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Presseportal

Herzlich willkommen im Presseportal der Franckeschen Stiftungen!
Hier stellen wir Ihnen unser Text- und Bildmaterial zur aktuellen Berichterstattung zur Verfügung.

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Dr. Kerstin HeldtLeiterin Kommunikation und Veranstaltungen Dr. Kerstin Heldt (Leiterin Kommunikation und Veranstaltungen) Dr. Kerstin HeldtLeiterin Kommunikation und Veranstaltungen Tel.+49 345 2127 405Fax+49 345 2127 418 Friederike LippoldKommunikation, Veranstaltungen, Internationales Friederike Lippold (Kommunikation, Veranstaltungen, Internationales) Friederike LippoldKommunikation, Veranstaltungen, Internationales Tel.+49 345 2127 431Fax+49 345 2127 418

Foto- und Drehgenehmigungen

Für alle Dreharbeiten und Fotoaufnahmen in den Franckeschen Stiftungen, einschließlich Außenaufnahmen auf dem Gelände, benötigen Sie eine Genehmigung. Diese können Sie rechts herunterladen und uns ausgefüllt zuschicken. Bitten setzen Sie sich vor Beginn Ihrer Arbeit rechtzeitig mit uns in Verbindung, damit wir einen reibungslosen Ablauf gewährleisten können.

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Pressematerial

12 Jugendliche, ein Dachbodenfund. Sommerakademie erforscht den Hallenser Weltreisenden und Fotografen Paul Herbst (1871–1924)

Sommerakademie im Nachwuchsforum Geschichte
»Die Welt durch die Linse betrachtet. Fotografien des Hallenser Weltreisenden Paul Herbst (1871–1924)«
1.–6. Juli 2018
→Präsentation der Forschungsprojekte am Freitag, dem 6. Juli 2018 um 13.30 Uhr im Englischen Saal
Die Presse ist herzlich eingeladen!

Zwölf geschichtsbegeisterte junge Menschen aus Halle, Dessau, Bitterfeld-Wolfen oder Kläden in Sachsen-Anhalt (Klassenstufe 5–10) nehmen in der ersten Ferienwoche an der Sommerakademie im Nachwuchsforum Geschichte der Franckeschen Stiftungen teil. Sie widmen ihre Aufmerksamkeit einem Dachbodenfund, einer kleinen Holzkiste, in der fein säuberlich in Kartons verpackte Glasnegative lagerten. Die Abzüge und historische Doku-mente aus der Zeit sind die Grundlage für kleine Forschungsprojekte der Schülerinnen und Schüler zum Leben und Werk des Autors, des Weltreisenden, Fotografen und Auto-mobilliebhabers Paul Herbst (1871–1924) aus Halle.

Damit schließt die Sommerakademie an das Jahresthema der Franckeschen Stiftungen »Bewegte Zeiten. Zur Geschichte und Zukunft des Reisens« an. Die Jugendlichen rekonstruieren anhand der Fotos die Reisen des Hallensers in Europa und die Stationen der Weltreise im Jahr 1911. Sie entdecken Halle vor über 100 Jahren und versuchen, die Eltern, Geschwister und Familienmitglieder auf den Fotos zu identifizieren. Die Fotos vermitteln spannende und überraschende Einblicke in das Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts hier und in der Welt und ermöglichen es den Teilnehmenden, sich Bedingungen des Reisens zu Beginn des 20. Jahrhunderts anhand historischer Bildquellen selbst zu erschließen.

Dazu recherchieren die Schülerinnen und Schüler in Archiv und der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen, im Stadtmuseum und im Stadtarchiv, sprechen mit Fachleuten und interessierten Laien, nehmen buchstäblich die vorhandenen Fotografien unter die Lupe, versuchen auf den Fotos abgebildete Orte zu lokalisieren, forschen nach den Reise-zielen und setzen sich mit fotografietechnischen Fragestellungen auseinander – je nach Forschungsinteresse. Vertiefende Informationen zur Fotografie-Geschichte erarbeiteten sich die Jugendlichen im Rahmen einer Exkursion ins Deutsche Fotomuseum bei Leipzig.

Die Ergebnisse ihrer Forschungen präsentieren die Jugendlichen zum Abschluss der Sommerakademie am Freitag, dem 6. Juli 2018 um 13.30 Uhr Familien, Freunden und der interessierten Öffentlichkeit im Englischen Saal (Haus 26).
Die Presse ist herzlich eingeladen!

Die Pressemitteilung zum Herunterladen(PDF, 451 kB)

The Global Garden: Bilingualer Schulgarten zum zweiten »Tag des Schulgartens« im Pflanzgarten der Franckeschen Stiftungen

mit Dr. Grit Bergner, Institut für Schulpädagogik und Grundschuldidaktik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Cornelia Jäger, Dipl.-Biol., Leiterin des Pflanzgartens der Franckeschen Stiftungen
und etwa 50 Studierenden der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie 2 mal ca. 85 Kindern aus verschiedenen Grundschulen Halles
→ Wir vermitteln der Presse auf Anfrage gerne Gespräche mit Dr. Grit Bergner und Cornelia Jäger

MONTAG, 11. JUNI 2018 UND DIENSTAG, 12. JUNI 2018, JEWEILS 8-12 UHR | FRANCKE-PLATZ 1, PFLANZGARTEN DER FRANCKESCHEN STIFTUNGEN

Ziel des bundesweit ins Leben gerufenen »Tags des Schulgartens« ist es, auf die im »Cottbuser Appell« der Bundesarbeitsgemeinschaft Schulgarten e.V. formulierte Bedeutung des Schulgartens aufmerksam zu machen und Kindereinrichtungen wie Schulen und Kindergärten dazu anzuregen, die vielfältigen Themen eines Gartens für die eigene pädagogische Arbeit zu nutzen. Zum zweiten bundesweiten Schulgartentag am 12 Juni 2018 stehen im Pflanzgarten der Franckeschen Stiftungen die Möglichkeiten der bilingualen Arbeit im Schulgarten im Mittelpunkt. Unter dem Thema »The Global Garden« werden Studierende der Martin-Luther-Universität Halle –Wittenberg (MLU) unter der Leitung von Dr. Grit Bergner (Institut für Schulpädagogik und Grundschuldidaktik) mit Grundschulkindern den Garten auf Englisch entdecken. Am 12. Juni 2018 von 14–15.30 Uhr werden die Studierenden ihre Erfahrung im Rahmen der Ringvorlesung von Dr. Dietlinde Rumpf (Haus 31, Hörsaal) vorstellen.

