Buchhandlung des Waisenhauses erhält Namen zurück

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Ansicht des Eingangsbereiches in die Franckeschen Stiftungen mit dem Waisenhaus, dem Francke-Wohnhaus und der Buchhandlung des Waisenhauses.

Der traditionsreiche Bücherstandort am Franckeplatz auf der Ecke zum Steinweg heißt ab dem 21. September 2021 wieder »Buchhandlung des Waisenhauses« und führt damit eine über 300-jährige Tradition fort, die 1698 mit August Hermann Francke begann. Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke übergab symbolisch das historische Signet der Waisenhausbuchhandlung und verweist auf die besondere Tradition: »Der von August Hermann Francke gegründete Bücherstandort mit Bibliothek, Druckerei, Verlag und Buchhandlung ist einzigartig. Die Buchhandlung des Waisenhauses zählt zu den ältesten noch existierenden Buchhandlungen Deutschlands. Ich freue mich, dass der historische Name an diesem traditionsreichen Ort in lebendiger Erinnerung gehalten wird.«

Die Buchhandlung des Waisenhauses geht zurück auf das Gründungsprivileg des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. im Jahr 1698 für Franckes Anstalten. Der Stiftungsgründer erhielt die Genehmigung seines Landesherrn, zusammen mit einem Waisenhaus auch Erwerbsbetriebe anzulegen, darunter die Buchhandlung. Diese firmierte später als »Buchhandlung des Waisenhauses« und war von Beginn an integraler Bestandteil des vielgliedrigen Bildungswerks. Mehr als 200 Jahre befand sich der Buchladen direkt im Waisenhaus auf der Eingangsetage. 1925 zog er dann in sein heutiges Domizil am Franckeplatz 5, einem aus dem 16. Jahrhundert stammenden Gebäude an der Ecke zum Steinweg. Bevor Francke es erwarb, war es als Gasthof »Raubschiff« berühmt/berüchtigt. Seit 1931 wurde die Buchhandlung als eigenständige GmbH fortgeführt, verblieb aber unter dem traditionsreichen Namen an ihrem Standort. Das imposante Gebäude als letztes Beispiel des historischen Stadtbildes von Glaucha wurde bis 2012 liebevoll restauriert und auch für den Buchhandelsbetrieb ertüchtigt.

Die Treuhand hatte in der Wendezeit den Geschäftsbetrieb der Buchhandlung zusammen mit dem historischen Namen »Buchhandlung des Waisenhauses« veräußert. Bei dem Übergang der Buchhandlung 2020 an den neuen Betreiber Nils Wagner, einen jungen engagierten Sortimentsbuchhändler aus Halle, war es aus rechtlichen Gründen zunächst nicht möglich, den angestammten Namen nahtlos weiterzuführen. Da dieser allerdings seitdem nicht mehr für ein Ladengeschäft genutzt wird, konnte er jetzt für die Sortimentsbuchhandlung am Gründungsstandort gerettet werden.

Buchhändler Nils Wagner hat am traditionsreichen Ort trotz der Corona-Pandemie einen modernen Bücherort entstehen lassen, der nicht nur Kindern, Eltern und Großeltern, Studierenden, Wissenschaftlern oder einfach Neugierigen ein umfangreiches Sortiment von Romanen über Kinderbücher bis zu Regionalliteratur und geisteswissenschaftlicher Fachliteratur anbietet. Mit vielen Veranstaltungen und Angeboten bereichert er das kulturelle Leben unserer Stadt. Im Sinne des Stifters bringt er sich als engagierter und verlässlicher Partner für die Bibliotheken auf dem Stiftungsgelände ein und bereichert das Veranstaltungsprogramm der Franckeschen Stiftungen und ihrer Partner auf vielfältige Weise. Zuletzt präsentierte Wagner lokale AutorInnen in einem geselligen Format zusammen mit der benachbarten Nudelmanufaktur Tranquebar. »Autorenlesungen mit Publikum werden ein Aushängeschild unserer Buchhandlung bleiben«, verspricht der Buchhändler und hat schon neues Lesevergnügen im Blick: im Oktober soll der neueste Band aus der Reihe »Forschungen zur hallischen Stadtgeschichte« präsentiert werden und bereits am 28. September wird die hallische Autorin Simone Trieder den Bildband »Sinti in der DDR« vorstellen.