Presse

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Hier stellen wir Ihnen unser Text- und Bildmaterial zur aktuellen Berichterstattung zur Verfügung.

Foto- und Drehgenehmigung

Für alle Dreharbeiten und Fotoaufnahmen in den Franckeschen Stiftungen, einschließlich Außenaufnahmen auf dem Gelände, benötigen Sie eine Genehmigung. Bitte senden Sie uns dafür das ausgefüllte Formular vor Ihrer Anreise  zu.  Um einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können, setzen Sie sich gerne vor Beginn Ihrer Arbeit rechtzeitig mit uns in Verbindung.

Jahresausstellung 2021

Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert

Heilen an Leib und Seele

Jahresausstellung anlässlich des 300. Jubiläums der Grundsteinlegung für das erste Kinderkrankenhaus in Deutschland in den Franckeschen Stiftungen

  • 2. Mai-13. Oktober 2021, Historisches Waisenhaus, Franckeplatz 1, Haus 1
  • Eintritt 6 Euro, erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre frei. (Die Ausstellung öffnet für das Publikum entsprechend den behördlichen Vorgaben.)

1721 wurde in den Franckeschen Stiftungen der Grundstein für eines der ersten Kinderkrankenhäuser in Europa gelegt. Die 300jährige Wiederkehr dieses Ereignisses ist der Anlass für die Jahresausstellung »Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert« (2. Mai–13. Oktober 2021) der Franckeschen Stiftungen. Erstmals wird im Historischen Waisenhaus die Medizin des Halleschen Pietismus, die im 18. Jahrhundert weitgreifend einflussreich war, umfassend in einer Ausstellung vorgestellt. Die Kuratoren Prof. Dr. Holger Zaunstöck und Dr. Thomas Grunewald stellen auf 300qm in sieben Räumen einen Meilenstein der Medizingeschichte mit erstaunlichen Entdeckungen aus den kulturhistorischen Sammlungen der Franckeschen Stiftungen dar. Die außergewöhnliche Präsentation in der Verbindung von originalen Quellen mit für die Ausstellung von Künstlern gestalteten Comics zu den einzelnen Themen macht den Besuch zu einem besonderen Erlebnis für die ganze Familie. Zu den spannendsten Geschichten der Schau zählt die des ersten Kinderkrankenhauses. Sie ist in die detailliert recherchierte Rekonstruktion einer einzigartigen Gesundheitstopographie in der Schulstadt August Hermann Franckes (1663–1727) eingebettet.

Die Errichtung des Krankenhauses wurde seit 1700 vorbereitet und markiert den Höhepunkt der langjährigen Bemühungen um die Gesundheit der ca. 3000 Menschen auf dem Stiftungsgelände. Zunächst stand die Versorgung mit frischem Wasser im Vordergrund. 1716 gelang es dem Schreibmeister am Halleschen Waisenhaus und passionierten Laieningenieur für Wassertechnik Gottfried Rost (1677–1753) Frischwasserquellen südlich des Waisenhauses zu erschließen. Für die Ausstellung konnte erstmals das ingenieurtechnisch höchst eindrückliche, mehr als 5 km lange Stollen- und Röhrensystem anhand von eindrucksvollen handkolorierten Plänen rekonstruiert werden. Mit diesem wurde das saubere Quellwasser zu den Nutzungsorten in den Stiftungen befördert und darüber hinaus auch für die Bevölkerung der Stadt Halle kostenfrei zur Verfügung gestellt. Schmutzwasser aus den alchemistischen Laboren und den Küchen leitete man in unterirdischen Kanälen ab, Wege wurden gepflastert und konnten so regelmäßig durch Spülung gereinigt werden. Die Latrinen wurden am nördlichen Rand, außerhalb des zentralen Gebäudekomplexes angelegt. Alchemistische Labore entwickelten Medikamente für die Waisenhausapotheke, in den Unterkünften der SchülerInnen wurden Krankenstuben betrieben, in den Lehrgärten wurde das Wissen über Heilpflanzen unterrichtet. Ein Medicus Ordinarius, ein fest angestellter Arzt und Chirurg, leitete diese frühe – wie wir heute sagen würden – Poliklinik und wurde von Medizin- und Theologiestudenten, die Aufsicht führten und seelsorgerisch tätig waren, sowie von KrankenwärterInnen unterstützt. Zusätzlich zu den fast 3.000 BewohnerInnen der Schulstadt wurden ca. 12.000 Menschen jährlich kostenlos in der Armensprechstunde versorgt.

Mit dem Gebäude des ersten Kinderkrankenhauses, einem Zeitgenossen der Berliner Charité, betraten die Halleschen Pietisten Neuland und setzten Maßstäbe. Krankenstuben waren seit dem ausgehenden Mittelalter in Hospitälern und Waisenhäusern bekannt. Franckes engste Berater und Weggefährten informierten sich ausführlich anhand der Literatur sowie auf Reisen über Vorbilder und Erfahrungen im In- und Ausland. So vereinte das Kinderkrankenhaus die modernsten Ansprüche der Zeit und nahm Anliegen des 19. Jahrhunderts vorweg: Etwas abgesondert im Süden des Geländes, umgeben von Gärten und angeschlossen an die Frischwasserversorgung, garantierte es in seiner Architektur Licht, Ruhe und frische Luft zur Genesung. Das Zusammenspiel von Hygiene, diätetischen Anweisungen, einem hohen Erfahrungswissen, der qualifizierten Krankenbehandlung durch namhafte Ärzte, der administrativen Organisation der Krankenpflege und der Pharmazeutika der Waisenhaus-Apotheke ist für die Zeit einzigartig. Besonders war auch die Binnendifferenzierung des Krankenhauses mit Aufnahme-, Behandlungs- und Verwaltungszimmern sowie einer eigenen Küche. Dies ist bisher nur für das 19. Jahrhundert wissenschaftlich beschrieben und sichert dem Kinderkrankenhaus einen herausragenden Platz in der Krankenhausgeschichte.

