Jahresprogramm 2022 »Ganz im Affekt«

Bildung
Zahlreiche Veranstaltungen, prominente Gäste und spannende Themen!

Emotionen beeinflussen unsere Entscheidungen, prägen unseren Alltag, treiben uns an in dem, was wir tun und gestalten maßgeblich unser Miteinander. Unter dem Motto »Ganz im Affekt« widmen die Franckeschen Stiftungen den Emotionen in ihrem Jahresprogramm 2022 ihre ganze Aufmerksamkeit. Analoge, hybride und digitale Veranstaltungen mit spannenden Gästen und aktuellen Themen werden aus verschiedenen Perspektiven Antworten auf die Fragen suchen, wie viel Emotion unser gesellschaftlicher Zusammenhalt eigentlich verträgt, welche Rolle heute die Emotionen in Politik und Medien spielen, ob und welche Emotionen gut für die demokratische Meinungsbildung sind und was uns eigentlich glücklich macht. Das hochaktuelle Thema ist der Stiftungsgeschichte gleichsam eingeschrieben: Zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als die Aufklärung begann, die Vernunftbegabung über alle anderen menschlichen Eigenschaften zu stellen, entwarf der Hallesche Pietismus ein ganzheitliches Menschenbild, das die Emotionen selbstverständlich einschloss.

Herzstück des Jahresprogramms ist die Jahresausstellung »Die Macht der Emotionen«, die sich als interaktiver Gefühls-Parcours mit der Relevanz von Emotionen beschäftigen wird und sich vor allem - aber nicht nur - an Jugendliche und junge Erwachsene richtet. Die Besucherinnen und Besucher erleben in sieben Themenräumen im Historischen Waisenhaus, welchem Zweck Emotionen dienen, was sie bewirken, wie sie uns beeinflussen, warum wir sie brauchen und wie wir mit ihnen umzugehen lernen. Am Ende des Rundgangs stehen die Handlungsspielräume und Chancen, aber auch die Herausforderungen und die Verantwortungen im Mittelpunkt, die sich aus dem Wissen um die Macht der Emotionen ergeben.
Mit dem neuen LeoLab im Historischen Druckereigebäude steht erstmals ab diesem Jahr ein eigener Werkstattraum im Historischen Druckereigebäude für die begleitende Vermittlungsarbeit mit Schulklassen ab Sekundarstufe I und junge Erwachsene zur Verfügung.
Die Kabinettausstellung in der Historischen Bibliothek»Fromme Gefühle in Text und Bild in alten Büchern«, verortet die Emotionen in der Stiftungsgeschichte und bietet Einblicke in die Sammlungsschätze, selten gezeigte Bücher und Kleinode der Buchkultur.

Die Jahresausstellung wird in der Festveranstaltung zur Eröffnung des Jahresprogramms im Rahmen der Francke-Feier mit einer Festrede der Bundespolitikerin Renate Künast eröffnet. Sie setzt mit ihrem Engagement für eine konstruktive Streitkultur ein klares Zeichen für mehr Mut im öffentlichen Diskurs. Zum Festgottesdienst in der Marktkirche (20.3.2022) wird erstmals die langjährige Leiterin des evangelischen Pilger- und Begegnungszentrums auf dem Ölberg in Jerusalem und neue Stiftungspfarrerin Gabriele Zander predigen.

Namhafte Stimmen der Gesellschaft sind der Einladung der Franckeschen Stiftungen gefolgt, mit ihrem Beitrag das Jahresthema zu schärfen: Darunter Dunja Hayali, streitbare Journalistin und erfolgreiche Sportschau-Moderatorin, die sich nicht davor scheut, in hochaufgeladene Situationen einzusteigen und die journalistische Ethik zu verteidigen (Persönlichkeiten im Gespräch), Hans Ulrich Gumbrecht, einer der führenden Intellektuellen der Gegenwart (Paul Raabe-Vorlesung) und Dota Kehr (Persönlichkeiten im Gespräch), Musikerin und Sängerin, die mit ihren berührenden Liedern einen poetischen und gleichzeitig lebensnahen Blick auf die Welt erlaubt.

Eine der wichtigsten und vielfach ausgezeichneten deutschen Historikerinnen, Prof. Dr. Ute Frevert, wird mit der von ihr kuratierten Ausstellung »Die Macht der Gefühle. Deutschland 19/19« den Blick auf die Emotionen richten, die Geschichte gestalten. Sie prägen und steuern nicht nur einzelne Menschen, sondern ganze Gesellschaften, ist eine ihrer Thesen, die sie zur Ausstellungseröffnung und im Interview mit Andrea Klapperstück im Jahresmagazin der Franckeschen Stiftungen vorstellt.

Für Kinder und Familien wird das Jahresthema mit spielerischen und ästhetischen Zugängen aufbereitet, um gemeinsam Stellenwert und Wirkmacht der Emotionen sowie deren kulturelle und gesellschaftliche Prägungen zu entdecken. Höhepunkte sind die Museumsnacht und – wenn es die pandemische Lage zulässt – das Historische Lindenblütenfest unter dem Titel »Nah am Glück«. Das Kinderkreativzentrum Krokoseum ist im Januar mit einer aufregenden digitalen Rettungsaktion in der Wunderkammer gestartet: »Die Stimmen der Dinge«, die seit 300 Jahren Weltgeschichte(n) erzählen, drohen zu verklingen. Gemeinsam entreißen die Kinder Aktion für Aktion dem Vergessen die Erinnerungen zurück.

Das Jahresprogramm 2022 setzt auch im stetig weiterentwickelten internationalen Netzwerk der Franckeschen Stiftungen Akzente, das in einer über 300-jährigen Geschichte verankert ist. Über 100 WissenschaftlerInnen aus aller Welt werden sich in der größten Fachtagung dieser Art, dem VI. Internationalen Kongress für Pietismusforschung (28.8.–1.9.2022), unter dem Thema »Reisen und Religion im (langen) 18. Jahrhundert« in den Franckeschen Stiftungen austauschen. Das Liselotte Kirchner-Stipendienprogramm der Franckeschen Stiftungen lädt neun WissenschaftlerInnen u.a. aus den Niederlanden, den USA, Australien und Ungarn zu einem Forschungsaufenthalt in Bibliothek und Archiv ein.

Abhängig von der pandemischen Lage wird erstmals die Amerikanische Sommerschule unter dem Titel»Reading the Human Psyche: A History of Technologies« stattfinden und damit die Techniken in der Frühen Neuzeit, mit denen die menschliche Psyche verstanden worden.

Die Franckeschen Stiftungen arbeiten 2022 weiter auch an den Voraussetzungen für einen zweiten Antrag zur Aufnahme in das UNESCO-Welterbe. Höhepunkt wird in diesem Rahmen eine große internationale und interdisziplinäre Tagung zu frühneuzeitlichen Schularchitekturen und Bildungsräumen sein.

Das Jahresprogramm der Franckeschen Stiftungen schöpft aus der Geschichte, fokussiert die Gegenwart und leistet einen tragenden Beitrag zum stadtweiten Themenjahr in Halle »Macht der Emotionen«.