»Schul-und KITA-Gärten müssen zum Alltag und zum Lehrplan in unseren Bildungseinrichtungen gehören!«, fordert die Bundesarbeitsgemeinschaft Schulgarten e.V. »Sie vermitteln Kompetenzen in Sachen Umwelt, Ernährung und Gesundheit. Auch soziale Kompetenzen, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein werden gefördert. Sie sind sogenannte multifunktionale Lernorte.« (aus dem Cottbuser Appell)

Der Pflanzgarten der Franckeschen Stiftungen geht zurück auf die Schulgartentradition in der Schulstadt August Hermann Franckes und gilt damit als der älteste Schulgarten Deutschlands. Kinder aus Kitas und Grundschulen können hier vielfältige Projekte zur Umweltbildung wahrnehmen. Die direkte Nachbarschaft zum Fachbereich Erziehungswissenschaften der MLU und den Kindereinrichtungen der Franckeschen Stiftungen bietet beste Voraussetzungen für die Entwicklung von Modellprojekten für den Schulunterricht. Der bilinguale Schulgarten zeigt, wie auch nicht-naturwissenschaftliche Schulfächer von einem Schulgarten profitieren können. Unter dem Thema »The Global Garden« stehen die praktische Anwendung einer Fremdsprache im Schulgarten sowie interkulturelle Aspekte im Mittelpunkt. Im Rahmen ihrer Englisch-Seminare haben die Studierenden der Grund- und Förderschulpädagogik ein Semester lang das Konzept entwickelt. Rund um den Schulgartentag am 11. und 12. Juni 2018 können erstmals Grundschulkinder aus ganz Halle in 10 Gruppen betreut von insgesamt 50 Studierenden das Angebot im Pflanzgarten wahrnehmen.

Pressemitteilung zum Herunterladen(PDF, 545 kB)

Poster zur Veranstaltung(PDF, 3,4 MB)

Tag des Schulgartens 

Erster internationaler Apothekenversandhandel in Deutschland am Halleschen Waisenhaus

Kuratorenführung durch die Jahresausstellung mit Dr. Claus Veltmann und

Vortrag von Claudia Weiß, M.A.
»Eine offene Thür zu allen Völckern und Nationen« – Der weltweite Versand der hallischen Waisenhaus-Arzneien

DONNERSTAG, 7. JUNI 2018, 18.00 UHR, FRANCKEPLATZ 1/ HAUS 1
EINTRITT FREI

1698 legte der Theologe und Pietist August Hermann Francke (1663–1727) den Grundstein für das Hallesche Waisenhaus als Nukleus einer Schulstadt, der heutigen Franckeschen Stiftungen, die in vielerlei Hinsicht einzigartig ist: Neben dem ältesten Schulgarten Deutschlands, einer Bibliothek, die Anfang des 18. Jahrhunderts zu den umfangreichsten ihrer Zeit zählte und deren Bestand zeitweise größer war als der der hallischen Universitätsbibliothek, hat die aktuelle Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen den Blick auf die Medikamenten-Expediton des Halleschen Waisenhauses gelenkt. Dr. Claus Veltmann, Kustos des Waisenhauses und Kurator der Ausstellung ist sich sicher: »Mit der Medikamenten-Expedition hat Francke nicht nur seine Idee der Bildung für alle finanziell absichern können, er gründete hier vielmehr den ersten internationalen Apothekenversandhandel in Deutschland«. Zum Ausstellungsabend in der Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen »Durch die Welt im Auftrag des Herrn. Reisen von Pietisten im 18. Jahrhundert« am 7. Juni 2018 wird er gemeinsam mit Claudia Weiß, M.A., die Medikamenten-Expedition einem breiten Publikum vorstellen.

1698 etablierte der Stiftungsgründer eine Apotheke zur kostengünstigen Versorgung mit Medikamenten der mit seiner Schulstadt verbundenen Menschen. Von Anfang an wurden einmal in der Woche im Rahmen einer Sprechstunde unentgeltlich Arzneimittel an Arme und Bedürftige ausgegeben. Nachdem Johann Juncker (1679–1759) 1716 die Stelle als Anstaltsarzt übernommen hatte, stieg die Zahl der Patienten in der Sprechstunde auf monatlich über 1.000. Juncker ist auch für die Einführung der Famulatur, der Ausbildung von Medizinstudenten am Krankenbett, verantwortlich, wie er sie in den Stiftungen Franckes praktizierte. Schnell erkannte Francke, dass der Medikamentenhandel auch seinen gesellschaftlichen Reformzielen im christlich-pietistischen Sinn dienlich sein könnte. 1704 führte er in einer programmatischen Schrift, dem sog. »Großen Aufsatz« aus, man solle »dieselbige Arzeneyen in weit entlegenen Ländern, und zum theil auch in andern theilen der Welt […] vertreiben, so ist im geringsten nicht zu zweiffeln, daß nicht durch dieselbige allenthalben der allerbequemste Eingang in die Gemüther und gleichsam eine Thür, die Seelen Gott zu zuführen, erlanget werden könnte.« Schon 1701 war die sogenannte Medikamenten-Expedition des Halleschen Waisenhauses aus der Apotheke herausgelöst worden. Sie widmete sich der Herstellung von Arzneimitteln und deren überregionalem bzw. internationalem Vertrieb. Organisatorisch war die Medikamenten-Expedition ein eigenständiger »erwerbender Betrieb« der Stiftungen Franckes. Zunächst entstand ein dichtes Netz von Verkaufsstellen für Waisenhausmedikamente im Deutschen Reich, das bis nach Wien reichte. Gleichzeitig wurden hallische Arzneien in alle protestantischen Regionen Europas exportiert, zu denen das Hallesche Waisenhaus Kontakt hatte: so z. B. nach Litauen, Ungarn, Siebenbürgen oder Dänemark. Wichtigster europäischer Markt für die Waisenhausarzneien wurde jedoch Russland. Die Einfuhr erfolgte über Archangelsk am Weißen Meer, dem damals wichtigsten russischen Hafen für den Handel mit West- und Mitteleuropa, später auch über St. Petersburg. Deutsche, dem Pietismus nahestehende Lutheraner, organisierten die Distribution und den Handel innerhalb Russlands.

