Wissenschaftliche Veranstaltungen 2013
16.-18. Januar 2013
Francke und seine Könige. Hallischer Pietismus und Preußen (ca. 1690-1750)
Tagung anlässlich des 350. Geburtstages August Hermann Franckes und des 300-jährigen Thronjubiläums Friedrich Wilhelms I. vom 16.01.-18.01.2013 in den Franckeschen Stiftungen zu Halle, veranstaltet von den Franckeschen Stiftungen in Kooperation mit Prof. Dr. Benjamin Marschke, Humboldt State University, Arcata/Kalifornien und dem Interdisziplinären Zentrum für Pietismusforschung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Verbindung mit den Franckeschen Stiftungen und mit großzügiger Unterstützung von Herrn Ehrhardt Bödecker, Berlin
Unter den vielen Beispielen für das wechselseitige Verhältnis und Ineinandergreifen von Kirche und Staat in der Frühen Neuzeit zählt die Beziehung zwischen hallischem Pietismus und preußischem Staat zu den prominentesten. Es ist mittlerweile ein halbes Jahrhundert her, dass die bahnbrechenden Arbeiten über Pietismus und Preußen von Klaus Deppermann und Carl Hinrichs erschienen sind. Seitdem herrscht Übereinstimmung darüber, dass Preußentum und hallischer Pietismus im 18. Jahrhundert einen unleugbaren und tiefgreifenden Einfluss aufeinander hatten, so dass die frühneuzeitliche Geschichte Preußens nicht ohne die Geschichte des hallischen Pietismus und umgekehrt verstanden und diskutiert werden kann. Seit dem Erscheinen der Werke von Deppermann und Hinrichs hat die nachfolgende Forschung ein nuancierteres, komplexeres und vollständigeres Bild der wechselseitigen Beziehungen von Preußentum und Pietismus gezeichnet. Ziel dieser Tagung ist es, die Forscherinnen und Forscher, die gegenwärtig zum hallischen Pietismus und/oder zum preußischen Staat im 18. Jahrhundert arbeiten, zusammenzubringen, ihnen ein Diskussionsforum zu bieten und neue Fragestellungen und Perspektiven für den Themenkomplex zu entwickeln.
ProgrammKontakt und Information:
Britta Klosterberg: klosterberg@francke-halle.de
Christian Soboth: christian.soboth@pietismus.uni-halle.de
4. September
Auf dem Weg zum UNESCO-Weltkulturerbe
Interdisziplinärer und internationaler Workshop in den Franckeschen Stiftungen zur Erarbeitung der Fachgutachten im Rahmen des Antrags auf Einschreibung in die Weltkulturerbeliste der UNESCO
Historisches Waisenhaus
Auf dem Workshop werden für die Stiftungen und ihre Geschichte grundlegende Themenfelder im internationalen Vergleich von ausgewiesenen Fachwissenschaftlern dargestellt und diskutiert: Die „Glauchaschen Anstalten“ im weltgeschichtlichen Kontext um 1700, Waisenhäuser und Sozialfürsorge im europäischen Vergleich, Franckes Bildungskonzept und Schulsystem, die Schulstadtarchitektur und das Stadtkonzept der Anstalten, Kommunikation und Medialität (Wunderkammer, Archiv, Bibliothek), weltweite Auswirkungen und Rezeptionen sowie Baumaterialität und Baurationalisierung. Die Fachgutachten werden Bestandteil des Weltkulturerbeantrags sein. Die beteiligten Wissenschaftler sind Dr. Ing. Thomas Eißing (Bamberg), Prof. Dr. Andreas Gestrich (London), Prof. Dr. em. Hartmut Lehmann (Kiel), Prof. Dr. Fritz Osterwalder (Bern), Dr. Joke Spaans (Utrecht), Prof. Dr. Johannes Süßmann (Paderborn) sowie Prof. Dr. em. Hermann Wellenreuther (Göttingen).
Eine verbindliche Anmeldung für den Workshop ist erforderlich.
