Presse

Herzlich willkommen im Presseportal der Franckeschen Stiftungen!
Hier stellen wir Ihnen unser Text- und Bildmaterial zur aktuellen Berichterstattung zur Verfügung.

Foto- und Drehgenehmigung

Für alle Dreharbeiten und Fotoaufnahmen in den Franckeschen Stiftungen, einschließlich Außenaufnahmen auf dem Gelände, benötigen Sie eine Genehmigung. Bitte senden Sie uns dafür das ausgefüllte Formular vor Ihrer Anreise  zu.  Um einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können, setzen Sie sich gerne vor Beginn Ihrer Arbeit rechtzeitig mit uns in Verbindung.

 
  • Neuer großer Bildband zu 19 europäischen Wunderkammern (»Cabinet of Curiosities«, Verlag Taschen, Juli 2020) stellt die opulente Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen in den Vordergrund, die als einzige vollständig erhaltene ihrer Art gelten kann.
  • Nicht im Bildband vertreten und doch zum kulturellen Haus Europa gehörig ist die weltberühmte Kunstkammer des russischen Zaren Peters des Großen: Die Franckeschen Stiftungen gründen am 12./13. Oktober 2020 mit der Kunstkammer Peters des Großen in St. Petersburg (Russland) und dem Teylers-Museum in Haarlem (Niederlande) ein »Europäisches Netzwerk der Vormodernen Museen«
  • SAVE THE DATE: Einladung zu einem europäischen Pressetermin mit Museumsdirektoren, Ministerpräsident und Botschaftern
    13. Oktober 2020 | 10:00 Uhr | Franckesche Stiftungen | Historisches Waisenhaus Franckeplatz 1, Haus 1

Im Juli 2020 erschien im Verlag Taschen das opulente Werk »Cabinet of Curiosities«. 19 europäische Wunderkammern werden hier vorgestellt. Auf dem Titelbild leuchtet das Bekrönungsmotiv des Pflanzenschranks der Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen. Als einzige europäische Wunderkammer des Barock ist sie vollständig erhalten und am authentischen Ort und mit dem historischen Mobiliar bis heute zu besichtigen. »Die Einzigartigkeit der Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen liegt darin, dass alle Grundkomponenten der originalen barocken Wunderkammer erhalten sind: über 3000 Objekte aus den Bereichen der Kunst und des Lebens, die passgenauen Sammlungsschränke der Kammer mit ihren beeindruckenden farbenprächtigen Bekrönungsmalereien, der originale Raum im ehemaligen Schlafsaal des Historischen Waisenhauses sowie das museumstheoretische Konzept der Präsentation aufgrund der Kataloge aus dem 18. Jahrhundert.«, erläutert der Direktor der Franckeschen Stiftungen Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke. Vor genau 25 Jahren, am 12. Oktober 1995, hatte er als Archivar und Historiker die Kammer nach umfangreichen Quellenrecherchen am originalen Platz wiedereröffnen können.

Der Band »Cabinet of Curiosities« lässt eine wichtige Sammlung der Frühen Neuzeit vermissen: Die Kunstkammer des russischen Zaren Peters des Großen, der an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert das Russische Reich konsequent nach Europa öffnete und seine Sammlung nach dem Vorbild der europäischen Wunderkammern einrichtete. Partner der Franckeschen Stiftungen ist seit 25 Jahren das Museum für Anthropologie und Ethnographie »Peter der Große« – Kunstkamera der Russischen Akademie der Wissenschaften. Hier werden die erhaltenen Objekte der Sammlung Peters des Großen in dem eigens errichteten historischen Gebäude am Ufer der Newa direkt gegenüber der Eremitage ausgestellt. Auf Initiative der Franckeschen Stiftungen ist diese renommierte Einrichtung Gründungsmitglied in einem Verbund der europäischen Wunderkammern:

Am 12. Oktober 2020 treffen sich die Franckeschen Stiftungen (Deutschland) und die Kunstkamera (Russland) zusammen mit dem Wunderkammer-Experten Arthur MacGregor (Großbritannien) und dem Teylers-Museum in Haarlem (Niederlande) zu einem Gründungsworkshop für ein »Europäisches Netzwerk Vormoderner Museen«. Die Idee zur Gründung des Netzwerks basiert auf dem Wissen, dass die frühmodernen Wunderkammern in Europa auf vielfältige Weise miteinander verbunden waren.

