asien
Die erste lutherische Mission außerhalb Europas wurde von den Halleschen Pietisten 1706 im südindischen Tharangambadi gegründet. Im 19. Jahrhundert folgten diesem Vorbild zwei Missionare aus Halle auf Borneo. Die vielfältigen Zeugnisse dieser frühen globalen Kulturbegegnungen – bewahrt in Archiv, Bibliothek sowie der Kunst- und Naturalienkammer – werden heute wissenschaftlich erforscht. Sie bilden die Grundlage für ein einzigartiges Museumsprojekt und eröffnen neue Perspektiven für kulturellen Bildung ohne Grenzen.
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