AAA

Objekt des Monats

Eine tschechische Bibel „ … noch zu Lutheri Zeiten gedrucket …“

"Diese edle Bibel, wofür Gott im Himmel ewig gelobet sey, habe ich von H. Samuel Ruthen, einem Bürger in Barby gekauffet, und wurde mir von da mit der Post nach Halle geschicket. Er hat sie selbst mit aus Böhmen gebracht. Sein H. Vater Matthias Ruthe hat dieselbe von seinem Seel. Schwieger-Vater H. Andrea Rosen, einem Prediger auf einem Dorffe 3 Meilen von Prag, da sie noch zu Lutheri Zeiten gedruckt ist, ererbet; als dieser der Religion wegen aus dem Königlichen Böhmen gewiesen …"

Bibel1537-1 

So hat es Heinrich Milde (1676-1739), der zu den engsten Mitarbeitern August Hermann Franckes gehörte, in seine Bibel geschrieben, die bis zum 26. 3. 2017 in der Ausstellung "Wissensspeicher der Reformation" im Hauptgebäude der Franckeschen Stiftungen zu sehen ist. Heinrich Milde war für die Pflege der slawischen Sprachen und die im Waisenhaus gedruckten Übersetzungen verantwortlich. Es handelte sich in erster Linie um Bibeln, Traktate und Katechismen, die die halleschen Pietisten den aus ihrer Heimat vertriebenen Protestanten in deren Muttersprache zur Verfügung stellen wollten. Die Rekatholisierung der böhmischen Länder hatte zur Auswanderung der Protestanten, die nicht zum Katholizismus konvertieren wollten, und zur Verdrängung der tschechischen Sprache als "Sprache der Ketzer und Rebellen" geführt.

Bibel1537-4 

Mildes Bemühungen um diese böhmischen Exulanten führten ihn Anfang August 1720 in die kleine Exulantenkolonie Ves Panĕ (Wespen) bei Barby. Er unterrichtete den dortigen Pfarrer Ernst Bogislav Ventzke (1681-1758) in der tschechischen Sprache, so dass dieser der Exulantenkolonie aus der Bibel vorlesen und sich verständigen konnte. Als Dank für seine Bemühungen überließ ihm Samuel Ruthe, ein Mitglied dieser Gemeinde, einige tschechische Bücher. Dazu gehörte auch diese tschechische Bibel aus dem Jahr 1537, die in der Druckerei von Paul Severin in Prag hergestellt wurde. Die kolorierte Bibel weist starke Gebrauchsspuren und durchgehend Notizen Heinrich Mildes auf. Milde hatte die Gewohnheit, in seine Bücher mit ausladender Schrift Bemerkungen, theologischen Betrachtungen und Gedanken zu schreiben, die er oft mit dem Wahlspruch "Sursum Corda" oder einem "Halle-lujah!" enden ließ. Seine ca. 1000 Titel umfassende Privatbibliothek wurde in den letzten Jahren katalogisiert und kann auch über das Recherchefeld "Provenienzen" im OPAC der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen recherchiert werden.

Bibel1537-2 

Biblij Česka. [Prag] : [Paul Severin], 1537
BFSt: 6 A 10

Sie verwenden einen veralteten Browser.
Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser oder aktivieren Sie Google Chrome Frame.

Bitte aktivieren sie Javascript um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.