Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert – die Franckeschen Stiftungen als Gesundheitstopografie

Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen 2021 mit zugehörigem Katalog

Die Einheit von Körper und Seele sowie eine christliche Lebensführung – und damit das Gemüt – waren die zentralen Koordinaten in der Medizin der Pietisten des 18. Jahrhunderts. Der Körper galt als Werkzeug Gottes in der Welt. Deshalb war es eine fundamentale Pflicht, sich gesund zu halten. Wurde ein Mensch krank, war dies zuvörderst als göttlicher Fingerzeig zu verstehen, dass es mit dem Frommsein defizitär bestellt war. Die Pietisten entwickelten eine Medizinlehre, die zunächst auf Prävention (Diätetik) sowie im Krankheitsfall auf körperliche als auch seelische Therapien setzte. Im traditionellen Medizinverständnis war ein gesunder Körper das Ergebnis eines Gleichgewichts der vier Säfte (Humorallehre), welche wiederum durch ein maßvolles Leben erreicht werden konnte. Dieses Konzept erweiterten die pietistischen Ärzte um den zentralen Aspekt der Frömmigkeit: Ein maßvolles Leben bestand nun nicht allein in der Vermeidung von Extremen – körperlich, affektiv, emotional –, sondern vor allem in einer christlichen Lebensführung. Dafür wurde in den Stiftungen in Halle eine medizinische Gesamttopographie realisiert mit einem der frühesten Krankenhausbauten für Kinder und Jugendliche überhaupt. Der Katalog dokumentiert die erste große Ausstellung zur Medizin im (Halleschen) Pietismus und ordnet diese durch zahlreiche Forschungsbeiträge umfassend ein.

Katalog: Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert. Hrsg. im Auftrag der Franckeschen Stiftungen von Holger Zaunstöck und Thomas Grunewald. Halle 2021 (Kataloge der Franckeschen Stiftungen, 38).

 

Workshop 10./11. Juni 2021

»Des Waßers Art und Gütte, Beweget manch Gemüthe ...«. Religiöse und technische Aspekte frühneuzeitlicher Wasserversorgungssysteme im Vergleich

Im Zuge ihrer Jahresausstellung »Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert« veranstalteten die Franckeschen Stiftungen am 10./ 11.06.2021 einen öffentlichen Workshop zur frühneuzeitlichen Wasserversorgung in vergleichender Perspektive. Über die technischen Aspekte hinaus wurde nach religiösen Deutungsmustern des Wassers und der damit verbundenen Versorgungssysteme gefragt.

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Workshop 6. September 2021

Der Medicus Malabaricus von 1712 – Medizin und Mission im globalen Kontext

Der in Kooperation mit dem Zentrum für Wissenschaftsforschung der Leopoldina durchgeführte multidisziplinäre Workshop widmete sich der missionsgeschichtlich wie medizin-/pharmaziehistorisch herausragenden Quelle des Medicus Malabaricus von 1712, die im Archiv der Franckeschen Stiftungen aufbewahrt wird. Der im Rahmen der Dänisch-Halleschen Mission in Tharangambadi in Südindien aktive Missionar Johann Ernst Gründler (1677–1720) hat in Zusammenarbeit mit einem indischen Schreiber und einem Brahmanen vor Ort medizinisches und pharmazeutisches Wissen aus unterschiedlichen Textquellen gesammelt, übersetzt und zusammengestellt. Die daraus resultierende Handschrift trägt den Titel Medicus Malabaricus.

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