Kultureinrichtungen können heute das Band sein, das das Haus Europa im Inneren zusammenhält. Die Gründungsmitglieder aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Russland wollen bewusst diesen Akzent setzen und das neue Netzwerk Schritt für Schritt erweitern. Von gemeinsamem Interesse sind der Austausch über aktuelle Fragen des musealen Umgangs mit überlieferten Wunderkammern oder deren erhaltenen Bestandteilen, die fachliche Expertise, die Provenienzforschung, die Entwicklung von Zukunftsszenarien zur Präsentation und Beforschung von Sammlungen aber auch die Frage nach gemeinsamen Publikationen. Forschungen auf diesem Feld sind in wissenschaftlicher Hinsicht besonders vielversprechend. Zwei große Ereignisse rahmen den Gründungsworkshop: Am 12. Oktober jährt sich die Wiedereröffnung der Kunst- und Naturalienkammer nach der Sanierung des Historischen Waisenhauses zum 25. Mal. Dieses Jubiläum wird am 13. Oktober 2020 mit einer Pressekonferenz zur Netzwerkgründung (10 Uhr) und einer Festveranstaltung im Freylinghausen-Saal unter hoher politischer Beteiligung der vertretenen europäischen Länder und des Landes-Sachsen-Anhalt (11 Uhr) begangen. Das Museum für Anthropologie und Ethnographie »Peter der Große« - Kunstkamera plant im Jahr 2022 für das 350. Jubiläum Peters des Großen die Wiederherstellung der Wunderkammer des russischen Zaren.

Die Presse ist am 13. Oktober um 10 Uhr direkt im Anschluss an den Gründungsworkshop zu einer Pressekonferenz mit den Experten Vormoderner Sammlungen eingeladen. Prof. Dr. Arthur MacGregor, der Direktor der Franckeschen Stiftungen, Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, der Direktor des Museums für Anthropologie und Ethnographie »Peter der Große« - Kunstkamera, Prof. Dr. Andrei Golovnev, und die Direktorin des Teylers Museum in Haarlem, Dr. Marjan Scharloo, werden die Idee des Netzwerks und die kommenden Vorhaben vorstellen und stehen als Gesprächspartner zur Verfügung. Eine Besichtigung der Kunst- und Naturalienkammer im Historischen Waisenhaus ist im Vorfeld und im Anschluss möglich.

Foto und Bildanfragen sprechen Sie gerne im Vorfeld ab, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Filme zu einzelnen Objekten der Kunst- und Naturalienkammer und Informationen zum Bildband zur Sammlung haben wir auf der Ausstellungsseite für Sie zusammengestellt.

Die im Museumsnetzwerk Halle assoziierten Museen haben wieder geöffnet. Aufgrund der coronabedingten Schließung der Museen seit Mitte März wird der Endspurt der Gemeinschaftsaktion »Schlüsselbund Hallesche Museen« bis 30. Juni verlängert. Wer alle Schlüssel gesammelt hat, erhält den »Goldenen Museumsschlüssel«, der ein Jahr lang zum kostenfreien Eintritt in alle Museen des Museumsnetzwerkes berechtigt. Die Übergabe der »Goldenen Museumsschlüssel« findet am 14. Juli im Landesmuseum für Vorgeschichte statt.

Wir freuen uns! Endlich können Museen wieder Besucherinnen und Besucher in ihren Ausstellungen willkommen heißen! Aufgrund der Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus hatten Museen von Mitte März bis Anfang Mai geschlossen. Mit unterschiedlichen Startterminen sind ab 25. Mai 2020 nun fast alle im Museumsnetzwerk Halle assoziierten Museen wieder geöffnet.

