Stadtweites Themenjahr 2021 »Halexa, siede Salz«

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Wir sind dabei!

Am 25. Januar 2021 ist das erste stadtweite kulturelle Themenjahr in der neuen Themenjahresdekade unter dem Motto »Halexa, siede Salz! Herkunft trifft Zukunft« der Presse vorgestellt worden. Offiziell startet es am 18. April 2021 mit einem Festakt in den Franckeschen Stiftungen. Bis 2030 werden sich auf Initiative des Museumsnetzwerks und geleitet unter wechselnden Intendanzen kulturelle, wissenschaftliche, soziale und christliche Einrichtungen in der ganzen Stadt zusammenfinden, um jährlich ein spannendes Thema der Gegenwart aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Die stadtweiten kulturellen Themenjahre sind ein hallesches Erfolgsmodell. Das hat schon die erste Dekade »Antworten aus der Provinz 2000–2010« unter Federführung der Franckeschen Stiftungen gezeigt. Diese Erfahrung bringen die Franckeschen Stiftungen gerne als erste Mitintendanz in den Start der neuen Dekade ein. Im Zentrum steht die Idee, die Stadtgesellschaft in Bewegung zu setzen, um sich ein Jahr lang mit einem aktuellen Thema zu befassen. Als Motor und Impulsgeber dienen dabei die kulturellen Akteure der Stadt, die ein gemeinsames Jahresthema mit ihren kreativen Potentialen in unterschiedlichen Formaten wie Theater, Musik, Ausstellungen etc. aus sehr unterschiedlichen Richtungen beleuchten und zur Diskussion stellen.

Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen freut sich über den positiven Prozess: »Einerseits werden so aus vermeintlichen Konkurrenten Verbündete. Andererseits entstehen Synergien und es werden Akteure aus weiteren Bereichen wie Wissenschaft, Soziales, Wirtschaft, Kirchen usw. eingebunden. So entsteht im Miteinander ein facettenreiches Jahresprogramm mit nachhaltigen positiven Effekten für die ganze Stadt.« Zur feierlichen Eröffnung des Themenjahres am 18. April 2021 lädt er in die Franckeschen Stiftungen ein.

Die neue Dekade hat vom ersten Themenjahr an eine breite Unterstützung erfahren. An den Vorbereitungen beteilgten sich 80 Akteure aller Gesellschaftsbereiche der Stadt. Das erste Themenjahr startet mit einem Programm aus rund 100 themenbezogenen Veranstaltungen. So setzt Halle als Kulturhauptstadt Sachsen-Anhalts neue Akzente und strahlt über die Region hinaus.

Veranstaltungen der Franckeschen Stiftungen im Themenjahr 2021 (Auswahl)

18. April | Themenjahreseröffnung
Halexa, siede Salz!
Das Themenjahr startet mit einer Festveranstaltung im Freylinghausen-Saal der Franckeschen Stiftungen, für die der renommierte Soziologe Prof. Dr. Heinz Bude als Festredner gewonnen werden konnte.

29. April | Halle Lectures
Aufklärung postkolonial? Globale Wissensgeschichte und die Herausforderung des Exotismus
In den »Halle Lectures« werden aktuelle Themen von international renommierten WissenschaftlerInnen diskutiert, die unsere Geschichte mit der Gegenwart verbinden. Mit Prof. Dr. Jakob Vogel (Berlin, Paris) kommt im April einer der aktuell bedeutendsten Historiker der Geschichte des Wissens in die Stiftungen. In seinem Vortrag werden die Vielfalt der Wissensordnungen im 18. Jahrhundert sowie die Frage, ob im Zuge kolonialer Macht nicht-europäisches Wissen ausgebeutet und angeeignet und zugleich europäisches Wissen als vermeintlich universelles Wissens verbreitet wurde, behandelt. In diesem Rahmen thematisiert er u.a. ganz konkret als Fallbeispiel die Geschichte der sogenannten »Salzspindeln«, die zur Messung des Salzgehalts von Solen genutzt wurden.

2. Mai– 13. Oktober | Jahresausstellung im Historischen Waisenhaus
Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert 
Eröffnung am 2. Mai mit einem Festvortrag von Dr. Mark Benecke
Ein zentraler Bau der einzigartigen historischen Schulstadt ist das 1721 errichtete Krankenhaus, das sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der ersten Kinderkrankenhäuser der Welt entwickelte. Aus Anlass des 300-jährigen Jubiläums der Grundsteinlegung entführt die Ausstellung in die Welt der Medizin im 18. Jahrhundert. In dieser Zeit entspann sich eine europaweite Debatte über das grundlegende Verhältnis von Leib und Seele. Vor diesem Hintergrund konzipierten die halleschen Pietisten ein eigenes medizinisches Verständnis, das gleichberechtigt auf Körper, Seele und Gemüt blickte. Wie wurden Krankheit und Gesundheit, Tod und Heilung erlebt? Anhand eindrucksvollen historischen Archivmaterials und zahlreicher authentischer Einzelschicksale blättert die Ausstellung Themen auf, die in verblüffender Weise aktuell sind – so etwa das für das 18. Jahrhundert hochmoderne Hygienekonzept und der damals schon professionelle Umgang mit der Ressource Wasser in den Franckeschen Stiftungen. Revolutionär war auch die öffentliche Sprechstunde für Arme, in der monatlich bis zu 1.000 Personen unentgeltlich behandelt und mit eigens vor Ort hergestellten Medikamenten versorgt wurden.