Da beim Versandhandel eine Beratung wie zur Sprechstunde am Halleschen Waisenhaus nicht erfolgen konnte, wurden die Medikamente von einer Anleitung zur Selbstmedikation begleitet. Die verfasste zunächst Christian Friedrich Richter (1676–1711), der ab 1701 bis zu seinem Tod die Medikamenten-Expedition leitete. Seine Anleitung »Kurtzer und deutlicher Unterricht Von dem Leibe und natürlichen Leben des Menschen: Woraus ein jeglicher / auch Ungelehrter erkennen kann/ Was die Gesundheit ist und wie sie zu erhalten« wurde bis 1791 in 18 Auflagen gedruckt und damit zu einem Klassiker der medizinischen Literatur.

Die Medikamente wurden einzeln oder zu mehreren vertrieben, wobei auch standardisierte Sets bestimmter Medikamente angeboten wurden. Zu den Verkaufsschlagern gehörte die Essentia Dulcis des Halleschen Waisenhauses, die weltweit vertrieben wurde. Die hallischen Pietisten erreichten mit dieser Goldtinktur auch den Zaren in Russland. Am 30. November 1716 ist in Franckes Tagebuch nachzulesen: »Die Frau Obristen von Campenhausen hat geschrieben, und Erinnerung gethan, daß die letztgesandte Essentia dulcis nicht so schiene zu seyn, wie die so Ihr. Czarische Mayst. vormals erhalten. daraus auch eine Probe mit gesandt worden. Hierauf ist geantwortet, daß diese noch beßer sey.«

Der erste außereuropäische Absatzmarkt für die hallische Medizin war Indien, wo ab 1706 die erste protestantische Mission, die Dänisch-Hallesche Mission, von Missionaren aus Halle aufgebaut wurde. Der Transport nach Asien erfolgte in der Regel mit dem Schiff über Kopenhagen oder England. In Indien wurden die Arzneien von den Missionaren bzw. den Missionsärzten zur unentgeltlichen Behandlung von Kranken in den Missionsstationen genutzt, wobei die medizinischen Aktivitäten sich positiv auf den Erfolg der Mission auswirken sollten. Auch auf ihren Reisen durch Südindien führten die Missionare und das indische Missionspersonal Medikamente zur Behandlung der Bevölkerung mit sich. Für einen erfolgreichen kommerziellen Vertrieb der hallischen Medizin gibt es hier keine Anzeichen.

Anders sah es in Nordamerika aus, wo das pharmazeutische Standardangebot zu einem Verkaufsschlager wurde. Vor allem in Pennsylvania entfaltete das innovative System des hallischen Medikamentenhandels seine Wirkung. Die Anleitung zur Selbstmedikation war auf die Bedürfnisse der Siedler zugeschnitten, die oft weit entfernt vom nächsten Arzt wohnten. Zudem waren die hallischen Pastoren in medizinischen Grundkenntnissen ausgebildet und konnten die Mitglieder ihrer ländlichen Gemeinden behandeln. Diese bekamen die Medikamente kostenlos, Mitglieder anderer deutschsprachiger Gemeinden mussten sie kostenpflichtig erwerben. Um die Pfarrer herum bildeten sich kommerzielle Netzwerke zum Handel mit Medikamenten und Büchern aus Halle. Damit stiegen in den Jahren 1761–1770 die Einnahmen der Medikamenten-Expedition auf das 4-fache (30.450 Reichsthaler) im Vergleich zu den Jahren 1710–1720 (9.000 Reichsthaler) an. In Europa erwirtschaftete allein der Handel mit Russland im Jahr 1709 4.846,56 Rubel. (Der Monatslohn des Ökonomen betrug 1714 2 Reichsthaler, 16 Groschen).

Werbung, systemischer Ansatz und Standardisierung machten es möglich, dass die Medikamenten-Expedition des Halleschen Waisenhauses als erste international agierende Versandapotheke zu einem innovativen Pharma-Großunternehmen des 18. Jahrhunderts geworden war. Untrennbar mit dem Halleschen Waisenhaus verbunden, bildete sie einen wichtigen Bestandteil der universalen Reich-Gottes-Arbeit Franckes.

Pressemitteilung zum Herunterladen(PDF, 871 kB)

Pressebilder rechts im Downloadbereich

Alfred Grosser: "Le Mensch: Die Ethik der Identitäten"

Zum dritter Themenabend des Jahresthemas "Bewegte Zeiten. Zur Geschichte und Zukunft des Reisens" ist mit dem Publizisten, Politologen und Soziologen Alfred Grosser eine der wichtigsten Stimmen der deutsch-französischen Verständigung im Gespräch mit Vladimir Balzer.

