»Alliance of Early Universal Museums« gründete sich in der barocken Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen

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Die Franckesche Stiftungen, die Kunstkammer Peters des Großen in St. Petersburg (Russland) und das Teylers Museum in Haarlem (Niederlande) laden dazu ein, die Frühmodernen Universalmuseen stärker in den Blick zu nehmen.

Dr. Marian Scharloo, Direktorin des Teylers Museum in Haarlem zeigt ihr Unterschrift auf dem Gründungspapier der Alliance of Early Universal Museums mit den zur Festveranstaltung online zugeschalteten internationalen Partnern.

Im Juli 2020 erschien im Verlag Taschen das opulente Werk »Cabinet of Curiosities«. 19 europäische Wunderkammern werden hier vorgestellt. Auf dem Titelbild leuchtet das Bekrönungsmotiv des Pflanzenschranks der Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen. Als einzige europäische Wunderkammer des Barock ist sie vollständig erhalten und am authentischen Ort und mit dem historischen Mobiliar bis heute zu besichtigen. Zum 25. Jubiläum der Wiedereröffnung der Sammlung nach der Sanierung des Historischen Waisenhauses gründeten die Franckeschen Stiftungen am 13. Oktober 2020 gemeinsam mit dem Museum für Anthropologie und Ethnographie »Peter der Große« - Kunstkamera in St. Petersburg (Russland) und dem Teylers Museum in Haarlem (Niederlande)  und dem Wunderkammer-Experten Arthur MacGregor (Großbritannien) die »Alliance of Early Universal Museums«. Die Idee zur Gründung der Allianz basiert auf dem Wissen, dass die frühmodernen Wunderkammern in Europa auf vielfältige Weise miteinander verbunden waren. Ziel des Verbundes ist es, aktuelle Fragen des musealen Umgangs mit überlieferten Wunderkammern oder deren erhaltenen Bestandteilen in einem breit aufgestellten Fachgremium zu diskutieren, die fachliche Expertise, die Provenienzforschung sowie die Entwicklung von Zukunftsszenarien zur Präsentation und Beforschung von Sammlungen zu intensivieren und gemeinsam zu publizieren. Frühmoderne Universalsammlungen aus ganz Europa und darüber hinaus sind eingeladen, Mitglied in der Allianz zu werden. 

Am  12. Oktober 1995, genau 25 Jahre vor der Gründung der Allianz, hatte Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke als Archivar und Historiker die Kunst- und Naturalienkammer nach umfangreichen Quellenrecherchen am originalen Platz wiedereröffnen können. »Die Einzigartigkeit der Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen liegt darin, dass alle Grundkomponenten der originalen barocken Wunderkammer erhalten sind: über 3000 Objekte aus den Bereichen der Kunst und des Lebens, die passgenauen Sammlungsschränke der Kammer mit ihren beeindruckenden farbenprächtigen Bekrönungsmalereien, der originale Raum im ehemaligen Schlafsaal des Historischen Waisenhauses sowie das museumstheoretische Konzept der Präsentation aufgrund der Kataloge aus dem 18. Jahrhundert.«, erläutert der heutige Direktor der Franckeschen Stiftungen.
Seit dieser Zeit bestehen enge Kontakte zum Museum für Anthropologie und Ethnographie »Peter der Große« – Kunstkamera der Russischen Akademie der Wissenschaften. Hier werden die erhaltenen Objekte der Sammlung des russischen Zaren Peters des Großen, ,der an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert das Russische Reich konsequent nach Europa öffnete und seine Sammlung nach dem Vorbild der europäischen Wunderkammern einrichtete, in dem eigens errichteten historischen Gebäude am Ufer der Newa direkt gegenüber der Eremitage ausgestellt. Auf Initiative der Franckeschen Stiftungen ist diese renommierte Einrichtung Gründungsmitglied der Allianz.
Das Teylers Museums in Haarlem beleuchtet einen Aspekt der Universalmuseen, der sich nicht in die Wunderkammern einfügt. Pieter Teyler van der Hulst (1702–1778) legte als Privatmann umfangreiche Sammlungen von Kunstgegenständen, Naturalien und wissenschaftlichen Instrumenten an, die Reisende bei ihm besichtigen konnten. Testamentarisch stiftete er sie für ein Museum, das 1784 in Haarlem eröffnet wurde.

Kultureinrichtungen können heute das Band sein, das das Haus Europa im Inneren zusammenhält. Die Gründungsmitglieder aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Russland wollen bewusst diesen Akzent setzen und das neue Netzwerk Schritt für Schritt erweitern. 2021 ist eine Tagung in Haarlem geplant, die 2022, im 350. Jubiläumsjahr Peters des Großen, eine internationale Konferenz in St. Petersburg vorbereitet.