Unsere Sicht auf Medizin und Gesundheit

Themenabende zu aktuellen Fragen rund um Gesellschaft, Medizin und Gesundheit

Arzneigläser aus der Waisenhausapotheke

Die Corona-Pandemie stellt unsere Gesellschaft und im Besonderen unser Gesundheitswesen vor große Herausforderungen. Menschliches Verhalten, Ökonomie, Ethik und Medizin werden auf eine Weise öffentlich verhandelt, wie sie bisher nicht notwendig war. Diese Erfahrungen bilden den Hintergrund und die Themen für eine hochkarätig besetzte Vortragsreihe über die Zusammenhänge von Gesellschaft, Medizin und Gesundheit in einem umfassenden Sinne. Sie begleitet unsere Jahresausstellung 2021 »Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert« und wird in Zusammenarbeit mit den konfessionellen Krankenhäusern in der Stadt Halle, dem Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara, dem Martha-Maria Krankenhaus und dem Diakoniewerk Halle und unter Beteiligung von ÄrztInnen, SeelsorgerInnen, PsychologInnen, ÖkonomInnen und SoziologInnen veranstaltet. Das Publikum ist zum Austausch und zur Diskussion mit den ExpertInnen eingeladen.

1. Abend: Medikamente und Ökonomie  – ein effektvolles Miteinander mit Risiken und Nebenwirkungen
Mittwoch, 1. September 2021, 18.00 Uhr

Medikamente helfen Menschen, sie können lebensrettend sein. Die Verteilung von Medikamenten unterliegt allerdings vielen Einflüssen und birgt das Risiko großer sozialer Ungerechtigkeit. Am Beispiel von zwei Medikamenten, die eng mit der Geschichte von Halle verbunden und zudem weit verbreitet sind, wird der Spannung von heilender Wirkung und Ökonomie nachgegangen. In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutieren Experten die ökonomischen und politischen Konflikte der Medikamentenversorgung aus ethischer, sozialer und wirtschaftlicher Perspektive.

Die »Essentia dulcis« – das alchemische »Aspirin« des 18. Jahrhunderts: Wirkmechanismen und das Rezept ihres ökonomischen Erfolgs
Claudia Weiß, Franckesche Stiftungen

Aspirin – eine Erfolgsgeschichte in jeder Hinsicht
Christian Beuchel, Geschäftsführer des Diakoniewerks (angefragt)

Podiumsdiskussion
Wie werden Medikamente heute entwickelt und vermarktet? Welchen Nutzen haben sie für Patienten und Pharmakonzerne? Werden Medikamente instrumentalisiert?

 

2. Abend: Körper, Seele und Gemüt – der einzelne Mensch im Blick
Mittwoch, 15. September 2021, 18.00 Uhr

Eine Behandlung des Patienten nach ausschließlich medizinisch-technischen Gesichtspunkten wird dem Menschen nicht gerecht. Seele und Gemüt sind für die ärztliche Heilkunst nicht unbedeutend. Wie kann die moderne Schulmedizin diesem Grundsatz einer ganzheitlichen Heilkunst in einem auf Wirtschaftlichkeit getrimmten Krankenhaus Rechnung tragen? Den roten Faden dieses Abends bildet die christliche und konfessionelle Trägerschaft von Gesundheitseinrichtungen über eine Spanne von 300 Jahren.  

»Weil nun Seel und Leib in diesem Leben vereiniget sind«. Medizin, Diätetik und Hygiene vor dreihundert Jahren
Prof. Dr. Holger Zaunstöck, Franckesche Stiftungen

Die Bedeutung von Körper, Seele und Gemüt in der gegenwärtigen Medizin
Prof. Dr. Wolfgang Schütte, Ärztlicher Direktor und Chefarzt, Krankenhaus Martha-Maria

Podiumsdiskussion
Wie funktioniert eine ganzheitliche Versorgung im Krankenhaus? Welche Rolle spielen Seelsorge und psychologische Betreuung dabei? Gibt es einen Mehrwert diakonischer Krankenhäuser? Haben konfessionelle Krankenhäuser einen besonderen Blick auf Patienten?

 

3. Abend: Hygiene und die Angst vor Krankheit
Mittwoch, 29. September 2021, 18.00 Uhr

Einfache Regeln genügen schon, um Menschen vor manchen ansteckenden Krankheiten zu schützen. Wie hat sich ausgehend vom 18. Jahrhundert die Vorstellung von Hygiene als wissenschaftliches Konzept entwickelt? Welche Vorschriften regeln den heutigen Krankenhausbetrieb und vor welchen Herausforderungen steht er? In Zeiten einer Pandemie sind Hygiene-Regeln neu in unser Bewusstsein gelangt. Was wird davon bleiben und welche zukünftigen Folgen hat das für die Gesundheit?

»Der Ort soll mit […] mit einem reinen gesunden Waßer versehen seyn«. Hygiene und Diätetik im 18. Jahrhundert in den Franckeschen Stiftungen 
Dr. Thomas Grunewald, Franckesche Stiftungen

Die Hygiene in der Patientenversorgung des Krankenhauses – ihre Bedeutung und Herausforderungen
Dr. Elke Pielert,
Oberärztin und Leiterin der Krankenhaushygiene, Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin, St. Elisabeth und St. Barbara

Publikumsgespräch
über die Auswirkungen intensiver Hygieneregelungen auf die Gesellschaft und unsere Gesundheit – während und nach der Pandemie.

 

4. Abend: Medizin, Medien, Macht. Die Erfolgsgeschichte der »Medikalisierung« von der Aufklärung bis in die Gegenwart
Mittwoch, 13. Oktober 2021, 18.00 Uhr – Finissage

Die Erwartungshaltung der Menschen gegenüber der Medizin und ihren Möglichkeiten ist in unserer Gesellschaft enorm hoch. Dies ist auch das Ergebnis eines Prozesses, der sich seit dem 18. Jahrhundert entfaltet hat und der als »Medikalisierung« bezeichnet wird. Damit ist die Durchsetzung von Interessen und Überzeugungen universitär ausgebildeter Ärzte beim gesellschaftlichen Umgang mit Krankheit und Gesundheit gemeint. Dabei erlangten sie Deutungshoheit sowie auch beachtliche politische und mediale Macht. Die wissenschaftlich begründete Medizin besitzt einen enormen Einfluss auf die Organisation unserer Lebenswelt. Gerade im Zuge der Pandemie ist dies deutlich sichtbar geworden. Medizin ist eine Wissenschaft wie jede andere und als solche in einem Spannungsverhältnis zwischen Wissen und Nichtwissen. Dies ist ein Dilemma, sobald ihr enorme öffentliche Resonanz und die Aufgabe der Politikberatung zukommt. Genaues Hinsehen ist erforderlich.

Die Medikalisierung der Medizin seit dem 18. Jahrhundert
Michael Stollberg, Würzburg (angefragt)

»Pfleget doch das Vertrauen des Patienten zu dem Medico […] oft von grosser Wirkung zu seyn, wie die tägliche Erfahrung lehret.« Pietistische Medizin und Medikalisierung – ein kurzer Blick in die Forschung
Prof. Dr. Holger Zaunstöck, Franckesche Stiftungen

Podiumsdiskussion
über die öffentliche Rolle von akademischer Medizin in der Gesellschaft in Geschichte und Gegenwart.

Buffet und geselliger Ausklang

 

Wir hoffen, dass die Veranstaltungen wie geplant mit Publikum stattfinden können. Wir werden Sie Anfang August bezüglich des Anmeldeverfahrens informieren.