Konzeption und Kontakt:
PD Dr. Holger Zaunstöck
zaunstoeck@francke-halle.de
25. - 29. August
„Schrift soll leserlich seyn.“ Medien, Kommunikation und der Pietismus
IV. Internationaler Kongress für Pietismusforschung
veranstaltet vom Interdisziplinären Zentrum für Pietismusforschung in Zusammenarbeit mit den Franckeschen Stiftungen und der Historischen Kommission zur Erforschung des Pietismus
Historisches Waisenhaus
Eine regional-territorial verankerte, expansive und alle Lebensbereiche durchdringende Frömmigkeitsbewegung wie der Pietismus brauchte, um in Bewegung zu kommen und zu bleiben, neben (statischen) Trägern bzw. Trägerschichten (jeweils vor Ort) auch (in Raum und Zeit dynamische) Multiplikatoren: vom Prediger und Missionar über die Buchdruckerpresse bis zur Schule. Die von August Hermann Francke projektierte Generalreformation als „Weltveränderung durch Menschenveränderung“ (M. Schmidt), aber auch die von Nikolaus Ludwig von Zinzendorf initiierte weltweite Bildung von Ortsgemeinden waren auf die Einrichtung und Nutzung von Medien angewiesen, um sich selbst mit ihren jeweiligen Gehalten zu kommunizieren. Insofern muss der Pietismus auch als ein Medien- und Kommunikationsphänomen beschrieben werden. Die 18. Jahrhundertforschung, vor allem die Aufklärungsforschung, hat bereits wichtige Beiträge zur Beschreibung und Analyse der historischen Medien- und Kommunikationslandschaft geleistet, freilich ohne Berücksichtigung des Pietismus und mit einer der Sachlage oft unangemessenen Fokussierung auf die Schrift- bzw. Druckmedien. Überhaupt scheint die fromme Medien- und Kommunikationslandschaft im langen 18. Jahrhundert von der Forschung bislang mehr oder weniger ungesehen. Dass der Gegenstand Medien und Pietismus neu ist, auch für die Pietismusforschung und historische wie systematische Arbeiten in größerem Umfang fehlen, muss eigentlich überraschen: Nach sozialgeschichtlichen und prosopographischen Einschätzungen sollen während seiner Hochphase Ende des 17. / Anfang des 18. Jahrhunderts ca. 40 % der Bevölkerung im Alten Reich mit dem Pietismus in Berührung gekommen sein. Es gab eine Öffentlichkeit für den Pietismus und wohl auch eine pietistische Öffentlichkeit, quer durch die Ständegesellschaft im Alten Reich. Angesichts der bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts einsetzenden Internationalisierung und Expansion zunächst des Hallischen Pietismus, dann des Herrnhutertums mittels weltumspannender Missionsnetzwerke muss das Erstaunen über die Forschungsdefizite umso größer ausfallen.
Gegenstand des Kongresses sollen vom Pietismus aufgebrachten, übernommenen und verwandelten Medien in ihren Formen, Funktionen und Wirkungen sein sowie die spezifische Medialität ‚pietistischer’ Inhalte, die daraufhin zu befragen sind, in welchem Maße sie nicht nur medial übermittelt, sondern auch medial vermittelt gewesen sind. Vergleichende Blicke gelten den Medien- und Kommunikationslandschaften und -gepflogenheiten von Lutherischer Orthodoxie und Aufklärung. Diese Zielstellung verfolgt der Kongress in sechs Sektionen: 1 – Menschenmedien / 2 – Sachmedien / 3 – Institutionen als Medien / 4 – Medienpraktiken und Medientechniken / 5 – Medienfunktionen / 6 – Kongruenzen, Korrespondenzen, Konkurrenzen, Konfrontationen.
Ergänzend vorgesehen ist ein eintägiges Forum für Forschungsverbünde, Arbeitskreise, vornehmlich, aber selbstverständlich nicht ausschließlich jüngerer Forscherinnen und Forscher aus mit dem Pietismus befassten Disziplinen.