Alfred-Grosser014_Foto Thomas Meinicke 

Mann, Pariser, Frankfurter, Franzose, Professor, Europäer, ein "jüdisch geborener, mit dem Christentum geistig verbundener Atheist" – all das lässt sich über Alfred Grosser sagen. Doch wie viele Identitäten hat ein Mensch? 1925 in Frankfurt am Main geboren, wandert Grosser mit seiner Familie 1933 nach Frankreich aus und nimmt 1937 die französische Staatsbürgerschaft an. Als Wanderer zwischen den deutsch-französischen Identitäten wird er nach Kriegsende zu einem der wichtigsten Fürsprecher für die deutsch-französische Aussöhnung. Als Publizist, Politologe und Soziologe nutzt ihm dabei stets das Bewusstsein über seine eigene Außenperspektive: "Ich habe nämlich das Glück, als Außenseiter innerhalb zweier Gesellschaften mitstreiten zu dürfen, denen ich nicht angehöre. Als Franzose in Deutschland und als Atheist im französischen Katholizismus."
In Zeiten von Migration, Globalisierung und interkulturellen Begegnungen wird deutlich, dass man Menschen nicht nur EINE Identität zuschreiben kann. Eines der Grundübel unserer Zeit, nämlich mit dem Finger auf andere zu zeigen und ihnen nur EINE Identität zuzugestehen, wirkt sich dabei fatal für das Zusammenleben unserer Gesellschaft aus. In seinem neuen Buch "Le Mensch – Die Ethik der Identitäten" beschäftigt sich der große französische Intellektuelle deshalb mit der Komplexität unseres Selbst und formuliert Vorschläge, wie wir in der veränderten politischen Realität Europas respektvoll zusammenleben können. Aktuelle Themen wie Migration, Flucht und das Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen werden dabei analysiert.
Zum dritten Themenabend des Jahresthemas »Bewegte Zeiten. Zur Geschichte und Zukunft des Reisens« soll die Gesellschaft im Mittelpunkt stehen – ein sich rasant veränderndes Europa, das mit Migration, Globalisierung und den hybriden Identitäten seiner Bewohner große Herausforderungen gegen das Auseinanderbrechen der Gesellschaft bewältigen muss. Alfred Grosser wird sich im Gespräch mit Vladimir Balzer den wichtigsten Themen seines Buches widmen und mit dem Publikum ins Gespräch kommen.

PRESSEINFORMATION

Nach der Veranstaltung sind Interviews mit Alfred Grosser möglich.

Pressemitteilung zum Herunterladen(PDF, 50 kB)

Die Seidenraupen sind wieder in den Franckeschen Stiftungen zuhause

Zum Kindertag ist die Presse eingeladen, das Umweltbildungsprojekt Seidenbau in den Franckeschen Stiftungen mit den Schülern der Grundschule August Hermann Francke kennenzulernen.

FREITAG, 01. JUNI 2018,10.30 UHR, FRANCKEPLATZ 1/ PFLANZGARTEN

Geschichte mit Naturwissenschaft verbindet im Pflanzgarten der Franckeschen Stiftungen die Diplom-Biologin Cornelia Jäger. Derzeit betreut sie etwa 100 Seidenraupen, wie sie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in den Franckeschen Stiftungen zuhause waren. Im Rahmen der umweltpädagogischen Angebote im Pflanzgarten können die Kinder das Wachsen und die Wandlung vom Ei zum Falter miterleben. Ganz nebenbei erfahren sie die Geschichte des Seidenbaus in Preußen. Zum Kindertag ist die Presse eingeladen, das Umweltbildungsprojekt Seidenbau in den Franckeschen Stiftungen mit den Schülern der Grundschule August Hermann Francke kennenzulernen.

Anfang des 18. Jahrhunderts kam mit den Hugenotten die aus China stammende Kunst des Seidenbaus nach Preußen. Die Seidenraupenzucht galt bald als Zauberformel, um das preußische Außenhandelsdefizit zu bekämpfen und den Staatshaushalt zu sanieren. Der preußische König ordnete deswegen an, überall im Land Maulbeerbäume anzupflanzen, um Myriaden hungriger Raupen hochzupäppeln, aus deren Kokons dann wertvolle Seidenfäden gewonnen werden sollten. Am 17. Februar 1744 wies Friedrich II. (1712–1786) per Befehl auch das Hallesche Waisenhaus an, eine Maulbeerbaum-Plantage für die Seidenraupenzucht anzulegen »zu deren Anrichtung und würcklichen cultivirung die Waysen Kinder gebrauchet und beständig angeführet werden sollen […]«. Unter dem Direktor Gotthilf August Francke (1696–1769) entstand dort, wo heute die Hochhäuser in der Voßstraße stehen, aus einem Grundstock von 330 geschenkten Pflanzen in den folgenden zwei Jahren eine Baumschule mit über 4.600 größeren und 15.000 jungen Maulbeerbäumen. Denn nur mit deren Blättern lassen sich die Seidenraupen füttern. Im Archiv gibt es über dieses aktuelle Thema des 18. Jahrhunderts viele Aufzeichnungen bis hin zu Zeichnungen und historischer Fachliteratur. Drei Jahre später begann hier die Produktion von Rohseide. 1805 musste der Seidenbau aufgrund der widrigen klimatischen Bedingungen in ganz Preußen eingestellt werden. Seidenraupen sind empfindlich und eigentlich in wärmeren Regionen zuhause.

Heute erinnern vier Maulbeerbäume auf dem Gelände der Franckeschen Stiftungen an diese Tradition. Ganz aktuell liefern sie das Futter für die hungrigen Seidenraupen, deren Lebenszyklus von den SchülerInnen aufmerksam beobachtet wird. Die Eier hatte Cornelia Jäger bei der Initiative Zernikow bestellt, die die Erinnerung an die Zeit der intensiven Seidenproduktion in Preußen wachhält. In nur wenigen Tagen waren die Raupen geschlüpft, die dank der regelmäßigen Fütterung mit frischen Maulbeerbaumblättern und gleichmäßiger klimatischer Bedingungen rasant wuchsen. Die Kinder werden im Pflanzgarten der Franckeschen Stiftungen die Entstehung der Falter bewundern können, die pro Weibchen bis zu 500 Eier legen können. Kurz nach der Eiablage sterben die Falter. Die Eier können für die nächste Maulbeersaison aufbewahrt werden, die im Pflanzgarten beginnt, sobald die Bäume wieder frische Blätter austreiben.