Katalog zur Jahresausstellung
Der wissenschaftliche Begleitkatalog mit vielen Abbildungen stellt die Gesundheitstopographie in den Franckeschen Stiftungen vor und bietet kenntnisreiche Einsichten etwa in das Verständnis von Leib und Seele, in Eckpunkte der pietistischen Medizin mit Diätetik und Therapie sowie in die besondere Infrastruktur mit der ingenieurtechnisch ausgeklügelten Wasserversorgung, den alchemistischen Laboren und den Heilpflanzengärten.

Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert. Hrsg. im Auftrag der Franckeschen Stiftungen von Holger Zaunstöck und Thomas Grunewald. Halle 2021 (Kataloge der Franckeschen Stiftungen, 38).
328 S., 213 Abb., 6 Diagramme, € 28,00;
ISBN 978-3-447-11587-2

Online-Ausstellung
Als Digital Story können die Ausstellungsthemen und spannende Objekte vor dem Besuch oder während der pandemiebedingten Schließungen online entdeckt werden. Mit Video- und Audiomaterial, vielen Abbildungen und allen Comics der Ausstellung bietet sie ein eindrückliches interaktives Erlebnis für die ganze Familie.

Begleitprogramm zur Jahresausstellung
Bei unseren Online-Ausstellungsabenden kommen Sie mit den eingeladenen ExpertInnen und den Kuratoren unserer Jahresausstellung ins Gespräch. Leider erlaubt es die aktuelle Pandemielage bis auf Weiteres nicht, dass wir uns vor Ort treffen. Mit dem Online-Angebot wollen wir Ihnen die Möglichkeit geben, die Ausstellung und ihre Themen digital kennenzulernen und ganz bequem von Zuhause aus Informationen aus erster Hand zu bekommen. Schauen Sie vorbei!

12.05.2021, 18:00 Uhr
Heilen an Leib und Seele. Die Gesundheitstopografie der Glauchaschen Anstalten

26.05.2021, 18:00 Uhr
Das erste Kinderkrankenhaus Deutschlands – Eine Klinik zwischen Tradition und Moderne

09.06.2021, 18:00 Uhr
Gestorben wird immer, die Frage ist nur wie! Leben und Sterben in Halle (Saale) im Wandel von 450 Jahren

Heilen an Leib und Seele. Jahresausstellung zu Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert

›    2. Mai – 13. Oktober 2021. Jahresausstellung im Historischen Waisenhaus und aufgrund der pandemischen Situation zunächst online
›    Meilensteine der Medizingeschichte und authentische Beispiele der medizinischen Praxis: Das erste Kinderkrankenhaus in Deutschland und eines der ersten in Europa, Praxisunterricht für Medizinstudierende in der Armensprechstunde, ein wegweisendes medizinisch-hygienisches Versorgungssystem für Schulen und eine frühe Form der Krankenkasse
›    Wissenschaftlicher Begleitkatalog mit vielen Abbildungen und Präsentation online
›    SAVE THE DATE Einladung zur Pressekonferenz online am 5. Mai 2021, 11 Uhr

DIGITALER PREVIEW ZUR ERÖFFNUNG am 2. Mai 2021 um 11.30 Uhr mit Dr. Mark Benecke

1721 wurde in den Franckeschen Stiftungen der Grundstein für das erste Kinderkrankenhaus in Deutschland gelegt. Die 300jährige Wiederkehr dieses Ereignisses ist der Anlass für die Jahresausstellung »Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert« der Franckeschen Stiftungen. Sie beleuchtet erstmals umfassend die Medizin des Halleschen Pietismus, die im 18. Jahrhundert weitgreifend einflussreich war. Eines der ersten Kinderkrankenhäuser in Europa, eine Armensprechstunde, die jährlich 12.000 PatientInnen kostenfrei versorgte, eine erste Krankenkasse nach dem Solidaritätsprinzip und eine nach modernsten Gesichtspunkten gestaltete Gesundheitstopographie mit u.a. dem für die Ausstellung anhand der Originalquellen rekonstruierten, einzigartigen Frisch- und Abwassersystem stellen einen Meilenstein der Medizingeschichte dar. Die Kuratoren Prof. Dr. Holger Zaunstöck und Dr. Thomas Grunewald können auf 300qm in sieben Ausstellungsräumen mit erstaunlichen Entdeckungen aus den kulturhistorischen Sammlungen der Franckeschen Stiftungen spannende Geschichten und sorgfältig recherchierte Hintergründe präsentieren. Interaktiv, leicht zugänglich und ästhetisch packend beantwortet die Schau Fragen nach den Besonderheiten der Medizin und Hygiene sowie ihrer baulichen Umsetzung im Halleschen Pietismus, der medizinischen und pharmazeutischen Praxis, der Rolle des Verhältnisses von Körper, Seele und Gemüt und nach der Wahrnehmung von Krankheit, Therapie und Heilung. Für die Ausstellung wurden vom Studio ZYKLOP eigens Comics, anregende und witzige Schaubilder für jeden Raum gezeichnet, die den Besuch zu einem Erlebnis für die gesamte Familie machen. Begleitet wird die Ausstellung von einem aufwändig gestalteten, wissenschaftlichen Katalog mit vielen Abbildungen und angesichts der aktuellen pandemischen Situation einer digitalen Ausstellung.

Auf der Suche nach der Gelassenheit
Die Schau schlägt einen Bogen von der medizinisch-gesundheitlich-sozialen Situation in der Frühen Neuzeit, die von hohen Sterblichkeitsraten und den Auswirkungen von Pandemien geprägt ist, zum pietistischen Medizinverständnis, das die Debatte der Zeit um das Leib-Seele-Verhältnis aufgreift. Die Halleschen Pietisten setzten diesen Ansatz unter das Primat des Glaubens und der Seele, ohne dabei den Körper zu vernachlässigen. Der gesunde, d. h. der fromme und gelassene Zustand des Gemüts entschied über die Balance zwischen Gesundsein und Kranksein. Das Verhältnis von Körper, Seele und Gemüt, Beispiele aus der medizinischen Praxis mit Krankheitsbildern und Therapieansätzen sowie die Herstellung von Arzneien in alchemistischen Laboren werden der Ausstellung anhand von authentischen Beispielen beleuchtet.