Konzeption und Kontakt:
PD Dr. Christian Soboth
Interdisziplinäres Zentrum für Pietismusforschung
christian.soboth@pietismus.uni-halle.de
www.pietismus.uni-halle.de
2. - 6. September
Sommerkurs im Studienzentrum August Hermann Francke
Einführungskurs in die Arbeit mit Handschriften und alten Drucken aus den Beständen des Archivs und der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen
Studienzentrum August Hermann Francke
In dem fünftägigen Sommerkurs, der sich an Studierende und Doktoranden wendet, werden grundlegende Informationen zum Arbeiten mit Handschriften und alten Drucken vermittelt und das Lesen von Handschriften, vor allem von Briefen und Selbstzeugnissen des 18. Jahrhunderts, geübt.
Konzeption und Kontakt:
Dr. Britta Klosterberg
klosterberg@francke-halle.de
Anmeldung bis zum 19. Juli 2013, bitte mit Angabe der Adresse, Studienfächer und Semesterzahl.
Programm
12. - 13. September
Innerlichkeit und Glaubensgewissheit – Kierkegaard und August Hermann Francke
Ein internationales Arbeitsgespräch anlässlich des 350. Geburtstags August Hermann Franckes und des 200. Geburtstags Søren Kierkegaard
Veranstalter sind die Franckeschen Stiftungen und das Theologisch Pädagogische Zentrum Løgumkloster, Dänemark
Konzeption und Kontakt:
Professor Eberhard Harbsmeier
ebh@km.dk
Teologisk Pædagogisk Center
26. - 28. September
Jahrestagung der BundesArbeitsGemeinschaft Schulgarten. Vom Gestern ins Heute – Vom Hier in die Welt. Historische Wurzeln und weltweite Perspektiven der Schulgartenbewegung.
Die Franckeschen Stiftungen in Kooperation mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Historisches Waisenhaus, Hans Ahrbeck Haus
Die bundesweite Tagung aller am Thema Schulgarten Interessierten in Deutschland wird 2013 in den Franckeschen Stiftungen und damit an einem besonders wichtigen historischen Ort stattfinden. Hier legte August Hermann Francke schon 1698 den ersten deutschen Schulgarten an, der über viele Jahrzehnte der Veranschaulichung des botanischen Unterrichts diente. Während der Tagung werden Wandlungen in der Geschichte der deutschen Schulgartenbewegung bis hin zur modernen Umweltbildung beleuchtet, wie sie heute im Pflanzgarten der Franckeschen Stiftungen in Form eines Umweltbildungsprojektes realisiert ist. Die Schulgartenarbeit anderer Länder wird unter dem Gesichtspunkt möglicher Vorbildwirkung und daraus folgender Anregungen thematisiert. Eine Ergänzung erfahren die Vorträge durch verschiedene Workshops, die praktische Anregungen für die Arbeit in Schulgärten bieten. Im Rahmen der Tagung werden außerdem Erfahrungen aus der Schulgartenarbeit in verschiedenen Bundesländern ausgetauscht und gemeinsame Arbeitsaufgaben besprochen. Ein Exkursionstag ermöglicht das Kennenlernen interessanter Gartenprojekte. Die Tagung soll zur Arbeit mit Kindern in Schulgärten begeistern und Impulse zur Förderung der aktuellen Schulgartenarbeit in Deutschland setzen.
