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Hallescher Pietismus und Reformation

AUGUST HERMANN FRANCKE IN DER NACHFOLGE MARTIN LUTHERS

Der Hallesche Pietismus August Hermann Franckes gilt als die wichtigste gesellschaftliche Reformbewegung zwischen Reformation und Aufklärung und wird oft als die zweite Reformation bezeichnet.

Luther-Relief Wunderkammer 

Ausgehend von den Impulsen Martin Luthers entwickelte der lutherische Theologe und Pädagoge Francke:

♦ die Vision einer weltumspannenden Gesellschaftsreform zum Wohle jedes Menschen,
pädagogische Reformen, die auf höchst aktuelle Themen wie gesellschaftliche Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit abzielten,
♦ die Idee, jedem einen Lutherbibel an die Hand zu geben, verwirklicht durch die Gründung der ersten Bibelanstalt weltweit, der Cansteinschen Bibelanstalt

Die Franckeschen Stiftungen sind Ausgangspunkt der:
Dänisch-Halleschen Mission, der ersten nachhaltigen protestantischen Mission, begonnen 1706 im südindischen Tranquebar,
◊ der Anstaltsdiakonie,
◊ vieler bekannter lutherischer Kirchenlieder, wie "Macht hoch die Tür..."

Mit vielfältigen Veranstaltungen bereiten sich die Franckeschen Stiftungen auf das Jubiläum im Jahr 2017 vor. Auf diesen Seiten stellen wir Ihnen die wichtigsten Neuigkeiten und spannendsten Hintergründe vor.

Luther-Warm-up
Sonderveranstaltungen zur Lutherwoche in den Franckeschen Stiftungen

Die Lutherwoche in Halle vom 21. bis 27. Mai 2016 steht unter dem Motto „Auf dem Weg zu Luther“. Sie bildet einen ersten Höhepunkt der Reformations-Feierlichkeiten in Mitteldeutschland. Halle mit den Lutherstätten wie u. a. der Marktkirche, der Moritzburg, der Neuen Residenz und dem Stadtgottesacker lädt in der Woche zu zahlreichen Veranstaltungen ein. Auch die Franckeschen Stiftungen öffnen ihre Pforten mit verschiedenen Sonderveranstaltungen.

24.5., 14.00 Uhr | „Alte Bibeln in 100 Sprachen“ – Sonderführung durch die Kabinettausstellung in der Historischen Bibliothek, Eintritt frei

Bibeln_Highlight Bibeln sind fast durchgängig die ersten gedruckten Bücher eines Sprachkreises und gehören in der frühen Druckgeschichte zu den beliebtesten Werken. In der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen sind Bibeln in 100 Sprachen überliefert. 200 Jahre nach Luther gelang es in den Franckeschen Stiftungen, Bibeln preisgünstig für Jedermann zu produzieren. Mit der Unterstützung Carl Hildebrand von Cansteins wurde 1710 die erste Bibelanstalt der Welt in Halle gegründet. In dieser Bibelanstalt wurden Millionen Bibeln gedruckt und verbreitet, auch Bibeln auf Tschechisch und Polnisch. Als im 19. Jahrhundert weitere Bibelanstalten entstanden, hat die Cansteinsche Bibelanstalt im Tausch Bibeln in zahlreichen Sprachen erhalten, aus der die schönsten Exemplare in der Kabinettausstellung gezeigt werden. Prominentestes Beispiel ist die in Tranquebar gedruckte tamilische Bibel, die auf einer Übersetzung der von Halle nach Indien ausgesandten Missionare beruht (Ausstellung bis 16. Oktober 2016).

