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Objekt des Monats

Justin Töllners Biblisches Spruchbuch – Lektüre für Kinder im frühen 18. Jahrhundert


Im Mittelpunkt des Religionsunterrichts standen nach der Auffassung Franckes die Bibel und der Katechismus Luthers. So formulierte er bereits 1693 in seinem Glauchischen Gedenck-Büchleinprogrammatisch:

Weil auch der Catechismus aus der heiligen Schrifft genommen/ und also der Grund der Seeligkeit von einem Christen billig aus der heiligen Schrifft selbst erkant werden solle/ so habe ich zu diesen Zweck nichts dienlicheres befunden/ als daß die Kinder bey zeiten angeführet werden/ selbst die H. Schrifft auffzuschlagen/ und dasjenige/ was sie aus dem Catechismo gelernet/ durch die Sprüche der H. Schrifft zu beweisen. So wünsche ich nun/ daß alle Eltern so Christlich gesinnet wären/ […] ein iegliches Kind mit einer bequemen Hand=Biebel versehen möchten.

Francke selbst setzte mit finanzieller Unterstützung des Freiherrn Carl Hildebrand von Canstein (1667-1709) seine Forderung, die Bibel möglichst preiswert allen Gläubigen in die Hand zu geben, mit der Gründung der ersten Bibelanstalt der Welt um. Seiner Auffassung nach zählte das Wort Gottes mehr als die bildliche Darstellung biblischer Historien. Deshalb ließ er die Bibel auch nicht mit Illustrationen ausstatten. Um deren Inhalte kompakt und eingängig vermitteln zu können, verfasste Justin Töllner (1656-1718), ab 1697 Inspektor des Waisenhauses, ein Biblisches Spruchbuch, das 1700 zum ersten Mal unter dem Titel Herrlicher Schatz der Kinder Gottes erschienen ist und sechs Auflagen erfahren hat. Dieses Spruchbuch zu Luthers Kleinem Katechismus beinhaltete 1.900 biblische Sprüche, die für ein Pensum von drei Jahren reichten und nach dem Kirchenjahr geordnet waren. Es richtete sich an Lehrer, Studenten und Kinder gleichermaßen, wie der Vorrede zu entnehmen ist:

Können dieses Spruch=Buch sonderlich wohl gebrauchen die Kinder/ als welche/ durch gute Anweisung ihrer treulichen Praeceptorum oder Schulmeister/ aus demselben nach und nach einen herrlichen Seelen=Schatz bekommen/ daß sie sich dessen zu aller Zeit zu ihrer geistlichen Erbauung und Nutzen/ wie auch nach Gelegenheit zu ihrem Trost/ gebrauchen können.

Trotz der Skepsis Franckes gegenüber illustrierten Bibeln wurden aber im Unterricht der Stiftungsschulen reale Anschauungsobjekte, wie beispielsweise ein Modell des Salomonischen Tempels in der Kunst- und Naturalienkammer oder biblische Landkarten, mit der Bibellektüre verknüpft. Die von Comenius entwickelte, und von Francke hoch geschätzte und weiter entwickelte Realienpädagogik, die auf praktisch verwertbares Erfahrungswissen zielte, verband so die beiden wichtigsten Erziehungsziele Franckes, die Anleitung zur wahren Gottseligkeit und zur christlichen Klugheit.

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Töllner, Justin: Herrlicher Schatz der Kinder GOttes/ das ist/ Biblisches Spruch=Buch/ in welchem zufinden die vornehmsten Glaubens=Lehr=Lebens= und Trost=Sprüche/ wie auch viel feine bekandte Reim=Gebetlein auff alle Sonn=und Fest=Tage/ Nebenst einem vierfachen nützlichen Register/ darunter das Dritte als eine kleine Real=Concordantz kan gebraucht werden/ Zu Nutz/ Gebrauch und Erbauung so wol Christlicher Praeceptorum, Schulkinder/ Prediger und Studiosorum Theologiae, als auch aller anderer Christen/ wie davon deutliche Nachricht in der Vorrede zu finden/ zusammen getragen von JUSTINO Töllnern. Halle: Waisenhaus, 1700. BFSt: 4 H 12 [1].

 

2. Aufl. 1705, ab der 3. Auflage 1709 unter dem Titel Biblisches Spruch=Buch, 4. Aufl. 1712, 5. Aufl. 1717, 6. Aufl. 1724.

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