Kinderkrankenhaus und Krankenkasse
Bleib Gesund! Das war die Maxime der Pietisten. Darauf richteten sich in Franckes Schulstadt die Architektur, die Abläufe des Alltags und organisatorische Neuheiten aus. Dazu zählte die Errichtung (1721–23) eines der  ersten Kinderkrankenhäuser überhaupt im Süden des Geländes in ruhiger, sonniger Lage und etwas abseits der zentralen Gebäude am heutigen Lindenhof. Der berühmteste Zeitgenosse ist sicher die Charité in Berlin. Die Ausstellung verweist auch auf die Armensprechstunde im Historischen Waisenhaus, in der Studenten im Rahmen einer universitären Ausbildung Praxisunterricht, die heutige Famulatur, erhielten. Monatlich wurden hier die enorme Zahl von ca. 1.000 armen PatientInnen kostenfrei behandelt und mit Medikamenten versorgt. Für die ärztliche, pflegerische und pharmazeutische Betreuung der Schüler von Latina und Königlichem Pädagogium wurde eine »Pflege-Cassa« eingerichtet, ein Begriff, der erst um 1780 nachgewiesen ist. Hier probierten die Halleschen Pietisten erstmals ein basales Solidarprinzip aus.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitkatalog mit vielen Abbildungen. Er eröffnet ein weites medizingeschichtliches Panorama,  stellt die Gesundheitstopographie in den Franckeschen Stiftungen vor und bietet kenntnisreiche Einblicke etwa in das Verständnis von Leib und Seele, Diätetik sowie in die besondere Infrastruktur mit der ingenieurtechnisch ausgeklügelten Wasserversorgung, den alchemistischen Laboren und den Heilpflanzengärten.

Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert. Hrsg. im Auftrag der Franckeschen Stiftungen von Holger Zaunstöck und Thomas Grunewald. Halle 2021 (Kataloge der Franckeschen Stiftungen, 38).
328 S., 213 Abb., 6 Diagramme, € 28,00;
ISBN 978-3-447-11587-2

Online-Ausstellung
Als Digital Story können die Ausstellungsthemen und ausgewählte spannende Objekte ab dem 2. Mai 2021 vor dem Besuch oder während der pandemiebedingten Schließungen online entdeckt werden. Mit Video- und Audiomaterial, vielen Abbildungen und allen Comics der Ausstellung bietet sie ein eindrückliches interaktives Erlebnis für die ganze Familie.
 

Der opulente Begleitkatalog der aktuellen Jahresausstellung in den Franckeschen Stiftungen erkundet Neuland. Zum 300. Jubiläum der Grundsteinlegung für das erste Kinderkrankenhaus in Europa versammeln die Kuratoren Prof. Dr. Holger Zaunstöck und Dr. Thomas Grunewald 16 AutorInnen aus ganz Deutschland, um das Thema Medizin im 18. Jahrhundert am Beispiel des Halleschen Waisenhauses August Hermann Franckes aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Die pietistische Einrichtung ist mit der ältesten erhaltenen barocken Wunderkammer am authentischen Ort, dem ersten Schulgarten in Deutschland oder der Einführung der Praxisausbildung im Medizinstudium bereit als ein Ort der medizinischen Superlative bekannt. Das Jubiläum des Kinderkrankenhauses bietet jetzt den Anlass, auf 328 Seiten und mit 213 Abbildungen die einzigartige Gesundheitstopographie der Franckeschen Stiftungen aufzufächern.

Gerne senden wir Ihnen ein Presseexemplar des Katalogs zu. Gerne können Sie vorab in der digitalen Ausgabe blättern. Die Abbildungen unterliegen dem Urheberrecht. Bildanfragen für Ihre Berichterstattung richten Sie gerne an uns.

Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert.

Hrsg. im Auftrag der Franckeschen Stiftungen von Holger Zaunstöck und Thomas Grunewald. Halle 2021 (Kataloge der Franckeschen Stiftungen, 38).
328 S., 213 Abb., 6 Diagramme, € 28,00;
ISBN 978-3-447-11587-2

Aus dem Inhalt:

Holger Zaunstöck: »Weil nun Seel und Leib in diesem Leben vereiniget sind.« Medizin, Hygiene und Pietismus im 18. Jahrhundert – zur Einleitung

Katrin Moeller: »Inmittelst nahm die Contagion allhie überhand.« 450 Jahre Leben und Tod in Halle

 

Kapitel 1 – Leib und Seele: Medizin nach 1700

Jürgen Helm: Medizin im Halleschen Pietismus

Yvonne Wübben: Psychophysische Medizin in Halle um 1750

Verzeichnis der Exponate

 

Kapitel 2 – Gesund bleiben: Körper, Seele, Gemüt, Affekte im Pietismus

Irmtraut Sahmland: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein«. Grundzüge einer pietistischen Diätetik

Christian Soboth: »Also, wären keine Affecten, so wäre kein Leben.« Affekt und Affektkontrolle im Halleschen Pietismus

Verzeichnis der Exponate

 

Kapitel 3 – Elementar: Wasserversorgung und Hygiene

Thomas Grunewald: Die Wasserversorgung der Glauchaschen Anstalten

Florian Bruns: Hygiene in der Industriegesellschaft. Konzepte und Transformationen vom 19. ins 20. Jahrhundert

Verzeichnis der Exponate

 

Kapitel 4 – Heilungsstätten: Krankenstube, Hospital, Kinderkrankenhaus

Christina Vanja: Von der Krankenstube zum Kinderkrankenhaus – die medizinische Versorgung kranker Kinder in Hospitälern und Waisenhäusern bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts

