300 Jahre böhmische Bibel in Halle

Titelblatt der tschechischen Bibel
Titelblatt der tschechischen Bibel

Digitalisierung tschechischsprachiger Drucke des 16.-18. Jahrhunderts in der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen

Das Ziel des durch das Land Sachsen-Anhalt geförderten Projekts ist die Digitalisierung von 65 tschechischsprachigen Drucken des 16. bis 18. Jahrhunderts im Umfang von 25.325 Seiten aus dem Bestand der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen.

Das Projekt wurde aus Anlass des 300. Jubiläums des Drucks der böhmischen Bibel in Halle entwickelt, ein Jubiläum, das in einer Traditionslinie zu dem anderen großen Bibeljubiläum im Land Sachsen-Anhalt steht: 500 Jahre Septembertestament in der Übersetzung Martin Luthers.

August Hermann Franckes Anliegen war es, die unterdrückten Lutheraner in Böhmen und Mähren sowie die Exulanten in Barby an der Elbe und in der Lausitz mit Büchern in ihrer Muttersprache zu versorgen. Unter Franckes Mitarbeiter Heinrich Milde (1676–1739), der für die Osteuropakontakte des Halleschen Waisenhauses und die Betreuung böhmischer Exilgemeinden zuständig war, entwickelte sich Halle zu einem wichtigen Druckort tschechischsprachiger religiöser Literatur. Bereits 1709 erschien eine Ausgabe des Neuen Testaments. Zwischen 1715 und 1724 wurden dann weitere tschechische Bücher gedruckt, insgesamt sollen es mehr als 39.000 Exemplare gewesen sein. Den Höhepunkt des Verlagstätigkeit Mildes bildete die Drucklegung der tschechischen Bibel im Jahr 1722, die nach dem Vorbild der Kralizer Bibel aus dem Jahr 1613 hergestellt wurde. Exemplare wurden heimlich in Böhmen und Mähren verbreitet und gelangten sogar bis ins Baltikum und nach Russland.

Darüber hinaus sammelte Milde selbst Bücher in tschechischer Sprache, die er auf Reisen in Böhmen erworben oder von den böhmischen Exulanten geschenkt bekommen hatte. Milde hatte die Angewohnheit, in seine Bücher Notizen hineinzuschreiben. So erfahren wir, mit wem er in Kontakt war, wen er auf seinen Reisen durch Böhmen getroffen hat, welche Bücher ihm exilierte Böhmen aus Barby geschenkt haben und vieles mehr. Insofern ist durch diese handschriftlichen Notizen jeder Druck ein Unikat.

Die in Halle gedruckten tschechischen Bücher und die Bücher aus Mildes Besitz befinden sich in der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen und stellen ein einzigartiges Quellenkorpus zur böhmischen Geschichte und Emigration dar. Diese Drucke sollen digitalisiert und in den Digitalen Sammlungen des Studienzentrums weltweit zugänglich gemacht werden. Es handelt sich um zehn Drucke, die in Halle im 18. Jahrhundert erschienen sind, und um 55 tschechischsprachige Bücher des 16.-18. Jahrhunderts aus der Privatbibliothek Heinrich Mildes, die dieser der Bibliothek des Waisenhauses, der heutigen Bibliothek der Franckeschen Stiftungen, testamentarisch vermachte.

Projektleitung: Dr. Britta Klosterberg
wiss. Hilfskraft: Sabrina Mögelin
Bibliothekarische Projektbegleitung: Anke Mies

Laufzeit: 01.07.2022–31.12.2022

Mitarbeiter im Projekt

Anke Mies

Bibliothek

Foto von Anke Mies
Sabrina Mögelin

wiss. Hilfskraft

SM