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Objekt des Monats

Privileg von Friedrich August III., Kurfürst von Sachsen, für David Samuel von Madai und die Familie Richter in Halle

betreffend den Verkauf der gefälschten sogenannten Halleschen Waisenhausmedikamente.
Dresden, 12.06.1769
Signatur: AFSt/W  III/I/18

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David Samuel von Madai, geboren am 4. Januar 1709 in Schemnitz, war nach seinem Medizinstudium an der Universität Halle und seiner Promotion zum Doktor der Medizin seit 1739 Leiter der Medikamentenexpedition des Waisenhauses in Halle. Diese war zunächst zwar nur ein Anhängsel der 1698 privilegierten Apotheke des Waisenhauses, entwickelte sich jedoch so rasant, dass ihre Umsätze zu einer wichtigen Einnahmequelle der Franckeschen Stiftungen wurden.

Worauf basierte dieser Erfolg? Ausgangspunkt war das Fleckfieber, das 1699 in Halle grassierte und auch die noch jungen Anstalten Franckes betraf. Im darauffolgenden Jahr erhielt Francke von Johann Fischer, Generalsuperintendent und zur Schlichtung theologischer Streitigkeiten nach Halle berufen, verschiedene Rezeptvorschriften, darunter eine, die das Fieber recht wirksam bekämpfte. Ein Jahr später erhielt Francke von einem Herrn Burgsteller auf dessen Sterbebett einige pharmazeutisch-chemische Schriften, die unter anderem eine Rezeptur für eine goldhaltige Tinktur enthielten (siehe Akte AFSt/W IX/II/20). Christian Friedrich Richter, ein Freund Franckes und Arzt am Halleschen Waisenhaus, begann nun mit der Erforschung dieser Rezeptvorlagen und erhielt auch ein eigenes Laboratorium. Ergebnis seiner Forschungen und Experimente war die berühmte „Essentia dulcis“, die das Hallesche Waisenhaus in Folge weltweit vertrieb. Der Erfolg erzeugte Neider und es kam bald zu Streitigkeiten und Auseinandersetzungen um die Rechte an den Rezepturen und deren Vertrieb. Die Rezepte blieben im Privatbesitz der Familie Richter und deren Nachkommen, der Familie Madai. Francke erhob im Namen des Waisenhauses lediglich Anspruch auf die Rezepte, die ihm Johann Fischer bereits 1700 als Geschenk übergeben hatte. In den Folgejahren finden sich in den Akten immer wieder Hinweise zu Nachahmern und Fälschern der Präparate der Medikamentenexpedition, wie den Besitzer der Engelapotheke in Berlin. Dieser war früher Gehilfe in der Medikamentenexpedition und verkaufte nun Arzneien mit nachgeahmten Originalverpackungen (AFSt/W IX/II/42).
Wahrscheinlich aus diesem Kontext heraus erbat sich der damalige Leiter der Medikamentenexpedition, David Samuel von Madai, ein Privileg, um den Vertrieb der Arzneien der Medikamentenexpedition zu schützen. In diesem einzigen uns überlieferten Privileg heißt es:

„daß niemanden erlaubet seyn solle, in- und außerhalb denen Meßen und Jahrmärckten, einige Medicamenta unter dem Nahmen derer Hällischen Waysen Hauß-Arzneyen und Richterischen Petschafte, in hiesigen Landen zu verkauffen, er habe denn, daß die Medicamenta aus der Hällischen Waysenhauß-Expedition erlanget worden, erwiesen; …“

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Unter Leitung David Samuel von Madais expandierte das Laboratorium und der Medikamentenversand beträchtlich. Die Leitung ging später auf seinen Sohn Carl August von Madai und dann auf seinen Enkel Carl von Madai († 1851) über.

David Samuel von Madai war Autor verschiedener medizinischer Schriften, wurde aber vor allem durch seine Münzsammlung bekannt. Dabei hatte er sich auf Groschen und Taler spezialisiert. Davon besaß er eine sehr reichhaltige und wertvolle Sammlung, die 1788 in Hamburg versteigert wurde. 1765 bis 1774 publizierte er in drei Bänden und drei Fortsetzungen seine Sammlung als Vollständiges Thaler-Cabinet. Das Werk verzeichnete 7233 Nummern; es gelangte zu hohem Ansehen und galt 1884 als noch immer unentbehrliches Werk.

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