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Objekt des Monats

Mit Heinrich Milde durch das Reformationsjahr: Notizen aus dem Reformationsjahr 1717 von einem Mitarbeiter August Hermann Franckes

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Heinrich Milde (1676–1739) war ein enger Mitarbeiter August Hermann Franckes, der seine Bibliothek dem Waisenhaus vermachte. Zu seinen Bücherschätzen gehört ein großformatiges Buch aus dem Jahr 1594, das Calendarium Historicum des Abraham Saur. Dieser nach Tagen geordnete Chroniktypus kam Mitte des 16. Jahrhunderts auf und diente vor allem der protestantischen Erinnerungskultur. Das Buch war so angelegt, dass nach jedem Tag des Jahres Platz für Eintragungen des Besitzers blieb. Darin hielt Milde in seiner ausladenden Schrift einerseits aktuelle Ereignisse fest und schrieb so die gedruckte Chronik fort, andererseits wie in einem Tagebuch Vorkommnisse und Beobachtungen aus seinem persönlichen Umfeld in Halle und dem Waisenhaus. Fast durchgehend datieren seine Eintragungen aus dem Jahr 1717, das für ihn im Zeichen des Reformationsjubiläums stand, denn unter dem Datum des ersten Januars notierte er:

"Halleluja! Diß ist nun Gott Lob der erste Tag des 17.ten Jahrs im 18.den Jahrhundert, in welchen zum andern mal das Jubilaeum wird gehalten werden, in dem nunmehro 200. Jahr verlauffen, nachdem das Licht des Evangelii durch den Dienst Lutheri unter den Scheffel hervorgezogen, und das Römische Pabstthum aus diesen Landen mit Gottes Hulfe verbannet ist."

Die Notizen Mildes werden im Laufe des Reformationsjahrs 2017 Tag für Tag auf der Homepage der Franckeschen Stiftungen veröffentlicht. Sie führen den heutigen Leser in die Welt des 18. Jahrhunderts. Er erfährt, was Milde in Zeitungen und Briefen oder durch mündliche Mitteilungen gelesen und gehört hat – vom Tod Ludwig XIV. bis zum ungeklärten Mord an einen halleschen Studenten –, kommt aber auch dem tief religiösen Menschen Milde nahe, dessen Eintragungen vielfach mit einem „Halleluja Amen“ enden. Milde nennt die Bücher, die er gelesen, die Freunde, die er getroffen hat, und die Missgeschicke, die ihn ereilt haben, wie die Entwendung seines Stubenschlüssels und die damit einhergehende Sorge um die Sicherheit seiner Bibliothek.

Das Calendarium Historicum aus dem Jahr 1594 kann sowohl in der Ausstellung Wissensspeicher der Reformation im Historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen bis zum 26. März als auch in den Digitalen Sammlungen des Studienzentrums August Hermann Francke betrachtet werden:
Abraham Saur: Calendarium Historicum, Das ist: Ein besondere tägliche Hauß und Kirchen Chronica [...]. Franckfurt/Main: Nikolaus Basse, 1594.
Bibliothek der Franckesche Stiftungen: 113 A 12
URN: urn:nbn:de:gbv:ha33-1-69250

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