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Doppelkolloquium im Rahmen des Liselotte-Kirchner Stipendienprogramms

Öffentliches Kolloquium im Rahmen des Liselotte-Kirchner Stipendienprogramms der Franckeschen Stiftungen zu Halle | Donnerstag, 29. Juni 2017 | 14:30 Uhr | in geselliger Atmosphäre im Indienzimmer des Historischen Waisenhauses (Franckeplatz 1, Haus 1, 06110 Halle (Saale)) mit den Vorträgen von Matteo Revolti und Philippa Koch.

Das Kolloquium wird diesmal als Doppelveranstaltung stattfinden. Nach dem Vortrag von Matteo Revolti (Beginn 14:30 Uhr) wird es eine kurze Pause geben, an die sich der Vortrag von Philippa Koch (etwa 16:15 Uhr) anschließen wird.

 

Gottfried August Gründler, die Wunderkammer und Linnés Systema Naturae

Dr. Matteo Revolti (Frankfurt am Main/Trento)

Im Jahr 1760 gab die Buchdruckerei Curt in Halle die 11. Auflage des wegweisenden Systema Naturae von Carl von Linnè heraus. Das Frontispiz war sehr bedeutungsvoll: Es zeigte einen fiktiven Linné, der die zoologische Welt beschreibt. Diese Illustration versuchte die göttliche Schöpfung und die Naturwissenschaften zu vereinen. Ausgedrückt wurde dies durch das Motto „numeros et nomina“. Autor dieser Illustration war der vielseitige Künstler und Naturforscher August Gottfried Gründler (1710-1775), der Gestalter der „Wunderkammer“ im Waisenhaus. Der Vortrag versucht, das Projekt der 11. Auflage des Systema Naturae und einen Aspekt der Geschichte von Halle im 18. Jahrhundert zu beleuchten. Erstens, ist das Ziel zu überprüfen ob man von einer „Linneanischen Gemeinschaft“ in Halle sprechen kann. Gemeint ist damit ein Netzwerk von Naturforschern und Missionaren, das sich über Halle hinaus bis nach Indien und Schweden erstreckte. Zweitens fragt der Vortrag danach, welche ikonographischen Quellen und zoologischen Sammlungen die Illustration Gründlers der Systema Naturae inspiriert haben. Denn diese Abbildung geht über die traditionellen Illustrationen der Genesis hinaus, und das Motto „numeros et nomina“ erscheint nicht in der Bibel. Dieses Zitat wurde von Johann Joachim Lange (1699-1765) in der Einleitung der Systema Naturae gewählt, um die Innovation des Linneanischen Systems zu zeigen. Tatsächlich bezeichnete „numeros et nomina“ den Kern von Linnés System, d.h. alle Geschöpfe können geordnet werden.

 

Protestant Responses to Sickness in Eighteenth-Century North America

Prof. Philippa Koch (Springfield/Missouri)

This lecture explores the writings of Samuel Urlsperger, an important Pietist in Augsburg, who wrote Der Kranken Gesundheit und der Sterbenden Leben, a pastoral manual on sickness first published in 1723, which made its way to the North American colonies through the Salzburger community in Georgia. Historians have argued that eighteenth-century Protestants were taught to resign themselves passively to pain, and that the meanings assigned to sickness were part of leaders’ efforts to exert power and control. This lecture argues, instead, that there was nothing passive about Protestant teachings on sickness. By looking closely at both published and manuscript writings of Urlsperger and other Protestant leaders, we see that they in fact encouraged a very active response to sickness—through reflection and repentance, a sufferer could seek meaning and consolation.

Protestantische Reaktionen auf Krankheit im Nordamerika des 18. Jahrhundert

Prof. Philippa Koch (Springfield/Missouri)

Der Vortrag befasst sich mit Samuel Urslpergers Arbeit „Der Kranken Gesundheit und der Sterbenden Leben“ – ein Handbuch über Krankheiten für Seelsorger, das 1723 veröffentlicht wurde und durch die Salzburger Immigranten Eingang in die nordamerikanischen Kolonien fand. Die Forschung hat bisher den Standpunkt vertreten, dass den Protestanten des 18. Jahrhunderts beigebracht wurde, sich mit Schmerzen sowie Umständen und Auswirkungen einer Krankheit abzufinden, diese zu ertragen und passiv zu sein. Zugleich wurden Krankheiten mit moralischen Bedeutungen aufgeladen, was religiöse Führungsfiguren in den amerikanischen Gemeinden nutzten, um Kontrolle auszuüben. Der Vortrag wird dagegen aufzeigen, dass die protestantischen Schriften und Lehren keinesfalls Passivität im Umgang mit Krankheit lehrten. Ein genauerer Blick in die gedruckten Schriften sowie handschriftlichen Manuskripte Urlspergers und anderer protestantischer Kleriker offenbart vielmehr, dass sie zu einem sehr aktiven Umgang mit Krankheiten aufgeforderten: Reflektion und Buße sollten die Kranken zu Sinngebung und Trost führen.

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