Pressemitteilung zum Herunterladen(PDF, 519 kB)

Faszinierende Fremdheit. Von den zwei Seiten der touristischen Sehnsucht nach authentischen Erfahrungen

MITTWOCH, 30. MAI 2018,
19.30 UHR, FREYLINGHAUSEN-SAAL,
21.00 UHR, LINDENHOF, EINTRITT FREI, BITTE FAHRRÄDER MITBRINGEN

»Reisen ist tödlich für Vorurteile«, wusste schon Mark Twain. In der Begegnung mit dem Fremden lernen wir nicht nur, andere zu verstehen, sie bewirkt auch eine Veränderung des eigenen Selbstverständnisses. Doch zwischen Massen- und Individualtourismus, Ressourcenverschwendung und Nachhaltigkeitskonzepten wird deutlich: Um das Bildungserlebnis in der Fremde zu erhalten, brauchen wir neue Ansätze zum Reisen und für einen respektvollen Umgang mit der Natur und den Menschen vor Ort. Der zweite Themenabend der Franckeschen Stiftungen zum Jahresthema »Bewegte Zeiten. Zur Geschichte und Zukunft des Reisens« beleuchtet daher zwei Seiten, die dem Reisen in die Ferne innewohnen.

Was suchen wir in der Fremde? Vortrag mit Prof. Dr. Alfred Schäfer im Freylinghausen-Saal
Prof. Dr. Alfred Schäfer forscht an der Martin-Luther- Universität zur Bildungsethnologie. Dabei verfolgt er den Ansatz, dass Prozesse des Aufwachsens sowie »pädagogische Verhaltensweisen« in anderen Kulturen nicht nach europäischen Maßstäben sondern gemäß der dort vorherrschenden Sinnbestimmungen untersucht werden müssen. Zum zweiten Themenabend »Bewegte Zeiten« wird er das persönliche, touristische Motiv der authentischen Begegnung mit dem Fremden in den Blick nehmen. Was suchen wir in der Fremde? Wie finden durch die Ausweitung der touristischen Infrastruktur authentische Begegnungen noch statt? Ist in Zeiten der Globalisierung die »Fremde« überhaupt noch fremd?

Fahrradkino im Lindenhof
Anschließend sind die Gäste des Abends zum Fahrradkino im Lindenhof eingeladen. Zwei Dokumentarfilme machen auf mögliche Gegenstrategien zum Massentourismus aufmerksam.

»Unterwegs zu sich selbst – in der Heimat und der Ferne«, 45 Min.
Pilgern liegt seit Jahren im Trend. Nachdem Paulo Coelho mit seinem »Jakobsweg« und Hape Kerkeling mit »Ich bin dann mal weg« alle Verkaufsrekorde gebrochen haben, machen sich jährlich Tausende für einige Wochen auf, um im Wandern auf alten Pilgerwegen sich selbst und ihren eigenen Zugang zu Spiritualität zu finden. Sie gehen in Gruppen, treffen andere und gewinnen Abstand vom Rhythmus unserer Gesellschaft.

»Die Gans mit den Goldenen Eiern«, 34 Min.
Der Film beleuchtet die touristische Entwicklung an der Pazifikküste Costa Ricas. Dort wirken sich die Luxusresorts und All-inclusive-Angebote zunehmend negativ auf die Natur und die Bevölkerung aus. Gestützt auf Interviews mit Behörden, BewohnerInnen, WissenschaftlerInnen und PolitikerInnen erzählt der Film von den Nachteilen des Massentourismus und stellt diesem den sogenannten Ökotourismus als mögliches positives Szenario gegenüber.

Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit produziert das Publikum den Strom für die Kinovorstellung dank der Fahrradkino-Anlage des Postkult e.V. selbst. Um einen Film abzuspielen, muss das Publikum auf mindestens zehn Fahrrädern kräftig in die Pedale treten. Wer eine Pause braucht, kann klingeln und ausgewechselt werden. Die Getränkeversorgung übernimmt die Fahrradklappbar des DIAlle-Reisefestivals.

Auftakt zur »DIAlle«
Der Themenabend ist zugleich auch die Auftaktveranstaltung für die »DIAlle – ein Reisefestival«. Das von den Hallenserinnen Claudia Fritze und Katharina Borst initiierte Festival für Weltentdecker, Naturliebhaber und Fernwehgeplagte findet 2018 zum zweiten Mal statt und erobert in diesem Jahr die Wiese vor dem Historischen Waisenhaus. Am 1. und 2. Juni scheint die ganze Welt auf dem Franckeplatz zusammenzukommen: Musik, Tanz, Kulinarisches aus aller Welt, Reisetauschbörsen, Poetry Slam und Fahrradkino wecken Reiselust beim Publikum. Faszinierende Reisevorträge auf der Konferenzetage des Historischen Waisenhauses und ein Kinderreiseprogramm des Kinderkreativzentrums Krokoseum runden das vielfältige Festival ab.

PRESSEINFORMATION

Das vollständige Programm zur »DIAlle«

Die Pressemitteilung zum Herunterladen(PDF, 670 kB)

AUSBLICK: Nächster THEMENABEND MIT ALFRED GROSSER

Mittwoch, 6. Juni 2018, 18.00 Uhr
»Le Mensch – Die Ethik der Identitäten«
Lesung mit Alfred Grosser

Kunstprojekt "Die drei Pinselstriche – ein illustrierter Kunstkrimi" im Kinderhort der Franckeschen Stiftungen

Am Montag, dem 23. April 2018, startet im Kinderhort August Hermann Francke der Franckeschen Stiftungen im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Programms »Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung« das Projekt »Die drei Pinselstriche – ein illustrierter Kunstkrimi.« Ziel ist es, Kindern unterschiedlicher Herkunft mit künstlerischen Mitteln einen Zugang zu ihrer Umwelt zu ermöglichen. Initiator des Projektes und Kooperationspartner der Erzieherinnen und Erzieher der Franckeschen Stiftungen ist das Kulturwerk des Berufsverbandes Bildender Künstler Sachsen-Anhalt e.V. Die inhaltliche Konzeption und Durchführung verantworten die Künstlerinnen Josefine Cyranka und Karoline Peisker. Als weiterer Partner fungiert das KinderKunstForum.

