Tagungen

Teilnehmer eines international besetzten Gesprächs am runden Tisch im Freylinghausen-Saal

Die Stabsstelle führt organisiert jährlich mehrere Tagungen und nimmt selbst an international besetzten Tagungen teil.

Internationale Begegnungen

Lutheraner in Russland und Sibirien: Frömmigkeit – Forschung – Kultur

Internationale wissenschaftliche Konferenz zu den wechselseitigen deutsch-russischen Beziehungen im 18. Jahrhundert. 23. Deutsch-Russische Begegnungen in den Franckeschen Stiftungen in Verbindung mit der 10. Jahrestagung der Internationalen Georg-Wilhelm-Steller-Gesellschaft e.V.

Die 23. Deutsch-Russischen Begegnungen 2017 in Halle (Saale) widmeten sich im Jahr des 500. Jubiläums der Reformation der Frage, wie Lutheraner in Russland und Sibirien im 18. Jahrhundert wirkten. Im Mittelpunkt standen dabei die Expeditionen der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg nach Sibirien sowie die Beteiligung der Halleschen Pietisten daran. Die Tagung legte den Fokus auf das Spannungsfeld zwischen Frömmigkeit, Forschung und Kultur. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem Erlernen und Anwenden des Russischen im frühen 18. Jahrhundert gewidmet.

Kommunikationsgeschichte und Kulturtransfer

Die Franckeschen Stiftungen widmen sich der Erforschung und Vermittlung der kommunikationsgeschichtlichen Dimension ihrer Vergangenheit in Europa, Russland, Nordamerika und Indien. Daraus resultiert eine große Vielfalt an Themen, Projekten und Kooperationen. Alle Arbeitsbereiche der Stiftungen sind in unterschiedlicher Weise daran beteiligt, so auch das Projekt »Pietistische Kommunikationsnetzwerke«. Im Rahmen der Stabsstelle wurden beispielsweise zuletzt kooperative Projekte zum Kulturtransfer zwischen den Niederlanden und Mitteldeutschland (»Goldenes Zeitalter und Jahrhundert der Aufklärung«) mit der Dessau-Wörlitz-Kommission am IZEA sowie der Kulturstiftung DessauWörlitz und zu den Englandbeziehungen (»London und das hallesche Waisenhaus«) mit dem Deutschen Historischen Institut London (s. auch Hallesche Forschungen Band 39 im Verlag der Franckeschen Stiftungen) durchgeführt.

Derzeit rücken der Kulturtransfer und die kommunikativen Prozesse mit Osteuropa im langen im 18. Jahrhundert in den Blick. Ende 2015 fand in der Reihe »Internationale Begegnungen« unter der Regie von Friederike Lippold ein Workshop zum Thema »Das Hallesche Waisenhauses und Ost-Mitteleuropa im 18. Jahrhundert – neue Forschungen und Fragen« statt.

Ebenfalls in der Reihe »Internationale Begegnungen« veranstalteten Friederike Lippold, Britta Klosterberg und Holger Zaunstöckim Oktober 2018 einen international besetzten Workshop zu den Verbindungen des Halleschen Waisenhauses zum Königreich Ungarn und dem Fürstentum Siebenbürgen in der Frühen Neuzeit.

Im Zusammenhang mit der Jahresausstellung »Durch die Welt im Auftrag des Herrn. Reisen von Pietisten im 18. Jahrhundert« widmet sich die Stabsstelle Forschung in einem Workshop im April 2018 der Frage, ob es einen pietistischen Einfluss auf die Reisekultur des 18. Jahrhunderts gegeben hat und wie dieser zu fassen sein könnte.

In diesem Forschungskontext ist auch die gemeinsame Tagung »Zur Verbreitung der Wissenschaften und zum Nutzen der Menschheit«: Zum 250. Jahrestag der physikalischen Expeditionen der Akademie der Wissenschaften« / »К распространению наук и в пользу человеческого рода…«: К 250-летию »физических« экспедиций Академии наук« vom 19.-21. November 2018 mit der Kunstkamera in St. Petersburg – Музей антропологии и этнографии им. Петра Великого (Кунсткамера) einzuordnen. Die Tagung fand in den Räumen der Kunstkamera in St. Petersburg statt.

