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WM-Reise-Spezial

Die Franckeschen Stiftungen reisen in die teilnehmenden Länder der Fußball-WM.

In unserem Themenjahr "Bewegte Zeiten. Zur Geschichte und Zukunft des Reisens" ist ein großes internationales Turnier ein willkommener Anlass, um unsere Archive zu durchstöbern und nach den internationalen Verbindungen der Franckeschen Stiftungen zu suchen. So wie wir auf dem Fußballplatz nach und nach die verschiedenen Länder kennen lernen, wollen wir herausfinden, welche Reisen, Objekte und Geschichten die Franckeschen Stiftungen mit den unterschiedlichen Ländern verbinden.

14.06.2018 Russland

Francke_WM_Russland  Das Zarenreich war im 18. Jahrhundert von großer Bedeutung für die Halleschen Pietisten, die über viele persönliche Kontakte und mit großem Engagement ein enges Netzwerk knüpften. Das funktioniert bis heute! Damals schon war es aufwändig, eine Einreisegenehmigung zu bekommen und die Anfahrt selbst war auch nicht ohne Schwierigkeiten: Der erste hallische Gesandte Justus Samuel Scharschmidt bemerkte unterwegs, dass der »Fuhrman, weil der Weg schlimm und sein Pferd schwach, heimlich mit dem Pferde fortgehen und mich also mit den Schlitten sizzen laßen [wollte]. Wie wirs aber merkten, gaben wir Achtung, daß keiner durfte von dem andern gehen. [Der Schlitten] hielt noch bis nahe bei der Herberge, da er ganz von einander brach.« Zum Anpfiff heute wäre er nicht pünktlich dagewesen. Wir drücken die Daumen für einen guten Start!

17.06.2018 Mexiko

Francke_WM_Mexico  Mexiko kannten die Halleschen Pietisten eher aus globalen Kontexten: So wusste der Pfarrer der Salzburger Exulanten aus dem nordamerikanischen Georgia zu berichten, dass Mexiko zum Zankapfel zwischen Spanien und England wurde. Eine bildliche Vorstellung von Mexiko Stadt erhielten die Hallenser dank eines Geschenks des Grafen von Sack im 19. Jahrhundert an die Wunderkammer im Waisenhaus. Auf einer prunkvollen Vase aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin kann man die Stadt nach einem Gemälde von Pedro Calvo (entstanden um 1825) entdecken. Mexiko und Deutschland wünschen wir heute ein faires Spiel!

19.06.2018 Japan

Francke_WM_Japan  Am heutigen Spieltag sind wir besonders neugierig auf das Spiel Kolumbien-Japan. Japan war nämlich für die Halleschen Pietisten eher ein Außenseiter, schottete sich das Land zu Franckes Zeiten doch stark von Europa ab. Im Netzwerk des Halleschen Pietismus wusste man von einzelnen Forschungsreisen nach Japan. Mit der Kampfkultur konnten die Besucher der Kunst- und Naturalienkammer des Waisenhauses jedoch an einem »japanischer Bauchreisser« Bekanntschaft machen. Den lässt die japanische Mannschaft heute hoffentlich zu Hause. Wer übrigens heutzutage im Frühling die Stiftungen besucht, freut sich bei der Kirschblüte im japanischen Kirschgarten über das Ende des Winters.

 

23.06.2018 Schweden

Francke_WM_Schweden  Wer gewinnt: Deutschland oder Schweden? Im 18. Jahrhundert halfen die Schweden August Hermann Francke und gründeten im sibirischen Tobolsk ein Waisenhaus nach hallischem Vorbild. Die nach dem Sieg von Poltawa durch die russische Seite gefangengenommenen und nach Tobolsk gebrachten schwedischen Offiziere hatten sich per Post nach Halle gewandt und sich genauestens erkundigt, wie so eine Bildungseinrichtung entstehen kann. Zurück in Schweden verbreiteten sie hier den Pietismus. In der Fußball-WM wird es um eine Entscheidung gehen. Wir sind gespannt!

