Presse

Herzlich willkommen im Presseportal der Franckeschen Stiftungen!
Hier stellen wir Ihnen unser Text- und Bildmaterial zur aktuellen Berichterstattung zur Verfügung.

Foto- und Drehgenehmigung

Für alle Dreharbeiten und Fotoaufnahmen in den Franckeschen Stiftungen, einschließlich Außenaufnahmen auf dem Gelände, benötigen Sie eine Genehmigung. Bitte senden Sie uns dafür das ausgefüllte Formular vor Ihrer Anreise  zu.  Um einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können, setzen Sie sich gerne vor Beginn Ihrer Arbeit rechtzeitig mit uns in Verbindung.

Pressekonferenz zur Francke-Feier 2021

Abschluss des Wiederaufbaus zum 30. Jubiläum der Wiedergründung der Franckeschen Stiftungen

Feierlicher Abschluss des Wiederaufbaus der Franckeschen Stiftungen zur Francke-Feier 2021 mit prominenten Gästen

  • 30 Jahre nach der Wiedergründung der Franckeschen Stiftungen als Stiftung öffentlichen Rechts ist der Wiederaufbau abgeschlossen
  • Erstmals digital durchgeführte Francke-Feier würdigt die bespielhafte Leistung unserer demokratischen Gesellschaft
  • Festveranstaltung (20.3.2021, 11 Uhr) im Live-Stream mit Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien bei der Bundeskanzlerin, Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes und Prof. Dr. Christian Tietje, Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Die Franckeschen Stiftungen sind ein einzigartiges Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung. Wie kaum eine andere Kultureinrichtung in der Bundesrepublik verkörpern sie die prägende protestantische Tradition von Bildung und sozialem Engagement. Zeitgleich mit dem  30. Jubiläum der Wiedergründung der Stiftungen als Stiftung öffentlichen Rechts kann nun der Abschluss des Wiederaufbaus des einzigartigen Flächendenkmals mit Gebäuden aus dem 17.-20. Jahrhundert gefeiert werden.

»Der erfolgreiche Wiederaufbau der Franckeschen Stiftungen ist ein gelungenes Beispiel für den Aufbau Ost und eine beispielhafte Leistung unserer demokratischen Gesellschaft«  lädt Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen, zur Francke-Feier ein. Breite gesellschaftliche Kräfte haben sich in einem jahrzehntelangen Kraftakt eingebracht und insgesamt rund 157 Millionen Euro investiert. Neben öffentlichen Zuwendungen der EU, des Bundes, des Landes Sachsen-Anhalt und der Stadt Halle wurden über 20 Millionen Euro aus Privathand und von vielfältigen Organisationen wie der Kirche, anderen Stiftungen und vor allem des Freundeskreises der Franckeschen Stiftungen eingesetzt.  Der Wiederaufbau der Franckeschen Stiftungen  »bleibt vor allem eine Bürgerbewegung« betont Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff in seinem Grußwort für den Festakt während der Francke-Feier, in deren Rahmen der Abschluss des Wiederaufbaus am Samstag, dem 20. März 2021, feierlich begangen werden wird.

Festveranstaltung der Francke-Feier im Live-Stream am 20. März 2021 um 11 Uhr
Während der Festveranstaltung werden die letzten drei sanierten Gebäude aus dem ehemaligen Wirtschaftsbereich des historischen Kernensembles der Schulstadt August Hermann Franckes (1663–1727) übergeben. Sie bilden den Schlussstein der Baumaßnahmen und konnten mit  einem Finanzumfang von 14 Mio Euro in den letzten drei Jahren umgesetzt werden.
Zum Live-Stream haben sich hochrangige Gäste wie Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien bei der Bundeskanzlerin und Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt mit Grußworten angekündigt. Die aufwendige digitale Veranstaltung mit Livegesprächen und filmischen Führungen durch die Gebäude bietet einen direkten und nahen Eindruck von der Sanierung und der zukünftigen Nutzung.

In der »Kleinen Scheune« wird mit der Kulturstiftung des Bundes die größte europäische Fördereinrichtung für Kultur ein zweites Standbein an ihrem Stammsitz in den Franckeschen Stiftungen einrichten. »Ich freue mich jeden Morgen, wenn ich in mein Büro gehe, Teil dieses großen sozialen Inklusionsprojekts aus dem 18. Jahrhundert zu sein, das moderner ist als Vieles, was wir heute deutschlandweit haben.« (Hortensia Völckers, Vorstand der Kulturstiftung des Bundes im Kurzfilm zur Festveranstaltung der Francke-Feier)
Das 1724 errichtete Stallgebäude in Fachwerkbauweise hielt eine besondere Überraschung bereit. Es war, wie viele andere Stiftungsgebäude, aus Sparsamkeitsgründen ohne Fundament errichtet worden. Das führte im Laufe der Jahrhunderte dazu, dass das Gebäude an der Südostecke um mehr als 20 cm absackte. Die gesamte Fachwerkkonstruktion wurde unter dem wachsamen Auge der Experten und Denkmalschützer im Zuge der Instandsetzung wieder gerade gestellt und mit einem Fundament unterfangen.

Die »Große Scheune« wird künftig von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg genutzt werden. August Hermann Francke hatte das erste Lehrerbildungsseminar in Deutschland eingerichtet und an diesem historischen Ort ist jetzt neuer Raum für die universitäre Lehrerbildung in Sachsen-Anhalt entstanden, deren Bereiche vollständig auf dem Gelände der Franckeschen Stiftungen versammelt sind. »Seit über 300 Jahren sind die Universität Halle und die Franckeschen Stiftungen vielfach miteinander verbunden. Dass die historische Scheune jetzt ein helles Haus für die Bildung ist, das wir in Zukunft partnerschaftlich für die LehrerInnenbildung mit nutzen dürfen, freut uns sehr.« (Prof. Dr. Christian Tietje, Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, im Kurzfilm zur Festveranstaltung der Francke-Feier)
Die behutsame Sanierung hat den Scheunencharakter mit der auf dem Stiftungsgelände am besten erhaltenen historischen Bausubstanz im Inneren bewahrt. Im eindrucksvollen Dachgestühl ist ein großer Hörsaal entstanden, der nach August Hermann Niemeyer (1754–1828) benannt wurde. Seine Reformen im Stiftungsschulwesen ließen ihn zu Beginn des 19. Jahrhunderts zum zweiten Begründer der Franckeschen Stiftungen werden.

Das als »Druckereigebäude« bekannte Magazingebäude der ersten Bibelanstalt der Welt in den Franckeschen Stiftungen, der Cansteinschen Bibelanstalt (gegr. 1710), spiegelt in seiner zukünftigen Nutzung den Kern der Aufgaben der Franckeschen Stiftungen. Moderne Rollregalanlagen als zusätzliche Magazine für das kulturelle Gedächtnis der Stiftungen, die kulturhistorischen Archiv- und Bibliotheksbestände, ziehen zusammen mit dem LeoLab, einem neuen Raum für kulturelle Bildung und Vermittlung, in das Gebäude.

WEITERE HÖHEPUNKTE IM PROGRAMM DER FRANCKE-FEIER:
(Links zu den Live-Streams auf www.francke-halle.de)

Freitag, 19.März, 18:30 Uhr
33. Solistenabend des Musikzweigs der Latina
Den Auftakt der Francke-Feier bildet das Konzert herausragender SolistInnen des Musikzweigs der Latina. Es erklingen Werke von Beethoven, Piazzolla, von Weber und Stojowski, dargeboten von dem Duo Elisa Fajen, Violine, und Annalena Müller am Klavier, umrahmt von den Posaunensolisten Valentin Kauffmann und Jonas Zietarski.

Samstag, 20. März 2021, 15:00 Uhr
Gedenkstunde zum Geburtstag August Hermann Franckes
Auch in diesem Jahr findet die traditionelle Gedenkstunde am Denkmal August Hermann Franckes statt. Die Gäste an den Bildschirmen erwarten Ansprachen des Stiftungsdirektors und von Paul Zaprasis für das Spielehaus sowie Livemusik mit dem Mitteldeutsche Bläserquartett.

Samstag, 20. März 2021, 15:00–17:00 Uhr
Schön stabil - ein Bauabenteuer für die ganze Familie
Das Krokoseum lädt Kinder und Familien zu einem gemeinsamen Bauabenteuer ein. Alle kleinen und großen Architekten und Baufrauen erhalten per Video verschiedene Bauaufträge und begeben sich auf die Suche nach dem passenden Baumaterial in den eigenen vier Wänden. Gemeinsam entstehen an verschiedenen Orten Gebäude für eine Stadt der Wünsche – zu sehen auf unseren Bildschirmen.

Samstag, 20. März, 18:00 Uhr
Online-Motette des Stadtsingechors zu Halle
Am Vorabend des Sonntags Judika erklingt im Rahmen der diesjährigen Francke-Feier der Franckeschen Stiftungen geistliche Chormusik mit Werken u. a. von Maurice Duruflé, Johann Michael Bach und Anton Bruckner. Da gemeinsames Singen nach wie vor nicht möglich ist, haben alle Sänger zu Hause ihren jeweiligen Part einstudiert und aufgenommen.

Liturgie und Auslegung: Stiftungspfarrer Friedrich Wegner
Konzeption und musikalische Leitung: Clemens Flämig

 

Für Ihre Berichterstattung stellen wir Ihnen gerne Pressefotos zur Verfügung. Rechts neben der Ansicht finden Sie den Link zum Download der Bilddatei.

Vor der sanierten Feldscheune präsentieren die Direktoren der Franckeschen Stiftungen mit VertreterInnen des Spielehauses die ersten großen Brettspiele, mit denendie sanierten Räume bezogen werden.

Das Spielehaus e.V. gehört zu den beliebtesten selbstorganisierten Freizeiteinrichtungen auf dem Stiftungsgelände. Zur Francke-Feier 2021 werden dem Verein die frisch sanierten Räume wieder zur Verfügung gestellt (Foto Falk Wenzel).

Die Fassade des Historischen Waisenhauses

Historisches Waisenhaus

Das Historische Waisenhaus (Foto: Uwe Gaasch) ist der Nukleus der Franckeschen Stiftungen. Mit der Wunderkammer und den regelmäßigen Jahresausstellungen zählt es heute zu den Besuchermagneten. Im ehemaligen Bet- und Singesaal finden viel beachtete Veranstaltungen statt. Auf 300qm erstreckt sich im Kinderkreativzentrum Krokoseum im Sockelgeschoss ein kultureller Aktionsraum für Kinder und Familien.  

1990 war das Waisenhaus dem Verfall preisgegeben (Foto: Ingo Gottlieb, Halle). Das undichte Dach und die kaputten Fenster, durch die Tauben in das Haus eindrangen, bedrohten die Inneausstattung und die wertvollen Sammlungen.  Mittel der Europäischen Union, der Bundesrepublik Deutschland, der Stadt Halle, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, von Lotto Toto Sachsen-Anhalt und dem Freundeskreis der Franckeschen Stiftungen retteten das Hauptgebäude, das 1995 der Öffentlichkeit wieder übergeben wurde.

