Hidden Collections. Topografien frühneuzeitlicher Sammlungen (Halle, Leipzig, Dresden)

Das ganze Universum in auf einen Blick: die Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen mit dem Weltenmodell im Vordergrund und über 3000 anderer Kuriositäten.

Kunst- und Naturalienkammern können als historische Grundlage moderner Museumskultur gelten. Seit dem 16. Jahrhundert sammelten Fürsten, wohlhabende Bürger und später auch Akademien Objekte, die den Wissensstand über die damals bekannte Welt repräsentierten. Mit den Raritäten und Kuriositäten stellten die Besitzer ihr Wissen ebenso zur Schau wie ihren Wohlstand.

Seit den 1990er Jahren wurden diese Sammlungen mit methodisch unterschiedlichen Herangehensweisen erforscht. Bislang wurden Kunst- und Naturalienkammern im europäischen Raum jedoch nicht systematisch identifiziert und katalogisiert. Die nachweisbaren – erhaltenen und nicht erhaltenen – Sammlungen sollen nun erstmals einheitlich aufbereitet, schematisch eingeordnet und nach Möglichkeit rekonstruiert werden. Das Projekt hat eine Übersicht über die verschiedenen Varianten dieses Sammlungstyps zum Ziel und leistet damit Grundlagenforschung zur Geistes-, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte der Frühen Neuzeit.

Das Forschungsprojekt wird zu gleichen Teilen von den Franckeschen Stiftungen zu Halle und dem Leopoldina-Zentrum für Wissenschaftsforschung finanziert und durchgeführt. Denn auch die Akademie der Naturforscher Leopoldina hatte über lange Jahrzehnte eine durchaus bedeutende Sammlung von Naturalien zusammengetragen, die allerdings beim Umzug der Akademie nach Bonn im Jahr 1818 verloren ging. Ebenso besaßen mehr als 20 Mitglieder der Leopoldina zum Teil sehr umfangreiche und international bedeutende Sammlungen.