Thomas Grützner: »Ao 1721 ist auch ein Haus zur Verpflegung der Krancken gebauet worden«. Die Baugeschichte des Krankenhauses in den Franckeschen Stiftungen

Verzeichnis der Exponate

 

Kapitel 5 – Gesund werden: Lernen und therapieren

Saskia Gehrmann: Die Organisation der medizinischen Praxis in den Glauchaschen Anstalten: Dienstinstruktionen und Verhaltensregeln

Markus Berger | Mark Häberlein: Body and Soul: Gesundheit und Krankheit in der transatlantischen Korrespondenz Hallescher Pastoren

Verzeichnis der Exponate

 

Kapitel 6 – Stoffe zur Heilung: Alchemie, Pharmazie und Botanik

Claudia Weiß: »[V]on der löblichen Kunst Alchymia«. Alchemistische Pharmazie am Halleschen Waisenhaus im 18. Jahrhundert

Cornelia Jäger: Heilpflanzen im Unterricht – vom Wandel des Hortus Medicus und Botanischen Gartens am Königlichen Pädagogium

Verzeichnis der Exponate

 

Kapitel 7 – Betroffen sein: Beobachten, leiden, hoffen

Vera Faßhauer: Beobachtungen zur Erkenntnis meiner selbst und anderer: Körper- und Seelenerfahrung als Basis der medizinischen Praxis bei Johann Christian Senckenberg

Pia Schmid: »Die Seele ihrem Heilande entgegen zu tragen«. Krankheit und Sterben in Herrnhuter Lebensläufen 1750–1830

 

Kapitel 8 – Alles an einem Ort: Gesundheitstopographie in den Franckesche Stiftungen

Thomas Grunewald: Die Glauchaschen Anstalten als medizinische Gesamttopographie

Ansicht des zweigeschossigen Gebäudes des ersten Kinderkankenhauses in Deutschland, das 1721-23 in den Franckeschen Stiftungen errichtet wurde.

Das Gebäude des ersten Kinderkrankenhauses in Deutschland (errichtet 1721–23) in den Franckeschen Stiftungen

Download © Markus Scholz

Das erste Kinderkrankenhaus in Deutschland wurde 1711–13 in den Franckeschen Stiftungen errichtet. Der Stich zeigt eine Ansicht von 1854 (Download für Ihre Berichtertattung, © Franckesche Stiftungen)

Das Gebäude des Krankenhauses mit den späteren Anbauten ist bis heute erhalten. (Zeichnung 1881, Halle Archiv der  Franckeschen Stiftungen (Download für Ihre Berichterstattung, © Franckesche Stiftungen)

Videoinstallationen in einer spannenden Schwarz-Weiß-Optik geben den historischen Objekten - Büchern und Handschriften - einen spannenden Kontrast.

Blick in die Ausstellung, die in einer modernen Schwarz-Weiß-Inszenierung die historischen Objekte in Szene setzt.  Download für Ihre Berichterstattung © Jörg Gläscher

Skulpturen athletischer Menschen verkörpern das Gesundheitsideal der Zeit, in der sie entstanden sind.
Jedes Waisenkind bekam in Franckes Schulstadt ein eigenes Bett, was im 18. Jahrhundert durchaus nicht überlich war. Das konnte anhand der historischen Pläne für die Ausstellung nachgebaut werden.

Jedem Waisenkind ein eigenes Bett. Das war bei August Hermann Francke wegweisender hygienischer Standard. Ein Quellenfund machte die detailgetreue Rekonstruktion des historischen Bettes für die Ausstellung möglich. Download für Ihre Berichterstattung © Jörg Gläscher

Pressemitteilungen chronologisch

Peter Maffay zu Gast in den Franckeschen Stiftungen

Dienstag, 13. Juli 2021, 18:00 Uhr

  • »Persönlichkeiten im Gespräch« mit Reinhard Bärenz, MDR-Kulturchef, aus dem Freylinghausen-Saal im Historischen Waisenhaus
  • Livestream auf www.francke-halle.de
  • Foto-/ Interviewanfragen der Presse an Peter Maffay müssen vorab schriftlich unter klapperstueck@francke-halle.de angemeldet und bestätigt werden. 

In der Reihe  »Persönlichkeiten im Gespräch« der Franckeschen Stiftungen ist am Dienstag, dem 13. Juli 2021, um 18:00 Uhr, Peter Maffay zu Gast bei MDR-Kulturchef Reinhard Bärenz.

Die Veranstaltung knüpft an das Jahresthema der Franckeschen Stiftungen an, das sich unter dem Titel »Vorsicht! Umsicht: Rücksicht« mit unserer Sicht auf Gesundheit und Wohlergehen beschäftigt. Fürsorge für Kinder und Jugendliche haben in den Stiftungen eine jahrhundertelange Tradition. Im Gespräch mit Peter Maffay wird das Wohlergehen von Kindern heute im Mittelpunkt stehen, für das sich der erfolgreiche Musiker in verschiedenen Projekten aktiv einsetzt.

Bereits seit den 1980er Jahren engagiert sich Peter Maffay intensiv für soziale Projekte, die Umwelt, den Frieden, gegen Gewalt, Diktatur und Rassismus. Im Jahr 2000 gründete er die Peter Maffay Stiftung, die jährlich rund 1800 benachteiligten, kranken und traumatisierten Kindern in Ferieneinrichtungen in Deutschland, Spanien und Rumänien eine Auszeit bietet und dabei den Zugang zur Natur und ökologischen Landwirtschaft ermöglicht. Für sein soziales Engagement wurden Maffay und seine Stiftung vielfach ausgezeichnet.

Aufgrund der aktuellen Pandemielage sind die Plätze im Freylinghausen-Saal weiterhin begrenzt und bereits ausgebucht. Die Veranstaltung wird deshalb auch im Livestream übertragen. Alle Informationen zum Online-Zugang werden auf www.francke-halle.de veröffentlicht.