Kontaktieren Sie uns gerne, wenn Sie Interesse an dem Foto haben.

Blick in die Kunst- und Naturalienkammer mit dem Weltenmodell und den historischen Sammlungsschränken.

Die Sammlungen

Die Kunst- und Naturalienkammer im Dachgeschoss des Historischen Waisenhauses (Foto: Thomas Meinicke) ist die älteste, am authentischen Ort vollständig erhaltene Wunderkammer der Barock. Tausende BesucherInnen kommen jährlich nach Halle, um diesen einzigartigen Museumsraum zu besichtigen.  

Das Weltenmodell der Wunderkammer war vor der Sanierung 1995 vollständig mit Taubenkot beschmutzt. Der ruinöse Zusatand des Gebäudes hatte den Vögeln ungehindert Unterschlupf geboten.

Dank der Umsicht engagierter BürgerInnen ist es gelungen, die Sammlung zwischen 1945 und 1990 vollständig zu erhalten. 1995 konnte sie so der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Das Pressefoto zeigt das vollkommen mit Taubenkot bedeckte Weltenmodell (Foto Robert Frisch) der Sammlung. Der ruinöse Zustand des Waisenhauses hatte den Vögeln ungehindert Zutritt verschafft.

Das Foto der Rückseite des Waisenhauses entstand im Frühjahr, wenn das Grün der Linden noch nicht den Blick auf die weißen Gebäude verdeckt.

Der Lindenhof

Den Lindenhof mit den vollständig erhaltenen barocken Gebäuden der Schulstadt August Hermann Franckes (1663–1727) (Foto: Markus Scholz) säumen Superlative der barocken Bildungsarchitektur, darunter das längste Fachwerkhaus Europas  und der älteste, freistehende Bibliothekszweckbau Deutschlands. 

Tauben kreisen auf Dachhöhe um das Treppenhaus des Historischen Waisenhauses, im Hintergrund ist eines der Hochhäuser an der Hochstraße nach Halle-Neustadt aus den 70er Jahren zu sehen.

Aus der Zeit vor der Sanierung des Lindenhofs der Franckeschen Stiftungen (Foto: Ingo Gottlieb) wissen ehemalige BewohnerInnen zuletzt in der Freiluftausstellung »Mit Tatkrat und Gottvertrauen« Interessantes zu erzählen. Mitarbeitende beklagten die allgegenwärtigen Kohlenhaufen für die Heizungen in den einzelnen Räumen, die den Lindenhof zu einem Kohlenbunker verkommen lassen. Studierende freuten sich an den im Sommer grünen Linden und nutzten den Hof als Freiluftwohnzimmer.

Kontaktieren Sie uns gerne, wenn Sie an dem Foto interessiert sind.

Ansicht des Fachwerkgebäudes des Mägdeleinhauses

Das Alte Mägdeleinhaus

Im Jahr 2000 wurde das Alte Mägdeleinhaus am Lindenhof (Foto: Uwe Gaasch) der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zur Nutzung übergeben. Die aufwändige Sanierung konnte mit Hochschulbaufördermitteln, der Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt, mit Mitteln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Eigenmittel der Franckeschen Stiftungen verwirklicht werden.  

Direkt an das sanierte Gebäude Haus 25 schließt sich das Alte Mägdeleinhaus im ruinösen Zustand an.

Das 1709/10 errichtete, kleine Gebäude des alten Mägdeleinhauses (Foto: Werner Ziegler) steht für die institutionalisierte Mädchenbildung, die August Hermann Francke erstmals in sein Bildungskonzept integrierte. Jungen und Mädchen sollten gleichermaßen auf die Anforderungen ihres späteren Lebens vorbereitet werden.   

Unser Fotograf Markus Scholz hat die Sanierung der letzten drei Gebäude auf dem Gelände der Franckeschen Stiftungen fotografisch begleitet. Kontaktieren Sie ihn gerne, wenn Sie an Fotomaterial interessiert sind.

Auf unserem Youtube-Kanal haben wir für Sie das Filmmaterial zur digitalen Francke-Feier zusammengestellt.

In der Playlist »Rettung und Wiederaufbau« finden Sie den Live-Stream zur Festveranstaltung anlässlich der Francke-Feier und die Filme zu den sanierten Gebäuden.

In der Playlist »Das sind wir! Leben in den Franckeschen Stiftungen« befinden sich die Übertragungen des Solistenabends des Musikzweigs der Latina August Hermann Francke sowie der Gedenkstunde am Francke-Denkmal.

Jahrespressekonferenz 2021

Höhepunkte im Jahresprogramm der Franckeschen Stiftungen »Vorsicht! Umsicht: Rücksicht. Unsere Sicht auf Gesundheit und Wohlergehen«

Für Ihre Berichterstattung stellen wir Ihnen gerne ein Pressefoto zur Verfügung.

Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen, und Anneheide von Biela, stellvertretende Direktorin, präsentieren vor dem Gebäude des ersten Kinderkrankenhauses in Europa, das vor 300 Jahren in den Franckeschen Stiftungen errichtet wurde, das Plakat des kulturellen und wissenschaftlichen Jahresprogramms 2021 unter dem Titel »Vorsicht! Umsicht: Rücksicht. Unsere Sicht auf Gesundheit und Wohlergehen«.

Foto: Thomas Meinicke

Vorsicht! Umsicht: Rücksicht. Unsere Sicht auf Gesundheit und Wohlergehen –Jahresprogramm der Franckeschen Stiftungen 2021

Gesundheit war immer schon ein hohes Gut. Vor genau 300 Jahren wurde in den Franckeschen Stiftungen Medizingeschichte geschrieben: August Hermann Francke (1663–1727) ließ 1721 ein Krankengebäude errichten, das heute als erstes Kinderkrankenhaus Europas gelten kann. Bahnbrechend war auch die öffentliche Armensprechstunde am Halleschen Waisenhaus , in der monatlich bis zu 1.000 Personen kostenlos behandelt und mit in der Anstaltsapotheke hergestellten Medikamenten versorgt wurden. Aus historischem und aktuellem Anlass widmen die Franckeschen Stiftungen 2021 ihr Jahresprogramm dem Thema Vorsicht! Umsicht: Rücksicht. Unsere Sicht auf Gesundheit und Wohlergehen.

Im Zentrum des Programms steht die Jahresausstellung (2. Mai–13. Oktober) unter dem Titel »Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert«, die am 2. Mai mit dem bekannten Kriminalbiologen Dr. Mark Benecke eröffnet wird. Die Ausstellung führt in die Welt der Medizin im 18. Jahrhundert ein, in der sich eine europaweite Debatte über das grundlegende Verhältnis von Leib und Seele entspannte. Vor diesem Hintergrund konzipierten die halleschen Pietisten ein eigenes medizinisches Verständnis, das gleichberechtigt auf Körper, Seele und Gemüt blickte. BesucherInnen erfahren erstmals, wie das Gebäudeensemble der barocken Schulstadt und die Alltagsordnungen diesen Ansatz heute noch widerspiegeln. Anhand eindrucksvollen historischen Archivmaterials und zahlreicher authentischer Einzelschicksale blättert die Ausstellung Themen auf, die in verblüffender Weise aktuell sind – so etwa das für das 18. Jahrhundert hochmoderne Hygienekonzept und der damals schon professionelle Umgang mit der Ressource Wasser in den Franckeschen Stiftungen.

Die Jahresausstellung wird angesichts der pandemischen Situation wieder eine fundierte Online-Darstellung auf der Webseite finden und filmisch sowie mit einem umfangreichen Begleitprogramm im Live-Stream (Zugangslinks auf der Webseite) begleitet werden. Die erste große digitale Auftaktveranstaltung für das Jahr bildet die Francke-Feier vom 19.–21. März 2021. Die Festveranstaltung anlässlich des 358. Geburtstages des Stiftungsgründers August Hermann Francke  steht im Zeichen des erfolgreichen Abschlusses des Wiederaufbaus der Franckeschen Stiftungen. Hochkarätige Gäste und RednerInnen haben zugesagt, darunter Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien bei der Bundeskanzlerin, Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes und Prof. Dr. Christian Tietje, Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Auch in der Vermittlungsarbeit werden 2021 mit dem Projekt »Suddenlife Gaming im Vermittlungsangebot der Franckeschen Stiftungen« online-Formate entwickelt, die über die Pandemie hinaus neue Zielgruppen ansprechen sollen. Das Projekt wird im Rahmen von »dive in. Programm für digitale Interaktionen« der Kulturstiftung des Bundes, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Programm NEUSTART KULTUR, durchgeführt. Kinder (6–12 Jahre) und Familien werden durch transmediales Storytelling (Suddenlife Gaming) Teil einer spannenden Geschichte, die sie mitgestalten und in der sie sich miteinander austauschen. Interaktive Spielmechaniken schlagen dabei eine Brücke von den Themen der Franckeschen Stiftungen, ihrer Ausstellungen, ihrer Gebäude und ihrer Geschichte in die Lebenswelt der NutzerInnen. Das Museum kommt nach Hause und die Interaktionen der NutzerInnen werden Teil des Museums.

Im Veranstaltungsprogramm, das nach Möglichkeiten vor Ort, garantiert aber im Live-Stream stattfindet, begrüßen wir 2021 wieder renommierte Gäste mit spannenden Themen in den Franckeschen Stiftungen. Peter Maffay wird am 3. Juni 2021 als Gast in der Reihe »Persönlichkeiten im Gespräch« mit MDR- Kulturchef Reinhard Bärenz über sein Leben und sein soziales Engagement für Kinder und Familien sprechen. Am 3. Juli ist mit Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Ulrich Gumbrecht einer der führenden Intellektuellen unserer Zeit Gast der ersten Paul Raabe-Vorlesung in den Franckeschen Stiftungen. Prof. Dr. Jakob Vogel, ein international renommierter Experte für die europäische Geschichte der Neuzeit und den europäischen Kolonialismus, spricht am 29. April in den Halle Lectures über »Aufklärung Postkolonial? Globale Wissenschaftsgeschichte und die Herausforderungen des Exotismus«. Im Herbst 2021 finden vier große Themenabende statt, bei denen es mit zahlreichen Fachleuten um Körper, Seele und Gemüt, aber auch um Medikamente und Ökonomie, ebenso um Hygiene und Angst vor Krankheit sowie um die Medikalisierung der Medizin gehen wird. Bei diesen Veranstaltungen ebenso wie bei dem ganzen Jahresprogramm werden die Franckeschen Stiftungen von den drei großen konfessionellen Krankenhäusern in der Stadt Halle, dem Krankenhaus Martha-Maria Halle-Dölau, dem Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara sowie dem Diakoniewerk Halle unterstützt.