Hallescher Pietismus

Pietismus, Aufklärung und Mehrsprachigkeit. Fremdsprachenlernen, Übersetzen und interkulturelle Verständigung im Umfeld der Universität Halle und der Glauchaschen Anstalten

Kooperationspartner: Matthias-Kramer-Gesellschaft für die Erforschung der Geschichte des Fremdsprachenerwerbs und der Mehrsprachigkeit sowie Prof. Dr. Mark Häberlein (Bamberg)

An der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert entwickelte sich Halle zu einem der wichtigsten Lern- und Vermittlungsorte für Fremdsprachen in Mitteleuropa. An den Glauchaschen Anstalten wurden Schüler in Fremdsprachen unterwiesen, (religiöse) Texte übersetzt sowie Missionare, Pfarrer und Lehrer für den Einsatz in Osteuropa, Indien und Nordamerika rekrutiert und ausgebildet. Die Universität Halle bot Fremdsprachenunterricht an, und Professoren der Universität traten als Vermittler fremdsprachlicher Literatur hervor. Zu diesem Themenkomplex (nicht nur) der Stiftungsgeschichte fand im Sommer 2015 eine interdisziplinäre Tagung statt, auf der die vielfältigen sprachlichen und kulturellen Beziehungen Halles mit West- und Osteuropa sowie der außereuropäischen Welt im 18. Jahrhundert thematisiert und in ihren sprach-, religions- und geistesgeschichtlichen Kontexten verortet wurden.
Die Ergebnisse der Tagung sind im Band »Halle als Zentrum der Mehrsprachigkeit im langen 18. Jahrhundert« der Reihe »Hallesche Forschungen« im Verlag der Franckeschen Stiftungen erschienen.

Wie pietistisch kann Adel sein? Hallescher Pietismus und Adel im langen 18. Jahrhundert

Kooperationspartner: Historische Kommission für Sachsen-Anhalt

Die Lebenswelt des Adels war im Barock stark von weltlichen Belangen geprägt. Die Repräsentation des Standes, des Rangs und Ruhms der eigenen Familie, verlangte nach Sichtbarkeit. Auf den ersten Blick scheint das mit dem pietistischen Ideal frommer Lebensführung und ständeübergreifender Reform nur schwer vereinbar zu sein. Doch zeigt der Befund an den Quellen, dass August Hermann Francke und sein Sohn Gotthilf August zum Adel – nicht nur – in Mitteldeutschland intensive Beziehungen unterhielten. Die Korrespondenzen zeigen ein weitreichendes Adelsnetzwerk auf, das im Waisenhaus in Glaucha zusammenlief. Vor diesem Hintergrund fragte der Tag der Landesgeschichte 2014 nach der Verflechtung von Halleschem Pietismus und Adel auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Der Landesgeschichtstag war zugleich eine wissenschaftliche Begleitveranstaltung zur Jahresausstellung der Stiftungen 2014 »Mit göttlicher Güte geadelt«.
Der Tagungsband ist in der Reihe »Quellen und Forschungen zur Geschichte Sachsen-Anhalts« der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt erschienen und wurde am 28.09.2016 um 19 Uhr im Wernigeröder Kunst- und Kulturverein (Marktstraße 1, 38855 Wernigerode) offiziell vorgestellt.

Im weiteren Kontext dieses Themas steht ebenfalls die Drucklegung der Ergebnisse der Tagung »Francke und seine Könige. Hallischer Pietismus und Preußen (1690–1750)«, die zusammen mit Prof. Dr. Benjamin Marschke (Humboldt State University Arcata/Kalifornien) und dem Interdisziplinären Zentrum für Pietismusforschung (PD. Dr. Christian Soboth) sowie in den Stiftungen mit dem Studienzentrum August Hermann Francke (Dr. Brigitte Klosterberg) konzipiert worden ist. Die Ergebnisse wurden jüngst im Band 48 der »Halleschen Forschungen« unter dem Titel »Hallesches Waisenhaus und Berliner Hof. Beiträge zum Verhältnis von Pietismus und Preußen« im Verlag der Franckeschen Stiftungen veröffentlicht.