Mehr als die Hälfte der in der Kindereinrichtung betreuten Schülerinnen und Schüler lebt in einer Familie, die in einer anderen Kultur verankert ist. Sie wohnen in der Innenstadt von Halle, in Glaucha, südlich des Marktplatzes. Das Projekt »Die drei Pinselstriche – ein illustrierter Kunstkrimi« will ihnen einen Zugang in die für sie oftmals neue und fremde Umgebung in Deutschland schaffen. Bis März 2019 werden immer montags zwischen 13.30-16.30 Uhr die Künstlerinnen Josefine Cyranka und Karoline Peisker in den Kinderhort kommen, um mit den Schülerinnen und Schülern Tatorte in ihrem unmittelbaren Umfeld, mitten in der Stadt zu untersuchen: Was ist in der Stadt so los? Wie verhalten sich die Menschen an der Straßenbahnhaltestelle, wie Radfahrer oder Hundehalter? Was verkauft der Gemüsemann und wo hat er seine Äpfel her? Die Einrichtung der Franckeschen Stiftungen mit Sammlungen, Bibliotheken und Fakultäten der Universität bietet dafür ein einmaliges Betätigungsfeld: Was schreiben die Mitarbeiter an ihren Schreibtischen? Worüber sprechen sie in der Mensa? Was tragen sie in ihren Taschen? Was treiben sie in der Kapelle?

Überall werden die Kinder Fragen stellen und Informationen aufzeichnen. Als illustrierte Recherche werden die Beobachtungen mit unterschiedlichen grafischen Mitteln skizzenhaft festgehalten und anschließend mit vielfältigen künstlerischen Techniken zu Illustrationen verarbeitet. Als Ergebnis des Projektes ist eine Ausstellung geplant.
 
 
logos_Die drei Pinselstriche

Prof. Dr. Udo Sträter ist neuer Vorsitzender des Kuratoriums der Franckeschen Stiftungen

Das Kuratorium ist das oberste Organ der Franckeschen Stiftungen. In seiner heutigen Sitzung am 17. April 2018 hat das Gremium den Theologen und langjährigen Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Udo Sträter, als Vorsitzenden gewählt. Er übernimmt das Ehrenamt am 1. Juni 2018.
Udo Sträter ist international einer der renommiertesten Pietismusforscher und mit den Franckeschen Stiftungen seit 1992 eng verbunden. Im Zuge seiner vielfältigen Tätigkeit in den Leitungsgremien der Universität gehört er dem Kuratorium bereits seit 2010 an.

Udo Sträter_FotoMarkus Scholz 

Mit der Wahl gibt der Theologe Prof. Dr. Helmut Obst nach 15 Jahren den Kuratoriumsvorsitz auf eigenen Wunsch ab. Helmut Obst war maßgeblich an der Wiedergründung und dem anschließenden Wiederaufbau der Franckeschen Stiftungen beteiligt und gehörte in unterschiedlichen Funktionen den Leitungsgremien seit 1990 an. In Würdigung seiner Verdienste wählte das Kuratorium Helmut Obst zum Ehrenvorsitzenden.

Auf der Sitzung des Kuratoriums wurde außerdem Frau Anneheide von Biela als stellvertretende Direktorin der Franckeschen Stiftungen gewählt. Anneheide von Biela ist studierte Sozialpädagogin mit einem Masterabschluss für das Management von Nonprofitorganisationen.
Sie leitete seit September 2017 den sozialen und pädagogischen Bereich der Franckeschen Stiftungen.

Couchsurfer und Reiseblogger. Wie der Hallesche Pietismus den Weg zur modernen Reisekultur eröffnete

 »Durch die Welt im Auftrag des Herrn. Reisen von Pietisten im 18. Jahrhundert«
Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen

17. März–16. September 2018 ι Öffnungszeiten Di-So 10-17 Uhr
Eintritt 6 Euro, erm. 4 Euro, bis 18 Jahre Eintritt frei

Eröffnung der Ausstellung zur Francke-Feier am 17. März 2018 um 11 Uhr im Historischen Waisenhaus

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Die kulturhistorische Jahresausstellung 2018 in den Franckeschen Stiftungen überrascht mit dem Ansatz, dass die Grundlagen einer modernen Reisekultur Anfang des 18. Jahrhunderts unter anderem durch den Halleschen Pietismus gelegt wurden. Zwei Jahre lang haben die Kuratoren Dr. Claus Veltmann und Anne Schröder-Kahnt die Sammlungen der Franckeschen Stiftungen mit der einzigen, am originalen Standort vollständig erhaltenen barocken Wunderkammer, der Bibliothek, die in ihrer Entstehungszeit zu den bedeutendsten ihrer Zeit zählte, und dem einzigartigen Archiv intensiv zum Thema Reise befragt. Dieses liegt in der Geschichte des Halleschen Pietismus fest verankert. Unter der Leitung von August Hermann Francke (1663–1727) begann man an der Wende zum 18. Jahrhundert systematisch Beziehungen bis in den sibirischen Teil Russlands, nach Südindien und Nordamerika aufzubauen, die sich stabil über Jahrhunderte weiterentwickelten. In sieben Räumen der Ausstellungsetage des Historischen Waisenhauses zeigen die Kuratoren, wie die Fülle an gesammelten Informationen und ein engmaschiges Netz von Kontakten gezielt und sehr erfolgreich für die Vorbereitung und Durchführung von Erkundungs-, Pilger- und Missionsreisen eingesetzt wurden. Die Schau wagt dabei den Versuch, dieses System auch für erzwungene Reisen, etwa die Flucht der protestantischen böhmischen Exulanten zu überprüfen, die von Mitarbeitern Franckes betreut wurden.