Die Franckeschen Stiftungen setzen auch 2021 wieder Maßstäbe in der internationalen Netzwerkarbeit. Die auf Betreiben der Franckeschen Stiftungen 2020 in Halle gegründete »Alliance of Early Universal Museums« tagt am 28. Mai 2021 im Teylers Museum in Haarlem (Niederlande). Hier werden mehrere Institutionen von europäischem Rang als neue Mitglieder in das Netzwerk aufgenommen und eine große Tagung 2022 in St. Petersburg vorbereitet. Die Stadt an der Newa wird in diesem Jahr im Zentrum der Feierlichkeiten zum 350. Geburtstag des Zaren Peters des Großen (1672–1725) stehen.

Die Franckeschen Stiftungen sind aber auch lokal aktiv: Für das erste stadtweite kulturelle Themenjahr einer ganzen Themenjahresdekade haben sie die federführende Intendanz übernommen. Über 80 Akteure werden die Stadtgesellschaft mit rund 100 Veranstaltungen in Bewegung setzen und sich ein Jahr lang mit den Themen Salz und Digitalisierung befassen. Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen, freut sich über den positiven Prozess: »Einerseits werden so aus vermeintlichen Konkurrenten Verbündete. Andererseits entstehen Synergien und es werden Akteure aus weiteren Bereichen wie Wissenschaft, Soziales, Wirtschaft, Kirchen usw. eingebunden. So entsteht im Miteinander ein facettenreiches Jahresprogramm mit nachhaltigen positiven Effekten für die ganze Stadt.«

Neben weiteren Themenbeiträgen im Rahmen des Themenjahres verfolgen die Franckeschen Stiftungen mit dem Projekt »Digitalisierung der Salzkothe in der Kunst- und Naturalienkammer« kontinuierlich die Digitalisierung ihrer Ausstellungen. Erstmals wird ein Objekt aus der Kunst- und Naturalienkammer, dem Besuchermagneten unter den Ausstellungen der Franckeschen Stiftungen, mit modernster Technik online erfahrbar gemacht. NutzerInnen können damit erstmals auch in den Innenraum des 300 Jahre alten Modells der Wunderkammer schauen und in einer Animation den Prozess des Salzsiedens vor 300 Jahren mit eigenen Augen mitverfolgen.

Pressemitteilungen chronologisch

Von der Suche nach dem Sintflutmenschen bis zur Entdeckung der Erdzeit
Erstmals zwei Ausstellungsabende online mit den Kuratoren der Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen »Im Steinbruch der Zeit. Erdgeschichten und die Anfänge der Geologie« und Gästen
Moderation: Ellen Schweda (mdr Kultur)

4. März 2021 18–19 Uhr
11. März 2021, 18–19 Uhr
Anmeldung bis 12 Uhr am Veranstaltungstag unter infozentrum(at)francke-halle.de

Begleitend zur Ausstellung »Im Steinbruch der Zeit. Erdgeschichten und die Anfänge der Geologie« laden die Franckeschen Stiftungen erstmals zu zwei Live-Veranstaltungen online ein. Am 4. März begrüßt die Moderatorin Ellen Schweda (mdr Kultur) den Kurator Dr. Claus Veltman (Franckesche Stiftungen) und den Stein-Experten Dr. Thomas Degen (Martin Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Geowissenschaften und Geographie) zu einer historisch-geologischen Spurensuche. Am 11. März geht es mit Tom Gärtig (Franckesche Stiftungen, Kurator) und Murat Haschu (Videokünstler) um spektakuläre Theorien zur Erdgeschichte, die die geologische Forschung um 1800 vorantrieben und in eigens für die Ausstellung kreierten Videoinstallationen eine kraftvolle Bildsprache finden. Nach einer pointierten Kurzführung in der Ausstellung wollen die Gäste des Abends mit dem Publikum ins Gespräch kommen. Für die Teilnahme an den Online-Veranstaltungen ist eine Anmeldung per Email (infozentrum(at)francke-halle.de) notwendig.

Die Anfänge der Geologie und die Suche nach dem Sintflutmenschen
Donnerstag, 4. März 2021, 18 Uhr
Kurzführung und Podiumsgespräch mit Dr. Claus Veltmann (Kurator) und Dr. Thomas Degen (Geologe, Martin-Luther-Universität)

Wie das ›Reich der Steine‹ als eines der ersten Wissensgebiete die Vorstellung von der Natur als gottgegebener Schöpfung herausforderte und welche Fragen die Geologie heute beschäftigen, wird im Zentrum dieses Abends stehen. Die frühen Geologen stellten dabei Fragen, die bis heute faszinieren: Warum findet man Muscheln auf den höchsten Bergen, fernab vom Meer? Wie alt ist die Erde? Woraus besteht sie und hat sie sich im Laufe ihrer Geschichte verändert? Uraltes Bergbauwissen, das Sammeln und Ordnen von Gesteinsfunden und fromme Glaubensgewissheit bildeten bis ins 18. Jahrhundert hinein die Grundlage, die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse in Einklang mit der biblischen Schöpfungsgeschichte zu bringen.

Wettstreit der Theorien und die Entdeckung der Erdzeit
Donnerstag, 11. März 2021, 18 Uhr
Kurzführung und Podiumsgespräch mit Tom Gärtig (Kurator) und Murat Haschu (Künstler)

Exaktes Vermessen, Vergleichen und Kartieren – um 1750 etablierten sich die typischen Methoden der Geologie. Ausgedehnte Forschungsreisen in die Alpen, zum Vesuv oder gar bis nach Südamerika weiteten den Blick und brachten alte Überzeugungen ins Wanken. Die Aufbruchszeit der Geologie war von leidenschaftlichen Debatten über das Wesen der Erdkruste, das Alter der Erde und die prägenden Kräfte der Erdgeschichte bestimmt. Neben einer vertiefenden Betrachtung dieser bis heute spektakulären Theorien – wie etwa Vulkanismus, Neptunismus oder Katastrophismus – wird auch der hallesche Künstler Murat Haschu zu Gast sein und erzählen, wie er diese schwer darstellbaren Naturgewalten in Videoinstallationen inszeniert hat.

Jahresausstellung »Im Steinbruch der Zeit. Erdgeschichten und die Anfänge der Geologie« online

Rätselhafte Steine, Minerale und Fossilien, seltene geologische Karten und historische Forschungsinstrumente, Prachtausgaben geologischer Standardwerke und wertvolle Handschriften: Über 250 Exponate laden zu einer spannenden Reise durch die Entdeckung der Erdzeit ein. Sobald es die Pandemielage zulässt, ist die Ausstellung »Im Steinbruch der Zeit. Erdgeschichten und die Anfänge der Geologie« noch bis 21. März im Historischen Waisenhaus zu besichtigen. Bis dahin ist auch ein Online-Rundgang durch die Ausstellung zu erleben. Hier können sich zudem Podcast-Liebhaber durch die Entdeckung der Erdzeit hören und in die Stein-Sounds von Natur-DJ Dominik Eulberg eintauchen.

 

Historische Schulbibliotheken zählen zu wichtigen Quellen der Bildungs- und Kulturgeschichte und sind doch die heute am wenigsten erforschten bibliothekarischen Sammlungen. Mit einem Tagungsband in der Reihe Hallesche Forschungen im Verlag der Franckeschen Stiftungen hat Dr. Brigitte Klosterberg, Leiterin des Studienzentrums August Hermann Francke – Archiv und Bibliothek, jetzt eine erste wissenschaftliche Annäherung an diesen Bibliothekstypus, dessen Nutzungs- und Bestandsgeschichte eine besondere Herausforderung darstellt, veröffentlicht.

Mit dem Thema nimmt sie eine Herzensangelegenheit des Bibliothekars und Literaturwissenschaftlers Paul Raabe auf, für den es einer kleinen Sensation gleichkam, in den 1990er Jahren in der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen zahlreiche Erstausgaben deutscher Dichtung aus der Zeit um 1800 vorzufinden. Sie gehörten einst zu der Oratorischen Bibliothek des Königlichen Pädagogiums, einer der frühen Beispiele einer Schulbibliothek, zu der Schüler explizit Zugang hatten. Sie durften ein Buch pro Woche nach Rücksprache mit dem zuständigen Lehrer entleihen. Diese Beschränkung auf ein Buch entsprach der grassierenden Angst vor der »Lesewut«, die es nach den pädagogischen Vorstellungen der Zeit zu zähmen galt (ein Diskurs, der sich bis heute – bezogen auf die neuen Medien – hartnäckig zu halten scheint). Paul Raabe ließ die Titel der Oratorischen Bibliothek in einer Datenbank verzeichnen und legte Brigitte Klosterberg die weitere Erforschung und Erschließung der Bibliothek ans Herz.

Der vorliegende Band mit einer Einleitung von Brigitte Klosterberg und Beiträgen von elf AutorInnen, VertreterInnen aus Wissenschaft und Praxis, will historische Schulbibliotheken in den Blickpunkt der (bibliotheks-) wissenschaftlichen Arbeit rücken. Mit Beispielen aus den Eckpunkten des Alten Reiches, von Königsberg und Liegnitz im Osten bis zu Speyer und Düsseldorf im Westen, von Altona/Hamburg und Lüneburg im Norden bis zu Nürnberg im Süden, will die Publikation dazu beitragen, sammlungsbezogene bildungs-, kultur- und regionalhistorische Forschungen anzuregen und das Bewusstsein für die dringende Notwendigkeit der materiellen Erhaltung der Schulbibliotheken als kulturelle Aufgabe zu schärfen.

In den wissenschaftlichen Sammelband führen zwei methodische Beiträge von Prof. Dr. Axel E. Walter (Eutin) und Prof. Dr. Stefan Ehrenpreis (Innsbruck) ein. Walter plädiert dafür, die Geschichte der Schulbibliotheken in die Untersuchung der regionalen Strukturen des Schul- und Bildungswesens einzubeziehen, Ehrenpreis fokussiert die praktische Aufgabe und Nutzung der Sammlungen, also ihren Platz im Alltag. Daran schließen sich – chronologisch nach den betrachteten Sammlungen geordnet – Fallbeispiele von AutorInnen aus den Bereichen Kultur- und Bildungsgeschichte, historischer Pädagogik und Literaturwissenschaften, aus Bibliotheken und Schulen aus ganz Deutschland an, die immer wieder Desiderata für die Erforschung und Erschließung ihrer Bestände offenlegen. Sie behandeln exemplarisch protestantische Schulbibliotheken aus den drei Gründungswellen zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert. Nürnberg, Speyer oder Schulpforte sind Schulbibliotheksgründungen der ersten Welle im 16. Jahrhundert, die dem Impuls der Reformation Martin Luthers (1483–1546) folgten. Ausgelöst durch den Halleschen Pietismus und befördert durch die Aufklärung wurden, wie am Pädagogium in Halle oder dem Christianeum Altona, in der zweiten Gründungswelle im 18. Jahrhundert systematisch Bibliotheken für Schulen angelegt. Im 19. Jahrhundert stieg die Zahl der Schulbibliotheken noch einmal mit der Ausdifferenzierung des Schulwesens an. Die Fehrbelliner Kreis-Schul-Bibliothek aus dieser Zeit ist gleichzeitig ein Beispiel aus dem ländlichen Raum. Die AutorInnen beleuchten praktische Aufgaben, Funktion im Schulalltag, Bestandsgeschichte(n), dokumentarische Aufgaben und Nutzung der Schulbibliotheken, den Schulbuchmarkt und das Wirken der Bibliothekare. Dass diese Themen trotz der oft schwierigen Quellenlage – die Bestände sind häufig nur unvollständig überliefert und die Provenienzen nur unvollständig dokumentiert – auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs interessant sein können, beweist der Beitrag von Anne Sturm über die von Paul Raabe wiederentdeckte Oratorische Bibliothek am Pädagogium in Halle, der im Rahmen ihres Volontariats in den Franckeschen Stiftungen entstanden ist. Sie konnte nachweisen, dass diese Bibliothek Schülern dazu diente, ein »Journal der Lektüre« zu führen und sich auf ihre öffentlichen und privaten Redeübungen vorzubereiten.