26.5., 15.00 Uhr | „Luther und Francke“ – Sonderführung im Historischen Waisenhaus zur Reformationsgeschichte in Halle, Eintritt frei

August Hermann Francke  Halle blieb auch nach Luthers Tod ein wichtiger Ort für den Protestantismus und wurde 200 Jahre später zum Zentrum der „Zweiten Reformation“. Der Pfarrer und Universitätsprofessor August Hermann Francke gründete mit seiner Schulstadt um 1698 eine der bedeutendsten protestantischen Bildungseinrichtungen, die den Geist der Reformation in die ganze Welt trug. Mit seinen sozialen und religiösen Projekten setzte Francke Luthers reformatorische Ideen in die Tat um: die Diakonie, die erste Realschule, die Bibel für alle u.v.m. haben ihren Ausgangspunkt in den Franckeschen Stiftungen. Die Sonderführung zeichnet entlang der authentisch erhaltenen Schauplätze diesen Teil der Reformationsgeschichte anschaulich nach.

21.5.-27.5. | „August Hermann Francke in der Nachfolge Martin Luthers“ – Sonderausstellung zur Reformationsgeschichte in Halle | Haus 24, Studienzentrum

Studienzentrum  Der Pietismus war nach der Reformation die wichtigste Reformbewegung im Protestantismus, die auf breiter gesellschaftlicher Ebene wirksam wurde. Auf dem Gebiet der Bildung, der Sozialfürsorge und der gesellschaftlichen Teilhabe nahm Francke Luthers Forderungen auf und entwickelte sie weiter. Vor allem aber stehen die Franckeschen Stiftungen für die Internationalisierung des Luthertums. Die Wanderausstellung in Deutsch und Englisch stellt die zentralen Anliegen und Wirkungen des Hallischen Pietismus im Kontext der reformatorischen Ideen Martin Luthers bis in die Gegenwart auf 21 Tafeln bildreich vor. Die englische Variante war seit 2013 an verschiedenen Orten in Großbritannien, Dänemark, Finnland, den USA und Indien zu sehen und wird bis 2017 an weiteren internationalen Standorten präsentiert.

TWIN CONSULATION in Halle! Internationale Ökumene im Dialog.

Twin conference Etwa 100 Gäste aus Ländern Afrikas, Lateinamerikas, Asiens, Nordamerikas und Europas werden vom 18.-22. Mai 2016 an den Twin-Consultation in Halle teilnehmen. Sie beschäftigen sich vier Tage lang damit, wie reformatorische Ideen in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten wirken und welche Rolle reformatorisch geprägte Bildungsangebote in gesellschaftlichen Transformationsprozessen spielen.

Dabei diskutieren die Teilnehmenden aus ihren jeweils spezifischen Blickwinkeln, was es für heutige reformatorische Kirchen bedeutet, "soziales Zeugnis" abzulegen, Antworten darauf zu suchen, wie menschliches Leiden beendet werden kann, was eine gelebte Theologie des Empowerments bewirkt.

Es wird diskutiert, was es aus den verschiedenen Perspektiven der Kirchen bedeutet, sich aktiv in gesellschaftliche Demokratisierungsprozesse einzubringen, eine Haltung zu politischer Partizipation und alternativen Entwicklungskonzepten zu finden.

Francke setzt Luther in Bewegung - Straßenbahn zum Reformationsjubiläum 2017

Straßenbahn Luther

Auf einer Straßenbahn der HAVAG zeigen die Franckeschen Stiftungen seit Montag, dem 2. Mai 2016, wie August Hermann Francke wichtige gesellschaftliche Impulse der Reformation Martin Luthers aufgenommen und in die Tat umgesetzt hat. Vier Themenfelder werden auf der Straßenbahn benannt, die den Halleschen Pietismus als „zweite Reformation“ zur wichtigsten gesellschaftlichen Reformbewegung zwischen Reformation und Aufklärung werden ließen.

Luther-Strassenbahn     luther_strassenbahn_2 

Bildung für alle
Martin Luther hatte im Rahmen einer breiten Bildungsoffensive die Gründung neuer Schulen für Kinder aller Stände angestoßen. August Hermann Francke nahm diesen Impuls auf und gründete eine ganze Schulstadt mit Bildungsanstalten für alle sozialen Schichten. Mit der Einführung des Realienunterrichts als Teil des umfassenden pädagogischen Programms revolutionierte Francke das Schulwesen. In ganz Europa fand das Hallesche Waisenhaus erfolgreiche Nachahmungen.