Die 2018 vom Museumsnetzwerk ins Leben gerufene Gemeinschaftsaktion »Schlüsselbund Hallesche Museen« startete im März 2019 in ihre zweite Runde. Mit der Sammelkarte zahlt man für den Besuch des ersten Museums den vollen, in allen nachfolgenden Museen den reduzierten Eintrittspreis. Rund 7.000 Sammelkarten sind seitdem in Umlauf gebracht worden. Eine Besucherin über die Aktion: »Das Schlüsselbund-Projekt ist eine tolle Idee, die dazu motiviert, auch Museen zu besuchen, die man sonst nicht so im Blick gehabt hätte und ist positiv überrascht, wie vielfältig die Museumslandschaft in Halle ist.«

Der Endspurt für die Schlüsselsammelaktion war ursprünglich für Ende April 2020 geplant. Aufgrund der coronabedingten Schließzeit fehlen die letzten Wochen der Schlüsseljagd. Um diesen Endspurt zu ermöglichen, verschiebt das Museumsnetzwerk Halle den Endtermin für die Abgabe der vollständigen Schlüsselsammelkarte auf den 30. Juni 2020. So hat jede/r Sammler/in die Chance, noch die letzten fehlenden Schlüssel bei einem Museumsbesuch zu sammeln, um den »Goldenen Museumsschlüssel« verliehen zu bekommen.

Im Museumsnetzwerk Halle sind folgende Museen zusammengeschlossen und haben derzeit unter zum Teil geänderten Bedingungen geöffnet:

  • Beatles Museum
  • Franckesche Stiftungenfreier Eintritt bis 5. Juli
  • Gedenkstätte Roter Ochse Halle (Saale) ab 25. Mai, Mo und Fr je 10-14 Uhr, Di-Do 10-16 Uhr, Einlass jeweils zur vollen Stunde
  • Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)ab 21. Mai, veränderte Öffnungszeiten Do-Di 10-13 Uhr und 14-17 Uhr
  • Kunsthalle »Talstrasse« erweiterte Öffnungszeiten Di-Fr 12 bis 19 Uhr und Sa/So 14 bis 18 Uhr
  • Landesmuseum für Vorgeschichte
  • Stadtmuseum Halle
  • Stiftung Händel-HausHändel-Haus geöffnet,Wilhelm Friedemann Bach-Haus bis auf weiteres geschlossen
  • Technisches Halloren- und Salinemuseum Halle*seit Anfang 2020 wegen Umbau geschlossen
  • Zentrale Kustodie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg*bis auf weiteres geschlossen
  • Zentralmagazin Naturwissenschaftliche Sammlungen der Martin-Luther-Universität Halle-WittenbergMuseum für Haustierkunde geöffnet, Geiseltalmuseum und Zoologische Sammlung bis auf weiteres geschlossen

*Die Schlüssel des Halloren- und Salinemuseums sowie der Zentralen Kustodie müssen nicht mehr gesammelt werden. Die Schlüsselsammelkarte gilt auch ohne diese Schlüssel als vollständig.

Der »Goldene Museumsschlüssel« gewährt ein Jahr lang freien Eintritt in alle Museen des Museumsnetzwerkes. Dafür muss der jeweilige Schlüssel des Museums in der Sammelkarte eingeklebt werden. Wer alle Schlüssel gesammelt hat (*ausgenommen), kann die Karte bis 30. Juni in einem der beteiligten Museen abgeben, am besten gleich in dem Museum, in dem der letzte Schlüssel eingesammelt wird. Neue Sammelkarten werden während der Verlängerung nicht mehr ausgegeben.

Die Übergabe der »Goldenen Museumsschlüssel« findet am 14. Juli im Landesmuseum für Vorgeschichte statt. Das Programm ist abhängig von den im Sommer herrschenden Regelungen im Zuge der Corona-Pandemie. Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Motive der Gemeinschaftsaktion »Schlüsselbund Hallesche Museen« zum Herunterladen und zur freien Verwendung für die Presse:

Motiv 1

Motiv 2

Die Ausstellungen in den Franckeschen Stiftungen öffnen am Donnerstag, dem 7. Mai wieder

»Seit über zwei Wochen arbeiten wir mit Hochdruck an der Wiederöffnung der Ausstellungen in den Franckeschen Stiftungen« sagt der Kustos Dr. Claus Veltmann. Abstandsmarkierungen, Masken, Desinfektionsmittel und Plexiglas sind seine neuen Spezialgebiete geworden, denn der Gesundheitsschutz der BesucherInnen und MitarbeiterInnen und die Organisation eines transparenten und für alle möglichst sicheren Ablaufs sind die Voraussetzungen für die Eröffnung, der wir freudig entgegensehen.

