Orientalische Handschriften in Qalamos

Wissenschaft
Orientalische Handschriften aus dem Archiv der Franckeschen Stiftungen wurden in das Portal Qalamos aufgenommen.

Startseite des Portals Qalamos
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Im Archiv der Franckeschen Stiftungen befinden sich 116 Handschriften aus dem 16. bis 18. Jahrhundert in Hebräisch, Syrisch, Arabisch, Persisch und Osmanisch-Türkisch. Diese Dokumente mit teils orientalischer, teils europäischer Herkunft sind nun auch in dem am 28. Juni 2022 online gegangenen Handschriftenportal Qalamos recherchierbar.

Qalamos ist das Portal für Handschriften und Drucke aus asiatischen und afrikanischen Schrifttraditionen. Es werden ca. 150.000 Datensätze zu mehr als 110.000 physischen Objekten vorgehalten – Schriftzeugnisse in insgesamt 162 Sprachen und 81 Schriften (Stand Juni 2022). Perspektivisch ist ein möglichst vollständiger Nachweis der in deutschen Archiven, Bibliotheken und Museen bewahrten Bestände und ihrer Digitalisate angestrebt. Darüber hinaus werden auch Bestände internationaler Kooperationspartner im Portal präsentiert.

Qalamos wird im Rahmen des DFG-Projekts Orient-Digital (Laufzeit 2020–2023) von der Bayerischen Staatsbibliothek München, der Forschungsbibliothek Gotha, der Staatsbibliothek zu Berlin und dem Universitätsrechenzentrum Leipzig entwickelt. Daneben existieren Kooperationsvereinbarungen mit über 20 weiteren Institutionen, darunter mit den Franckeschen Stiftungen.

Ziel des Projektes ist die Zusammenführung der Informationen zu verstreut nachgewiesenen orientalischen Handschriften in Deutschland und der Aufbau einer homogenen Nachweisstruktur. Aktuell stehen die Sprachgruppen Arabisch, Persisch und Osmanisch-Türkisch im Mittelpunkt. In einer geplanten zweiten Projektphase werden südasiatische Sprachgruppen den Schwerpunkt bilden.

Der Name des Portals ist ein Kunstwort. Das altgriechische Wort kalamos (κάλαμος) bedeutet Schreibrohr. Im Arabischen und Persischen wurde daraus, vielleicht über das äthiopische qalam (ቀለም), das Lehnwort qalam (قلم), das bereits im Koran vorkommt. Im Swahili wurde qalam zu kalamu. Das griechische kalamos wurde als calamus ins Lateinische und als kulmus (קולמוס) ins Hebräische übernommen; dort kann es auch die Schreibfeder bezeichnen. Auch Sanskrit kalama (कलम) ist davon abgeleitet. Der Name Qalamos vereint diese Schreibweisen und weist damit auf die Verbindung der Handschriftentraditionen hin.