AAA

Unser Jahresprogramm 2018

FrSt_Jahresthema-Signet-blau_Website_700x519

Schon seit Jahrtausenden ist der Mensch aus ganz unterschiedlichen Gründen in Bewegung. Bis heute hat sich daran nichts geändert. Die globale Mobilität und ihre Auswirkungen gehören zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. Diesem ebenso spannenden wie facettenreichen Thema widmen wir unser Jahresprogramm 2018.

Gibt uns die Vergangenheit Tipps für das Reisen in der Zukunft?

Das Jahresthema 2018 hat uns vor eine neue Herausforderung gestellt: Wie stellt man Reisen in Geschichte, Gegenwart und Zukunft bildlich dar? In der Regel liefern uns die Quellen und Bücher in Archiv und Bibliothek Anregungen und jede Menge Bildmaterial. Für das Reisen in der Zukunft waren die kulturhistorischen Sammlungen überfragt. So haben wir uns für unser Reisejahr auf neue Wege begeben und die Künstlerin Larissa Hoff gebeten, das Thema auf ihre Weise umzusetzen. Ihr Entwurf hat uns begeistert. Unsere gedanklichen Impulse, die sich im ganzjährigen Veranstaltungsprogramm wiederfinden, die historischen Fakten, Einblicke in die Gegenwart und auch vorsichtige Ausblicke auf die Zukunft lassen sich in dem Kunstwerk entdecken. 

  FrSt_Jahresthema_Website_700x440

Wir haben Larissa Hoff natürlich gefragt, welchen Weg sie genommen hat, wie sie das Motiv gefunden hat und ob ihr Reisen überhaupt liegt?

Reisen ist mir sehr wichtig. Ich bin allerdings kein Globetrotter, der die ganze Welt auf einmal gesehen haben muss und Länder und Regionen auf der Landkarte systematisch abhakt. Für mich spielt auch der Ort selbst an den ich reise die größere Rolle, als die Entfernung oder „Exotik“. Ich fahre auch gerne mehrmals hintereinander an einen Ort oder ein Land, das mir gefällt und erfahre so lieber Details einer Region. Da ich gerne wandere und generell Orte zu Fuß entdecke, reise ich meistens in Länder, deren Landschaft offen und unberührt ist und mich deshalb besonders fasziniert, wie z.b. Irland.

Die Zukunft des Reisens stelle ich mir sehr vielschichtig vor, wobei die größten Veränderungen und Unterschiede wahrscheinlich in den Reisebestrebungen (Migration vs. Freizeitbeschäftigung) und der damit verbundenen individuellen Mobilität auszumachen sein werden. Für die einen ist und wird das Reisen zur notwendigen Überlebensaufgabe. Nomadische Bewegungen, begründet durch die Zerstörung von Lebensräumen aufgrund von kriegerischen Konflikten oder aber auch immer mehr durch den Klimawandel, werden die Welt und das, was wir unter dem Begriff „Reisen“ verstehen, verändern. Für die anderen gibt es andererseits durch digitalen Fortschritt wie augmented reality voraussichtlich keine Grenzen an Bequemlichkeit. Ich sehe diese technische Entwicklung allerdings nicht unbedingt negativ, sondern begreife sie vielmehr als Möglichkeit zu Chancengleichheit durch empowerment von Menschen mit z.B. finanzieller oder auch körperlicher Benachteiligung.

Am Anfang meiner zeichnerischen Auseinandersetzung mit den Franckeschen Stiftungen und der „Zukunft des Reisens“ stand, neben meiner eigenen ersten Ideensammlung in Form von schnellen, groben Skizzen, erst einmal auch eine breitgefächerte, thematisch bezogene Material und Info-Recherche. Spannend war in dieser Phase der Konzeption für mich vor allem die Suche nach Formen, Figuren, Farben, Perspektiven, um mich im nächsten Schritt an die größte Herausforderung, das Entwickeln des großen Gesamtbildes, auf dem alle thematischen Schwerpunkte des Reisens in sich greifen und miteinander verschmelzen, zu wagen. Generell ist es mir in meiner Arbeit wichtig, dass Illustration keine einfache Bebilderung von Geschriebenem, sondern eigentlich eine eigene Erzählform ist, die im besten Fall ebenso viel Tiefe und Inhalt besitzt wie der Text, der ihr zur Seite steht…oder auch nicht. Eine gelungene illustrative Zeichnung kann für sich und herausgelöst aus ihrem textlichen Kontext stehen und immer noch ein neues Fenster in eine thematische Welt öffnen, das vorher dem/der Leser*in verschlossen war.

