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Die "Hallesche Rechtschreibung"

Gezielt wurde das Vorhaben, die deutsche Orthographie zu vereinheitlichen, […] erst seit dem 18. Jahrhundert von den sogenannten Grammatikern, unter ihnen Hieronymus Freyer (1675 bis 1747) und Johann Christoph Adelung (1732 bis 1806), in Angriff genommen. Beide setzten sich für eine an phonetischen und logischen Gesichtspunkten orientierte Rechtschreibung ein. Jacob Grimm (1785 bis 1863) fühlte sich dagegen dem historischen Prinzip verpflichtet und forderte die Berücksichtigung wortgeschichtlich richtiger Schreibweisen. (aus der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Rechtmäßigkeit der Rechtschreibreform)

In den Franckeblättern 2104 Heft 2 hat die „Arbeitsgruppe ehemalige Lehrer und Schüler der Franckeschen Stiftungen“ die Geschichte der Rechtschreibung in der Begründung des Bundesverfassungsgerichts für die Rechtmäßigkeit der Rechtschreibreform unter die Lupe genommen. Im Fokus stehen die im obigen Zitat genannten Vorreiter der deutschen Orthographie Hieronymus Freyer und Johann Christoph Adelung, die beide auf das engste mit den Bildungsreformen des Halleschen Pietismus verbunden waren. Freyer war seit 1698 als Lehrer und ab 1705 als Inspektor des Königlichen Pädagogiums Weggefährte August Hermann Franckes (1663-1727). Dieser vertraute Freyer ab 1707 auch die Leitung des Seminarium Selectum an, einem Lehrerbildungsseminar, das Francke als Teil seiner Bildungsreformen erstmals konzipiert und eingerichtet hatte.

1722 erschien Freyers Werk „Anweisung zur Teutschen Orthographie“ in der Verlagsdruckerei des Halleschen Waisenhauses, mit dem sich der Autor in die Orthographiegeschichte einschrieb. In der Einleitung zu diesem zweibändigen Werk wies Freyer auf die Schwierigkeiten dieses Unterfangens hin: Geneigter Leser. Eine Teutsche Orthographie schreiben zu wollen, ist eine Sache: wobey sich im Fortgange mehr Schwierigkeiten äußern, als man anfangs denken möchte. Man hat zu thun, daß man dabey mit sich selbst einig werden kann: geschweige, daß man andere völlig und ohne Ausnahme vergnügen soll.„ Trotzdem kann er vier Hauptregeln herausarbeiten, die in Band 1 erschienen. Die Rechtschreibung richtet sich demnach nach der Aussprache (gesprochene Laute sind zu schreiben, nicht gesprochene Laute fallen weg), nach der Abstammung (färben statt ferben von Farbe), nach der Analogie (Partey statt Parthey wegen Abtey) und nach dem Schreibgebrauch, wenn der nicht gegen die drei anderen Prinzipien verstößt.

Als „Hallesche Rechtschreibung“ fanden diese Grundregeln kurz nach ihrer Erscheinung Verbreitung als Standardwerk der Orthographie in den deutschen Schulen.

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