Peter Maffay steht für Fotos und Interviews mit MedienvertreterInnen am Veranstaltungstag nach der Veranstaltung zur Verfügung. Eine Anmeldung vorab unter klapperstueck@francke-halle.de ist zwingend erforderlich! Ohne schriftliche Bestätigung Ihrer Anfrage sind Fotos/Interviews am Veranstaltungstag nicht möglich. 

Neustart in historischer Scheune: Spielehaus öffnet mit hunderten neuen Spielen

Franckesche Stiftungen, Haus 32

  • Ab sofort wieder Cafébetrieb und kostenlose Gesellschaftsspiele, Brettspiele, Kartenspiele und vieles mehr
  • Gelungene Sanierung: gemütliche Scheunen-Atmosphäre bleibt erhalten
  • Bildungs- und Vernetzungsmöglichkeiten in der Historischen Meierei schaffen soziokulturellen Mikrokosmos

Nach mehr als drei Jahren ist es endlich so weit: Das Spielehaus öffnet seine Türen wieder für Jung und Alt am angestammten Platz in der historischen Feldscheune in den Franckeschen Stiftungen. Während der gesamten Bauzeit war das Spielehaus in provisorischen Räumlichkeiten untergebracht, musste aber coronabedingt seine Angebote in den vergangenen acht Monaten komplett einstellen. »Umso glücklicher sind wir nun, dass wir nach dieser zähen Zeit der Baustelle und des monatelangen Lockdowns das Spielehaus in diesen toll sanierten Räumen wieder öffnen können«, freut sich Paul Zaprasis, geschäftsführender Vorstand des Spielehaus e.V. »Es ist hervorragend gelungen, die wunderschöne Atmosphäre des knapp 300 Jahre alten Fachwerkgebäudes mit den Balkendecken und der Bohlenwand aus dem 18. Jahrhundert zu erhalten und mit den Anforderungen modernen Bauens in Einklang zu bringen – schöner hätten wir es uns nicht vorstellen können!«

Auch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Spielehauses waren während der Zeit des Lockdowns aktiv. Katja Lehmann, Spieleexpertin des Vereins, erklärt: »Wir haben in dieser Zeit unseren gesamten Bestand an Brett- und Gesellschaftsspielen unter die Lupe genommen und runderneuert sowie intensive Kontakte zu zahlreichen Spieleverlagen in ganz Deutschland aufgenommen. Nun kann das Spielehaus mit mehr als 200 neuen Brettspielen zusätzlich zu unserem Bestand von ca. 500 Spielen wieder an den Start gehen.« Darüber hinaus wurde in dieser Zeit gemeinsam mit den Franckeschen Stiftungen ein Leitfaden entwickelt, wie die Einrichtungen auf dem Stiftungsgelände das Know-how des Spielehauses gemeinsam nutzen können.

»In den vergangenen Jahren ist auf dem Gelände der Historischen Meierei ein soziokultureller Mikrokosmos entstanden, der ein Brennglas der Bildungs- und Vernetzungsmöglichkeiten hier auf dem Gelände ist. Dieser bietet mit dem Familienzentrum, dem Bewegungshaus, dem Jugendklub TiQ, dem Spielehaus und dem neu eingezogenen Institut für Rehabilitationspädagogik beste Voraussetzungen für gemeinsame Angebote in den Bereichen Soziokultur, Sport und Bildung für jeden«, sagt Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen. 

Hintergrund Spielehaus e.V.

Im Frühjahr 1993 eröffnete in der »Großen Scheune« der Franckeschen Stiftungen das Spielehaus als ein Begegnungsraum für Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterschiedlicher sozialer und intellektueller Prägung. Die Idee: sich auf spielerische Art und Weise mit verschiedenen internationalen, nationalen und regionalen Kulturen auseinandersetzen und diesen näher kommen zu können. Diesem Gedanken entspricht die Auswahl der mehr als 700 Spiele. Die Sammlung enthält typische, zum Teil längst vergessene Spiele aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen der Welt: Gesellschaftsspiele, Brettspiele, Solospiele, Kartenspiele und vieles mehr. Weiterhin existiert eine kleine Handbibliothek zum Thema im Spielehaus.

Darüber hinaus veranstaltet der Spielehaus e.V. zahlreiche Projekte, die zur Grundlage haben, Jung und Alt mit dem Kulturgut Spiel vertraut zu machen und eigene Erfahrungen damit zu sammeln. Sie sind zu einer festen Größe des kulturellen Lebens in den Stiftungen, in der Stadt und bei zahlreichen Partnereinrichtungen in ganz Sachsen-Anhalt geworden.

Das Spielehaus nebst »Spielecafé« ist täglich ab den frühen Nachmittagsstunden geöffnet – alle Spiele können kostenfrei genutzt werden.

 

Schülerpreise 2021 für außergewöhnliches soziales Engagement

Mi, 7. Juli 2021 | 11:00 Uhr | Freylinghausen-Saal

  • Preisverleihung an Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule August Hermann Francke und des Landesgymnasiums Latina August Hermann Francke 
  • 25. Jubiläum des Schülerpreises für außergewöhnliches Engagement der Firma Pfeifer & Langen 
  • Hauptpreise: Film zum Thema Alkoholsucht und Förderung für Grundschüler

Seit 1996 wird der Schülerpreis der Firma Pfeifer & Langen für außerschulisches kulturelles und soziales Engagement an SchülerInnen auf dem Gelände der Franckeschen Stiftungen verliehen. Honoriert werden Einzel- und Gruppenprojekte, die den Vernetzungsgedanken innerhalb des Kosmos Franckesche Stiftungen aufgreifen und das Gemeinschaftsbewusstsein auf dem Stiftungsgelände stärken. Anlässlich des 25. Jubiläums steuerte die Firma Pfeifer & Langen zusätzlich zum Preisgeld noch ein Jubiläumsgeld bei.