Der Sammelband ist in den Halleschen Forschungen des Verlags der Franckeschen Stiftungen an einem für die Geschichte der Schulbibliotheken bedeutenden Ort erschienen. 1698 gründete August Hermann Francke (1663–1727) zu Bildungszwecken die »Bibliotheca Orphanotrophei Halensis« als Lehrsammlung für sein Bildungskonzept, das bald weltweit ausstrahlte und vielfach nachgeahmt wurde. 1832 wandelte die preußische Schulverwaltung die Sammlung in die Hauptbibliothek der Lateinischen Hauptschule um, wodurch sie die Funktion einer Schulbibliothek für die Lateinische Schule übernahm. Unter dem Direktorat August Hermann Niemeyers (1754–1828), der den landesweiten Ausbau von Schulbibliotheken forderte, entstanden auch an den Stiftungsschulen zahlreiche kleinere Sammlungen, deren gedruckte und ungedruckte Kataloge im Archiv der Franckeschen Stiftungen erhalten sind. Das Landesgymnasium Latina August Hermann Francke pflegt heute noch diese Tradition mit einem eigenen Bibliothekar.

Historische Schulbibliotheken. Eine Annäherung. Hrsg. von Brigitte Klosterberg. Halle 2021 (Hallesche Forschungen, 56). XXV, 222 S., 21 Abb., € 52,00; ISBN 978-3-447-11479-0; e-ISBN 978-3-447-39063-7

Mit Beiträgen von
Stefan Ehrenpreis (Universität Innsbruck), Juliane Jacobi (Universität Potsdam), Kristina Hartfiel / Carolin Büttner (Universität Düsseldorf), Susanne Knackmuß (Bibliothek des Grauen Klosters in der Zentralbibliothek Berlin), Petra Mücke (Landesschule Schulpforte), Felicitas Noeske (Christianeum Hamburg), Armin Schlechter (Pfälzische Landesbibliothek Speyer), Sebastian Schmideler (Universität Leipzig), Joachim Scholz (Universität Bochum) / Stefan Cramme (Bibliothek für Bildungshistorische Forschung Berlin), Anne Sturm (Universität Halle), Axel E. Walter (Eutiner Landesbibliothek).

Bestellungen über den Verlag der Franckeschen Stiftungen oder den Harrassowitz-Verlag

Literaturhinweis:
Anne Sturm: Die Oratorische Bibliothek des Königlichen Pädagogiums zu Halle
Eine Schulbibliothek um 1800. Halle 2017 (Kleine Schriftenreihe der Franckeschen Stiftungen, 16). 152 S., 43 Abb., 9 Diagramme, € 12,50; ISBN 978-3-939922-54-4

  • Adventszeit ist Hausmusikzeit: handliches, schön eingerichtetes Editionsbüchlein mit Notensätzen zum gemeinsamen Musizieren im Verlag der Franckeschen Stif-tungen anlässlich des 350. Geburtstages des pietistischen Hymnologen Johann Anastasius Freylinghausen (2.12.1670-1739) erschienen
  • Abschluss der DFG-geförderten, wissenschaftlichen Edition des Freylinghausenschen Gesangbuchs: Eines der weitverbreitetsten Liederbücher des 18. Jh. mit nahezu 1600 Texten und rund 600 Melodien steht der Forschung zur Verfügung
  • Renommierte Barockensembles wie die Lautten-Compagney haben Freylinghausen-Lieder in ihrem Repertoire: Weihnachtskonzert am 15.12.2020 im Livestream

Kurz vor dem Ausklang des Jahres begehen die Franckeschen Stiftungen den Geburtstag des Theologen und zweiten Stiftungsdirektors Johann Anastasius Freylinghausen (1670–1739), eines der bedeutendsten frühneuzeitlichen Hymnologen, zum 350. Mal. Im Verlag der Franckeschen Stiftungen erschien aus diesem Anlass in Zusammenarbeit mit dem ortus Musikverlag ein 78-seitiges Büchlein für die Hausmusik mit einem Nachwort von Dr. Wolfgang Miersemann, Projektleiter der Edition des Freylinghausenschen Gesangbuchs. 24 Lieder wurden von ihm sorgfältig ausgewählt, die Melodien dank Axel Gebhardt mit einem Klaviersatz versehen und hier erstmals in Verbindung mit den zugehörigen Texten abgedruckt. Die Lieder stammen alle aus dem »Geistreichen Gesangbuch« (ab 1704) sowie dem »Neuen Geistreichen Gesangbuch« (ab 1714) Johann Anastasius Freylinghausens. Musikliebhaber werden die Auswahl von sechs wenig bekannten Liedern schätzen, die einem Notendruck des 18. Jahrhunderts entnommen sind, von dem derzeit nur ein Exemplar nachgewiesen ist. Dabei handelt es sich um das Melodien-Büchlein, das 1708 als separat erschienene Beilage zur 4. Ausgabe des »Geistreichen Gesangbuches« gedruckt wurde.

Insgesamt verbreitete die beliebte Liedsammlung in 50 Ausgaben mit schätzungsweise 150.000 Exemplaren nahezu 1600 Texte und rund 600 Melodien weit über die Grenzen Europas hinaus. 200 Jahre nach Wittenberg wurde mit dem Freylinghausenschen Gesangbuch Halle zu einem Zentrum des Gesangbuchdrucks. Den Erfolg des Werkes macht die Verbindung von reformatorischen und nachreformatorischen, also bereits bekannten Liedern mit neuen Liedern aus, deren Texte zusammen mit den Melodien abgedruckt wurden. Auch die barocke Kunstfertigkeit der neuen Lieder, mit der die Hallenser rund um August Hermann Francke (1663–1727) auf der Höhe der Zeit waren, trug dazu bei. Die oft schwungvoll-tänzerischen, auffällig häufig dreiertaktigen Melodien sowie die sprachlich und rhythmisch-metrisch neuartigen Lieddichtungen waren ausgesprochen innovativ. Eindrückliches Zeugnis davon legt bis heute Lied Nr. 1 des Evangelischen Kirchengesangbuchs ab. Georg Weissels »altes« Lied »MAcht hoch die thür« wird jedes Jahr zum Advent mit der freudig-mitreißenden, neue halleschen Melodie aus dem »Freylinghausen« gesungen. »LObe den HErren / den mächtigen König der ehren« ist heute dank seiner Verbreitung durch das Freylinghausensche Gesangbuch in vielen Sprachen bekannt.
Die handliche, sehr schön eingerichtete kleine Edition zeigt, wie modern und tänzerisch diese Lieder noch immer auf uns wirken, die zu Unrecht fast in Vergessenheit geraten sind. Sie stellt zudem mit vielen Quellenabbildungen und einem Nachwort des Herausgebers die Singekultur am Halleschen Waisenhaus des 18. Jahrhunderts vor.

Für das Fachpublikum liegt zum Jubiläumsjahr die von der DFG geförderte, sechsbändige kritische Neuausgabe des Freylinghausenschen Gesangbuches aus den Jahren 1708 (Geistreiches Gesangbuch) und 1714 (Neues Geistreiches Gesangbuch) vor. Unter der Leitung von Wolfgang Miersemann und in Zusammenarbeit mit Dianne Marie McMullen, Gudrun Busch und später Hans-Otto Korth ist in 25 Jahren intensiver Forschungsarbeit zur pietistischen Musikkultur und ihren Vorläufern ein Schlüsselwerk frühneuzeitlicher evangelischer Gesangbuchliteratur wiedererstanden. Das herausragende Werk konnte damit sowohl der hymnologisch-kirchengeschichtlichen wie der musikwissenschaftlich-philologische Forschung und Lehre als auch der kirchenmusikalischen Ausbildung und Praxis verfügbar gemacht werden.

Bereits während der Arbeit an der Neuedition griffen renommierte Barockensembles, wie die preisgekrönte lautten compagney BERLIN, nach den unbekannten Liedern und nahmen sie in ihr Repertoire auf. Am 15. Dezember 2020 erklingen einige zum Weihnachtskonzert der lautten compagney in einem Livestream aus dem Theater im Delphi in Berlin.

 

INFORMATIONEN ZU DEN FREYLINGHAUSEN-EDITIONEN

Kommt nur her und helft mir singen. 24 ausgewählte Lieder aus dem Freylinghausenschen Gesangbuch. Musikalisch eingerichtet von Axel Gebhardt auf Grundlage der kritischen Edition des Freylinghausenschen Gesangbuches von Dianne Marie McMullen und Wolfgang Miersemann. Hrsg. und mit einem Nachwort versehen von Wolfgang Miersemann. Halle 2020. X, 78 S., 19 Abb., € 27,00; ISBN 978-3-939922-61-2

Geistreiches Gesangbuch. Edition und Kommentar
Herausgegeben von: Dianne Marie McMullen und Wolfgang Miersemann
Im Auftrag der Franckeschen Stiftungen im Verlag De Gruyter
6 Bde mit zus. ca. 4800 S.

