Ansprechpartner/-in

Silke ViehmannInformationszentrum im Francke-Wohnhaus Silke Viehmann (Informationszentrum im Francke-Wohnhaus) Silke ViehmannInformationszentrum im Francke-Wohnhaus Tel.+49 345 2127450

Daten

Termin: 27.02.2019, 18:00 Uhr

alle Daten zur Veranstaltung

Krisen der Frühen Neuzeit

Vorträge und Gespräche zum Jahresthema 2019

In dieser historischen Vortragsreihe wenden wir uns krisenhaften Erscheinungen und deren Deutungsmustern in der Frühen Neuzeit zu. Der in der hiesigen Geschichtswissenschaft nur zögernd aufgegriffene „multiple Krisenbegriff“ ermöglicht, die unterschiedlichen Reaktionen auf den Dreißigjährigen Krieg – wie Aufklärung, Absolutismus, Merkantilismus, Pietismus erhellend zu erklären. Er leitet über zu fragen, ob der „Pietismus“ und die Anstalten zu Glaucha vor Halle wirklich Reaktionen auf eine gesellschaftliche und religiöse Krise waren oder ob Francke die Diagnose und Konstruktion einer Krise zur Begründung und Durchsetzung seiner Ziele dienten? Befragt dieser Abend das zeitbedingte Franckesche Erklärungsmuster kritisch, so stehen die verheerenden Auswirklungen der hiesigen Pestepidemien wohl außer Frage. Aus kulturhistorischer und mikrobiologischer Sicht betrachten wir den „Massenmörder Pest“ und weiten mit einem Vortrag von Jörg Hacker den Blick auf die aktuellen Herausforderungen, die sich mit der globalen Ausbreitung von Infektionskrankheiten heute stellen.

30. Januar 2019, 18:00 Uhr
Krise ist immer – das vielgestaltige 17. Jahrhundert
Mit Prof. Dr. Georg Schmidt, Jena
Moderation und Diskussion mit Prof. Dr. Holger Zaunstöck
Englischer Saal

Der erste historische Vortrag im Jahresthema beschäftigt sich mit dem Krisenverständnis in der Frühen Neuzeit. Das Deutungsmuster „allgemeine Krise des 17. Jahrhunderts“ wurde in der hiesigen Geschichtswissenschaft nur zögernd aufgegriffen: Hier diktiert der Mythos vom Dreißigjährige Krieg als Urkatastrophe und Wendepunkt zum preußisch-deutschen Nationalstaat die Interpretation. Der Vortrag fragt, ob ein multipler Krisenbegriff die unterschiedlichen Reaktionen auf den Krieg – wie Aufklärung, Absolutismus, Merkantilismus, Pietismus etc. - nicht besser und mit Blick auf die heutige Welt plausibler erklären kann.

6. Februar 2019, 18:00 Uhr
Ein Massenmörder unterwegs. Ein Abend über die Pest
mit der Mikrobiologin Prof. Dr. Petra Dersch und der Historikerin Dr. Katrin Moeller
Moderation: Prof. Dr. Holger Zaunstöck
Englischer Saal

Das Bakterium Yersinia pestis ist eines der gefährlichsten Erreger für Seuchen, verantwortlich für Millionen Tote weltweit. Die Pestepidemien in Europa haben sich fest in unser historisches Gedächtnis eingeschrieben. Wie konnte sich dieser tödliche Erreger entwickeln und welche erfolgreichen Strategien wendet er gegen das menschliche Immunsystem an? Welchen Aufschluss geben die Halleschen Sterbe- und Krankheitsregister der Frühen Neuzeit über hiesige Epidemien und ihre gesellschaftlichen Folgen. Freuen Sie sich auf einen Abend mit der bekannten Mikrobiologin Petra Dersch und der hallenser Historikerin Katrin Moeller.

20. Februar 2019, 18:00 Uhr
Menschen, Seuchen und Mikroben – Infektionen als gesellschaftliche Herausforderung
Vortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jörg Hacker
Moderation: Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke

Entgegen den Erwartungen, Infektionskrankheiten als eine der großen Geißeln der Menschheit endgültig besiegt zu haben, besteht international Einvernehmen darüber, dass Infektionskrankheiten auch künftig eine der gefährlichsten Bedrohungen für die Menschheit bleiben werden. Multiresistente Erreger, neue Dynamik bekannter Viruserkrankungen oder der Klimawandel und die damit verbundene Ausbreitung von Vektoren sind nur einige Faktoren, die große Herausforderungen insbesondere an die Forschung, Medizin, Gesundheitspolitik und Gesellschaft stellen.

27. Februar 2019, 18:00 Uhr
August Hermann Francke und die „Kraft der Krise“ - Krisen als Argument und Erklärungsmuster
Prof. Dr. Udo Sträter
Einleitung und Moderation: Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke

Der Vortrag thematisiert den Gründungsmythos der Franckeschen Stiftungen: Der „Pietismus“ und die Anstalten zu Glaucha vor Halle waren Reaktionen auf eine gesellschaftliche und religiöse Krise. Waren die gesellschaftlichen und religiösen Zustände um 1700 wirklich so krisenhaft? Konnten Francke die Diagnose und Konstruktion einer Krise zur Begründung und Durchsetzung seiner Ziele dienen? Und weshalb blieb dieses zeitbedingte Erklärungsmuster in der Forschung präsent?

 

Daten zur Veranstaltung

Einrichtung: Studienzentrum August Hermann Francke - Archiv und Bibliothek - | zur Einrichtung
  Stabsstelle Forschung | zur Einrichtung
  Informationszentrum der Franckeschen Stiftungen | zur Einrichtung
Termin:
Ort: Haus 26 (Franckeplatz 1, Haus 26, 06110 Halle) | im interaktiven Lageplan anzeigen
Art der Veranstaltung: Vortrag / Gespräch

 auf die Merkliste