In der ersten Phase der Lockerung ist die Situation noch fragil und auf die
Gäste warten einige wichtige Vorkehrungen. Dazu zählt, dass die Eintrittskarten ab sofort möglichst bargeldlos im Francke-Wohnhaus erworben werden sollten. Des Weiteren ist das Tragen von einem Mund-Nasen-Schutz (Maske) in unseren Ausstellungen, genauso wie auch in den Geschäften des Einzelhandels, vorgeschrieben. Wir bitten unsere BesucherInnen, eigene Masken mitzubringen. Wer keinen geeigneten Schutz vorweisen kann, wird aber nicht abgewiesen. Wir bieten im Informationszentrum Masken an, allerdings in begrenzter Stückzahl. Jede/r BesucherIn  wird bereits im Infozentrum einen Erfassungsbogen ausfüllen. Damit unterstützen wir die Behörden beim eventuellen Nachvollziehen der Infektionsketten. Wir bitten alle, dafür einen eigenen Stift bereitzuhalten.

Der Lesesaal der Bibliothek des Studienzentrums August Hermann Francke kann ab dem 7. Mai wieder genutzt werden. Die Bibliothek der Franckeschen Stiftungen ist eine Präsenzbibliothek, in welcher die Bücher nur im Lesesaal gelesen werden können. Viele WissenschaftlerInnen erwarten deshalb die Öffnung des Lesesaals mit Freude.

Zur Wahrung der Abstandsregeln wird die Anzahl der im Lesesaal zur Verfügung stehenden Plätze limitiert. LeserInnen werden gebeten, ihren Nutzungswunsch vorab per Email (lesesaal [at] francke-halle.de) oder telefonisch (+49 (0)345 2127470) anzumelden. Eine Benutzung ist nur nach schriftlicher Bestätigung des Termins möglich. Bücher müssen vorab online über die Webseite der Stiftungen (www.francke-halle.de/studienzentrum) oder per Email (Handschriften und Bücher) bestellt werden. Zur Einhaltung der geltenden Schutz- und Hygienevorschriften ist das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes im Lesesaal verpflichtend.

Für den Lesesaal gelten bis auf  Weiteres geänderte Öffnungszeiten:
Montag – Freitag 9:30 – 16:00 Uhr.

Im Lesesaal und den Ausstellungsräumen wird natürlich wie überall ein Mindestabstand von 1,50 Meter vorgeschrieben sein. »Zu Beginn rechnen wir noch nicht mit einem großen Besucheransturm« sagt Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Stiftungen. Dank der großzügigen Räumlichkeiten können sich in den Ausstellungen im Historischen Waisenhaus 20 Personen aufhalten. „Man kann endlich wieder den herrlichen Blick vom Altan über die Stadt genießen oder eine Zeitreise ins Museum des 18. Jahrhundert in der Kunst- und Naturalienkammer unternehmen.  Auch die barocke Kulissenbibliothek lädt wieder in den Wissenskosmos des Barock ein“ freut sich der Direktor. Allerdings ist hier der Zutritt momentan auf nur 2 Personen gleichzeitig begrenzt. Sollten die Besucherströme größer werden, können die Franckeschen Stiftungen ein Zeitticketsystem anbieten.

Wer sich vor dem Besuch informieren möchte, findet eine Auflistung der Abläufe auf der Webseite.

Zu sehen sind in den Franckeschen Stiftungen:
Di-So, feiertags 10.00-17.00 Uhr
Das Kunst- und Naturalienkabinett, die historische Kulissenbibliothek, das Pietismuskabinett und das Francke-Kabinett sowie die Aussicht vom Altan.

Ab 7. Mai öffnet in der Kulissenbibliothek die Kabinettausstellung:
»Naturgewalten in alten Bibeln«. Dazu folgen gesonderte Informationen.

Im historischen Gelände zeigen wir die Freiluftausstellung:
»Mit Tatkraft und Gottvertauen. Vom Wandel der Franckeschen Stiftungen seit 1990«

›    Wiederentdeckt: Flusspferdzahn aus der Sammlung des Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg zählte zur Gründungssammlung der Kunst- und Naturalien-kammer des Halleschen Waisenhauses.
›    Jubiläumsgeschenk: 2020 jährt sich die Wiedereröffnung der Sammlung nach der Sanierung des Historischen Waisenhauses zum 25. Mal.
›    Die hallesche Kunst- und Naturalienkammer ist die einzige vollständige, am origi-nalen Standort erhaltene barocke Wunderkammer bürgerlichen Ursprungs.
›    Die Wunderkammer ist seit der Eröffnung ungebrochener Besuchermagnet.

