Bildband: Die Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen

Wissenschaft
Merian zählt die Kunst- und Naturalienkammer im Historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen zu den 60 schönsten Museen in Deutschland. Der Verlag Taschen listet die einzige vollständig erhaltene barocke Wunderkammer am authentischen Ort mit 18 außergewöhnlichen Sammlungen in ganz Europa in »Cabinet of Curiosities«. Im Verlag der Franckeschen Stiftungen bietet ein reich ausgestatteter Bildband einzigartige Fotos und spannende Texte mit vielen Quellenzitaten aus der Entstehungsgeschichte der Sammlung. Ein einzigartiger Einblick in ein einzigartiges Museum.

1698 gründete August Hermann Francke (1663–1727) die berühmte Kunst- und Naturalienkammer des Waisenhauses, um der Anschauung des von ihm eingeführten Realienunterrichts Raum zu geben. Von Beginn an als öffentlich zugängliche Sammlung für Besucher, aber insbesondere auch für den Realienunterricht der Schulklassen der Stiftungen gedacht, ist dieser einzigartige Raum noch heute zu besichtigen. Die rund 3.000 Naturalien, Kuriositäten und Artefakte dieser einzigartigen Sammlung eröffnen dem Besucher die Welt aus einer vergessenen Perspektive. Als frühmoderner Museumsraum steht die Kammer für den umfassenden Wissenskosmos des Barock. Nach mehreren internen Raumwechseln erhielt sie zwischen 1736 und 1741 von Gottfried August Gründler (1710–1775) ihre noch heute sichtbare Gestalt im ehemaligen Schlafsaal der Waisenknaben der Franckeschen Stiftungen. In den originalen und reich verzierten Sammlungsschränken finden sich so wertvolle Objekte wie eine ganze Seychellennuss, die früheste in Deutschland nachgewiesene mongolische Handschrift oder ein ungarischer Käse, ein tätowierter Fisch und allerlei anderen Merkwürdigkeiten. Von Beginn an als öffentlich zugängliche Sammlung, aber insbesondere auch für den Realienunterricht der Schulklassen der Stiftungen gedacht, ist dieser einzigartige Raum noch heute zu besichtigen.
Der Bildband eröffnet in 150 teils großformatigen Fotografien von Klaus E. Göltz, der auch für das Buchlayout verantwortlich zeichnet, einmalige Einblicke in diese überwältigende Sammlung. Thomas Müller-Bahlke, der als Archivar zwischen 1992 und 1995 die Wunderkammer in den ruinösen Gebäuden der Franckeschen Stiftungen wiederentdeckte und am historischen Ortwieder aufstellen ließ, führt den Leser in die Geschichte der Kunst- und Naturalienkammer am Halleschen Waisenhaus im Kontext der Sammlungstraditionen der Frühen Neuzeit ein. Er zeichnet ein Bild des weitgehend unbekannten Gestalters der Kammer, des Gelehrten, Kunstmalers Gottfried August Gründler, und öffnet Schrank für Schrank die Türen zu den ganz besonderen Kostbarkeiten, ihrer Herkunft und ihrer Geschichte. Dieser literarische Rundgang garantiert dem Leser ein ganz besonderes Museumserlebnis.

Fotografien von Klaus E. Göltz. Zweite, überarbeitete und erweiterte Auflage. Halle 2012. 176 S., 152 Abb., € 42,00; ISBN 978-3-447-06986-1 Bestellen