»Alliance of Early Universal Museums« gegründet mit der original erhaltenen barocken Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen

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Die Franckeschen Stiftungen gründeten am 13. Oktober 2020 mit der Kunstkammer Peters des Großen in St. Petersburg (Russland) und dem Teylers-Museum in Haarlem (Niederlande) die »Alliance of Early Universal Museums«.

Blick in den Freylinghausen-Saal. Über eine Leinwand auf der Bühne sind die Gründungsmitglieder zugeschaltet.

Im Juli 2020 erschien im Verlag Taschen das opulente Werk »Cabinet of Curiosities«. 19 europäische Wunderkammern werden hier vorgestellt. Auf dem Titelbild leuchtet das Bekrönungsmotiv des Pflanzenschranks der Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen. Als einzige europäische Wunderkammer des Barock ist sie vollständig erhalten und am authentischen Ort und mit dem historischen Mobiliar bis heute zu besichtigen. »Die Einzigartigkeit der Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen liegt darin, dass alle Grundkomponenten der originalen barocken Wunderkammer erhalten sind: über 3000 Objekte aus den Bereichen der Kunst und des Lebens, die passgenauen Sammlungsschränke der Kammer mit ihren beeindruckenden farbenprächtigen Bekrönungsmalereien, der originale Raum im ehemaligen Schlafsaal des Historischen Waisenhauses sowie das museumstheoretische Konzept der Präsentation aufgrund der Kataloge aus dem 18. Jahrhundert.«, erläutert der Direktor der Franckeschen Stiftungen Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke. Vor genau 25 Jahren, am 12. Oktober 1995, hatte er als Archivar und Historiker die Kammer nach umfangreichen Quellenrecherchen am originalen Platz wiedereröffnen können.

Der Bildband »Cabinet of Curiosities« lässt eine wichtige Sammlung der Frühen Neuzeit vermissen: Die Kunstkammer des russischen Zaren Peters des Großen, der an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert das Russische Reich konsequent nach Europa öffnete und seine Sammlung nach dem Vorbild der europäischen Wunderkammern einrichtete. Partner der Franckeschen Stiftungen ist seit 25 Jahren das Museum für Anthropologie und Ethnographie »Peter der Große« – Kunstkamera der Russischen Akademie der Wissenschaften. Hier werden die erhaltenen Objekte der Sammlung Peters des Großen in dem eigens errichteten historischen Gebäude am Ufer der Newa direkt gegenüber der Eremitage ausgestellt. Auf Initiative der Franckeschen Stiftungen ist diese renommierte Einrichtung Gründungsmitglied in einem Verbund der europäischen Wunderkammern:

Am 12. und 13. Oktober 2020 trafen sich die Franckeschen Stiftungen (Deutschland) und die Kunstkamera (Russland) zusammen mit dem Wunderkammer-Experten Arthur MacGregor (Großbritannien) und dem Teylers-Museum in Haarlem (Niederlande) zu einem Gründungsworkshop für die »Alliance of Early Universal Museums«. Die Idee zur Gründung des Netzwerks basiert auf dem Wissen, dass die frühmodernen Wunderkammern in Europa auf vielfältige Weise miteinander verbunden waren.

Kultureinrichtungen können heute das Band sein, das das Haus Europa im Inneren zusammenhält. Die Gründungsmitglieder aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Russland wollen bewusst diesen Akzent setzen und das neue Netzwerk Schritt für Schritt erweitern. Von gemeinsamem Interesse sind der Austausch über aktuelle Fragen des musealen Umgangs mit überlieferten Wunderkammern oder deren erhaltenen Bestandteilen, die fachliche Expertise, die Provenienzforschung, die Entwicklung von Zukunftsszenarien zur Präsentation und Beforschung von Sammlungen aber auch die Frage nach gemeinsamen Publikationen. Forschungen auf diesem Feld sind in wissenschaftlicher Hinsicht besonders vielversprechend. Zwei große Ereignisse rahmen den Gründungsworkshop: Am 12. Oktober jährte sich die Wiedereröffnung der Kunst- und Naturalienkammer nach der Sanierung des Historischen Waisenhauses zum 25. Mal. Das Museum für Anthropologie und Ethnographie »Peter der Große« - Kunstkamera plant im Jahr 2022 für das 350. Jubiläum Peters des Großen eine Ausstellung zur Wunderkammer des russischen Zaren.