Briefe und Manuskripte aus dem Nachlass Christian Kefersteins (1784-1866) digital verfügbar

Science
Ein Angebot zur Begleitung der Jahresausstellung »Im Steinbruch der Zeit. Erdgeschichte und die Anfänge der Geologie«

Digitale Sammlungen

Die Autographensammlung des Geologen und Mineralogen Christian Keferstein umfasst nahezu 600 Briefe und spiegelt die beeindruckende Vernetzung dieses hochgebildeten Laien mit seinen nationalen und internationalen wissenschaftlichen Fachkollegen wider.

In der Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen 2020 Im Steinbruch der Zeit. Erdgeschichte und die Anfänge der Geologie werden in dem Kapitel »Goethe und der hallesche Geologe Christian Keferstein« einzelne Schreiben zusammen mit anderen einzigartigen Zeugnissen aus seinem Nachlass präsentiert. Besucherinnen und Besucher der Ausstellung sind eingeladen, nach dem Besuch der Ausstellung von ihrem heimischen PC aus noch genauere Einblicke in ausgewählte, herausragende Dokumente nehmen: Aus der Korrespondenz wurden drei Briefe Alexander von Humboldts (1769-1859), zwei Briefe Johann Wolfgang von Goethes (1749-1732), sechs Briefe des Philosophen und Naturforschers Henrik Steffens (1773-1845) sowie die überlieferten zehn Briefentwürfe von Christian Keferstein selbst digitalisiert, inhaltlich erschlossen, transkribiert und in den Digitalen Sammlungen der Franckeschen Stiftungen öffentlich zugänglich gemacht. Wer die Texte lesen und in die Gelehrtenwelt des 19. Jahrhunderts eintauchen möchte, kann sich nebeneinander die Faksimiles der originalen Briefe und die Volltexte anzeigen lassen.

Die Handschriften zeigen das hohe Ansehen, das Keferstein unter den Gelehrten genoss. So würdigte Humboldt ausdrücklich seine geologischen Studien zu den Alpen, zu den Mineralvorkommen in Preußen und zum Auftreten von Erdbeben. Goethe gratulierte zum Erscheinen der Zeitschrift Teutschland, geognostisch-geologisch dargestellt, für die er eine Farbskala zur Kolorierung der von Keferstein gezeichneten geologischen Karten entworfen hatte. Die Briefe vermitteln aber auch einen Eindruck des zeitgenössischen wissenschaftlichen Meinungsstreits, wenn z.B. Steffens die Auffassungen eines Geologen als »mehr gas- als geistreich« bezeichnet. Keferstein bat Politiker und Staatsmänner, die sich um die Förderung der Naturwissen­schaften verdient gemacht hatten, ihnen seine Werke widmen zu dürfen. Am Beispiel des Briefwechsels mit dem deutsch-österreichischen Geologen und Mediziner Ami Boué (1794-1881) wird deutlich, wie sich fachlicher Gedankenaustausch mit einer engen persönlichen Freundschaft verband.

Interessierte Besucherinnen und Besucher finden zudem einige teilweise mit Zeichnungen versehene Manuskripte Kefersteins in den Digitalen Sammlungen, darunter Mitschriften zweier Vorlesungen von Steffens und zweier Vorträge des Leiters der Bergakademie Freiberg, Abraham Gottlob Werner (1749-1817), von dessen Lehren Keferstein stark beeinflusst war.