Konzeption und Kontakt:
Cornelia Jäger
Umweltbildungsprojekt im Pflanzgarten der Franckeschen Stiftungen
jaeger@francke-halle.de
Prof. Michael Gebauer
michael.gebauer@paedagogik.uni-halle.de
8. - 11. Oktober
Pädagogische Woche 2013
Pädagogisches Handeln im Sozialraum – Erkundungen im Franckejubiläum
In Kooperation mit der Philosophischen Fakultät III der Martin-Luther-Universität
Eröffnung: 8. Oktober, 18.00 Uhr
Historisches Waisenhaus
August Hermann Francke hat in einem außerordentlichen Akt einen architektonischen und gleichzeitig sozialen Raum geschaffen, der pädagogisches Handeln und soziale Hilfe, Leben und Arbeiten auf neue Weise zueinander in Beziehung hat treten lassen. Auch heute noch sind die Franckeschen Stiftungen ein Ort, der die unterschiedlichsten Institutionen beherbergt, in dem die unterschiedlichsten ästhetischen und pädagogischen Erfahrungen und Arbeitsweisen ermöglicht und die unterschiedlichsten Gruppen erreicht und zu integrieren versucht werden. Menschen stehen in den vielfältigen sozialen Beziehungen zueinander. Der gestaltete Raum spielt dabei eine große Rolle. Die Stiftungen sind ein Ensemble, das gleichzeitig geschlossen und durchlässig ist, zum Verweilen und Durchschreiten einlädt. Was geschieht in diesem Raum? Wie werden pädagogisches Handeln, soziale Hilfebeziehungen, forschendes Handeln, musische Ausdrucksformen möglich und immer wieder neu hervorgebracht? Was bedeutet dieser permanente Schaffens-, Gestaltungs- und Entstehungsprozess für die Menschen, die Institutionen und die Region?
Im Rahmen von Abendvorträgen prominenter SozialraumforscherInnen, Präsentationen von Forschungsergebnissen der in den Stiftungen arbeitenden WissenschaftlerInnen, in Workshops für Pädagogen der Region und MitarbeiterInnen der Stiftungen, vor allem aber in der Präsentation von Projekten, an denen sich die einzelnen Einrichtungen der Stiftungen gemeinsam mit der Thematik im Verlauf des Francke-Jubiläums auseinandersetzen, soll dem Phänomen Sozialraum nachgespürt werden.
Kontakt und Information:
Prof. Dr. Johanna Mierendorff: johanna.mierendorff@paedagogik.uni-halle.de
Dr. Kerstin Heldt: heldt@francke-halle.de
7. - 9. November
Deutsch-Indische Begegnungen
Internationaler Palmblattworkshop
Historisches Waisenhaus
Palmblattmanuskripte zählen wie das Papyrus in Ägypten zu außergewöhnlichen Zeugnissen der Schriftkultur. Im Archiv der Franckeschen Stiftungen wird heute der größte Palmblatthandschriftenbestand Europas als geschlossene Sammlung aufbewahrt. Die Originaldokumente in Tamil oder Telugu sind im 18. Jahrhundert von den Missionaren der Dänisch-Halleschen Mission von Indien nach Halle gesandt worden. Zu den deutsch-indischen Begegnungen 2013 wollen die Franckeschen Stiftungen gemeinsam mit ihrem indischen Partner, der Roja Muthiah Research Library in Chennai Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und Fachleute zu einem zweitägigen Workshop nach Halle einladen, um Erfahrungen in der Bewahrung und der Digitalisierung der Palmblätter auszutauschen sowie die Vernetzung im Rahmen von Restaurierungs- oder Erschließungsprojekten zu diskutieren.
27. November
Blickpunkt Jugendforschung – Veränderte Bedingungen des Aufwachsens
Jahrestagung des Deutschen Jugendinstituts (DJI), Außenstelle Halle
Historisches Waisenhaus
Seit nunmehr 10 Jahren wird in der Außenstelle Halle des Deutschen Jugendinstituts, die im Haus 12-13 der Franckeschen Stiftungen angesiedelt ist, zu jugendbezogenen Themen geforscht. Aus diesem Anlass findet die Fachtagung „Blickpunkt Jugendforschung“ statt, die sich an Studierende und Wissenschaftler ebenso richtet wie an Praktiker oder auch Entscheidungsträger im Handlungsfeld der lokalen und bundesweiten Kinder- und Jugendpolitik. Gegenstand der Tagung sind aktuelle Ergebnisse des DJI Halle aus den Bereichen „Empirische Übergangsforschung“ sowie „Politische Sozialisation und Radikalisierung“.
Kontakt
Frank Tillmann
Mail: tillmann@dji.de