Das generelle Engagement für die Schulgemeinschaft, insbesondere für jüngere SchülerInnen, sowie der tatkräftige Einsatz für Naturschutz und Umweltbildung sind dieses Jahr besonders hervorzuheben. Der 1. Hauptpreis geht an ein Filmprojekt zum Thema Alkoholsucht, das sogar bei der drobs Halle ausgezeichnet wurde. Die SchülerInnen der Gemeinschaftsschule August Hermann Francke leisten mit ihrem Film Hilfestellung für Kinder alkoholabhängiger Eltern.

Die Juniorengruppe des Freundeskreises der Franckeschen Stiftungen e.V. wird für ihre kontinuierliche jahrelange Arbeit in diesem Jahr mit zwei Preisen bedacht. Zum einen geben Schülerinnen der Latina jede Woche zwei Doppelstunden Förderunterricht für ihre Patenklassen in der Grundschule August Hermann Francke – das brachte ihnen den 2. Hauptpreis ein. Zum anderen werden die JuniorInnen des Freundeskreises für ihre unermüdliche Unterstützung der Arbeit der Franckeschen Stiftungen bedacht. Sie bringen die jugendliche Perspektive in die Arbeit des Freundeskreises ein, helfen bei zahlreihen Veranstaltungen und kümmern sich u.a. um die Francke-Gruft auf dem Stadtgottesacker.

Die Projekte, welche von der Gemeinschaftsschule August Hermann Francke weiterhin prämiert wurden, überzeugten die Jury durch das Engagement der SchülerInnen für ihre Schule und ihre eigene Lernumgebung. So hat eine Gruppe SchülerInnen die Schulbibliothek der Gemeinschaftsschule eigenverantwortlich erneuert. Das Preisgeld kommt da gerade Recht für den Erwerb neuer Bücher und Lesesessel. Hervorzuheben sind weiterhin die Bienenwiese für das Schulbienenvolk »Franky-Bees« und ein ausgefeiltes »Grünes Klassenzimmer« inklusive Windrad sowie Planungen für eine Wasserkraftanlage und ein Feuchtbiotop. Beide Projekte möchten das Preisgeld in den weiteren Ausbau investieren. So bietet der Preis von Pfeifer & Langen den Jugendlichen die Möglichkeit, selbstwirksam zu arbeiten und ihre Lernräume selbst zu gestalten.

Vorbereitung eines neuen Antragsverfahrens für die Aufnahme in das UNESCO-Welterbe

Bildung für Alle: Die Franckeschen Stiftungen stellen sich der Herausforderung eines zweiten Welterbe-Antragsverfahrens

  • Rainer Robra, Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt und Dr. Gunnar Schellenberger, Staatssekretär für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, überreichten am 1. Juni 2021 Zuwendungsbescheid des Landes Sachsen-Anhalt für die Förderung des Upstream-Prozesses bis Ende 2023

Halle, Franckesche Stiftungen, 1. Juni 2021

Die Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale) stehen seit 1999 auf der deutschen Tentativliste für die UNESCO-Welterbeliste. Ein erster Antrag wurde 2015 nach eingehenden Diskussionen aus dem Wettbewerbsverfahren zurückgezogen. Seitdem haben die Stiftungen zusammen mit dem Land Sachsen-Anhalt und dem Auswärtigen Amt über mögliche Perspektiven gesprochen. Dank der vollen Unterstützung durch das Land Sachsen-Anhalt kann jetzt die Arbeit an einem zweiten Antrag aufgenommen werden.

Hierzu überreichte Staats- und Kulturminister Rainer Robra Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke einen Zuwendungsbescheid des Landes in Höhe von 186.600 Euro. Minister Robra zeigt sich vom Förderziel überzeugt:

»Die UNESCO-Stätten Sachsen-Anhalts sind in ihrer Mehrheit nicht einfach herausragende kulturelle Zeugnisse; sie stehen auch für Ideen, die die Welt verändert haben. Das gilt selbstredend für die Reformation Martin Luthers und für das Bauhaus in Dessau als Grundlage der weltweiten Moderne. Es gilt aber auch für das Gartenreich Dessau-Wörlitz als praktische Anwendung der philosophischen Ideen der Aufklärung. Zur Reihe dieser Orte revolutionärer Ideen zählen auch die Franckeschen Stiftungen. Franckes Vision war die Verbesserung des Menschengeschlechts, die Erziehung und Bildung jedes Einzelnen entsprechend seiner individuellen Begabungen – Waisen und Fürstenkinder gleichermaßen, Jungen ebenso wie Mädchen. Seine Pädagogik ist bis heute wirksam in den Schulen unseres Landes, seine Schulstadt hier in Halle gibt als Kulturdenkmal ersten Ranges Zeugnis von dieser Leistung und ist es wert, als Erbe der Menschheit anerkannt zu werden.«

Staatssekretär Dr. Gunnar Schellenberger unterstreicht:

»August Herrmann Franckes Idee ist heute so aktuell wie je: die bestmögliche Bildung aller Schülerinnen und Schüler nach Fähigkeit und Neigung zu ermöglichen, unabhängig von Stand und Vermögen ihrer Eltern. Sie ist als Schlüssel für Innovation und persönliche Entfaltung ein Ideal, das mir als langjährigem Pädagogen besonders am Herzen liegt und das in den Franckeschen Stiftungen schon vor über 300 Jahren verwirklicht wurde. Diesen andauernden Auftrag der Franckeschen Stiftungen für die Gegenwart und Zukunft wird die Überarbeitung des UNESCO-Antrags in den Mittelpunkt stellen. Als Mitglied des Kuratoriums der Franckeschen Stiftungen ebenso wie als Staatssekretär für Kultur ist es mir eine Freude, dieses Verfahren finanziell zu unterstützen!«

Die Förderung dient der Erarbeitung der inhaltlichen Grundlagen eines neuen Antragsverfahrens. Der geplante Welterbeantrag der Franckeschen Stiftungen wird unter dem Thema Bildung für Alle stehen. »Vor allem im Bauensemble der Franckeschen Stiftungen kommt die grundlegende Idee der Bildung für Alle einzigartig zur Geltung.«, erläutert Stiftungsdirektor Thomas Müller-Bahlke und ergänzt: »Damit greifen die Stiftungen eines ihrer eigenen Kernthemen auf, das bis heute von höchster Aktualität ist und unsere gesellschaftlichen Debatten bestimmt sowie global eine der größten Zukunftsherausforderungen für die Menschheit darstellt.«