Am 27. Januar 2020 kehrte der Flusspferdzahn aus der Sammlung des Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg in die Kunst- und Naturalienkammer des Halleschen Waisenhauses zurück. Das Objekt war 1698 auf kurfürstlichen Befehl an August Hermann Francke (1663–1727) gesendet worden. Zu DDR-Zeiten waren die Objekte der Sammlung aus dem maroden Dachgeschoss des Waisenhauses gerettet und in verschiedenen Räumen der Stiftungen zwischengelagert worden. Bei der Sanierung des Waisenhauses und in Vorbereitung der Wiedereröffnung der barocken Wunderkammer am 12. Oktober 1995 war der Zahn mit der Signatur 2D.F. zunächst als fehlend vermerkt worden. »Nach jahrelanger gründlicher Suche in den benachbarten Sammlungen und einem Aufruf in den Medien mit der Beschreibung der typischen Wunderkammer-Signatur, schien die Wiederentdeckung einzelner Objekte bisher eher unwahrscheinlich«, freut sich Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke über den Sensationsfund. 1995 hatte er als Archivar der Stiftungen die Kunst- und Naturalienkammer am historischen Standort nach der Sanierung des Historischen Waisenhauses wiedererstehen lassen. Er gilt heute als ihr profundester Kenner.

Das Objekt der Aufmerksamkeit ist ein ca. 50 cm langer Flusspferdzahn, auf dem die schwarze Signatur 2D.F. deutlich erhalten ist. Wahrscheinlich aus späteren Zeiten stammt die Inschrift »Elefant, Stoßzahn«, vermutet Claus Veltmann, Kustos des Waisenhauses. Dass es sich jedoch um einen Flusspferdzahn handelt, haben Zoologen bestätigt. Dieser ist bereits im ersten handschriftlichen und numerisch aufgebauten Katalog der Sammlung aus dem Jahr 1698 unter der Nummer 44 als Geschenk des Kurfürsten vermerkt.

August Hermann Francke hatte 1698, im Jahr der Grundsteinlegung des Halleschen Waisenhauses, seinen Kurfürsten in einem Brief um Duplikate aus der landesherrlichen Wunderkammer gebeten: Durch das Geschenk würde »die studirende Jugend kräftig ermuntert […], das höchstnützl. Und zu Gottes sonderbaren Ehren zielende studium naturale emsig zu excolieren« (vervollkommnen). Dieser Brief gilt als Gründungsurkunde der Kunst- und Naturalienkammer, die zusammen mit der Bibliothek und dem Hortus Medicus, dem Arzneikräuter-Garten, den Kern der für alle Schichten der Gesellschaft konzipierten pietistischen Bildungseinrichtung formte. Sieben kurfürstliche Objekte sind im handschriftlichen Katalog der Sammlung aus dem Jahr 1698 verzeichnet. Also konnten die Besucher schon seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts die zwei Walpenisse oder das Straußenei aus dem Konvolut der Schenkung besichtigen. In den 1720er Jahren kamen täglich bis zu 60 Besucher, informiert der 2012 in der zweiten Auflage im Verlag der Franckeschen Stiftungen erschienene Bildband zur Kammer.

Durch Schenkungen und Zusendungen der halleschen Emissäre aus aller Welt wuchs die Sammlung stetig an. Im ersten gedruckten Katalog aus dem Jahr 1700 waren es bereits 180 Objekte, heute zählt die Sammlung ca. 3.000. Im Zuge der grundlegenden Ordnung durch Gottfried August Gründler (1710–1775) in den Jahren 1736–41 war der Flusspferdzahn dem Tierschrank zugeordnet worden. Hier fand er sich unter anderem zusammen mit einem reich verzierten Straußenei, Nasspräparaten von menschlichen Föten oder einem kleinen Horn »von einem gehornten Hasen«.

So stand das großzügige kurfürstliche Geschenk für die guten Beziehungen Franckes zum preußischen Herrscherhaus und illustrierte damit auch die weitreichenden Verbindungen des Netzwerkes der Halleschen Pietisten. Gleichzeitig war der Zahn Objekt der Gelehrsamkeit und Medizin. Flusspferdzähne waren im 18. Jahrhundert bereits in der Medizin bekannt und sehr beliebt. Zedlers Universal-Lexikon (1731–1754) hebt die hervorragenden Eigenschaften als Zahnersatz hervor: Die Ersatzzähne werden mit einem Golddraht an den Nachbarzähnen befestigt, sie sind hart wie Feuerstein und werden nicht gelb, wie Zahnersatz aus Elfenbein.