Entdecken Sie das Motiv auf Halles Litfaßsäulen, Häuserwänden und Plakatflächen und nehmen Sie teil an unserem Veranstaltungsprogramm, wir freuen uns auf Sie!

Ilija Trojanow eröffnete das Jahresprogramm mit einem Vortrag »Über das Reisen«

Freunde, Förderer, HallenserInnen, Gäste und viele Wegbegleiter waren zum Jahresauftakt zur  Francke-Feier nach Halle gekommen. In einem dreitägigen Festprogramm mit der Eröffnung derJahresausstellung, der Gedenkstunde anlässlich des Geburtstages des Stiftungsgründers am Francke-Denkmal, frischem Brot aus dem historischen Backofen, einem Reise-Spezial für Familien im Krokoseum und einem  Festgottesdienst wurde am Sonnabendvormittag um 11 Uhr das Jahresprogramm »Bewegte Zeiten eröffnet. Zur Geschichte und Zukunft des Reisens« feierlich im Freylinghausen-Saal eröffnet. Für den Festvortrag hatte der Reiseschriftsteller und Bestsellerautor Ilija Trojanow zugesagt und mit seiner Rede das Publikum begeistert.

Der Wintereinbruch hatte es vielen unmöglich gemacht, direkt an der Veranstaltung teilzunehmen. Für alle, die den Autor gerne bei uns gehört hätten und alle, die gerne noch einmal den einen oder anderen Gedanken nachlesen wollen, haben wir den Autor um den Redetext gebeten und sind sehr dankbar für die Erlaubnis, den Festvortrag(PDF, 67 kB) hier veröffentlichen zu können.

BITTE BEACHTEN SIE: Alle Rechte der Übersetzung, Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen, sonstiger Vervielfältigungen und der Verbreitung durch Print- und elektronische Medien Ilija Trojanow vorbehalten. 

MerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerken

Durch die Welt im Auftrag des Herrn. Reisen von Pietisten im 18. Jahrhundert

 Jahresausstellung im Historischen Waisenhaus

17. März-16. September 2018

Reiseblogger und Couchsurfer, wie modern waren die Halleschen Pietisten? Die Jahresausstellung überrascht mit dem Ansatz, in Franckes Schulstadt einen Wegbereiter der modernen Reisekultur zu finden. Gründliche Vorbereitung, ausgesuchte Reisebegleitung, abgesteckte Reiserouten, eine Reiseapotheke, die die glückliche Rückkehr sichern sollte und das obligatorische Reiseandenken sprechen dafür. In sieben Räumen auf der Ausstellungsetage des Historischen Waisenhauses werden  authentische Reisen der Emissäre Franckes, etwa in den unbekannten Orient, in die Weltmacht Niederlande oder das weit entfernte Indien vorgestellt. Fragen nach den Gründen der Reise, dem Reiseablauf, den bereisten Orten, den Besonderheiten und Beschwerlichkeiten unterwegs werden beantwortet und lassen vor den Augen der Besucher ein Weltkarte des weitgespannten Netzwerkes des Halleschen Pietismus im 18. Jahrhundert entstehen.

FrSt_Jahresausstellung_Website_700x440

Wenn einer eine Reise tut, dann sollt' er auch was geben.

