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Silke ViehmannInformationszentrum im Francke-Wohnhaus Silke Viehmann (Informationszentrum im Francke-Wohnhaus) Silke ViehmannInformationszentrum im Francke-Wohnhaus Tel.+49 345 2127450

Daten

Termin: 22.09.2019-09.02.2020
Di-So und feiertags 10-17 Uhr
Kosten: 6 Euro. erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre Eintritt frei

alle Daten zur Veranstaltung

Jungsein in den Franckeschen Stiftungen, 1890–1933

Die Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen 2019

"Mit 14 Jahren fing ich allmählich an, zu erkennen, daß es ja noch etwas anderes gibt als Kindsein."

Die Jahresausstellung "Moderne Jugend?" widmet sich als einzige Ausstellung im Bauhaus-Jubiläum der Lebensphase Jugend in der Zeit der "Klassischen Moderne". Sie tut dies am Beispiel der Franckeschen Stiftungen, die bis heute ein authentischer Ort jugendlichen Lebens sind und einen herausragenden Quellenreichtum besitzen, der hier erstmals gezeigt wird. Zeitlich setzt die Ausstellung 1890 ein, zwei Jahre nach der Thronbesteigung Kaiser Wilhelms II., und sie endet 1933 mit der Schließung des Bauhauses. Den Ausgangspunkt bilden über 170 Lebensläufe von Schülerinnen und Schülern, in denen sich die Umbrüche der Zeit auf eindrückliche Weise spiegeln: die beginnende Emanzipation und Individualisierung, die Wirkungen und Möglichkeiten der Massenmedien, die Wunden und Erfahrungen des Ersten Weltkrieges und ebenso die Entstehung der Kunst der Klassischen Moderne. Der multimedial aufwendig inszenierte Ausstellungsparcours präsentiert rund 400 Exponate, darunter über 300 zeitgenössische Fotos und Selbstzeugnisse von Jugendlichen, eine Vielzahl an originalen Film- und Tondokumenten sowie wertvolle Leihgaben bedeutender Werke der Neuen Sachlichkeit. Ein komplexes Panorama der Moderne entsteht, das der jugendlichen Lebenswelt erstaunlich nahekommt und ebenso einen zeitlosen Blick auf die Lebensphase Jugend wirft.

Moderne Jugend_Klassenzimmer2  Das Klassenzimmer

"Wir wurden nicht behandelt wie Schulkinder, die nichts zu denken und zu sagen haben, sondern wie selbstständig denkende und urteilende Menschen."


Die Jugend als eigenständiger und gesellschaftlich anerkannter Lebensabschnitt entstand Ende des 19. Jahrhunderts. Besonders in den Städten richtete sich der gesellschaftliche Blick zunehmend auf die Jugend. Vielen wurde sie zum Ideal, aber auch zum Instrument: Staat, Kirche, Parteien, Schule und Familie versuchten gezielt, sie nach ihren Vorstellungen zu formen. Die Franckeschen Stiftungen, in denen Jungen und Mädchen aller Gesellschaftsschichten unterrichtet wurden, sahen sich christlich-überzeitlichen wie auch preußisch-kaiserlichen und deutsch-nationalstaatlichen Werten verbunden. Welche Rolle spielten die Stiftungsschulen im Lebenslauf der Schülerinnen und Schüler?

Der Schauplatz


"Immer wieder quälte mich die Frage: Warum mußte gerade unser Vater sterben?"

Der stürmische Gesellschaftswandel in der Moderne, vorangetrieben durch Industrialisierung, Urbanisierung und kulturelle Aufbrüche, bestimmte den Verlauf der Jugendzeit ebenso mit wie das weltpolitische Geschehen zwischen Kaiserreich, Erstem Weltkrieg und Weimarer Republik. Wie wirkten sich die Umbrüche, Militarisierung und Kriegserfahrung auf die Jugendlichen aus?

Moderne Jugend_Werkstatt  Die Werkstatt

"Ich fühlte mich zum Ingenieur berufen, zeigte auch einige technische Fähigkeiten. So baute ich mir zum Beispiel einen Rundfunkapparat."