Der Flusspferdzahn hatte in den letzten Jahren unerkannt in der Biologiesammlung des Landesgymnasiums Latina August Hermann Francke geschlummert. Nicht alle Objekte der historisch gewachsenen Sammlung werden regelmäßig im Schulunterricht benutzt, erklärt der Schulleiter Dietmar Hoge. Bei einer Routineüberprüfung der Objekte ist Anfang des Jahres die deutliche Signatur aufgefallen und die Absprachen mit den Stiftungen über den Verbleib des Zahns erfolgten. »Wir freuen uns, ein so wertvolles Objekt wieder in die Kunst- und Naturalienkammer zurückgeben zu können.«

Ab sofort ist der Flusspferdzahn im Tierschrank der halleschen Kunst- und Naturalienkammer Di-So 10-17 Uhr im Historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen zu besichtigen. (Eintritt 6 Euro, erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre frei)

Bildband zur Kunst- und Naturalienkammer
Müller-Bahlke, Thomas: Die Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen
2. überarbeitete und erweiterte Auflage, 2012
ISBN 978-3-447-06986-1, 42,00 Euro

SAVE THE DATE

Faszination Wunderkammer
Von Francke über Goethe zu Sauerlandt – oder warum die Kunst- und Naturalienkammer überlebt hat (1698–1939)
Vortrag von Prof. Dr. Holger Zaunstöck

MITTWOCH | 29. JANUAR 2020| 18.00 UHR | AMERIKE-ZIMMER

Der Vortrag präsentiert neueste Forschungsergebnisse, die der Frage nachgehen, zu welchem Zweck August Hermann Francke die Kammer begründet und Gotthilf August Francke sie eingerichtet und genutzt hat und wie sie folgende Generationen von der Aufklärung über das Kaiserreich bis in die Zeit des Nationalsozialismus verstanden haben. Somit nimmt er erstmals einen langen Zeitabschnitt systematisch in den Blick, der bislang kaum beachtet worden ist. Auf der Grundlage gleichsam detektivischer Spurensuche entsteht so ein neues Bild von der Geschichte der Wunderkammer, das viele überraschende Perspektiven bereithält.

Jeden Freitag machen uns die engagierten Kinder des Schulhorts August Hermann Francke darauf aufmerksam, dass es keine Erde B gibt. Wir wissen, dass die Ressourcen auf der Erde begrenzt sind. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Rohstoffen ist wichtig, wenn wir unseren Kindern eine Zukunft auf dem Planeten ermöglichen wollen. Upcycling oder Recycling sind Schlagworte, die unser Konsumverhalten bis in die privaten Haushalte hinein verändern. Bestehende Materialien werden ressourcenschonend umgewandelt und einer neuen Nutzung zugeführt. Zu den größten Verbrauchsprodukten in Deutschland zählt das Papier, dessen Herstellung mit großen Mengen Holz verbunden ist. Das wird nicht mehr in Deutschland produziert, sondern zunehmend da eingekauft, wo die Nachhaltigkeitsstandards nicht so hoch sind. Oft sind Ur- und Regenwälder betroffen, die wir für das Klima auf der Erde dringend benötigen.

Die Franckeschen Stiftungen sind sich ihrer Verantwortung bewusst und haben sich konsequent dafür entschieden, nachhaltig und in der Region zu wirtschaften. Eine Umfrage unter unseren LeserInnen hatte ergeben, dass viele bereits auf die digitalen Kommunikationswege umgestiegen sind. Dennoch wünschen sich einige weiterhin Informationen zu den Franckeschen Stiftungen auf Papier. Um die Belastung für die Umwelt gering zu halten, stellen wir mit dem Jahresmagazin 2019 unsere Drucksachen auf 99%es Recyclingpapier um. Hier sind wir uns der Herkunft sicher und können wie bisher mit regionalen Druckereien zusammenarbeiten. Und wir haben eine Bitte: haben Sie unser Infomaterial ausgelesen, werfen Sie es in die blaue Tonne. So speisen Sie es wieder in den Wertkreislauf ein.