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Halle und Züllichau als pietistische Bildungseinrichtungen

Polnisch-deutsches Forschungsprojekt 2016-2019

Halle i Sulechów jako ośrodki pietyzmu i edukacji.
Przepływ myśli pedagogicznej i wydawniczej. Rodowody społeczne wychowanków i kadry pedagogicznej oraz ich kariery zawodowe

Halle und Züllichau als pietistische Bildungseinrichtungen.
Austausch der pädagogischen und verlegerischen Ideen. Soziale Herkunft der Schüler und der Lehrer sowie ihre beruflichen Karrieren

1698 gründete August Hermann Francke (1663-1727) vor den Toren Halles in Brandenburg ein Waisenhaus, das heute als Symbol für die nach der Reformation Martin Luthers bedeutendste Gesellschafts- und Bildungsreform der Frühen Neuzeit weltweit bekannt ist. Emissäre, ehemalige Schüler und in der Schulstadt August Hermann Franckes ausgebildete Lehrer und Pastoren trugen die halleschen Bildungsreformen nicht nur nach Nord- und Westeuropa sondern vor allem auch nach Osteuropa bis nach Russland.

In Züllichau/ Sulechów entstand 1719 ein Waisenhaus mit Schulen nach halleschem Vorbild und einer eigenen Verlagsdruckerei. Im schlesischen Cieszyn/ Teschen betreuten Lehrer und Pastoren aus dem Umfeld des Halleschen Pietismus die evangelisch-lutherische Gemeinde und die Schule der 1709 errichteten Gnadenkirche.

Waisenhaus in Züllichau

Im Rahmen eines dreijährigen Projektes fördert das polnische Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen innerhalb des Programms zur Förderung der Geisteswissenschaften (Position 21) jetzt grundlegende Forschungen zu den Verbindungen zwischen Halle und Züllichau sowie der Ausstrahlung der Ideen des Halleschen Pietismus. Das Projekt ruht auf zwei Säulen. Zum einen sollen die Verbindungen zwischen Halle und Züllichau im 18. Jahrhundert im Bereich des Verlagswesens und Buchhandels, zum anderen die Verbindungen im Bildungsbereich (Schüler, Lehrer) untersucht werden.

Buchdruck und Buchtransfer
Das nach dem Vorbild des Halleschen Waisenhauses von Siegmund Steinbart (1677-1739) und seinem Sohn Johann Christian gegründete bzw. geführte Waisenhaus in Züllichau verfügte auch über eine mit einem Verlag verbundene Buchdruckerei, in der nicht nur die „Warhafftige und umständliche Nachricht“ über die Gründung und den Fortgang des Waisenhauses in Züllichau nach dem Vorbild der „Segensvollen Fußstapfen“ August Hermann Franckes seit 1723 herausgegeben wurde, sondern weitere Drucke, primär theologischen Inhalts. Unter den Autoren stand unter anderem Johann Jacob Rambach (1693-1735) dem Halleschen Waisenhaus nahe. In dem Projekt sollen die im Waisenhaus zu Züllichau gedruckten und verlegten Werke erstmals systematisch bibliographisch erfasst und ihre Verbreitung in deutschen und polnischen Bibliotheken nachgewiesen werden (Standortnachweise). Im Gegenzug werden die Drucke aus dem Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses zu Halle im 18. Jahrhundert in einer Datenbank mit den Standorten in deutschen und polnischen Bibliotheken verzeichnet.
Durch das Projekt soll der regionale Ideen- und Buchtransfer zwischen Halle und Schlesien in der Frühen Neuzeit, insbesondere zwischen dem Halleschen Waisenhaus und dem Waisenhaus in Züllichau, verdeutlicht und damit eine quellenbasierte Grundlage für eine weitere, vertiefte Erforschung des kulturellen Austauschs der beiden Regionen im 18. Jahrhundert geschaffen werden.

Schulen, Schüler, Lehrer
Anhand der Schüler- und Informatorenverzeichnisse der Schulen in den Franckeschen Stiftungen sowie der Matrikel und Schulprotokolle der Realschule in Züllichau/ Sulechów (1768-1875) sollen Schüler und Lehrer, ihre Herkunft, ihre Bildungsbiographie und ihr Werdegang untersucht werden, wobei der Schwerpunkt auf dem Quellenmaterial zu der Realschule in Züllichau/Sulechów liegen wird. Die Daten sollen unter anderem die Verbindungen zwischen den Schulen und die personellen Netzwerke zwischen Halle und Züllichau bzw. Schlesien, etwa auch zu der Schule an der Jesuskirche im schlesischen Cieszyn/ Teschen, sichtbar machen.

Drei wissenschaftliche Workshops in Sulechów/ Zielona Góra, Halle und Cieszyn werden das Projekt begleiten. Der erste gemeinsame Workshop(PDF, 380 kB) findet vom 7. bis 10. Dezember 2016 in Sulechów und Zielona Góra statt. Die Ergebnisse der Quellenarbeit und der wissenschaftlichen Forschungen werden im Rahmen des Projektes veröffentlicht.

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt wird von einer polnisch-deutschen Arbeitsgruppe unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Bogumiła Burda, Universität Zielona Góra, realisiert.

Zu den Mitgliedern der Arbeitsgruppe zählen:
Anna Chodorowska M.A., Universität Zielona Góra, Projektassistenz
Dr. Brigitte Klosterberg, Franckesche Stiftungen zu Halle,
Prof. Dr. Jarochna Dąbrowska, Universität Zielona Góra,
Dr. Bogumiła Maria Husak, Universität Zielona Góra,
Prof. Dr. Piotr Krzysztof Marszałek, Fachhochschule Sulechów,
Ewa Elżbieta Majcherek M.A., Fachhochschule Sulechów,
Dr. Stefan Dąbrowski

 

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