Das Antragsverfahren ist in zwei Phasen unterteilt. Der Zuwendungsbescheid ermöglicht die Durchführung der ersten Phase. Dabei liegt der Fokus auf einem sogenannten »Upstream-Prozess«, der jetzt vorbereitet und voraussichtlich im Jahr 2023 durchgeführt werden soll. Hierfür werden mit internationaler fachwissenschaftlicher Unterstützung Konzept und Argumentationslinien für den eigentlichen Antrag erarbeitet und anschließend kritisch durch ICOMOS International in einem Dialog geprüft. Erst nach erfolgreichem Abschluss erfolgt in der zweiten Phase die Erarbeitung des eigentlichen Welterbeantrags.

HINTERGRUND

Die Franckeschen Stiftungen sind ein einzigartiges Zeugnis sozialer und pädagogischer Architektur bürgerlichen Ursprungs aus dem Zeitalter des Barock. Sie wurden 1698 von dem Theologen und Pädagogen August Hermann Francke (1663–1727) gegründet. Im Zentrum des Gebäudeensembles stand die Idee von einer bestmöglichen Bildung für Alle. Das Hauptaugenmerk lag darauf, jungen Menschen gemäß ihren individuellen Begabungen maßgeschneiderte schulische Ausbildungsgänge zu ermöglichen. Dabei sollte die Herkunft – vom Waisen bis zum Adelskind – keine Rolle spielen. Dieser Ansatz war zukunftsweisend und ist bis heute beispielgebend. Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts herrscht über politische und kulturelle Grenzen hinweg Einigkeit darüber, dass die Bewältigung der anstehenden Aufgaben der Menschheit im Allgemeinen und die Behebung von sozialen, ökonomischen, gesundheitlichen und ökologischen Herausforderungen im Besonderen nur durch den Zugang zu Bildung für alle Menschen gelingen kann und zwar unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Zugehörigkeit.

Eben diese Idee hat Francke vor dreihundert Jahren auf eindrucksvolle Weise umgesetzt und dafür ein architektonisch vorbildhaftes und weltweit zugleich einzigartiges Bauensemble errichtet. Zwischen 1698 und 1748 entstand eine ganze Schulstadt, zu der ein Waisenhaus, zahlreiche Schulen (für Jungen und Mädchen) und Internate, eine Bibliothek, eine berühmte Kunst- und Naturalienkammer sowie Wirtschafts- und Fürsorgebetriebe (Apotheke, Labore, Buchdruckerei, Verlag, Buchhandlung, Krankenhaus, landwirtschaftliche Betriebe) gehörten.

Vor dem Historischen Waisenhaus überreicht der Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt, Rainer Robra, dem Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke einen Förderbescheid für den UNESCO Upstream-Prozess.

Der Staats- und Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt, Rainer Robra, überreicht im Beisein des Staatssekretärs Dr. Gunnar Schellenberger Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke einen Zuwendungsbescheid über die Förderung zur Vorbereitung eines Upstream-Prozesses für eine neues Welterbe-Bewerbungsverfahren.

Download des Pressebildes © Thomas Meinicke

Jahrespressekonferenz 2021

Höhepunkte im Jahresprogramm der Franckeschen Stiftungen »Vorsicht! Umsicht: Rücksicht. Unsere Sicht auf Gesundheit und Wohlergehen«

Für Ihre Berichterstattung stellen wir Ihnen gerne ein Pressefoto zur Verfügung.

Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen, und Anneheide von Biela, stellvertretende Direktorin, präsentieren vor dem Gebäude des ersten Kinderkrankenhauses in Europa, das vor 300 Jahren in den Franckeschen Stiftungen errichtet wurde, das Plakat des kulturellen und wissenschaftlichen Jahresprogramms 2021 unter dem Titel »Vorsicht! Umsicht: Rücksicht. Unsere Sicht auf Gesundheit und Wohlergehen«.

Foto: Thomas Meinicke

Vorsicht! Umsicht: Rücksicht. Unsere Sicht auf Gesundheit und Wohlergehen –Jahresprogramm der Franckeschen Stiftungen 2021

Gesundheit war immer schon ein hohes Gut. Vor genau 300 Jahren wurde in den Franckeschen Stiftungen Medizingeschichte geschrieben: August Hermann Francke (1663–1727) ließ 1721 ein Krankengebäude errichten, das heute als erstes Kinderkrankenhaus Europas gelten kann. Bahnbrechend war auch die öffentliche Armensprechstunde am Halleschen Waisenhaus , in der monatlich bis zu 1.000 Personen kostenlos behandelt und mit in der Anstaltsapotheke hergestellten Medikamenten versorgt wurden. Aus historischem und aktuellem Anlass widmen die Franckeschen Stiftungen 2021 ihr Jahresprogramm dem Thema Vorsicht! Umsicht: Rücksicht. Unsere Sicht auf Gesundheit und Wohlergehen.

Im Zentrum des Programms steht die Jahresausstellung (2. Mai–13. Oktober) unter dem Titel »Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert«, die am 2. Mai mit dem bekannten Kriminalbiologen Dr. Mark Benecke eröffnet wird. Die Ausstellung führt in die Welt der Medizin im 18. Jahrhundert ein, in der sich eine europaweite Debatte über das grundlegende Verhältnis von Leib und Seele entspannte. Vor diesem Hintergrund konzipierten die halleschen Pietisten ein eigenes medizinisches Verständnis, das gleichberechtigt auf Körper, Seele und Gemüt blickte. BesucherInnen erfahren erstmals, wie das Gebäudeensemble der barocken Schulstadt und die Alltagsordnungen diesen Ansatz heute noch widerspiegeln. Anhand eindrucksvollen historischen Archivmaterials und zahlreicher authentischer Einzelschicksale blättert die Ausstellung Themen auf, die in verblüffender Weise aktuell sind – so etwa das für das 18. Jahrhundert hochmoderne Hygienekonzept und der damals schon professionelle Umgang mit der Ressource Wasser in den Franckeschen Stiftungen.