  • »Im Steinbruch der Zeit. Erdgeschichten und die Anfänge der Geologie« Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen 2020
  • Kulturhistorische Ausstellung mit Fotos des Kanadiers Edward Burtynsky (Anthropocene, 2018) und Sounds von Dominik Eulberg
  • Wissenschaftlicher Begleitkatalog mit den Anthropozän-Experten Christian Schwägerl und Reinhold Leinfelder sowie dem Journalisten und Kreationismus-Gegner Thomas Junker
  • Ausstellungseröffnung am 20.09.2020, 11 Uhr mit dem Wissenschaftsjournalisten Christian Schwägerl (GEO, ZEIT Wissen, FAZ)

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Franckeschen Stiftungen zeigen in ihrer Jahresausstellung eines der großen Ereignisse der Frühen Neuzeit: die Entdeckung der Erdzeit. Dafür legen die Kuratoren die Lupe an den hallischen Gelehrtenkosmos des 18. Jahrhunderts mit dem pietistischen Halleschen Waisenhaus und der Brandenburg-Preußischen Friedrichs-Universität. Dieses Zentrum der Frühaufklärung verortet sich in der Mitte zwischen dem geologisch vielfältigsten Mittelgebirge Deutschlands, dem Harz, und der Bergakademie in Freiberg (gegr. 1765), der fünften in der Reihe der weltweit gegründeten montanwissenschaftlichen Bildungseinrichtungen. Die kulturhistorischen Sammlungen vor Ort, die Bibliothek der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, die Universitäts- und Landesbibliothek der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und das Archiv und die Bibliothek der Franckeschen Stiftungen, spiegeln das breite Interesse an geologischen Phänomenen sowie an der Entdeckung der Geschichte der Erde. Ihre Schätze illustrieren erstmals in einer Ausstellung die Geburt der Geologie als Wissenschaft.

Die Besucher erwartet ein emotionaler und spannend inszenierter Ausstellungsrundgang von der Vorgeschichte der Geologie über die Entstehung der modernen Geowissenschaften im 19. Jahrhundert mit einem Exkurs zur Gegenwart. Die Schau führt anschaulich durch scheinbar gegensätzliche Erdentstehungstheorien, durch Gelehrtenstreite, wirtschaftliche Interessen und den Verlust des Primats der Bibel bis zum Blick in den Abgrund der erdgeschichtlichen Zeit. Alchemisten, die das Reine suchten, Physikotheologen, die die Vollkommenheit der Schöpfung entdecken wollten, Kameralisten, die sich für die Nutzbarmachung der Ressourcen einsetzten, Universitätsprofessoren und wissenschaftlich hoch gebildete Dilettanten und Sammler, vernetzt in einer weltumspannenden Gelehrtengemeinschaft, erstreiten sich in der Schau als Neptunisten, Vulkanisten, Katastrophisten oder Aktualisten eine wissenschaftlich begründete Vorstellung von der Geschichte und geologischen Struktur der Erde. Die Ausstellung entlässt das Publikum nicht ohne einen wissenschaftlich fundierten Blick auf das Anthropozän, in dem erstmals der Mensch die geologische Formation der Erde einschneidend verändert.

»Uns interessierte besonders, was die Menschen dazu bewegte, sich mit der unbelebten Natur auseinanderzusetzen«, beschreibt Dr. Claus Veltmann, Kustos und mit Tom Gärtig Kurator der Ausstellung, eines ihrer Kernthemen. Dafür konnten sie unter anderem mit dem einzigartigen Nachlass des geologischen Autodidakten Christian Keferstein (1784–1866) arbeiten, der in die Geschichte als Schöpfer der ersten geologischen Karte Deutschlands einging. 300 geologische Karten, nahezu 600 Briefe und eine 2000 Bände umfassende Fachbibliothek zählt die Sammlung, die heute im Archiv und der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen aufbewahrt wird.

Die Ausstellungsgestalter von der Agentur Formikat (u.a. Verkehrsmuseum Dresden 2018 Ich.Fahr.Rad und 2019 Von Prunkgondeln, Prachtkutschen und Pferdeäpfeln) setzen die 250 Ausstellungsobjekte, darunter Leihgaben aus den hallischen Sammlungen, der Kustodie der Bergakademie in Freiberg, dem Naturkundemuseum in Berlin oder der eindrucksvollen Gesteinssammlung des Zentralmagazins naturwissenschaftlicher Sammlungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, spannend in Szene. Sie fokussieren das sinnliche und emotionale Erleben. Objekttexte finden sich nur im kostenlosen Begleitheft zum Rundgang. Filme von Murat Haschu und Sounds von Dominik Eulberg, dem »Natur-DJ aus dem Westerwald« (ARD), lassen in die Erdgeschichten eintauchen. Nachdenklich machen die Fotografien des Kanadiers Edward Burtynsky. Mit seinen Arbeiten zu Industrielandschaften dokumentiert er, wie die Umwelt durch ungezügelte globalisierte Finanz- und Wirtschaftsinteressen verändert wird. Der Ausstellungsrundgang endet mit einer Auswahl seiner beeindruckenden Fotografien zu Bergwerken und Tagebauen auf der ganzen Welt.

Die Ausstellung und der Katalog wurden am 17. September 2020 um 11 Uhr in einer Pressekonferenz in Halle vorgestellt. Videoaufzeichnungen der Konferenz finden Sie weiter unten.

Wenn Sie an der Eröffnung der Jahresausstellung am 20. September 2020 um 11 Uhr teilnehmen wollen, melden Sie sich bitte rechtzeitig bei uns an.

Ihre Dr. Kerstin Heldt und Friederike Lippold

»Im Steinbruch der Zeit. Erdgeschichten und die Anfänge der Geologie«
20. September 2020 – 21. März 2021
Jahresausstellung im Historischen Waisenhaus
Franckesche Stiftungen | Franckeplatz 1 | 06110 Halle

Im Zentrum der Jahresausstellung steht die Zeit um 1800, in der sich das Wissen über die lange unvorstellbaren Vorgänge auf und unter der Erdoberfläche zu einer revolutionären Erkenntnis verdichtet: der Entdeckung der Erdzeit. Die Ausstellung lädt ein, den aufregenden Beginn einer neuen Wissenschaft mitzuerleben. In Wunderkammern sucht sie nach vermeintlichen Zeugen einer vorsintflutlichen Zeit und fragt nach dem Verhältnis von Theologie und Naturwissenschaft. Mit seltenen geologischen Karten und historischen Forschungsinstrumenten, über 70 eindrucksvollen Mineralen, Gesteinen und Fossilien sowie wertvollen Handschriften u.a. von Johann Wolfgang von Goethe und Alexander von Humboldt wird der Alltag der frühen Naturforscher lebendig. Multimediale Installationen wecken den eigenen geologischen Entdeckerdrang und schlagen den Bogen zum Anthropozän, unserem aktuellen Zeitalter, in dem der Mensch selbst zu einem bedeutenden geologischen Einflussfaktor geworden ist.

Informationen und Begleitprogramm
Tel 0345-21 27 450 | www.francke-halle.de
Eintritt 6 Euro, erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre frei

Ausstellungskatalog
Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter wissenschaftlicher Katalog mit Beiträgen herausragender Autoren, der das Ringen um Ordnung und Wissen auf dem Weg zur Entdeckung der Erdzeit im 18. Jahrhundert detailliert vorstellt. Der Katalog bleibt nicht in der Geschichte stehen. Im letzten Kapitel gibt er dem Wissenschaftsjournalisten Christian Schwägerl (GEO, ZEIT Wissen, FAZ) und dem Paläontologen und Geobiologen Reinhold Leinfelder (Professor an der Freien Universität Berlin) das Wort, die mit wissenschaftlichen Fakten den Blick auf das Anthropozän öffnen. In einem Exkurs kommt der Biologiehistoriker, Sachbuchautor und Publizist Thomas Junker zum andauernden Diskurs über Evolution und Schöpfung zu Wort, der vor allem durch die Kreationisten befeuert wird.

Im Steinbruch der Zeit. Erdgeschichten und die Anfänge der Geologie. Hrsg. im Auftrag der Franckeschen Stiftungen von Tom Gärtig und Claus Veltmann.
Halle 2020 (Kataloge der Franckeschen Stiftungen, 37).
264 S., 187 Abb., € 28,00; ISBN 978-3-447-11383-0

 

Pressekonferenz 17.09.2020 - Begrüßung

Donnerstag, 17. September 2020, ab 11:00 Uhr

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass Sie mit Aktivierung dieses Videos die Datenschutzerklärung von Youtube akzeptieren.

Begrüßung von Professor Dr. Thomas Müller-Bahlke zur Pressekonferenz zur Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen 2020

Pressekonferenz 17.09.2020 - Ausstellungskonzeption

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass Sie mit Aktivierung dieses Videos die Datenschutzerklärung von Youtube akzeptieren.

Dr. Claus Veltmann und Tom Gärtig stellen Ausstellungskonzeption, Leihgeber, Zusammenarbeit und Begleitkatalog vor.

Pressekonferenz 17.09.2020 - Vermittlungsangebot

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass Sie mit Aktivierung dieses Videos die Datenschutzerklärung von Youtube akzeptieren.

Florian Halbauer stellt das Vermittlungsangebot für Kinder, Familien und Schulklassen vor.

Pressekonferenz 17.09.2020 - Höhepunkte des Begleitprogramms

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass Sie mit Aktivierung dieses Videos die Datenschutzerklärung von Youtube akzeptieren.

Dr. Kerstin Heldt stellt Höhepunkte des Begleitprogramms zur Jahresausstellung vor.

Pressekonferenz 17.09.2020 - Rundgang durch die Ausstellung

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass Sie mit Aktivierung dieses Videos die Datenschutzerklärung von Youtube akzeptieren.

Tom Gärtig und Dr. Claus Veltmann präsentieren einen virtuellen Rundgang durch die Ausstellung.

 
  • Pressegespräch im Freylinghausen-Saal mit den zugeschalteten Gründungsmitgliedern und Wunderkammer-ExpertInnen aus Russland, den Niederlanden und Großbritannien
  • Das Pressegespräch wird gedolmetscht
  • Online- Interviews mit den internationalen PartnerInnen und Foto- bzw. Filmaufnahmen in der Kunst- und Naturalienkammer sind möglich
  • Anschließend um 11 Uhr Festveranstaltung mit einem Vortrag von Prof. Dr. Horst Bredekamp (Berlin) und hochrangigen Gästen aus Kultur, Politik und Wissenschaft (Eine Anmeldung ist aufgrund der begrenzten Plätze erforderlich.)