Unsere Projektkoordinatorin des Ziegenbalg-Museums in Tanquebar, Jasmin Eppert, erlebt in ihrem Alltag viele Touristen, die fasziniert sind von Indien. Wir haben sie gebeten, ihre Gedanken dazu einmal aufzuschreiben und so schickte sie uns basierend auf ihrer zweijährigen Erfahrung in Tranquebar eine Botschaft an die Reisenden:

In meiner Arbeit in Tharangambadi als Projektleiterin des Ziegenbalghauses - ein Museum für den interkulturellen Dialog - begegne ich Reisenden verschiedenster Art, von BackpackerInnen, über Reisegruppen bis hin zu KünstlerIinnen, Kulturschaffenden und Diplomaten. Das beschauliche Städtchen am Bengalischen Golf, mit dänischer Handelsgeschichte ist ein gern gesehenes Ziel aus- und inländischer Touristen. Dabei interessiert mich, was sie ausgerechnet nach Indien, insbesondere nach Tamil Nadu führt. Inländische Besucher lockt der Strand und die Historie, dänische Besucher kommen häufig aus kolonial-historischem Interesse, so auch deutsche Missionsreisende oder Franzosen, die einen Ausflug aus dem nahegelegenen, ehemals französischen Pondicherry machen. Die Antworten einiger Jugendlicher jedoch oder Junggebliebener, die durch Indien reisen, zielen mehr oder weniger darauf: "weil es hier so billig ist". Exotik zum Spartarif - unglaubliches Indien.

Als die ersten lutherischen Missionare Ziegenbalg und Plütschau vor über 300 Jahren in Tharangambadi ankamen, wurden sie angewiesen in der Tradition der Menschen hier zu leben und auf den Spuren Christi zu wandeln, sich aller weltlicher Ansprüche zu entledigen, um barfuß und im Lendenschurz predigend durch die Dörfer zu ziehen. Das taten sie nicht. Ziegenbalg & Co. widersetzten sich der Vorgaben und investierten in ihre Arbeit und in die Menschen, von denen sie lernten und die sie ausbildeten. Gabe und Gegengabe. Nun war ihre Reise keine übliche Urlaubsreise zur Erholung oder Selbstfindung, so wie es auch meine nicht ist. Ihre Schlussfolgerung aber ist deutlich: Wenn man ein Land und seine Menschen kennen lernen möchte, etwas daraus mitnehmen möchte, selbst Erholung oder Selbstfindung, dann nicht auf Kosten der Gastfreundschaft der Menschen.

Es gibt viele Möglichkeiten für Jugendliche und Junggebliebene in die Ferne zu reisen, sich zu engagieren, sich selbst zu finden, wenn man denn weiß wonach man sucht. Denn seien wir mal ehrlich, eine Schnäppchenjagd - und das wissen alle, die schon einmal mit gespitzten Ellbogen in einem staatlichen Bus hier in Indien fuhren - ist wahrhaft nicht sonderlich erholsam und es bleibt auch nicht genügend Platz, sich auf die Suche nach sich selbst zu begeben. Dann vielleicht doch lieber ein Tramping-Urlaub durch Europa, eine Wanderung durch den Harz oder eine Fahrt an die europäischen Küsten? Ist die Reiseschnäppchenjagd doch unstillbar, so wäre es von Anstand, auf die Gastfreundschaft der Menschen angemessen zu reagieren, mit Gastgeschenken oder anderem Entgegenkommen, Unterstützung oder wenigstens Zusendungen der Fotos, die man miteinander gemacht hat. Gute Reise, gute Gabe.

Seit dem 5. April 2016 lebe ich nun in einer verträumten Kleinstadt an der Ostküste Südindiens an der Küste des Bangalischen Golfes. "Die Stadt der singenden Wellen" bedeutet der tamilische Ortsname Tharangambadi in bildgewaltiger Übersetzung. Das einst dänische Handelszentrum war der Ausgangsort der Dänisch-Halleschen Mission und ihrer ersten Missionsreisenden Bartholomäus Ziegenbalg und Heinrich Plütschau. Auch heute noch ist das tamilische Städtchen ein beliebtes Urlaubsziel vieler europäischer Touristen aus Dänemark, Frankreich, Deutschland oder Großbritannien und behielt damit seinen europäischen Beinamen Tranquebar.

