Rundgang mit dem Stiftungspfarrer

Begleiten Sie mich und entdecken Sie spirituelle Orte in den Franckeschen Stiftungen

Begleiten Sie mich auf einen Rundgang durch die Franckeschen Stiftungen! Gemeinsam möchte ich mit Ihnen an Orte gehen, die zur Zeit August Hermann Franckes Antworten gaben, Praxis boten, um die spirituelle Dimension dieses Lebens spüren zu können. Sie werden viele bekannte Orte der Stiftungen mit neuen Augen sehen. Dafür treffe ich mich unterwegs mit fachlichen ExpertInnen, KünstlerInnen oder MitarbeiterInnen der Franckeschen Stiftungen, die heute an diesen Orten wirken.  Kommen Sie mit!

Der Freylinghausen-Saal

Der Freylinghausensaal, 1711 eingeweiht, ist von Beginn an als Ort geistlicher Besinnung und Bildung genutzt worden. August Hermann Francke hielt zu seiner Eröffnung vor 1300 jungen Menschen eine Predigt zu Psalm 36 »Gottes Güte und die Sicherheit unter dem Schatten seiner Flügel« . Gemeinsam wurde auch ein Lied aus Freylinghausens Gesangbuch gesungen. Die Dielen des Fußbodens überdauerten genauso wie die beeindruckende Akustik die Zeit. Seit 310 Jahren steht der Saal den Menschen als geistlicher Ort zur Verfügung. Als zentraler Veranstaltungssaal der Franckeschen Stiftungen bietet er heute Konzerten und großen Publikumsveranstaltungen Raum.

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Die Rühlmann-Orgel im heutigen Festsaal der Franckeschen Stiftungen hat mich auf die Idee gebracht. Zusammen mit Elisabeth Baumgarten (Orgel und Gesang) beginnen wir den Rundgang im ehemaligen Bet- und Singesaal der Schulstadt August Hermann Franckes. Werfen wir einen Blick zurück, lassen die Dielen knarren und uns von Johann Anastasius Freylinghausens (1670–1736) Lied »Auf! Nun ist der Tag erschienen« begleiten.

»Kommt nur her und helft mir singen.«

Vergessene Lieder des 18. Jahrhunderts aus dem Freylinghausenschen Gesangbuch für die Hausmusik wiederentdeckt

Sie wollen mitsingen? Im Verlag der Franckeschen Stiftungen ist in Zusammenarbeit mit dem ortus Musikverlag ein 78-seitiges Büchlein für die Hausmusik mit einem Nachwort von Dr. Wolfgang Miersemann, Projektleiter der Edition des Freylinghausenschen Gesangbuchs, erschienen. 24 Lieder wurden von ihm sorgfältig ausgewählt, die Melodien dank Axel Gebhardt mit einem Klaviersatz versehen und hier erstmals in Verbindung mit den zugehörigen Texten abgedruckt. Die Lieder stammen alle aus dem »Geistreichen Gesangbuch« (ab 1704) sowie dem »Neuen Geistreichen Gesangbuch« (ab 1714) Johann Anastasius Freylinghausens.

Kommt nur her und helft mir singen. 24 ausgewählte Lieder aus dem Freylinghausenschen Gesangbuch. Musikalisch eingerichtet von Axel Gebhardt auf Grundlage der kritischen Edition des Freylinghausenschen Gesangbuches von Dianne Marie McMullen und Wolfgang Miersemann. Hrsg. und mit einem Nachwort versehen von Wolfgang Miersemann. Halle 2020. X, 78 S., 19 Abb., € 27,00; ISBN 978-3-939922-61-2

Insgesamt verbreitete die beliebte Liedsammlung Freylinghausens in 50 Ausgaben mit schätzungsweise 150.000 Exemplaren nahezu 1600 Texte und rund 600 Melodien weit über die Grenzen Europas hinaus. 200 Jahre nach Wittenberg wurde damit  Halle zu einem Zentrum des Gesangbuchdrucks. Den Erfolg des Werkes macht die Verbindung von reformatorischen und nachreformatorischen, also bereits bekannten Liedern mit neuen Liedern aus, deren Texte zusammen mit den Melodien abgedruckt wurden. Auch die barocke Kunstfertigkeit der neuen Lieder, mit der die Hallenser rund um August Hermann Francke (1663–1727) auf der Höhe der Zeit waren, trug dazu bei. Die oft schwungvoll-tänzerischen, auffällig häufig dreiertaktigen Melodien sowie die sprachlich und rhythmisch-metrisch neuartigen Lieddichtungen waren ausgesprochen innovativ. Eindrückliches Zeugnis davon legt bis heute Lied Nr. 1 des Evangelischen Kirchengesangbuchs ab. Georg Weissels »altes« Lied »MAcht hoch die thür« wird jedes Jahr zum Advent mit der freudig-mitreißenden, neue halleschen Melodie aus dem »Freylinghausen« gesungen. »LObe den HErren / den mächtigen König der ehren« ist heute dank seiner Verbreitung durch das Freylinghausensche Gesangbuch in vielen Sprachen bekannt. Die handliche, sehr schön eingerichtete kleine Edition zeigt, wie modern und tänzerisch diese Lieder noch immer auf uns wirken, die zu Unrecht fast in Vergessenheit geraten sind.

Die Wunderkammer

Die Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen ist europaweit die einzige vollständig erhaltene barocke Wunderkammer am authentischen Ort. Jährlich besuchen Tausende diesen einzigartigen Wissenskosmos des 18. Jahrhunderts. Für die Halleschen Pietisten bot die Kammer die Gelegenheit, gleichzeitig die Schöpfung Gottes zu loben und das eigene Netzwerk abzubilden. Denn die über 3.000 Objekte wurden nicht auf dem damals schon florierenden Kuriositätenmarkt angekauft, sondern von Menschen, die Franckes Werk in Halle kannten, zu ihm geschickt.

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Wie würden wir heute Gottes Schöpfung loben, habe ich mich gefragt, als ich das erste Mal die Wunderkammer betrat. 1989/90 bewirkte die Umweltbewegung mit dem Slogan »Schöpfung bewahren« einen Systemwandel. Heute können wir wieder in der Saale baden und in den Seenlandschaften der ehemaligen Tagebaue in der Umgebung eine neue Tier- und Pflanzenwelt entdecken. Reicht dieses Lob aus für die nächsten hundert Jahre? In der Wunderkammer treffe ich mich mit Dr. Claus Veltmann, Kustos des Waisenhauses.   

Geh aus/ mein Hertz/ und suche freud

Der Liedtext zum Mitsingen

1. Geh aus / mein hertz / und suche freud
In dieser lieben sommerzeit
An deines Gottes Gaben:
Schau an der schönen gärten zier,
Und siehe / wie sie mir und dir
Sich ausgeschmücket haben.

2. Die bäume stehen voller laub /
Das erdreich decket seinen Staub
Mit einem grünen kleide.
Narcissus und die Tulipan,
Die ziehen sich viel schöner an /
Als Salomonis seyde.

14. Mach in mir deinem Geiste Raum /
Daß ich dir werd ein guter baum,
Und laß mich wol bekleiben[2] /
Verleihe / daß zu deinem ruhm
Ich deines gartens schöne blum
Und pflantze möge bleiben.

Text: Paul Gerhardt, Meolodie aus dem Freylinghausenschen Gesangbuch

An der Orgel spielt Elisabeth Baumgarten.