27.06.2018 Südkorea

Francke_WM_Südkorea  Hochspannung in der Gruppe F. Jede Mannschaft hat noch eine Chance aufs Achtelfinale. Selbst Südkorea könnte mit etwas Glück das Feld von hinten aufrollen. Auch die Pietisten hatten Korea lange Zeit nicht auf der Rechnung, wurden dann aber umso aktiver. Erst 1832 kam mit Karl Gützlaff der erste protestantische Missionar nach Korea. Der von den Francke-Schulen und der Herrnhuter Brüdergemeine geprägte Deutsche verteilte das Neue Testament und lernte selbst die koreanische Schrift. Ins Koreanische wurde die Bibel jedoch erst 40 Jahre später von zwei schottischen Missionaren übersetzt. Nach anfänglicher Verzögerung zählt Südkorea heute mit zu den ostasiatischen Ländern mit dem höchsten Anteil bekennender Christen. Wir sind gespannt, welche Überraschungen der dritte Spieltag für die Gruppe F bereithält.


01.07.2018 Dänemark

Francke_WM_Dänemark  Herz über Kopf! In unserem heutigen WM-Reise-Spezial geht es um Dänemark, ein Land, in dem ein Francke-Schüler in ganz schön amouröse Verstrickungen geriet. Wer kennt nicht Johann Friedrich Struensee (1737-1772), der sich zu nah an die dänische Königin heranwagte und das mit seinem Leben bezahlte? Struensee war in Halle an der Lateinschule der Glauchaschen Anstalten ausgebildet worden und studierte an der Universität Medizin. Als Arzt bekämpfte er die Ausbreitung von Seuchen durch verbesserte Hygiene, führte die Pockenimpfung ein und widmete sich psychischen Krankheiten. Sein Ruf gelangte bis an den Hof des dänischen Königs, wo er zum Leibarzt berufen wurde und die bekannte Geschichte ihren Lauf nahm. Ob die dänischen Fußballer heute mit Herz oder Köpfchen spielen? Wir sind gespannt.

04.07.2018 England

Francke_WM_England  Nach dem atemberaubenden Spiel gestern müssen wir noch ein WM-Spezial zu England nachreichen: London war eine internationale Schaltstelle im Netzwerk der Halleschen Pietisten. Der Diplomat am englischen Hof Heinrich Wilhelm Ludolf (1655-1712) coachte Franckes erste Schritte in Russland. An entscheidender Stelle agierten die beiden Hofprediger Anton Wilhelm Böhme (1673–1722) und sein Nachfolger Friedrich Michael Ziegenhagen (1694–1776), um die Unternehmungen in Indien und Nordamerika zu einem Erfolg werden zu lassen. Die Unterstützung der englischen Queen Anne (1665–1714) für den Bau eines Hauses vornehmlich für die Schüler aus England in der Schulstadt in Halle mag für Francke ein Volltreffer gewesen sein. Bis heute trägt es den Namen »Englisches Haus« (Haus 26).

10.07.2018 Frankreich

Francke_WM_Frankreich  Die besten vier Mannschaften des Turniers stehen sich in diesen Tagen gegenüber. Finden wir vielleicht beim heutigen Halbfinale ein neues Fußball-Vorbild? Von Frankreich hat sich schon August Hermann Francke gerne etwas abgeschaut, genauer bei den Jesuiten. So übersetzte er die Schrift "Von der Erziehung der Töchter" des Erzbischofs François de Salignac de La Mothe Fénelon. Dass er bei der Übersetzung noch nicht die Anpassungen für die geneigte lutherische Leserschaft vornehmen konnte, begründete er im Vorwort: "Nichts desto weniger habe ich solches noch nicht zu Werck richten können/ theils wegen anderer sich stets häufender Arbeit,/ theils weil ich die Wichtigkeit dieses Wercks täglich besser erkennen lerne/ und es also immer gern zur besseren Reife kommen lassen wollte."

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