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Silke ViehmannInformationszentrum im Francke-Wohnhaus Silke Viehmann (Informationszentrum im Francke-Wohnhaus) Silke ViehmannInformationszentrum im Francke-Wohnhaus Tel.+49 345 2127450

Daten

Termin: 22.09.2019-09.02.2020
Di-So und feiertags 10-17 Uhr
Kosten: 6 Euro. erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre Eintritt frei

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Jahresausstellung 2019

Ausstellung zum Jungsein in den Franckeschen Stiftungen, 1890–1933

Anlässlich des Bauhaus-Jubiläums 2019 widmen sich die Franckeschen Stiftungen dem genuin modernen Thema »Jugend« in einer aufwendigen Ausstellung. Die Stiftungen, die sowohl Jungen und Mädchen, Waisen und Kinder wohl situierter Eltern sowie Schulen aller Typen umfassten, eignen sich dafür in hervorragender Weise. Im Blick auf ihre Geschichte kann hier das Jungsein wie unter einem Brennglas beobachtet werden. Die Stiftungen waren – nicht zuletzt in ihrem Selbstverständnis und in der eigenen Traditionsbildung – ein Ort, der sich christlich-preußischen Werten überzeitlich verbunden sah. Die Ausstellung wird daher fragen, wie sich junges Leben am Ende des 19. und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in der Schulstadt darstellte und wie sich der grundlegende Umbruch von der Monarchie zur Republik konkret im Leben der Schülerinnen und Schüler spiegelte.

Wie war es, jung zu sein im Jahr 1892, 1916 oder 1930 und die Jugendzeit in der hallischen Schulstadt, den Franckeschen Stiftungen zu verbringen?

Was bedeutete dies für die Mädchen im Vergleich zu den Jungen? Was wurde von den Jugendlichen erwartet und wie spiegelte sich dies in ihrer Alltagswelt von Schule und Internat wider? Die Ausstellung setzt im Jahr 1890 mit der berühmten (und berüchtigten) Rede von Kaiser Wilhelm II. zur Pädagogik ein, die er auf der »Schulkonferenz« in Berlin gehalten hat. Schulen sollten demnach stärker für nationale Zwecke genutzt werden. Betont wurde die körperliche Stärkung der Schüler im Hinblick auf die militärische Kraft des Deutschen Reiches sowie die Förderung des Deutschen gegenüber dem Lateinischen im Unterricht. Otto Frick nahm als Direktor der Franckeschen Stiftungen persönlich an der Konferenz teil. Bald gab es in den Stiftungen ein altsprachliches humanistisches Gymnasium und eine neusprachlich-naturwissenschaftliche Oberrealschule. Auch wurde dem Sportunterricht verstärkt Beachtung geschenkt. Die Ausstellung endet 1933. Am Jahrestag der Unterzeichnung des Versailler Vertrages am 28. Juni 1933 verkündete Stiftungsdirektor Walther Michaelis den Beschluss des Direktoriums, dass sich die Franckeschen Stiftungen »zum nationalsozialistischen Erziehungsziel« bekennen und es so für alle Zöglinge verbindlich machen, »dem Jungvolk, der Hitlerjugend oder dem Bund deutscher Mädchen beizutreten«. Auch wenn die Gründe zu diesem Schritt für Michaelis divers gewesen sein mögen, markierte dieser einen signifikanten Bruch in der Stiftungsgeschichte.

In den sieben Ausstellungsräumen werden die Themen des Jungseins in dieser Zeit im Mittelpunkt stehen, wie die Körperlichkeit (Sport und Sexualität), Militarisierung und Kriegserfahrungen aber auch die Medien als Mittel des eigenen Ausdrucks der Jugendlichen sowie als Identifikations-, Unterhaltungs-, Informations- und Indoktrinationsmittel. Hier treffen die Veränderungsimpulse der Zeit auf das konservative, christlich geprägte Erziehungsideal der Stiftungsleitung. Dies wird etwa auch in einem neuen Quellenbefund deutlich: Einflussreiche Schriften zur sogenannten Schmutz- und Schundliteraturdebatte von Ernst Schultze, der ab 1901 Vorsitzender der literarisch wie politisch konservativen Deutsche-Dichter-Gedächtnis-Stiftung war, erschienen um 1910 im Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses. Dabei wurden etwa Detektivgeschichten wie solche um die Figur Nick Carter oder die Wild-West-Abenteuer Buffalo Bills verunglimpft und den (jugendlichen) Leserinnen und Lesern stattdessen ausgewählte Klassiker der deutschen Literatur anempfohlen.

Gerahmt wird der Ausstellungsparcour durch zwei Räume, die die Soll- und Istzustände über das, was Jugend sein sollte und wie sie sich selber sah, darstellen. Am Beginn der Ausstellung werden die Besucherinnen und Besucher deshalb mit der Erwartungshaltung der Institutionen konfrontiert: Wie sollte sie sein, die Jugend, aus Sicht des Staates, der Kirche, der Schulen, des Militärs, der Eltern? Am Ende wird dann der Versuch stehen, die Jugendlichen, Jungen und Mädchen, selbst zum Sprechen zu bringen – was waren die subjektiven Blicke der Stiftungsjugend auf ihr eigenes Leben? Als Quelle werden dafür Lebensläufe der Schülerinnen und Schüler dienen, die diese im Zuge der Zulassung zum Abitur einreichen mussten. 

Jungsein lässt sich in der Klassischen Moderne – auch und gerade in den Stiftungsschulen – als eine spannungsreiche, lebensprägende ambivalente Erfahrung beschreiben. Deshalb wird die Ausstellung die die Moderne kennzeichnende Ambivalenz in den Mittelpunkt rücken und versuchen, diese mit ganz konkreten Lebensgeschichten und Beispielen zu vermitteln. Die Ausstellung wird dabei keine fertigen Antworten liefern, sondern sie wird Themen und Prägungen aufzeigen, Geschichten erzählen und Spannungen markieren, in denen junges Leben zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik sich vollzog.

Daten zur Veranstaltung

Einrichtung: Museum/ Ausstellungen | zur Einrichtung
Termin: 22.09.2019-09.02.2020
Di-So und feiertags 10-17 Uhr
Ort: Haus 1 - Historisches Waisenhaus (Franckeplatz 1, Haus 1, 06110 Halle (Saale)) | im interaktiven Lageplan anzeigen
Art der Veranstaltung: Ausstellung
Kosten: 6 Euro. erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre Eintritt frei

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