Heilen an Leib und Seele – Begleitprogramm zur Jahresausstellung

Ausstellungsabend mit ExpertInnen und den Kuratoren

Apothekengläser der Waisenhausapotheke

Zu unseren Programmangeboten laden wir Sie herzlich ein. Diskutieren Sie mit den eingeladenen ExpertInnen und kommen Sie mit den Kuratoren unserer Jahresausstellung ins Gespräch – vorzugsweise analog, gegebenenfalls digital.

Informieren Sie sich auf unserer Webseite immer aktuell, welche Möglichkeiten die Pandemielage zulässt und wie Sie sich zu den Veranstaltungen anmelden können.

Mittwoch, 12.05.2021

Heilen an Leib und Seele. Die Gesundheitstopografie der Glauchaschen Anstalten

Plan der Wasserversorgung in den Franckeschen Stiftungen

Eine geregelte Versorgung mit Trinkwasser gilt als Markenzeichen der Zivilisation und ist heute für uns ein unhinterfragter Standard. Als August Hermann Francke 1698 sein Waisenhaus begründete, existierte eine solche jedoch nicht. Vielmehr wurde mit großen Mühen und Kosten Trink- und Waschwasser aus der auch um 1700 bereits mit Schadstoffen belasteten Saale hertransportiert. Für die stetig wachsenden Anstalten war die dauerhafte Versorgung mit ausreichend frischem Wasser aber essentiell. Der Vortrag gibt einen Überblick über das ab 1717 angelegte und ingenieurtechnisch ausgeklügelte Wasserversorgungssystem. Dieses war eingebettet in eine komplexe, auf die Gesundheit abgestimmte Gesamttopografie der Stiftungen mit zahlreichen Versorgungseinrichtungen wie Meierei, Back- und Brauhaus, Küchen und Speisesälen, daneben Krankenstuben, ein Waschhaus, Latrinen, Labore zur Herstellung der nötigen Arzneien und schließlich ein eigenes Krankenhaus.

Ausstellungsabend mit den Kuratoren Dr. Thomas Grunewald und Prof. Dr. Holger Zaunstöck

18:00 Uhr - 19:30 Uhr, Freylinghausen-Saal
Mittwoch, 26.05.2021

Das erste Kinderkrankenhaus Deutschlands – Eine Klinik zwischen Tradition und Moderne

Foto des Kinderkrankenhauses im sanierten Zustand

Als zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Zahl der Zöglinge in den Stiftungen derart anwuchs, dass die Betten in den Krankenstuben nicht mehr ausreichten, wurde 1721 der Grundstein für einen eigenständigen Krankenhausbau gelegt. Der Vortrag wird anhand umfassender Forschungserkenntnisse darlegen, warum er als erstes Kinderkrankenhaus Deutschlands in die Medizingeschichte eingegangen ist. Einerseits steht das Krankenhaus in der Tradition einer besonderen Aufmerksamkeit für kranke Kinder in Fürsorgeeinrichtungen seit dem Mittelalter, gleichzeitig war es aber auch nach modernsten Ansprüchen konzipiert: Etwas abgesondert inmitten von Gärten gelegen, sodass Ruhe, Licht und Luft bei der Genesung helfen konnten, im Innern eine räumliche Differenzierung, die Ansteckungen verhinderte. Revolutionär waren auch die öffentlichen Armensprechstunden, vergleichbar einer Poliklinik, deren Funktion andernorts erst um 1800 in die allgemeine Krankenhausplanung einfloss.

Ausstellungsabend mit Prof. Dr. Christina Vanja und Prof. Dr. Holger Zaunstöck

18:00 Uhr - 19:30 Uhr, Freylinghausen-Saal
Mittwoch, 09.06.2021

Gestorben wird immer, die Frage ist nur wie! Leben und Sterben in Halle (Saale) im Wandel von 450 Jahren

Der Tod entlässt eine Seele in Form einer Taube aus dem Käfig

In der Pandemie rückt er plötzlich wieder näher: der Tod oder vielmehr die Gefahr des unverhofften Todes. Denn dies ist es ja, was die Epidemie so gefährlich macht: Sie entreißt uns der Gewissheit einer planbaren Lebenszeit, auch wenn diese im Alltag des Sterbens natürlich nicht für jeden gilt. Infektionskrankheiten jedoch halten sich nicht an die Spielregeln eines geordneten Todes. Sie treffen mal die Jungen, mal die Alten, mal die Frauen, mal die Männer oder eben auch alle zusammen. Ein Blick in die lange Vergangenheit des Sterbens zeigt dies eindrücklich. Gleichzeitig können wir uns aber auch fragen, was war den Menschen ihr Leben in der Vergangenheit wert? Wie ging man um mit der Gefährlichkeit des Todes und der Sicherheit des Lebens? Ist der kollektive Verständigungsprozess zum Schutz vulnerabler Gruppen heute etwas ganz Neues? In diesem Sinne möchte der Beitrag nach den Auswirkungen von Epidemien auf kollektive Sicherheitsdiskurse und Schutzmaßnahmen im Stadtraum fragen.

Ausstellungsabend und Vortrag mit Dr. Katrin Moeller

18:00 Uhr - 19:30 Uhr, Freylinghausen-Saal