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Bildung und Fürsorge im Zeitalter des Barock

Die Herzöge von Sachsen-Zeitz und die Franckeschen Stiftungen

Wanderausstellung_Zeitz  Die Gründung der Stadt Zeitz ist eng mit dem Bistum verbunden, das zwischen 968 und 1554 existierte. Dieser Zeit verdankt die Stadt Zeitz den Dom St. Peter und Paul, der später zur Schlosskirche des Schlosses Moritzburg wurde. Nach der Auflösung des Stifts gelangte die Stadt Zeitz zum Kurfürstentum Sachsen. Johann Georg I. (1585-1665) gründete 1652 drei kleinere Herrschaften als Entschädigung für seine nicht erbberechtigten, jüngeren drei Söhne. Eine dieser Herrschaften, die man Sekundogenituren nannte, war das Herzogtum Sachsen-Zeitz. In diesem Rahmen wurde Zeitz Residenzstadt. Herzog Moritz (1619-1681) stiftete in seinem Testament 10.000 Gulden für die Gründung eines Waisenhauses, die 1690 von seinem Sohn und Nachfolger Moritz Wilhelm umgesetzt wurde. Damit ist das Zeitzer Waisenhaus älter als das später gegründete Hallesche Waisenhaus. Es entwickelte sich jedoch frühzeitig ein inhaltlicher und personeller Austausch zwischen den beiden Einrichtungen, wie bspw. die Korrespondenz zwischen August Hermann Francke mit dem Zeitzer Superintendenten Paul Christian Mitternacht zeigt. Aber auch mit dem Pfarrer des kleinen, bei Zeitz gelegenen Amtes Kretzschau, Abraham Avenarius oder dem langjährigen Leiter der Stiftsschule und späteren ersten Professors für Rhetorik an der Halleschen Universität, Christoph Cellarius, war Francke in Kontakt.

Eine gemeinsame Ausstellung des Museums Schloss Moritzburg und der Franckeschen Stiftungen spürt diesen Verbindungen ab April nach. Die Sonderausstellung in Zeitz stellt die Fürsorgeeinrichtungen in Halle und Zeitz gegenüber und zeigt handschriftliche Berichte und Briefe, die den Kontakt beider Einrichtungen nachzeichnen. Thematisiert wird außerdem die im Umkreis der Franckeschen Stiftungen gern erzählte Anekdote, wie August Hermann Francke Herzog Moritz Wilhelm 1718 zum lutherischen Glauben zurückführte.

Das Jahr 1718 war sowohl für die Halleschen Pietisten um Francke als auch für Zeitz von großer Bedeutung. Herzog Moritz Wilhelm war, wie schon einige andere protestantische Reichsfürsten vor ihm, zum katholischen Glauben übergetreten und hatte damit für einen „Aufschrei“ in den Reihen der Protestanten in Deutschland gesorgt. Francke, der gerade von seiner Imagetour in Süd- und Mitteldeutschland zurückgekehrt war, intervenierte daraufhin beim Herzog. Tatsächlich gelang es ihm Moritz Wilhelm in einer Reihe langer Gespräche von der Richtigkeit/ Wahrheit der evangelischen Konfession zu überzeugen. Der Herzog wurde erneut evangelisch und starb kurz darauf. Francke, der nicht nur Waisenvater, Organisator und Wirtschaftsgründer, sondern auch ein begnadeter Praktiker in Sachen „Public Relations“ und „Marketing“ war, nutzte diese Entwicklung aus, indem er seine Version der Geschichte der Rekonversion des Herzogs niederschrieb und an Freunde, Gönner und einflussreiche Protestanten verteilte. Hierdurch konnte er seine eigene Bekannt, ja vielleicht auch Berühmtheit steigern und weitere öffentliche Aufmerksamkeit für sein Werk, die Franckeschen Stiftungen, generieren. Für Zeitz brachte der Tod des Herzogs eine ganz andere Veränderung mit sich. Da Moritz Wilhelm keine männlichen Erben hinterließ, fiel die Sekundogenitur an das Kurfürstentum Sachsen zurück. Zeitz büßte seinen Satus als Residenzstadt ein.

Die Sonderausstellung "Bildung und Fürsorge im Zeitalter des Barock. Die Herzöge von Sachsen-Zeitz und die Franckeschen Stiftungen" kann vom 13. April bis 13. Oktober 2019 im Schloss Moritzburg in Zeitz besichtigt werden. Die Eröffnung findet am Samstag, den 13. April, um 15.00 Uhr statt.

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