Vorbereitung
Die umfassende Vorbereitung auf eine Reise der halleschen Gesandten durch Deutschland, Europa oder nach Übersee begann in den 1698 angelegten Sammlungen der Schulstadt August Hermann Franckes in Halle, dem Halleschen Waisenhaus. Wörterbücher für gängige und seltene Sprachen, Dialoge für den Alltag in einer fremden Kultur und vor allem vielfältige authentische Berichte mit ausführlichen Natur- und Ortsbeschreibungen, Reflexionen über Religion und Mission, aber auch mit der Beschreibung interessanter Begegnungen und scheinbar nebensächlicher Alltagserlebnisse zeichneten bei gründlichem Studium ein reales Bild der Reise und des Zielorts:
Diese Form der Reisedokumentation kennzeichnet insbesondere die Reisen der Pietisten zu Beginn des 18. Jahrhunderts,
beurteilt Dr. Heike Liebau die Faktenlage in Bezug auf die Dänisch-Halleschen Mission im südindischen Tranquebar im wissenschaftlichen Katalog zur Ausstellung.

Reisebegleiter
Wie die aufmerksam verfassten Berichte einem Reiseführer gleichkamen, wird in der Ausstellung am Beispiel Georg Heinrich Neubauers (1666–1725) deutlich, der als Bauleiter der Schulstadt in Halle gilt. Auf einer Hollandreise 1697/98 sammelte er in einem der fortschrittlichsten Staaten der Zeit Informationen zur Armenfürsorge und lieferte in seinem Bericht umfänglichste Informationen über das Reisen an sich. Die Schiffsreise sei sehr bequem, doch »solle man in Holland mit dem Glockenschlag pünktlich bei der Schuyte sein, da diese dann nach ungefähr einer Minute des Läutens sofort ablegt. Zwar könne man hinterherrennen, das Boot einholen und noch aufgenommen werden, allein sei man dann so verschwitzt, dass man sich auf dem Boot eine Erkältung zuziehe, die der Gesundheit einen »Stoß« gebe, »den sie ihr Lebtage nicht wieder verwinden« werde, zitiert Prof. Dr. Holger Zaunstöck in seinem Katalogbeitrag den Reisebericht Neubauers. Dieser war bereits 1706 in der »Nützlichen und nöthigen Handleitung Zu Wohlanständigen Sitten« veröffentlich worden, die sich an die Zöglinge des Königlichen Pädagogiums in Halle richtete. Damit war die Hollandreise Neubauers zu einem Reise-Lehrstück für die Söhne des preußischen Bürgertums und Adels geworden.

Reiseroute und Andenken
Amsterdam zählte wie London, Wien, Venedig oder Archangelsk zu den Relaisstationen des Halleschen Pietismus. An diesen Knotenpunkten des sorgsam aufgebauten und intensiv gepflegten Transport und Kommunikationsnetzwerkes wurden die halleschen Reisenden, Emissäre oder Missionare versorgt, hier wurden Informationen ausgetauscht und, ausgestattet mit dem Notwendigsten, machten sie sich wieder auf den Weg. Die Reise von Stephan Schultz (1714–1776) in den Orient deckt in der Ausstellung die Entstehungsgeschichte und Langlebigkeit einer Reiseroute auf. 1699 war der einflussreiche Diplomat am Englischen Hof, Heinrich Wilhelm Ludolf (1655–1712), als Pilger in Jerusalem angekommen. Seine Route nahm 40 Jahre später der hallesche Emissär Stephan Schultz (1714–1776). Mitbringsel wie der Reisepass des Sultans Mahmuds I. (1696–1754) und eine erst kürzlich identifizierte Zeichnung der Grabeskirche in der Kunst- und Naturalienkammer belegen das Erreichen seiner Reiseziele.

Versicherung
Der Schutz der Gesundheit komplettiert die Vorbereitung und Durch-führung der Reisen Hallescher Pietisten. Das Hallesche Waisenhaus bot hier ein Set zur Selbstmedikation mit Handbuch und kleiner Medizin-auswahl feil. Diese Grundausstattung, die körperliches Wohlbefinden und seelische Gesundheit miteinander verband, verkaufte sich äußerst erfolgreich gerade in den weit entfernten Gebieten Russlands und Nordamerikas. Erstmals werden die weltweiten Beziehungen der Medikamentenexpedition des Halleschen Waisenhaues in einer Ausstellung vorgestellt.

Ungewollt unterwegs
Neben Pilger-, Missions-, Forschungs- und Abenteuerreise hat der Hallesche Pietismus auch das erzwungene Reisen im Blick. Heinrich Milde (1676–1739), der Slavist am Halleschen Waisenhaus, betreute im Auftrag Franckes böhmische Auswanderer. Sie zählten zu den letzten Lutheranern, die aufgrund der katholischen Repressionen nur mit dem Nötigsten ihre Heimat verlassen mussten. 1720 hielt sich Milde in der kleinen Exulantenkolonie Ves Panĕ / Wespen auf, einem heutigen Stadtteil von Barby an der Elbe. Er unterrichtete den dortigen Pfarrer in der tschechischen Sprache, so dass dieser den böhmischen Exulanten aus der Bibel vorlesen und sich verständigen konnte. In tiefer Dankbarkeit übergab ihm ein Mitglied dieser Gemeinde einen prachtvoll ausgestatteten tschechischen Bibeldruck von 1537 (Prag). Das Buch war über Generationen in Familienbesitz. In der Ausstellung offenbart es die bewegten Geschichten der versammelten Objekte und knüpft das Band in die Gegenwart.

BEGLEITPROGRAMM
»Bewegte Zeiten«. Zur Geschichte und Zukunft von Reise und Migration
Veranstaltungsreihe in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Institut für Pädagogik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Reisende suchen heute nach immer authentischeren Erfahrungen wäh-rend der Massentourismus den Menschen vor Ort die Lebensgrundlage nimmt. Was suchen wir in der Fremde und wo finden Begegnungen mit dem Fremden überhaupt noch statt? Wie definieren wir unsere soziale Identität? An vier Abenden fragen die Franckeschen Stiftungen bei dem Migrationsexperten Prof. Dr. Jochen Oltmer (Osnabrück), dem Youtuber Firas Alshatar (Berlin), dem Publizisten Alfred Grosser in Diskussionsrunden mit dem Publikum nach.

