»zurechtfinden« – Jahresprogramm 2026 in den Franckeschen Stiftungen

Vom wissenschaftlichen Diskurs über kulturelle Veranstaltungen bis hin zu Bildungsangeboten nehmen über 30 Veranstaltungsformate für Erwachsene, Familien, junge Menschen und Kinder die herausfordernde Orientierung in einer Welt mit immer mehr Optionen und Unsicherheiten in den Blick.

UNSER JAHRESPROGRAMM

Jutta Allmendinger eröffnet zur Francke-Feier (20.‒22. März 2026) das Jahresprogramm 2026. Die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung a. D. zählt zu den renommiertesten Soziologinnen Deutschlands. In ihrem Festvortrag wird sie das Jahresthema »zurechtfinden« aus soziologischer Perspektive beleuchten: Welche Rolle spielen Bildung, Arbeit, Geschlechterverhältnisse und soziale Gerechtigkeit? Die Museumsnacht in Halle und Leipzig am 9. Mai 2026 nimmt eines der faszinierendsten Phänomene für Orientierung auf. Der Flug der Zugvögel bildet die Inspiration für ein aufwendiges Videomapping des Leipziger Lichtkünstlers Bernd Gengelbach im Freylinghausen-Saal. Am 20./21. Juni 2026 lädt das Historische Lindenblütenfest unter dem Titel »Zielsicher daneben – ein Fest der Orientierung« Familien und Kinder ein, in den Stiftungsgassen in das 18. Jahrhundert einzutauchen und mit über 100 Mitmachangeboten die Gegenwart spielerisch zu entdecken. 

Angesichts von Polarisierung und Vertrauensverlust in Sachsen-Anhalt vor den Landtagswahlen 2026 gehen die Franckeschen Stiftungen mit dem Format Unterhausdebatte erstmals in die Stadt. Inspiriert vom britischen Parlament werden in Halles diversestem Stadtteil Halle-Neustadt, in der Eigenheimsiedlung im Wohnviertel Halle-Dölau und im historischen Versammlungs- und Kulturzentrum der Halleschen Arbeiter:innen Volkspark (12. Juni 2026) drei geschützte Räume für eine kontroverse, aber konstruktive Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen aufgemacht. Expert:innen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft begleiten den Diskurs, in den alle Teilnehmenden ihr Wissen ein bringen. Durch Platzwechsel im Raum werden Haltungen und im Fortlauf der Diskussion auch Meinungswechsel sichtbar. Hier wird Demokratie als wirksames Miteinander erfahrbar. Die Veranstaltungsreihe findet in Kooperation mit der Kulturstiftung des Bundes statt.

Die Jahresausstellung(ab 4. September 2026) »Jein! Eine interaktive Ausstellung über Orientierung im Ungewissen« legt den Fokus auf die Orientierungsphase junger Menschen als gesellschaftliche Herausforderung. In einer Welt wachsender Möglichkeiten, rasanter Entwicklungen und globaler Krisen wird das Bedürfnis nach Orientierung existenziell und besonders für junge Menschen zum Stressfaktor. Der Mitmachparcours im Historischen Waisenhaus richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene und lädt zur Auseinandersetzung mit Desorientierung, Optionsvielfalt und Selbstwirksamkeit ein.

Im stadtweiten Themenjahr 2026 »Stadt. Licht. Leben. Energie« schafft das Programm Räume für alle, in denen im Wahljahr 2026 Reflexion und Austausch über Zukunftsfragen wie Lebensqualität, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen. 

PROJEKTE 2026 

Klimaschutz und Denkmalschutz sind kein Widerspruch, zeigt ein innovatives Zukunftsprojekt, das 2026 zum Schutz der historischen Bausubstanz der Franckeschen Stiftungen startet. Die schrittweise Installation eines klimaresilienten Regenwassermanagements mit einem System aus unterirdischen Zisternen und Stauraumkanälen nimmt zukünftige Starkregenereignisse in den Blick. Verdichtungen und Versiegelungen der vergangenen Jahrzehnte intensiver Bautätigkeit auf dem Stiftungsgelände werden aufgebrochen, der vorhandene Baumbestand im Wurzelbereich stabilisiert und die Oberflächen behutsam mit einem barrierearmen Wegesystem ausgestattet. Das Vorzeigeprojekt wird aus Bundes- und Landesmitteln finanziert. 

Seit 2026 wird im Projekt »Verbund-KoMoNa: Oase der Nachhaltigkeit im Stiftsgut Stichelsdorf« das historische Landgut vor den Toren der Stadt Halle als außerschulischer Lernort aufgebaut. Wurden im 18. Jahrhundert auf den Äckern Lebensmittel für die über 3.000 Bewohner:innen der Schulstadt Franckes geerntet, ist es heute Ziel des Projekts, in der Region neue Perspektiven für nachhaltige Entwicklung an Schulklassen und Kindergruppen zu vermitteln. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert. 

10 JAHRE JAHRESMAGAZIN

Einen Ausblick auf das Jahresprogramm bietet auf 64 Seiten das frisch gedruckte Jahresmagazin mit Reportagen, Kurznachrichten und Hintergrundinformationen. Zum zehnten Mal stellt das beliebte Informationsmedium mit hochwertigen Fotografien und weit ausgreifenden Inhalten von Expert:innen und Mitarbeiter:innen die Franckeschen Stiftungen aus ihren vielfältigen Perspektiven vor. Redakteurin Andrea Klapperstück eröffnet das Heft in diesem Jahr mit einem Interview mit Prof. Dr. Jutta Allmendinger. Beide sprechen über Orientierung, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Zukunft junger Menschen. Dr. Frank Tillmann (Deutsches Jugendinstitut e.V.) weist darauf hin, dass »Jugendliche die dabei zu fällenden Entscheidungen […] als ein ›Zeichnen ohne Radiergummi‹« erleben. Er schlägt vor, Gelegenheiten der Zielorientierung, der Anregung für die Ausgestaltung von Lebensentwürfen im außerschulischen Raum zu schaffen. Die Höhepunkte zum Jahresthema, der Rückblick auf das vergangene Jahr, ein Beitrag zum Ehrenamt oder die persönlichen Geschichten rund um das Navigieren in komplexen Zeiten runden das Leseangebot ab. 

Holen Sie sich Ihr Exemplar ab sofort kostenlos im Infozentrum im Francke-Wohnhaus ab (nur Abholung, Di–So, 10–17 Uhr) oder blättern Sie digital in unserem Jahresmagazin zum Downloaden.