Das Museumsprojekt und alle beteiligten Partner können Sie in kurzen Filmen kennenlernen. Dabei ist auch ein Rundgang durch die tausende Kilometer entfernten Ausstellungsräume möglich. 

Save the Date!

Zukunftsforscher, Marsentdecker, Reiseschriftsteller, Globetrotter und natürlich Historiker - wir haben  spannende Menschen nach Halle eingeladen, die mit Ihnen ins Gespräch kommen wollen zum Thema Reisen in der Geschichte, der Gegenwart und der Zukunft.  

»Bewegte Zeiten«. Zur Geschichte und Zukunft von Reise und Migration

Veranstaltungsreihe in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Institut für Pädagogik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Reisende suchen heute nach immer authentischeren Erfahrungen während der Massentourismus den Menschen vor Ort die Lebensgrundlage nimmt. Was suchen wir in der Fremde und wo finden Begegnungen mit dem Fremden überhaupt noch statt? In Zeiten von Flucht und Migration vielleicht direkt vor der eigenen Haustür? An vier Abenden fragen die Franckeschen Stiftungen bei dem Migrationsexperten Prof. Dr. Jochen Oltmer (Osnabrück), dem Youtuber Firas Alshatar (Berlin) und in Diskussionsrunden mit dem Publikum nach.

Unterwegs mit den Halleschen Pietisten im 18. Jahrhundert

Jeden ersten Donnerstag im Monat stellt die Kuratorenführung eine Reise der Halleschen Pietisten im 18. Jahrhundert vor: Die akribischen Vorbereitungen und perfekte Durchführung der pietistischen Bildungs- und Missionsreisen, eine Pilgerreise ins Heilige Land, die weltweiten Handelswege der Medikamentenexpedition und die Verteibungen der böhmischen Exulanten stehen im Mittelpunkt jeweils einer Kurzführung mit anschließendem Vortrag.

Persönlichkeiten

Gesprächsreihe mit prominenten Persönlichkeiten und dem MDR Kulturrchef Reinhard Bärenz

Zweimal im Jahr kommen »Persönlichkeiten« des öffentlichen Lebens ins Gespräch mit Reinhard Bärenz. Eingeladen werden Menschen, die einen substantiellen Beitrag zu wichtigen gesellschaftlichen Debatten leisten, die unser Jahresprogramm bestimmen und hier in geselliger Atmosphäre in den Fokus rücken.

Chrsitiane Heinicke_s

Zu Gast am 24. April 2018: Die Astronautin Christiane Heinicke
Zu Gast im November 2018: Der Globetrotter Arved Fuchs

Ein Container verändert die Welt

2,60 x 2,44 x 6 Meter haben die Welt umgekrempelt. Das hatte sich der amerikanische Spediteur Malcolm McLean wohl in seinen kühnsten Träumen nicht ausmalen können. 1956 entwickelte im amerikanischen Port Newark die Idee, die Stahlbehälter seiner Lkws nicht mehr mühsam zu entladen, sondern direkt aufs Schiff zu heben.

38 Millionen Container sind heute weltweit im Umlauf, 4.500 Containerschiffe jährlich zählt der Hamburger Hafen. In einen Container passen 34.000 T-Shirts. Logistisch ist es eine Meisterleistung, jeden Container vom Ausgangspunkt zum Zielpunkt zu bewegen. Rechtzeitiges Be- und Entladen muss mit der An- und Abreise der Schiffe getaktet werden. Der Container wird zum Herzstück dieses weltumspannenden Systems und geriet damit in den Fokus ganz anderer Branchen. Heute leben oder arbeiten sogar auch Menschen in Containern. Alexander Klose, Wissenschaftler und Kurator, hat sich dem Container verschrieben. Zur Eröffnung der Ausstellung hotel global erklärt er Kindern die Welt der Container.

FrSt_Hotel-global_MotivGanzeBreite_700x468_final 

Sie verwenden einen veralteten Browser.
Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser oder aktivieren Sie Google Chrome Frame.

Bitte aktivieren sie Javascript um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.