DIENSTAG, 13. OKTOBER 2020 UM 09:30 UHR
HISTORISCHES WAISENHAUS | FREYLINGHAUSEN-SAAL | FRANCKEPLATZ 1 | 06110 HALLE (SAALE)

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 12. Oktober 2020 jährt sich die Wiederöffnung der Kunst- und Naturalienkammer nach der Sanierung des Historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen zum 25. Mal und wir gründen mit unseren Partnern in Russland, den Niederlanden und Großbritannien die »Alliance of Early Universal Museums«. Aus diesem Anlass möchten wir Sie herzlich zu einer Pressekonferenz am 13. Oktober 2020 um 9:30 Uhr mit folgendem Programm in den Freylinghausen-Saal des Historischen Waisenhauses einladen:

Begrüßung und Einführung
Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen

Beiträge der online zugeschalteten Gründungsmitglieder
zur Netzwerkgründung und den Perspektiven auf die eigene Arbeit

Prof. Dr. Andrei Golovnev, Direktor des Museums für Anthropologie und Ethnographie »Peter der Große« - Kunstkamera in St. Petersburg (Russland)

Dr. Marjan Scharloo, Direktorin des Teylers Museum in Haarlem (Niederlande)

Prof. Dr. Arthur MacGregor, wissenschaftlicher Experte für Wunderkammern (Großbritannien)

Wie das Netzwerk wächst: Vorstellung der nächsten Schritte des Netzwerks
und Fragen der Presse

Die Kultur bildet das Fundament Europas. Auf der Grundlage einer langen gemeinsamen Geschichte ist die vielfältige Kultur Europas engmaschig miteinander verwoben. Daraus ist eine Zusammengehörigkeit über geographische und nationale Grenzen hinweg erwachsen. Vormoderne museale Sammlungen, häufig auch als Kunst- und Naturalienkammern oder Wunderkammern bezeichnet, sind ein typisches Phänomen der europäischen Kulturgeschichte. Sammlungen dieser Art gab es in sehr unterschiedlichen Ausprägungen über ganz Europa verteilt in hoher Anzahl. Das Netzwerk wird sich künftig über Forschungsfragen, Kooperationen und Ausstellungsideen austauschen und sich dafür engagieren, in der breiten Öffentlichkeit die frühneuzeitlichen Sammlungen noch besser als Orte bekannt zu machen, die für unser Leben im 21. Jahrhundert relevant sind. Die Initiative dazu haben gemeinsam das Museum für Anthropologie und Ethnographie »Peter der Große«  – Kunstkamera in St. Petersburg und die Franckeschen Stiftungen zu Halle auf der Grundlage langjähriger freundschaftlicher Zusammenarbeit ergriffen. Zu den Gründungspartnern zählen das Teylers Museum in Haarlem und der Wunderkammer-Experte Prof. Dr. Arthur MacGregor.

Kultureinrichtungen können heute das Band sein, das das Haus Europa im Inneren zusammenhält. Die Gründungsmitglieder aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Russland wollen bewusst diesen Akzent setzen und das neue Netzwerk Schritt für Schritt erweitern.

Wir freuen uns auf Sie!

Ihre
Dr. Kerstin Heldt und Friederike Lippold

  • 23. September 2020, 18:00 Uhr: Gespräch mit MDR-Kulturchef Reinhard Bärenz über Klimaziele, zivilen Ungehorsam, Nachhaltigkeit, Demokratie und Regierungsverantwortung im Freylinghausen-Saal
    Eintritt frei, eine Anmeldung ist erforderlich.
  • Bei Interesse der Presse an Interviews vor der Veranstaltung mit Katrin Göring-Eckardt, Jakob Blasel und VertreterInnen der Halle-Gruppe Fridays for Future bitten wir um Anmeldung bis spätestens 21. September.
    Kontakt: Friederike Lippold (lippold@francke-halle.de, Tel. 0345 2127 431

HISTORISCHES WAISENHAUS | FRANCKEPLATZ 1 | 06110 HALLE (SAALE)

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Reihe  »Persönlichkeiten im Gespräch« der Franckeschen Stiftungen treffen am Mittwoch, dem 23. September 2020, um 18:00 Uhr, im Freyling-hausen-Saal zwei engagierte Generationen aufeinander: die Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen Katrin Göring-Eckardt, und Jakob Blasel, einer der deutschen Umweltaktivisten der globalen Bewegung Fridays for Future. Das Gespräch wird moderiert von MDR-Kulturchef Reinhard Bärenz.

Die Veranstaltung knüpft an die aktuelle Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen an, die sich in einem großen Bogen der Geschichte der Geologie bis in die Gegenwart widmet. Sie schließt mit dem Anthropozän, unserem aktuellen Zeitalter, in dem der Mensch selbst zu einem bedeutenden geologischen Einflussfaktor geworden ist, und fragt nach den Konsequenzen unseres Denkens und Handelns für den Planeten Erde. Die Debatte um den Klimawandel rückt die globale Verantwortung der Menschen mehr und mehr ins Bewusstsein – das zentrale Thema der Partei Bündnis 90/Die Grünen und der Protestbewegung Fridays for Future. 

Die Spitzen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt, geboren 1966 in Thüringen,  war schon zu DDR-Zeiten in der Friedens- und Umweltbewegung aktiv und 1990 Gründungsmitglied von »Demokratie jetzt«. Jakob Blasel, geboren 2000 in Kiel, gehört zu den Initiatoren der deutschen Sektion von Fridays for Future. Ende August gab er bekannt, für Bündnis 90/Die Grünen für den Bundestag kandidieren zu wollen. 

Das Gespräch wird einen Bogen schlagen vom gesellschaftspolitischen Engagement über zivilen Ungehorsam und kreativen Protest bis hin zu Regierungsverantwortung, Demokratie, Gerechtigkeit und natürlich Umweltfragen. Wie hat sich politisches und gesellschaftliches Engagement entwickelt und verändert? Welche Themen und Herausforderungen standen um 1990 im Fokus, welche heute? Gibt es Gemeinsamkeiten, gibt es Unterschiede? Mit der Erkenntnis, dass natürliche Ressourcen begrenzt sind und ein wirtschaftliches und gesellschaftliches Umdenken stattfinden muss, gründeten sich vor rund 40 Jahren »Die Grünen«. Entstanden aus einer Protestbewegung, sind sie heute in vielenBundesländern Teil der Regierungund in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Klimawandel und Kohleausstieg gehören zu den Schwerpunkten ihres politischen Programms. Seit 2018 verleiht die »Fridays for Future«-Bewegung dem Thema Klimaschutz einen neuen Schub. Die Bundestagskandidaturen von Fridays for Future-Initiatoren wie Jakob Blasel sind jedoch in der eigenen Bewegung umstritten. Kann Protest Themen in die gesellschaftliche und politische Mitte zwingen? Wie notwendig ist politische Regierungsverantwortung? Muss, wer die Gesellschaft verändern will, in ihr mitmachen? 

Am 25. September 2020 haben Fridays for Future wieder einen bundesweiten Klimastreik angekündigt. Auch in Halle wird zur Demonstration aufgerufen. VertreterInnen der Halle-Gruppe von Fridays for Future werden an der Veranstaltung teilnehmen und mitdiskutieren.

Ihre Dr. Kerstin Heldt und Friederike Lippold

INFORMATIONEN

»Im Steinbruch der Zeit. Erdgeschichten und die Anfänge der Geologie«
20. September 2020 – 21. März 2021
Jahresausstellung im Historischen Waisenhaus
Franckesche Stiftungen | Franckeplatz 1 | 06110 Halle

Informationen und Begleitprogramm
Tel 0345-21 27 450 |Eintritt 6 Euro, erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre frei

Begleitkatalog mit Beiträgen des Wissenschaftsjournalisten Christian Schwägerl (GEO, ZEIT Wissen, FAZ) und des Paläontologen und Geobiologen Reinhold Leinfelder (Professor an der Freien Universität Berlin)
ISBN 978-3-447-11383-0, € 28,00;

Die Spitzenpolitikerin Katrin Göring-Eckardt sitzt seit 1998 im Bundestag für Bündnis 90/Die Grünen. Seit 2013 ist sie neben Anton Hofreiter Vorsitzende der Bundestagsfraktion. Geboren 1966 in Thüringen, war Göring-Eckardt schon zu DDR-Zeiten in der Friedens- und Umweltbewegung aktiv und 1990 Gründungsmitglied von »Demokratie jetzt«.

Jakob Blasel, geboren 2000 in Kiel, gehört zu den Initiatoren der deutschen Sektion von Fridays for Future. Für den ersten von Fridays for Future organisierten bundesweiten Klimastreiktag im Dezember 2018 gewann er in Kiel 500 Teilnehmer, ist seitdem auf vielfältige Weise für Fridays for Future aktiv und war zudem Bundessprecher der Bewegung. Ende August gab er bekannt, für Bündnis 90/Die Grünen kandidieren zu wollen. 

 
  • Neuer großer Bildband zu 19 europäischen Wunderkammern (»Cabinet of Curiosities«, Verlag Taschen, Juli 2020) stellt die opulente Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen in den Vordergrund, die als einzige vollständig erhaltene ihrer Art gelten kann.
  • Nicht im Bildband vertreten und doch zum kulturellen Haus Europa gehörig ist die weltberühmte Kunstkammer des russischen Zaren Peters des Großen: Die Franckeschen Stiftungen gründen am 12./13. Oktober 2020 mit der Kunstkammer Peters des Großen in St. Petersburg (Russland) und dem Teylers-Museum in Haarlem (Niederlande) ein »Europäisches Netzwerk der Vormodernen Museen«
  • SAVE THE DATE: Einladung zu einem europäischen Pressetermin mit Museumsdirektoren, Ministerpräsident und Botschaftern
    13. Oktober 2020 | 10:00 Uhr | Franckesche Stiftungen | Historisches Waisenhaus Franckeplatz 1, Haus 1

Im Juli 2020 erschien im Verlag Taschen das opulente Werk »Cabinet of Curiosities«. 19 europäische Wunderkammern werden hier vorgestellt. Auf dem Titelbild leuchtet das Bekrönungsmotiv des Pflanzenschranks der Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen. Als einzige europäische Wunderkammer des Barock ist sie vollständig erhalten und am authentischen Ort und mit dem historischen Mobiliar bis heute zu besichtigen. »Die Einzigartigkeit der Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen liegt darin, dass alle Grundkomponenten der originalen barocken Wunderkammer erhalten sind: über 3000 Objekte aus den Bereichen der Kunst und des Lebens, die passgenauen Sammlungsschränke der Kammer mit ihren beeindruckenden farbenprächtigen Bekrönungsmalereien, der originale Raum im ehemaligen Schlafsaal des Historischen Waisenhauses sowie das museumstheoretische Konzept der Präsentation aufgrund der Kataloge aus dem 18. Jahrhundert.«, erläutert der Direktor der Franckeschen Stiftungen Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke. Vor genau 25 Jahren, am 12. Oktober 1995, hatte er als Archivar und Historiker die Kammer nach umfangreichen Quellenrecherchen am originalen Platz wiedereröffnen können.

Der Band »Cabinet of Curiosities« lässt eine wichtige Sammlung der Frühen Neuzeit vermissen: Die Kunstkammer des russischen Zaren Peters des Großen, der an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert das Russische Reich konsequent nach Europa öffnete und seine Sammlung nach dem Vorbild der europäischen Wunderkammern einrichtete. Partner der Franckeschen Stiftungen ist seit 25 Jahren das Museum für Anthropologie und Ethnographie »Peter der Große« – Kunstkamera der Russischen Akademie der Wissenschaften. Hier werden die erhaltenen Objekte der Sammlung Peters des Großen in dem eigens errichteten historischen Gebäude am Ufer der Newa direkt gegenüber der Eremitage ausgestellt. Auf Initiative der Franckeschen Stiftungen ist diese renommierte Einrichtung Gründungsmitglied in einem Verbund der europäischen Wunderkammern:

Am 12. Oktober 2020 treffen sich die Franckeschen Stiftungen (Deutschland) und die Kunstkamera (Russland) zusammen mit dem Wunderkammer-Experten Arthur MacGregor (Großbritannien) und dem Teylers-Museum in Haarlem (Niederlande) zu einem Gründungsworkshop für ein »Europäisches Netzwerk Vormoderner Museen«. Die Idee zur Gründung des Netzwerks basiert auf dem Wissen, dass die frühmodernen Wunderkammern in Europa auf vielfältige Weise miteinander verbunden waren.

