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Daten

Termin: 26.11.2019, 18:00 Uhr

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Erforschung der Aufklärung im Fokus

Eine Kooperation des Interdisziplinären Zentrums für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA), der Alexander von Humboldt-Professur für Neuzeitliche Schriftkultur und europäischen Wissenstransfer, der Franckeschen Stiftungen, des Interdisziplinären Zentrums für Pietismusforschung (IZP) und des Landesforschungsschwerpunkts "Aufklärung – Religion –  Wissen"

Die Erforschung des 18. Jahrhunderts spielt in Halle eine herausgehobene Rolle, an der Universität ebenso wie in den Franckeschen Stiftungen. Betrieben wird diese Forschung in dem Bewusstsein, an den Grundlagen der modernen Gesellschaft zu arbeiten und mit der Historie immer auch ein Stück unserer Gegenwart "aufzuklären". In jüngster Zeit ist die Maßgeblichkeit der Aufklärung sowohl in wissenschaftlichen als auch in gesellschaftlichen Debatten – wieder einmal – in die Kritik geraten. Wieviel Selbstüberschätzung steckt im Anspruch der Aufklärer? Ist Aufklärung nicht, trotz ihrer prätendierten Universalität, ein partikulares Projekt, das die Vorherrschaft Europas mehr gestärkt als in Frage gestellt hat? Wieviel taugen die kritischen Verfahren, die anthropologischen Leitbilder und die politischen Ideale des 18. Jahrhunderts noch in einer Zeit, in der sich regressive Tendenzen rapide auszubreiten scheinen? Wo verwandten und verwenden "Aufklärer" die Rhetorik der Aufklärung auch zur Verfolgung anderer Ziele? Schließlich: Wie ist das Verhältnis zu Bewegungen wie dem Pietismus zu bestimmen? Um solchen Fragen nachzugehen, haben die in Halle ansässigen Forschungseinrichtungen, die zentral mit dem 18. Jahrhundert befasst sind – die Interdisziplinären Zentren für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA) sowie für Pietismusforschung (IZP) – ein neues Format von Veranstaltungen ins Leben gerufen.
Jährlich werden zwei herausragende, international renommierte WissenschaftlerInnen gebeten, ihre Sicht auf die Erforschung des 18. Jahrhunderts und deren Zukunft in der aktuellen Weltlage darzulegen. Historische Fundierung und gegenwartsbezogene Problematisierung sollen dabei verbunden werden, ebenso lokale, nationale, europäische und globale Perspektivpunkte. Mit den Vorträgen sollen sowohl Universitätsangehörige – Forscher und Studierende – als auch die weitere Öffentlichkeit angesprochen werden.

Programm

2. Mai 2019, 18.00 Uhr
Prof. Dr. Hartmut Rosa (Jena)
"Was stimmt nicht mit der Demokratie? Ein neues Konzept des Gemeinwohls"
Festsaal des Stadthauses, Marktplatz 2

Muss Politik ein unversöhnlicher Kampf sein? Eine solche Auffassung zerstört die lebensweltlichen Voraussetzungen demokratischer Gestaltung. Nicht der Streit, sondern das gemeinsame, wenn auch konflikthafte Gestalten sollte den Konstitutionsgrund des Politischen darstellen. Weil substantielle Bestimmungen des Gemeinwohls jedoch notwendig partikular sind, entwickelt der Vortrag die These, dass sich Gemeinwohl konsistent nur als Resonanzverhältnis denken lässt, das durch den demokratischen Prozess zu realisieren ist – mit Resonanzen in sozialer (Beziehungen zwischen den Menschen), materialer (Beziehungen zu geteilten Lebenswelten) und existenzialer Hinsicht (Beziehungen zu umgreifenden Totalitäten wie der Welt, der Natur, dem Leben).

26. November 2019, 18.00 Uhr
Prof. Dr. Bertrand Binoche (Paris)
"Beantwortung der Frage: Was sind die 'Lumières' (und nicht die 'Aufklärung')?"
Vortrag in französischer Sprache mit deutscher Übersetzung
IZEA, Bibliothek, Franckeplatz 1, Haus 54

Als sich Michel Foucault in den 1980er Jahren mit der Frage "Qu'est-ce que les Lumières?" auseinandersetzt, kommentiert er Kants Beantwortung einer eigentlich anderen Frage: "Was ist Aufklärung?" Aus heutiger Sicht mag es verwegen erscheinen, sich erneut an eine Definition zu wagen. Dennoch: Es lohnt den weiteren Versuch, ausdrücklich nach den "Lumières" in der französischen Variante zu fragen – nicht etwa um nationaler Grenzziehungen willen, sondern weil ein solches Vorgehen größere begriffliche Klarheit verspricht. Denn erst wenn man bestimmt hat, was die "Lumières" sind, lässt sich danach fragen, ob man damit auch die "Aufklärung" definiert hat oder ob im Gegenteil zwischen beiden Begriffen Differenzen zu Tage treten.

Vergangene Halle Lectures

28. November 2018, 18 Uhr
Prof. Dr. Rebekka Habermas (Georg-August-Universität Göttingen)
"Aufgeklärte Wunderkammern und moderne Wissenswelten: Eine Geschichte globaler Dinge und was sie uns lehrt"
Freylinghausen-Saal der Franckeschen Stiftungen, Franckeplatz 1, Haus 1

Dinosaurierskelette aus dem damaligen Deutsch-Ostafrika, menschliche Schädel aus Ozeanien oder Bronzen aus Benin: Dies sind Dinge, die im Zuge des Kolonialismus nach Europa gebracht wurden und die das Wissen der Europäer veränderten. Und es sind genau diese Dinge, die uns bis heute mit vielen Teilen der Welt verbinden und gleichzeitig mit der Frage konfrontieren, wie mit diesen Dingen hier und anderswo umgegangen wurde und umgegangen werden soll.

25. Juni 2018, 18 Uhr
Prof. Dr. Dipesh Chakrabarty (University of Chicago)
"The Difficulty of Being Modern: Thoughts on Global and Planetary Histories"
Aula des Löwengebäudes, Universitätsplatz 10

This lecture tracks some of the ethical difficulties of being modern at a time when collective human aspirations carry planetary implications. In the process, the lecture brings into conversation some post-human and post-colonial perspectives on modernity.

Daten zur Veranstaltung

Einrichtung: Interdisziplinäres Zentrum für Pietismusforschung | zur Einrichtung
  Stabsstelle Forschung | zur Einrichtung
  Interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung | zur Einrichtung
Termin:
Ort: Haus 1 - Historisches Waisenhaus (Franckeplatz 1, Haus 1, 06110 Halle (Saale)) | im interaktiven Lageplan anzeigen
Art der Veranstaltung: Vortrag / Gespräch

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