Historisches Fernrohr kehrt zurück in die Stiftungen

Über uns
Über 50 Jahre war das wertvolle Instrument verschollen.

Historisches Fernrohr auf dem Altan des Waisenhauses.

Über 50 Jahre war es verschollen, jetzt hat ein seltenes Fernrohr seinen Weg zurück in die Stiftungen gefunden. Die Geschichte des astronomischen Instruments beginnt laut Fachexpertise vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Halle, wo das Fernrohr in einer Werkstatt in Sichtweite des Waisenhauses gefertigt wurde. Dort lebte und arbeitete der Mechanikus G. Kleemann, der 1850 als Mitglied des Naturwissenschaftlichen Vereins in Halle genannt, und von dem ein sehr ähnliches Fernrohr in einer deutschen Privatsammlung erhalten ist. Weitere Recherchen legen nahe, dass die Stiftungen das Instrument erwarben, um es für den Astronomieunterricht auf dem Dach des Waisenhauses oder des Pädagogiums einzusetzen. In einer schriftlichen Quelle von 1831 berichtet der damalige Direktor Hermann Agathon Niemeyer (1802-1851), dass »die Zöglinge von der Kenntnis des gestirnten Himmels zur Astronomie geleitet« werden. Er spricht darin außerdem von einem »optischen Kabinett«, also einer Sammlung mit optischen und astronomischen Gerätschaften, zu der das wiederentdeckte Fernrohr wohl einst gehörte. Zum Zweck des Astronomieunterrichts fand das Instrument noch bis in die 1960er Jahre an der EOS in den Franckeschen Stiftungen, der heutigen Latina August Hermann Francke, Verwendung. Als ein ehemaliger Schüler der EOS es dann im Jahr 1966 von seinem damaligen Physiklehrer abkauft, trennen sich die Wege des Fernrohrs und der Stiftungen.

55 Jahre später zieht ein Inserat des ehemaligen Schülers auf der Verkaufsplattform Ebay die Aufmerksamkeit der Stiftungen auf sich. In der Annonce heißt es: »Das Gerät stammt aus der Materialsammlung Physik der EOS in der Frankeschen Stiftung (Latina A. H. Franke) in Halle/Saale; abgekauft 1966«. Nach Kontaktaufnahme und erfolgreichen Preisverhandlungen mit dem Verkäufer konnte das historische Objekt schließlich nach langer Abwesenheit seinen ursprünglichen Platz in den Stiftungssammlungen wieder einnehmen. Wenn die weitere Erforschung der Herkunft und Geschichte des Fernrohres abgeschlossen ist, wird das astronomische Instrument zukünftig im Rahmen von Ausstellungen und anderen Projekten bestaunt und mitunter auch benutzt werden können.