Geschichte
Die Franckeschen Stiftungen sind ein beeindruckendes bauliches Ensemble, dessen historischer Kern um den Lindenhof in weniger als einer Generation entstand. Sie sind aber auch Gedankengebäude, dessen grundlegende Idee noch heute, gut 300 Jahre nach ihrer Entstehung, zu fesseln vermag.
Die religiöse Schulstadt, die
August Hermann Francke (1663-1727) 1698 mit kurfürstlichem Privileg begann, galt Zeitgenossen schnell als "Neues Jerusalem". Es war die pietistische Frömmigkeit und die progressive Pädagogik, die damals so beeindruckten. Franckes Anstalten bestanden aus einem Waisenhaus, mehrgliedrigem Schulsystem und wissenschaftlichen Instituten. Daneben existierten Wirtschaftsbetriebe und landwirtschaftliche Güter. Es gelang Francke, den sozialen Problemen seiner Zeit ein weithin beachtetes Beispiel christlicher Nächstenliebe entgegenzusetzen.
Die Stiftungen waren Zentrum eines weltumspannenden Korrespondenz– und Aktionsnetzes, das die Reformpläne des Halleschen
Pietismus weltweit verbreitete. Die Spuren finden sich noch heute in vielen europäischen Ländern, in Indien und den USA. Die erste protestantische Mission, Millionen deutschsprachiger Volksbibeln, die Realschule in Deutschland, das erste Lehrerseminar Deutschlands sowie das heute gängige Prinzip der Hilfswissenschaften haben ihren Ausgangspunkt in den Franckeschen Stiftungen.
Im 19. Jahrhundert etablierten sich die Stiftungen weiter als Schulstadt und bestanden bis 1946 als christliche und humanistische Einrichtung fort. Zwischen 1946 und 1991 verloren sie ihre Selbstständigkeit. Seit 1991 sind die Franckeschen Anstalten wieder als öffentlich-rechtliche Stiftung hergestellt. Ihr Wiederaufbau als pädagogisches, kulturelles, soziales und wissenschaftliches Zentrum mit europäischer Ausstrahlung wird seitdem mit vielfältigem Engagement betrieben.









