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Kolloquiumstag im Rahmen des Dr. Liselotte Kirchner-Stipendienprogramms

Am 28. Juni finden ab 11 Uhr die Vorträge von Gabriele Carlo Bellinzona (Mailand), Nicolas Mithen (Florenz/ Reading) und Stefano Sarazino (Wien) im Rahmen des Liselotte Kirchner-Stipendienprogramms in geselliger Atmosphäre im Indienzimmer des Historischen Waisenhauses (Haus 1) statt.

Programm

28. Juni 2018

11 Uhr

Die Dänisch-Englisch-Hallesche Mission und ihre Beziehungen zum Katholizismus und den anderen christlichen Konfessionen in den verschiedenen Phasen ihrer Geschichte, 1706-1848

Gabriele Carlo Bellinzona (Mailand)

In seinem Vortrag untersucht Gabriele Bellinzona (Mailand) das Verhältnis der lutherisch-pietistischen Mission in Tranquebar zu den anderen christlichen Konfessionen. Insbesondere geht er dabei auf die Beziehungen zwischen den in Halle ausgebildeten Missionaren und ihren katholischen Konkurrenten in den wichtigen Handelsplätzen Madras und Kalkutta ein und zeigt dabei an bisher kaum bekannten und nie gedruckten Quellen auf, wie die Hallenser den katholischen Einfluss zurückzudrängen suchten. Im Hinblick auf die Problematiken der Durchsetzung des „wahren Glaubens“ fragt Bellinzona nach dem Bild, welches sich die pietistischen Missionare von ihren jesuitischen Konkurrenten machten und welche Haltung sie gegenüber der katholischen Pastoralmethode bei der Bekehrung der „Heiden“ und den sogenannten „Akkomodationsversuchen“ einnahmen, durch die sich die katholischen Pater einen engeren Zugang zur indischen Welt verschafften.

13.30 Uhr (nach einer Mittagspause)

Inner Religion and the Non-Confessional State: The European Wanderings of an Italian “Pietist”, Francesco Bellisomi (1666-1741)

Nicholas Mithen (Florenz, Reading)

This presentation has several objectives. Firstly, it reconstructs the life of a little-known and highly intriguing priest and nobleman, Francesco Bellisomi (1666-1741), as he travelled, and fled persecution, from Pavia to Rome and Naples, to Vienna, to Halle and Berlin, and to London and Paris, Jena and Warsaw, in the early 18th Century. Secondly, it uses Bellisomi’s biography as a prism through which to assess the foundations of inter-confessional ecumenism within European Christianity in the early 18th Century, between Catholic, Lutheran, Anglican and Orthodox communities. Thirdly, through Bellisomi’s life and writings it proposes a causal relationship between, on the one hand, the cultivation of an ‘inner’ religiosity – based more on personal experience and faith than on dogma or rational religion – and on the other hand, the theorisation of the non-confessional state. Finally, it will offer a methodological reflection upon the strengths and weaknesses of using biographical case-studies to trace intellectual-historical dynamics. In conclusion, retracing the European wanderings of an Italian ‘pietist’ can offer a window onto the multifaceted renegotiation of the religious and the political, the refashioning of Church and State, which typified early 18th-century Europe.

15.30 Uhr

Die Wissens- und Alltagsgeschichte eines Migrationsregimes: Griechisch-orthodoxe Studenten aus dem Osmanischen Reich in den Franckeschen Anstalten (18. Jh.)

Stefano Saracino (Wien)

Im Rahmen der frühneuzeitlichen Migration Griechisch-Orthodoxer aus dem Osmanischen Reich ins Alte Reich stellt der Aufenthalt von griechischen Studenten am Collegium Orientale Theologicum (1703-1707) ein exzeptionell gut dokumentiertes Fallbeispiel dar. Bei dessen Konzeption und Gründung standen neben August Hermann Francke zwei weitere schillernde Figuren Pate: Der Äthiopist und Orientforscher Hiob Ludolf sowie dessen weitgereister und polyglotter Neffe und Unterstützer Franckes Heinrich-Wilhelm Ludolf. Ob das Collegium eher bibelwissenschaftliche oder aber gegenüber den Völkern des Orients „missionarische“ Zwecke verfolgte, ist in der Forschung umstritten. Der Vortrag wird aber abgesehen von der Perspektive der „Projektemacher“, auch die Perspektive der Studenten in ihrer Eigenschaft als Migranten in den Fokus stellen. Wie wurden diese in Praktiken der Wissensübermittlung und der interkonfessionellen Kommunikation eingebunden? Wie wurde ihr Alltag durch ihre Unterkunft, ihre Tisch- und Zimmergenossenschaften geprägt? Was lernte man aus dieser konfliktgeladenen Episode als in den 1730er/40er Jahre erneut griechisch-orthodoxe Studenten, dieses Mal aus der osmanisch-habsburgischen Grenzregion Ungarns, angeworben wurden?

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