Die Kabinettausstellung präsentiert erstmals ausgewählte Schätze der reich illustrierten Handbibliothek der Kunst- und Naturalienkammer. Der um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstandene Bestand umfasst rund 50 Bände zu den Wunderkammern jener Zeit. Ursprünglich griffbereit im unteren Teil des Schriftenschrankes aufgestellt, nutzte ihn Gottfried August Gründler (1710–1775) intensiv für die Einrichtung und Gestaltung der Wunderkammer im Halleschen Waisenhaus.
Der Kupferstecher, Maler und Naturkundler erhielt 1736 den Auftrag zur Neukonzeption der Sammlung, die 1741 abgeschlossen wurde. Dabei orientierte er sich an den neuesten museumstheoretischen Richtlinien und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Besonders prägten ihn Caspar Friedrich Neickels »Museographia« (1727), die den idealen Aufbau einer Kunst- und Naturalienkammer beschreibt, sowie Carl von Linnés »Systema Naturae« (1735). Nach Neickels Vorgaben trennte Gründler Naturalien und Kunstobjekte; Linnés Systematik floss in die Katalogisierung ein.
Die Handbibliothek war für Gründler nicht nur Arbeitsgrundlage, sondern diente auch zur Erläuterung zahlreicher Sammlungsobjekte – ein wichtiger Ersatz für fehlende Beschriftungen. Sein Nachfolger Johann Abraham Rüdel (1698/1700–1777) erweiterte den Bestand durch gezielte Neuerwerbungen, bevor die Büchersammlung 1771 in die Bibliothek des Halleschen Waisenhauses überführt wurde.