Kultureinrichtungen können heute das Band sein, das das Haus Europa im Inneren zusammenhält. Die Gründungsmitglieder aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Russland wollen bewusst diesen Akzent setzen und das neue Netzwerk Schritt für Schritt erweitern. Von gemeinsamem Interesse sind der Austausch über aktuelle Fragen des musealen Umgangs mit überlieferten Wunderkammern oder deren erhaltenen Bestandteilen, die fachliche Expertise, die Provenienzforschung, die Entwicklung von Zukunftsszenarien zur Präsentation und Beforschung von Sammlungen aber auch die Frage nach gemeinsamen Publikationen. Forschungen auf diesem Feld sind in wissenschaftlicher Hinsicht besonders vielversprechend. Zwei große Ereignisse rahmen den Gründungsworkshop: Am 12. Oktober jährt sich die Wiedereröffnung der Kunst- und Naturalienkammer nach der Sanierung des Historischen Waisenhauses zum 25. Mal. Dieses Jubiläum wird am 13. Oktober 2020 mit einer Pressekonferenz zur Netzwerkgründung (10 Uhr) und einer Festveranstaltung im Freylinghausen-Saal unter hoher politischer Beteiligung der vertretenen europäischen Länder und des Landes-Sachsen-Anhalt (11 Uhr) begangen. Das Museum für Anthropologie und Ethnographie »Peter der Große« - Kunstkamera plant im Jahr 2022 für das 350. Jubiläum Peters des Großen die Wiederherstellung der Wunderkammer des russischen Zaren.

Die Presse ist am 13. Oktober um 10 Uhr direkt im Anschluss an den Gründungsworkshop zu einer Pressekonferenz mit den Experten Vormoderner Sammlungen eingeladen. Prof. Dr. Arthur MacGregor, der Direktor der Franckeschen Stiftungen, Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, der Direktor des Museums für Anthropologie und Ethnographie »Peter der Große« - Kunstkamera, Prof. Dr. Andrei Golovnev, und die Direktorin des Teylers Museum in Haarlem, Dr. Marjan Scharloo, werden die Idee des Netzwerks und die kommenden Vorhaben vorstellen und stehen als Gesprächspartner zur Verfügung. Eine Besichtigung der Kunst- und Naturalienkammer im Historischen Waisenhaus ist im Vorfeld und im Anschluss möglich.

Foto und Bildanfragen sprechen Sie gerne im Vorfeld ab, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Filme zu einzelnen Objekten der Kunst- und Naturalienkammer und Informationen zum Bildband zur Sammlung haben wir auf der Ausstellungsseite für Sie zusammengestellt.

Die im Museumsnetzwerk Halle assoziierten Museen haben wieder geöffnet. Aufgrund der coronabedingten Schließung der Museen seit Mitte März wird der Endspurt der Gemeinschaftsaktion »Schlüsselbund Hallesche Museen« bis 30. Juni verlängert. Wer alle Schlüssel gesammelt hat, erhält den »Goldenen Museumsschlüssel«, der ein Jahr lang zum kostenfreien Eintritt in alle Museen des Museumsnetzwerkes berechtigt. Die Übergabe der »Goldenen Museumsschlüssel« findet am 14. Juli im Landesmuseum für Vorgeschichte statt.

Wir freuen uns! Endlich können Museen wieder Besucherinnen und Besucher in ihren Ausstellungen willkommen heißen! Aufgrund der Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus hatten Museen von Mitte März bis Anfang Mai geschlossen. Mit unterschiedlichen Startterminen sind ab 25. Mai 2020 nun fast alle im Museumsnetzwerk Halle assoziierten Museen wieder geöffnet.

Die 2018 vom Museumsnetzwerk ins Leben gerufene Gemeinschaftsaktion »Schlüsselbund Hallesche Museen« startete im März 2019 in ihre zweite Runde. Mit der Sammelkarte zahlt man für den Besuch des ersten Museums den vollen, in allen nachfolgenden Museen den reduzierten Eintrittspreis. Rund 7.000 Sammelkarten sind seitdem in Umlauf gebracht worden. Eine Besucherin über die Aktion: »Das Schlüsselbund-Projekt ist eine tolle Idee, die dazu motiviert, auch Museen zu besuchen, die man sonst nicht so im Blick gehabt hätte und ist positiv überrascht, wie vielfältig die Museumslandschaft in Halle ist.«

Der Endspurt für die Schlüsselsammelaktion war ursprünglich für Ende April 2020 geplant. Aufgrund der coronabedingten Schließzeit fehlen die letzten Wochen der Schlüsseljagd. Um diesen Endspurt zu ermöglichen, verschiebt das Museumsnetzwerk Halle den Endtermin für die Abgabe der vollständigen Schlüsselsammelkarte auf den 30. Juni 2020. So hat jede/r Sammler/in die Chance, noch die letzten fehlenden Schlüssel bei einem Museumsbesuch zu sammeln, um den »Goldenen Museumsschlüssel« verliehen zu bekommen.

Im Museumsnetzwerk Halle sind folgende Museen zusammengeschlossen und haben derzeit unter zum Teil geänderten Bedingungen geöffnet:

  • Beatles Museum
  • Franckesche Stiftungenfreier Eintritt bis 5. Juli
  • Gedenkstätte Roter Ochse Halle (Saale) ab 25. Mai, Mo und Fr je 10-14 Uhr, Di-Do 10-16 Uhr, Einlass jeweils zur vollen Stunde
  • Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)ab 21. Mai, veränderte Öffnungszeiten Do-Di 10-13 Uhr und 14-17 Uhr
  • Kunsthalle »Talstrasse« erweiterte Öffnungszeiten Di-Fr 12 bis 19 Uhr und Sa/So 14 bis 18 Uhr
  • Landesmuseum für Vorgeschichte
  • Stadtmuseum Halle
  • Stiftung Händel-HausHändel-Haus geöffnet,Wilhelm Friedemann Bach-Haus bis auf weiteres geschlossen
  • Technisches Halloren- und Salinemuseum Halle*seit Anfang 2020 wegen Umbau geschlossen
  • Zentrale Kustodie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg*bis auf weiteres geschlossen
  • Zentralmagazin Naturwissenschaftliche Sammlungen der Martin-Luther-Universität Halle-WittenbergMuseum für Haustierkunde geöffnet, Geiseltalmuseum und Zoologische Sammlung bis auf weiteres geschlossen

*Die Schlüssel des Halloren- und Salinemuseums sowie der Zentralen Kustodie müssen nicht mehr gesammelt werden. Die Schlüsselsammelkarte gilt auch ohne diese Schlüssel als vollständig.

Der »Goldene Museumsschlüssel« gewährt ein Jahr lang freien Eintritt in alle Museen des Museumsnetzwerkes. Dafür muss der jeweilige Schlüssel des Museums in der Sammelkarte eingeklebt werden. Wer alle Schlüssel gesammelt hat (*ausgenommen), kann die Karte bis 30. Juni in einem der beteiligten Museen abgeben, am besten gleich in dem Museum, in dem der letzte Schlüssel eingesammelt wird. Neue Sammelkarten werden während der Verlängerung nicht mehr ausgegeben.

Die Übergabe der »Goldenen Museumsschlüssel« findet am 14. Juli im Landesmuseum für Vorgeschichte statt. Das Programm ist abhängig von den im Sommer herrschenden Regelungen im Zuge der Corona-Pandemie. Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Motive der Gemeinschaftsaktion »Schlüsselbund Hallesche Museen« zum Herunterladen und zur freien Verwendung für die Presse:

Motiv 1

Motiv 2

Die Ausstellungen in den Franckeschen Stiftungen öffnen am Donnerstag, dem 7. Mai wieder

»Seit über zwei Wochen arbeiten wir mit Hochdruck an der Wiederöffnung der Ausstellungen in den Franckeschen Stiftungen« sagt der Kustos Dr. Claus Veltmann. Abstandsmarkierungen, Masken, Desinfektionsmittel und Plexiglas sind seine neuen Spezialgebiete geworden, denn der Gesundheitsschutz der BesucherInnen und MitarbeiterInnen und die Organisation eines transparenten und für alle möglichst sicheren Ablaufs sind die Voraussetzungen für die Eröffnung, der wir freudig entgegensehen.

In der ersten Phase der Lockerung ist die Situation noch fragil und auf die
Gäste warten einige wichtige Vorkehrungen. Dazu zählt, dass die Eintrittskarten ab sofort möglichst bargeldlos im Francke-Wohnhaus erworben werden sollten. Des Weiteren ist das Tragen von einem Mund-Nasen-Schutz (Maske) in unseren Ausstellungen, genauso wie auch in den Geschäften des Einzelhandels, vorgeschrieben. Wir bitten unsere BesucherInnen, eigene Masken mitzubringen. Wer keinen geeigneten Schutz vorweisen kann, wird aber nicht abgewiesen. Wir bieten im Informationszentrum Masken an, allerdings in begrenzter Stückzahl. Jede/r BesucherIn  wird bereits im Infozentrum einen Erfassungsbogen ausfüllen. Damit unterstützen wir die Behörden beim eventuellen Nachvollziehen der Infektionsketten. Wir bitten alle, dafür einen eigenen Stift bereitzuhalten.

Der Lesesaal der Bibliothek des Studienzentrums August Hermann Francke kann ab dem 7. Mai wieder genutzt werden. Die Bibliothek der Franckeschen Stiftungen ist eine Präsenzbibliothek, in welcher die Bücher nur im Lesesaal gelesen werden können. Viele WissenschaftlerInnen erwarten deshalb die Öffnung des Lesesaals mit Freude.

Zur Wahrung der Abstandsregeln wird die Anzahl der im Lesesaal zur Verfügung stehenden Plätze limitiert. LeserInnen werden gebeten, ihren Nutzungswunsch vorab per Email (lesesaal [at] francke-halle.de) oder telefonisch (+49 (0)345 2127470) anzumelden. Eine Benutzung ist nur nach schriftlicher Bestätigung des Termins möglich. Bücher müssen vorab online über die Webseite der Stiftungen (www.francke-halle.de/studienzentrum) oder per Email (Handschriften und Bücher) bestellt werden. Zur Einhaltung der geltenden Schutz- und Hygienevorschriften ist das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes im Lesesaal verpflichtend.