Waren es um 1900 noch die klassischen Druckmedien, eroberte ab 1905 das Kino die Städte und seit den 1920er Jahren galt der Hörfunk als das moderne Medium schlechthin. Zeitgenössische Ton-, Text- und Filmdokumente gehen der Wirkung moderner Massenmedien nach: Dienten sie eher als Informations- und Indoktrinationsmittel oder als eigene, jugendliche Ausdrucksform?

Moderne Jugend_Kunst_Krieg  Der Ring

"Ich strebe danach, die Reinheit der Idee zu finden und will schaffen, sie als Künstler gestalten."


Im Manifest der Künstlergruppe Brücke von 1906 heißt es: "[…] rufen wir alle Jugend zusammen und als Jugend, die die Zukunft trägt, wollen wir uns Arm- und Lebensfreiheit verschaffen". Hochkarätige Kunstwerke des Expressionismus und vor allem der Neuen Sachlichkeit ermöglichen einen sehr spezifischen Blick auf die Jugend, die in der Moderne erstmals zu einem eigenständigen künstlerischen Motiv wird. Herausragend sind hier auch die Arbeiten des ehemaligen Stiftungsschülers Wilhelm Krieg.

Das Stadion


"Schon früh zog mich der Sport in seinen Bann"

Fußball, Turnen, Ausdruckstanz: Körperkultur und moderner Sport entwickelten sich nach 1900 zu einem gesellschaftlichen Massenphänomen. Sport wurde nicht nur in Schulen und Vereinen getrieben, sondern prägte ganz entscheidend die Freizeit der Jugend. Der Erfolg der Körperkultur machte auch für Mädchen und junge Frauen die moderne Gymnastik bis hin zum ‚wilden‘ Tanz salonfähig.

Die Reifeprüfung


"Und immer ist das junge Herz in Unruhe, ob es gewinnen oder verlieren, ob es sich freuen oder ob es leiden soll."

In der Ausstellung trifft der Erwartungshorizont von Erwachsenen auf die Lebenswelt der Jugendlichen: Werden Schule und Bildungsperspektiven eher als Erfolgsgeschichten begriffen oder hinterlassen sie ein Gefühl der Krise oder des Scheiterns? In zahlreichen Dokumenten aus dem Archiv der Franckeschen Stiftungen kommen die Jugendlichen selbst zu Wort. Sie geben Einblicke in ihren Alltag, ihre Sorgen, Ängste, Träume und Glücksmomente. Häufig gehörte schon der Tod zum jungen Leben. Doch vor allem zeigen sie junge Menschen, die lebten und lachten, für Tanz, Kino oder Sport schwärmten, sich für Kunst begeisterten und nach der Liebe ihres Lebens suchten.

Katalog zur Jahresausstellung

Nehmen Sie sich im Infozentrum im Francke-Wohnhaus den Katalog zur Jahresausstellung mit den neuesten Forschungsergebnissen zur Stiftungsgeschichte zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik mit!

Moderne Jugend? Jungsein in den Franckeschen Stiftungen 1890–1933. Herausgegeben von Holger Zaunstöck und Claudia Weiß unter Mitarbeit von Tom Gärtig und Claus Veltmann. Halle 2019
Mit sieben Hauptessays von Jens Elberfeld, Leonard Helten, Kerrin Klinger, Katrin Moeller, Olaf Peters, Barbara Stambolis und Claudia Weiß.
Kataloge der Franckeschen Stiftungen, 36
264 S., 202 Abb., € 28,00; ISBN 978-3-447-11193-5

Daten zur Veranstaltung

Einrichtung: Museum/ Ausstellungen | zur Einrichtung
Termin: 22.09.2019-09.02.2020
Di-So und feiertags 10-17 Uhr
Ort: Haus 1 - Historisches Waisenhaus (Franckeplatz 1, Haus 1, 06110 Halle (Saale)) | im interaktiven Lageplan anzeigen
Art der Veranstaltung: Ausstellung
Kosten: 6 Euro. erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre Eintritt frei

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