Die Jahresausstellung wird angesichts der pandemischen Situation wieder eine fundierte Online-Darstellung auf der Webseite finden und filmisch sowie mit einem umfangreichen Begleitprogramm im Live-Stream (Zugangslinks auf der Webseite) begleitet werden. Die erste große digitale Auftaktveranstaltung für das Jahr bildet die Francke-Feier vom 19.–21. März 2021. Die Festveranstaltung anlässlich des 358. Geburtstages des Stiftungsgründers August Hermann Francke  steht im Zeichen des erfolgreichen Abschlusses des Wiederaufbaus der Franckeschen Stiftungen. Hochkarätige Gäste und RednerInnen haben zugesagt, darunter Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien bei der Bundeskanzlerin, Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes und Prof. Dr. Christian Tietje, Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Auch in der Vermittlungsarbeit werden 2021 mit dem Projekt »Suddenlife Gaming im Vermittlungsangebot der Franckeschen Stiftungen« online-Formate entwickelt, die über die Pandemie hinaus neue Zielgruppen ansprechen sollen. Das Projekt wird im Rahmen von »dive in. Programm für digitale Interaktionen« der Kulturstiftung des Bundes, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Programm NEUSTART KULTUR, durchgeführt. Kinder (6–12 Jahre) und Familien werden durch transmediales Storytelling (Suddenlife Gaming) Teil einer spannenden Geschichte, die sie mitgestalten und in der sie sich miteinander austauschen. Interaktive Spielmechaniken schlagen dabei eine Brücke von den Themen der Franckeschen Stiftungen, ihrer Ausstellungen, ihrer Gebäude und ihrer Geschichte in die Lebenswelt der NutzerInnen. Das Museum kommt nach Hause und die Interaktionen der NutzerInnen werden Teil des Museums.

Im Veranstaltungsprogramm, das nach Möglichkeiten vor Ort, garantiert aber im Live-Stream stattfindet, begrüßen wir 2021 wieder renommierte Gäste mit spannenden Themen in den Franckeschen Stiftungen. Peter Maffay wird am 3. Juni 2021 als Gast in der Reihe »Persönlichkeiten im Gespräch« mit MDR- Kulturchef Reinhard Bärenz über sein Leben und sein soziales Engagement für Kinder und Familien sprechen. Am 3. Juli ist mit Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Ulrich Gumbrecht einer der führenden Intellektuellen unserer Zeit Gast der ersten Paul Raabe-Vorlesung in den Franckeschen Stiftungen. Prof. Dr. Jakob Vogel, ein international renommierter Experte für die europäische Geschichte der Neuzeit und den europäischen Kolonialismus, spricht am 29. April in den Halle Lectures über »Aufklärung Postkolonial? Globale Wissenschaftsgeschichte und die Herausforderungen des Exotismus«. Im Herbst 2021 finden vier große Themenabende statt, bei denen es mit zahlreichen Fachleuten um Körper, Seele und Gemüt, aber auch um Medikamente und Ökonomie, ebenso um Hygiene und Angst vor Krankheit sowie um die Medikalisierung der Medizin gehen wird. Bei diesen Veranstaltungen ebenso wie bei dem ganzen Jahresprogramm werden die Franckeschen Stiftungen von den drei großen konfessionellen Krankenhäusern in der Stadt Halle, dem Krankenhaus Martha-Maria Halle-Dölau, dem Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara sowie dem Diakoniewerk Halle unterstützt.

Die Franckeschen Stiftungen setzen auch 2021 wieder Maßstäbe in der internationalen Netzwerkarbeit. Die auf Betreiben der Franckeschen Stiftungen 2020 in Halle gegründete »Alliance of Early Universal Museums« tagt am 28. Mai 2021 im Teylers Museum in Haarlem (Niederlande). Hier werden mehrere Institutionen von europäischem Rang als neue Mitglieder in das Netzwerk aufgenommen und eine große Tagung 2022 in St. Petersburg vorbereitet. Die Stadt an der Newa wird in diesem Jahr im Zentrum der Feierlichkeiten zum 350. Geburtstag des Zaren Peters des Großen (1672–1725) stehen.

Die Franckeschen Stiftungen sind aber auch lokal aktiv: Für das erste stadtweite kulturelle Themenjahr einer ganzen Themenjahresdekade haben sie die federführende Intendanz übernommen. Über 80 Akteure werden die Stadtgesellschaft mit rund 100 Veranstaltungen in Bewegung setzen und sich ein Jahr lang mit den Themen Salz und Digitalisierung befassen. Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen, freut sich über den positiven Prozess: »Einerseits werden so aus vermeintlichen Konkurrenten Verbündete. Andererseits entstehen Synergien und es werden Akteure aus weiteren Bereichen wie Wissenschaft, Soziales, Wirtschaft, Kirchen usw. eingebunden. So entsteht im Miteinander ein facettenreiches Jahresprogramm mit nachhaltigen positiven Effekten für die ganze Stadt.«

Neben weiteren Themenbeiträgen im Rahmen des Themenjahres verfolgen die Franckeschen Stiftungen mit dem Projekt »Digitalisierung der Salzkothe in der Kunst- und Naturalienkammer« kontinuierlich die Digitalisierung ihrer Ausstellungen. Erstmals wird ein Objekt aus der Kunst- und Naturalienkammer, dem Besuchermagneten unter den Ausstellungen der Franckeschen Stiftungen, mit modernster Technik online erfahrbar gemacht. NutzerInnen können damit erstmals auch in den Innenraum des 300 Jahre alten Modells der Wunderkammer schauen und in einer Animation den Prozess des Salzsiedens vor 300 Jahren mit eigenen Augen mitverfolgen.