Für den Lesesaal gelten bis auf  Weiteres geänderte Öffnungszeiten:
Montag – Freitag 9:30 – 16:00 Uhr.

Im Lesesaal und den Ausstellungsräumen wird natürlich wie überall ein Mindestabstand von 1,50 Meter vorgeschrieben sein. »Zu Beginn rechnen wir noch nicht mit einem großen Besucheransturm« sagt Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Stiftungen. Dank der großzügigen Räumlichkeiten können sich in den Ausstellungen im Historischen Waisenhaus 20 Personen aufhalten. „Man kann endlich wieder den herrlichen Blick vom Altan über die Stadt genießen oder eine Zeitreise ins Museum des 18. Jahrhundert in der Kunst- und Naturalienkammer unternehmen.  Auch die barocke Kulissenbibliothek lädt wieder in den Wissenskosmos des Barock ein“ freut sich der Direktor. Allerdings ist hier der Zutritt momentan auf nur 2 Personen gleichzeitig begrenzt. Sollten die Besucherströme größer werden, können die Franckeschen Stiftungen ein Zeitticketsystem anbieten.

Wer sich vor dem Besuch informieren möchte, findet eine Auflistung der Abläufe auf der Webseite.

Zu sehen sind in den Franckeschen Stiftungen:
Di-So, feiertags 10.00-17.00 Uhr
Das Kunst- und Naturalienkabinett, die historische Kulissenbibliothek, das Pietismuskabinett und das Francke-Kabinett sowie die Aussicht vom Altan.

Ab 7. Mai öffnet in der Kulissenbibliothek die Kabinettausstellung:
»Naturgewalten in alten Bibeln«. Dazu folgen gesonderte Informationen.

Im historischen Gelände zeigen wir die Freiluftausstellung:
»Mit Tatkraft und Gottvertauen. Vom Wandel der Franckeschen Stiftungen seit 1990«

›    Wiederentdeckt: Flusspferdzahn aus der Sammlung des Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg zählte zur Gründungssammlung der Kunst- und Naturalien-kammer des Halleschen Waisenhauses.
›    Jubiläumsgeschenk: 2020 jährt sich die Wiedereröffnung der Sammlung nach der Sanierung des Historischen Waisenhauses zum 25. Mal.
›    Die hallesche Kunst- und Naturalienkammer ist die einzige vollständige, am origi-nalen Standort erhaltene barocke Wunderkammer bürgerlichen Ursprungs.
›    Die Wunderkammer ist seit der Eröffnung ungebrochener Besuchermagnet.

Am 27. Januar 2020 kehrte der Flusspferdzahn aus der Sammlung des Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg in die Kunst- und Naturalienkammer des Halleschen Waisenhauses zurück. Das Objekt war 1698 auf kurfürstlichen Befehl an August Hermann Francke (1663–1727) gesendet worden. Zu DDR-Zeiten waren die Objekte der Sammlung aus dem maroden Dachgeschoss des Waisenhauses gerettet und in verschiedenen Räumen der Stiftungen zwischengelagert worden. Bei der Sanierung des Waisenhauses und in Vorbereitung der Wiedereröffnung der barocken Wunderkammer am 12. Oktober 1995 war der Zahn mit der Signatur 2D.F. zunächst als fehlend vermerkt worden. »Nach jahrelanger gründlicher Suche in den benachbarten Sammlungen und einem Aufruf in den Medien mit der Beschreibung der typischen Wunderkammer-Signatur, schien die Wiederentdeckung einzelner Objekte bisher eher unwahrscheinlich«, freut sich Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke über den Sensationsfund. 1995 hatte er als Archivar der Stiftungen die Kunst- und Naturalienkammer am historischen Standort nach der Sanierung des Historischen Waisenhauses wiedererstehen lassen. Er gilt heute als ihr profundester Kenner.

Das Objekt der Aufmerksamkeit ist ein ca. 50 cm langer Flusspferdzahn, auf dem die schwarze Signatur 2D.F. deutlich erhalten ist. Wahrscheinlich aus späteren Zeiten stammt die Inschrift »Elefant, Stoßzahn«, vermutet Claus Veltmann, Kustos des Waisenhauses. Dass es sich jedoch um einen Flusspferdzahn handelt, haben Zoologen bestätigt. Dieser ist bereits im ersten handschriftlichen und numerisch aufgebauten Katalog der Sammlung aus dem Jahr 1698 unter der Nummer 44 als Geschenk des Kurfürsten vermerkt.

August Hermann Francke hatte 1698, im Jahr der Grundsteinlegung des Halleschen Waisenhauses, seinen Kurfürsten in einem Brief um Duplikate aus der landesherrlichen Wunderkammer gebeten: Durch das Geschenk würde »die studirende Jugend kräftig ermuntert […], das höchstnützl. Und zu Gottes sonderbaren Ehren zielende studium naturale emsig zu excolieren« (vervollkommnen). Dieser Brief gilt als Gründungsurkunde der Kunst- und Naturalienkammer, die zusammen mit der Bibliothek und dem Hortus Medicus, dem Arzneikräuter-Garten, den Kern der für alle Schichten der Gesellschaft konzipierten pietistischen Bildungseinrichtung formte. Sieben kurfürstliche Objekte sind im handschriftlichen Katalog der Sammlung aus dem Jahr 1698 verzeichnet. Also konnten die Besucher schon seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts die zwei Walpenisse oder das Straußenei aus dem Konvolut der Schenkung besichtigen. In den 1720er Jahren kamen täglich bis zu 60 Besucher, informiert der 2012 in der zweiten Auflage im Verlag der Franckeschen Stiftungen erschienene Bildband zur Kammer.

Durch Schenkungen und Zusendungen der halleschen Emissäre aus aller Welt wuchs die Sammlung stetig an. Im ersten gedruckten Katalog aus dem Jahr 1700 waren es bereits 180 Objekte, heute zählt die Sammlung ca. 3.000. Im Zuge der grundlegenden Ordnung durch Gottfried August Gründler (1710–1775) in den Jahren 1736–41 war der Flusspferdzahn dem Tierschrank zugeordnet worden. Hier fand er sich unter anderem zusammen mit einem reich verzierten Straußenei, Nasspräparaten von menschlichen Föten oder einem kleinen Horn »von einem gehornten Hasen«.

So stand das großzügige kurfürstliche Geschenk für die guten Beziehungen Franckes zum preußischen Herrscherhaus und illustrierte damit auch die weitreichenden Verbindungen des Netzwerkes der Halleschen Pietisten. Gleichzeitig war der Zahn Objekt der Gelehrsamkeit und Medizin. Flusspferdzähne waren im 18. Jahrhundert bereits in der Medizin bekannt und sehr beliebt. Zedlers Universal-Lexikon (1731–1754) hebt die hervorragenden Eigenschaften als Zahnersatz hervor: Die Ersatzzähne werden mit einem Golddraht an den Nachbarzähnen befestigt, sie sind hart wie Feuerstein und werden nicht gelb, wie Zahnersatz aus Elfenbein.

Der Flusspferdzahn hatte in den letzten Jahren unerkannt in der Biologiesammlung des Landesgymnasiums Latina August Hermann Francke geschlummert. Nicht alle Objekte der historisch gewachsenen Sammlung werden regelmäßig im Schulunterricht benutzt, erklärt der Schulleiter Dietmar Hoge. Bei einer Routineüberprüfung der Objekte ist Anfang des Jahres die deutliche Signatur aufgefallen und die Absprachen mit den Stiftungen über den Verbleib des Zahns erfolgten. »Wir freuen uns, ein so wertvolles Objekt wieder in die Kunst- und Naturalienkammer zurückgeben zu können.«

Ab sofort ist der Flusspferdzahn im Tierschrank der halleschen Kunst- und Naturalienkammer Di-So 10-17 Uhr im Historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen zu besichtigen. (Eintritt 6 Euro, erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre frei)

Bildband zur Kunst- und Naturalienkammer
Müller-Bahlke, Thomas: Die Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen
2. überarbeitete und erweiterte Auflage, 2012
ISBN 978-3-447-06986-1, 42,00 Euro

SAVE THE DATE

Faszination Wunderkammer
Von Francke über Goethe zu Sauerlandt – oder warum die Kunst- und Naturalienkammer überlebt hat (1698–1939)
Vortrag von Prof. Dr. Holger Zaunstöck

MITTWOCH | 29. JANUAR 2020| 18.00 UHR | AMERIKE-ZIMMER

Der Vortrag präsentiert neueste Forschungsergebnisse, die der Frage nachgehen, zu welchem Zweck August Hermann Francke die Kammer begründet und Gotthilf August Francke sie eingerichtet und genutzt hat und wie sie folgende Generationen von der Aufklärung über das Kaiserreich bis in die Zeit des Nationalsozialismus verstanden haben. Somit nimmt er erstmals einen langen Zeitabschnitt systematisch in den Blick, der bislang kaum beachtet worden ist. Auf der Grundlage gleichsam detektivischer Spurensuche entsteht so ein neues Bild von der Geschichte der Wunderkammer, das viele überraschende Perspektiven bereithält.

Jeden Freitag machen uns die engagierten Kinder des Schulhorts August Hermann Francke darauf aufmerksam, dass es keine Erde B gibt. Wir wissen, dass die Ressourcen auf der Erde begrenzt sind. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Rohstoffen ist wichtig, wenn wir unseren Kindern eine Zukunft auf dem Planeten ermöglichen wollen. Upcycling oder Recycling sind Schlagworte, die unser Konsumverhalten bis in die privaten Haushalte hinein verändern. Bestehende Materialien werden ressourcenschonend umgewandelt und einer neuen Nutzung zugeführt. Zu den größten Verbrauchsprodukten in Deutschland zählt das Papier, dessen Herstellung mit großen Mengen Holz verbunden ist. Das wird nicht mehr in Deutschland produziert, sondern zunehmend da eingekauft, wo die Nachhaltigkeitsstandards nicht so hoch sind. Oft sind Ur- und Regenwälder betroffen, die wir für das Klima auf der Erde dringend benötigen.

Die Franckeschen Stiftungen sind sich ihrer Verantwortung bewusst und haben sich konsequent dafür entschieden, nachhaltig und in der Region zu wirtschaften. Eine Umfrage unter unseren LeserInnen hatte ergeben, dass viele bereits auf die digitalen Kommunikationswege umgestiegen sind. Dennoch wünschen sich einige weiterhin Informationen zu den Franckeschen Stiftungen auf Papier. Um die Belastung für die Umwelt gering zu halten, stellen wir mit dem Jahresmagazin 2019 unsere Drucksachen auf 99%es Recyclingpapier um. Hier sind wir uns der Herkunft sicher und können wie bisher mit regionalen Druckereien zusammenarbeiten. Und wir haben eine Bitte: haben Sie unser Infomaterial ausgelesen, werfen Sie es in die blaue Tonne. So speisen Sie es wieder in den Wertkreislauf ein.