20. Juni | Familienangebot
Über Wasser
Anknüpfend an die Jahresausstellung zur Geschichte der Medizin laden wir zu einem pandemiefesten Familienangebot rund um das Thema »Wasser« in den Lindenhof ein: Wasser ist Urquell des Lebens und spielte zu allen Zeiten eine wichtige Rolle in Mythologie, Religion und Kunst. Schon vor mehr als 2.000 Jahren beschrieb der griechische Arzt Hippokrates die Heilwirkung des salzhaltigen Meerwassers. In Franckes Schulstadt war die Versorgung mit frischem Wasser im 18. Jahrhundert ein zentraler Baustein für Hygiene und Gesundheit. Tiefe Wasser sind bis heute geheimnisvoll und nicht gänzlich erforscht. Und nicht zuletzt ist Wasser ein schier unerschöpfliches Element für Spiele und Experimente. Seine existenzielle und kulturelle Bedeutung wie auch seine physikalische und naturwissenschaftliche Erkundung bieten vielfältige Zugänge, dieses allgegenwärtige und lebenswichtige Element spielerisch zu entdecken.

2. Juli | stadtweite Wissenschaftsnacht
Lange Nacht der Wissenschaften
Die Stiftungen bieten für die historischen Geisteswissenschaften eine außergewöhnlich gute Quellenlage. Durch deren umfangreiche Digitalisierung kann zur Langen Nacht der Wissenschaften in den barocken Quellen des Archivs geblättert werden: Lesen und recherchieren Sie in Franckes Tagebüchern, in den Lebensläufen der Indienmissionare oder in Briefen Alexander von Humboldts. Außerdem bieten wir begleitend zur Jahresausstellung »Heilen an Leib und Seele« Spaziergänge an, die zu vergessenen Orten der Medizin und Hygiene in den Stiftungen führen, darunter geheime Labore und verschüttete Latrinen. Den krönenden Abschluss bildet der Science-Slam mit unterhaltsamen Vorträgen aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten rund um Medizin und Digitalisierung.

8. Oktober – 3. April 2022 | Kabinettausstellung
Salzsieder, Bergleute, Handwerker – Salzkothen, Bergwerke, Manufakturen
Die Ausstellung zeigt Menschen in ihrer Arbeitsumgebung auf Kupferstichen und Karten aus der Bibliothek der Stiftungen. So werden Kleinschmiede, Drahtzieher, Bleiarbeiter, Dachdecker und andere mehr bei ihrer Arbeit zu sehen sein. Für das Hallesche Waisenhaus waren im Jahre 1715 in der Stadt Halle Handwerker und Dienstleister aus sechzig verschiedenen Professionen tätig. Die bauliche Fertigstellung des renovierten und restaurierten Ensembles der Stiftungen 2021 fußt auf dem Baugeschehen und den damit verbundenen mannigfachen Gewerken, das die Anfangsjahre des Waisenhauses prägte. Nicht zuletzt war für die Geschichte der Stadt Halle das Arbeitsumfeld der Salzleute von herausragender Bedeutung, was deshalb einen Schwerpunkt der Ausstellung als Beitrag zum stadtweiten Themenjahr »Halexa, siede Salz!« bildet.

19. November – 13. Februar 2022 | Ausstellung
Das kulturelle Erbe des 18. Jahrhunderts digital sichtbar machen
Ein umfassendes Angebot zur Erforschung der deutschen und europäischen Kultur- und Wissensgeschichte zu befördern, darauf zielt das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte nationale Projekt »Digitalisierung und Erschließung der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 18. Jahrhunderts« (VD 18). Seit über zehn Jahren ist die Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt daran maßgeblich beteiligt und hat seit 2019 auch die Bearbeitung von zentralen Beständen der Bibliothek der Stiftungen und der Marienbibliothek übernommen. In ihrer Gesamtheit spiegeln die digitalisierten Werke das Jahrhundert der Aufklärung wider. In Halle werden die Drucke der weltweit ausstrahlenden Frömmigkeitsbewegung des Pietismus in das Projekt eingebracht. Die Ausstellung in Kooperation mit der Universitäts- und Landesbibliothek erklärt das nationale Projekt und seine Entstehung, visualisiert den Workflow von der Katalogisierung über die Digitalisierung bis zur Präsentation der Titel und zeigt ausgewählte Drucke aus den Beständen der drei hallischen Bibliotheken – ein Bücherfest zum 18. Jahrhundert.

Oktober/November | Persönlichkeiten im Gespräch
Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens
Richard David Precht, geboren 1964, ist Philosoph, Publizist und Autor und einer der profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum. Seit seinem Erfolg mit »Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?« waren alle seine Bücher zu philosophischen oder gesellschaftspolitischen Themen große Bestseller und wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt. Seit 2012 moderiert er die Philosophiesendung »Precht« im ZDF.In seiner 2020 erschienenen Publikation »Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens« beschäftigt er sich mit den wichtigsten Fragen rund um das Thema Künstliche Intelligenz und bezieht dabei auch die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen unserer Zeit mit ein. Mit Reinhard Bärenz wird Precht in den Stiftungen über die Chancen und Gefahren der Digitalisierung sprechen, über die Unterschiede zwischen Mensch und Maschine, über Ethik, Moral und Kapitalismus, und nicht zuletzt über Bildung, Herkunft und Zukunft.