Ganz im Affekt: Jahresmagazin 2022 zum Jahresthema der Franckeschen Stiftungen

Wissenschaft

Emotionen beeinflussen unsere Entscheidungen, prägen unseren Alltag, treiben uns an in dem, was wir tun und gestalten maßgeblich unser Miteinander. Unter dem Motto »Ganz im Affekt« widmen die Franckeschen Stiftungen den Emotionen in ihrem Jahresprogramm 2022 ihre ganze Aufmerksamkeit. Analoge, hybride und digitale Veranstaltungen mit spannenden Gästen und aktuellen Themen werden aus verschiedenen Perspektiven Antworten auf die Fragen suchen, wie viel Emotion unser gesellschaftlicher Zusammenhalt eigentlich verträgt, welche Rolle heute die Emotionen in Politik und Medien spielen, ob und welche Emotionen gut für die demokratische Meinungsbildung sind und was uns eigentlich glücklich macht. Das hochaktuelle Thema ist der Stiftungsgeschichte gleichsam eingeschrieben: Zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als die Aufklärung begann, die Vernunftbegabung über alle anderen menschlichen Eigenschaften zu stellen, entwarf der Hallesche Pietismus ein ganzheitliches Menschenbild, das die Emotionen selbstverständlich einschloss.

Informativ und unterhaltsam führt das 64-seitige Jahresmagazin mit ExpertInneninterviews, Reportagen zum Alltag in ausgewählten Stiftungseinrichtungen und persönlichen Geschichten in das Jahresprogramm ein. Prof. Dr. Ute Frevert, eine der führenden und vielfach ausgezeichneten Historikerinnen in Deutschland, konnte für das Expertinneninterview gewonnen werden. Im Gespräch mit der Redakteurin des Magazins, Andrea Klapperstück, erzählt sie, wie Emotionen den Lauf der Geschichte beeinflussten und wie HistorikerInnen weltweit Schritt für Schritt die »Macht der Gefühle« entdecken. 

»Jeder Ort, jede gesellschaftliche Institution hat eine eigene, historisch generierte emotionale Signatur. Dahinter steckt eine Menge Vernunft und Verstand. Kurzum: wir sollten die krasse Entgegensetzung von Vernunft und Gefühl ad acta legen. Gefühle sind nichts Irrationales.«

Das wussten schon die Halleschen Pietisten im 18. Jahrhundert, als sie in einer Zeit, in der die Aufklärung begann, die Vernunftbegabung über alle anderen menschlichen Eigenschaften zu stellen, ein ganzheitliches Menschenbild entwarfen, das die Emotionen selbstverständlich einschloss. Wider alle »Unruhe des Herzens« ist der Beitrag von Dr. Brigitte Klosterberg überschrieben, die das Tagebuchschreiben als fromme und emotionale Praxis am Halleschen Waisenhaus vorstellt. Maria Junker, Volontärin in der Kustodie, erlaubt im Magazin, Affekte und Gefühle im Halleschen Pietismus nachzulesen. 

Einen Einblick darin, welchem Zweck Emotionen in unserem Alltag heute dienen, was sie bewirken, wie sie uns beeinflussen, warum wir sie brauchen und wie wir mit ihnen umzugehen lernen, gibt die Kuratorin der Jahresausstellung »Die Macht der Emotionen«, Susanna Kovacs.  Der interaktive Gefühls-Parcours richtet sich in diesem Jahr vor allem - aber nicht nur - an Jugendliche und junge Erwachsene. Die kommen im Magazin in der Reportage zum TiQ selbst zu Wort. Birgit Pfeiffer hat den Rap-Workshop besucht und sich mit den jungen Teilnehmern über Emotionen und ihre Leidenschaft für Musik unterhalten, die sie schon auf die Bühnen in Halle geführt hat. Einige ihrer Texte sind im Anschluss an die Reportage nachzulesen. 

Emotional ging es auch her, als 60.000 Bände der Bibliothek, 4.500 Archivkartons, 1.000 Mappen mit historischen Plänen, Grafiken und Karten und 21 Gemälde im Jahr 2021 in die neuen Magazine in der Historischen Druckerei umzogen. Der Praxisbericht von Dr. Brigitte Klosterberg zeigt die neuen Unterbringungsmöglichkeiten auf und erinnert an die Situation vor dem Umzug. »Erste Überlegungen, das Gebäude als Magazintrakt für das Studienzentrum zu nutzen, gehen auf das Jahr 2005 zurück. Schon damals war absehbar, dass der Magazinplatz in Haus 22–24 nicht mehr lange reichen würde. Aufgrund dessen wurden in den letzten Jahren über das Stiftungsgelände verstreute Räume für die Lagerung von Akten und Büchern genutzt.«

Im Partnerporträt des Magazins stellt sich traditionell eine Einrichtung auf dem Stiftungsgelände vor. In diesem Jahr hat der Journalist Theo Lies das Spielehaus in der frisch sanieten Feldscheune der Meierei besucht. Wie haben sich die kleinen und großen SpielerInnen an ihrem Stammplatz wieder eingelebt?

Kurznachrichten aus Wissenschaft, Kultur und Bildung sowie Höhepunkte des Kulturprogramms machen neugierig auf das Jahresprogramm, das von der Pandemie gelenkt wird: Die Veranstaltungen werden analog, hybrid oder digital geplant.

Franckesche Stiftungen Magazin 2022: Ganz im Affekt
64 Seiten mit vielen farbigen Abbildungen, kostenlos (nur Abholung) erhältlich im Informationszentrum der Franckeschen Stiftungen. Gerne stellen wir Ihnen das Magazin auch zum Herunterladen zur Verfügung