Unterwegs mit den Halleschen Pietisten im 18. Jahrhundert
Jeden ersten Donnerstag im Monat stellt die Kuratorenführung eine Reise der Halleschen Pietisten im 18. Jahrhundert vor: Die akribischen Vorbereitungen und perfekte Durchführung der pietistischen Bildungs- und Missionsreisen, einer Pilgerreise ins Heilige Land, die weltweiten Handelswege der Medikamentenexpedition und die Vertreibungen der böhmischen Exulanten stehen im Mittelpunkt einer Kurzführung mit anschließendem Vortrag.

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Wie Reisen bildet. Kabinettausstellung in den Franckeschen Stiftungen stellt August Hermann Niemeyers Reisen durch Europa (1794–1819) vor.

Mit der Kutsche durch Europa. Die Reisen August Hermann Niemeyers von 1794 bis 1819
Kabinettausstellung in der Historischen Bibliothek
20.04.2018–09.09.2018
Eintritt 6 Euro, erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre Eintritt frei

ERÖFFNUNG DER KABINETTAUSSTELLUNG AM DONNERSTAG, 19. APRIL 2018 UM 18 UHR, IM ENGLISCHEN SAAL (HAUS 26)

August Hermann Niemeyer (1754–1828) war der erste Direktor der Franckeschen Stiftungen, der zahlreiche ausgedehnte Reisen unternahm. In einer Kabinettausstellung in der Historischen Bibliothek werden im Themenjahr »Bewegte Zeiten« der Franckeschen Stiftungen seine Reisen durch Deutschland und weite Teile Europas vorgestellt. Grundlage sind die umfassenden Reisetagebücher, von denen Niemeyer selbst drei zwischen 1820 und 1826 in fünf Bänden unter dem Titel »Beobachtungen auf Reisen in und außer Deutschland« veröffentlicht hat.

Franken, Bayern, Württemberg, Schlesien, Westfalen und Holland, Böhmen, Österreich, Italien, Dänemark, Frankreich sowie England sind auf der Reiseliste Niemey-ers zwischen 1794 und 1819 zu finden. Zu Fuß erwanderte er sich die Großstädte Europas wie Berlin, Hamburg, Kopenhagen, Amsterdam, Paris, Prag, Wien und Venedig. Als Pädagoge und Theologe interessierte er sich besonders für die Bildungs- und Sozialeinrichtungen. Er besuchte Armen- und Elementarschulen, Lyzeen, Gymnasien und Universitäten, Waisen- und Findelhäuser, Blinden- und Taubstummeninstitute und widmete sich dem Gedankenaustausch mit auswärtigen Gelehrten, Erziehern und Erzieherinnen. Als Mitgestalter der bewegten Epoche um 1800 nutzte er das auf den Reisen erworbene Wissen für seine sozialpädagogische und wissenschaftliche Arbeit in Halle, für die Franckeschen Stiftungen, die Universität und die kommunale Armenpflege.

Die Kabinettausstellung stellt auch eine besondere Reise Niemeyers vor, die eng mit der Geschichte der Stadt Halle verbunden ist und Niemeyers Geschick als Diplomat zeigt. Im Oktober 1806 war Halle unter französische Besatzung geraten und Napoleon ließ die Universität schließen. Im Mai des folgenden Jahres wurde August Hermann Niemeyer nach Frankreich deportiert. Während des siebenwöchigen Aufenthaltes in der Nähe von Metz und danach in Paris nutzte er die Möglichkeit, Besuche abzustatten, Baudenkmäler anzuschauen und regelmäßig mit den Angehörigen in Halle zu korrespondieren. Er knüpfte Kontakte zu einflussreichen Personen des künftigen Königreichs Westphalen und erreichte eine persönliche Anhörung bei dem designierten Finanzminister Jacques Claude Beugnot, dem er überzeugend die Situation Halles, der Universität und der Franckeschen Stiftungen darlegte. Damit schuf er die Grundlage für die Wiedereröffnung der Universität und die finanzielle Konsolidierung der Stiftungen. Am 9. Oktober 1807 kehrte Niemeyer nach Halle zurück.

Eröffnung der Kabinettausstellung
Die Verknüpfung von sachlichen Beschreibungen mit persönlichen Erfahrungen, Ideen und Gefühlen machen Niemeyers Reiseerzählungen auch heute noch lesenswert. Sie spiegeln sein sozialpädagogisches, wissenschaftliches, literarisches und politisches Interesse in der ganz Europa betreffenden Umbruchszeit um 1800 wider und geben einen Einblick in den Reisealltag. Zur Eröffnung der Ausstellung am 19. April um 18 Uhr im Englischen Saal (Haus 26) werden die Kuratoren der Ausstellung, Carmela Keller und Dr. Jürgen Gröschl, ausgewählte Passagen aus den Reisetagebüchern Niemeyers vorlesen. Anschließend kann die Ausstellung in der Historischen Bibliothek (Haus 22) besichtigt werden.

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Ein deutsch-indisches Museum in Tharangambadi (Tamil Nadu/Indien)

Die Presse war am Donnerstag, den 8. Februar 2018, zu einem Pressetermin in das Indien-Zimmer im Historischen Waisenhaus mit Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen, eingeladen.
Am 3. Februar 2018 ist der Stiftungsdirektor von einer 12-tägigen Reise nach Südindien zurückgekehrt. Zum Pressetermin präsentierte Prof. Dr. Müller-Bahlke die Ziele und Ergebnisse der Reise, die Gespräche mit indischen Partnern und Museumsbesuchern, den Projektverlauf und Stand der Dinge im Ziegenbalghaus und gab einen Ausblick auf zukünftige Pläne.

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Drei Kurzfilme ließen die Projektpartner zu Wort kommen, gaben einen Einblick in die konkreten denkmalgerechten Sanierungsmaßnahmen am Ziegenbalghaus und zeigten das Museum und seine Inhalte heute zeigen. Insgesamt sechs Kurzfime zum Projekt sind auf der Projektseite zum internationalen Museumsprojekt zu finden.

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