Der hallesche ›Wunderschatz‹ von 1625 – Sammelleidenschaft im Zeitalter der europäischen Kunst- und Wunderkammern

Öffentlicher Festvortrag von Dr. Berit Wagner (Frankfurt/Main)

Blick in eine Wunderkammer, Ole Worm, Leiden 1655

Wenig ist bekannt über Halles Kunst- und Naturaliensammlungen vor 1700. Es gab sie aber: Der hallesche Medicus und Apothekenbesitzer Lorenz Hoffmann sammelte mit der Begeisterung der Späthumanisten nicht nur die üblichen Naturalien, Alchemica und Exotika aus Übersee, sondern auch spektakulär viele Gemälde, die er unter anderem Künstlern wie Lucas Cranach, Albrecht Dürer und Michelangelo Buonarroti zuordnete. Mit der im Vortrag zu skizzierenden Erforschung der bislang nahezu unbekannten Sammlung eines stadtbürgerlich-patrizischen und zugleich höfischen Akteurs wird die Frühphase der deutschen Sammlungsgeschichte neu gewichtet. Hauptquelle und Ausgangspunkt der Rekonstruktion
der Ordnungs- und Erkenntnisprinzipien ist die Publikation der Sammlung im Jahre 1625. Hoffmann, der 1626 zum kurfürstlichen Leibarzt in Sachsen aufstieg, veröffentlichte damit den ersten gedruckten Katalog einer Kunst- und Wunderkammer in der europäischen Kulturgeschichte.

Erforscht werden diese Zusammenhänge in dem von Dr. Berit Wagner geleiteten und von der Fritz Thyssen Stiftung geförderterten Projekt »Sammeln in der Stadt um 1600. Die Kunst- und Wunderkammer des Medicus Lorenz Hoffmann im Kontext der europäischen Sammlungs- und Wissenskulturen«, welches durch die Franckeschen Stiftungen als Kooperationspartner begleitet wird.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Jahresmitgliederversammlung des Vereins für hallische Stadtgeschichte statt. Einführen wird Prof. Dr. Holger Zaunstöck.