Jedem eine Bibel
Die Anfang des 18. Jahrhunderts erhältlichen Bibelausgaben waren sehr teuer, was das Anliegen der Reformation erschwerte, jedem Gläubigen einen direkten Zugang zur Heiligen Schrift zu ermöglichen. Mit Unterstützung des Freiherrn Carl Hildebrand von Canstein wurde 1710 in den Franckeschen Stiftungen die Cansteinsche Bibelanstalt gegründet, die heute als erste Bibelanstalt der Welt gilt. Bis 1938 wurden hier rund 8 Millionen Bibeln gedruckt und verbreitet.

Für Selbstbestimmung
Martin Luthers Reformation weckte das selbständige Denken. Die Menschen erkannten ihre eigene Persönlichkeit und damit ihre Mündigkeit gegenüber Kirche und Staat. Hier setzte der Pietismus an. Er schärfte durch die ihm eigene Hinwendung zum Individuum den Blick auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen und erzog zum selbstverantwortlichen Handeln.

Für soziale Teilhabe
Die Reformation hatte grundlegende Reformen des Sozialwesens angestoßen, aus denen August Hermann Francke die Grundlagen der heutigen Anstaltsdiakonie entwickelte. Gleichzeitig strebte er an, den Staat für die Armenfürsorge in die Pflicht zu nehmen. 1698 verfasste er eine Almosenordnung für Glaucha, die als Vorbild für spätere städtische Armenordnungen diente. Außerdem inspirierte er Landesherren dazu, ein Armenwesen in ihren Territorien auszubauen. Häufig wurden sie dabei von Beamten unterstützt, die zuvor selbst durch Franckes Schulen gegangen waren.

Museum für die Geschichte des interkulturellen Dialogs zwischen Indien und Europa entsteht in Tranquebar

Inauguration TELC, 200416_Justin Vijayakumar-1  Auf Initiative der Franckeschen Stiftungen haben sich mehrere Partner, darunter die Tamil Evangelical Lutheran Church TELC in Indien sowie die Missionsgesellschaften in Leipzig und Hermannsburg  zusammengeschlossen, um in Tranquebar das original erhaltene Wohnhaus von Bartholomäus Ziegenbalg (1682-1719) zu renovieren. Dort soll ein Museum für die Geschichte des interkulturellen Dialogs zwischen Indien und Europa eingerichtet werden, der durch die Emissäre aus Halle vor dreihundert Jahren begonnen wurde.
Frau Jasmin Eppert wurde zur Francke-Feier 2016 nach Tranquebar entsendet und wird dort in den kommenden drei Jahren das Museumsprojekt im engen Zusammenschluss mit den indischen Partnern koordinieren.

Die Arbeiten am Ziegenbalg-Haus werden durch das Auswärtige Amt gefördert.

Inauguration TELC, 200416_JV-2     Inauguration TELC, 200416_JV-5     Inauguration TELC, 200416_JV-4 

 

Hallescher Pietismus und Reformation. Die Broschüre zum Reformationsjubiläum

Lutherbroschüre S  "Kaum ein historisches Ereignis hat die christlich geprägten Teile der Welt so nachhaltig verändert wie die Reformation. Ihre Infragestellung der alten Welt- und Werteordnungen gab den Impuls für gänzlich neue Konzepte und Denkmuster, die über die Epoche der Aufklärung in die Gesellschaftssysteme unserer Gegenwart führen. Der Pietismus gilt als die wichtigste Geistesströmung in Europa zwischen Reformation und Aufklärung. August Hermann Francke (1663–1727) nahm als einer der führenden Köpfe im Pietismus zahlreiche Forderungen Martin Luthers auf und strebte deren praktische Vollendung an. So wie Luther sah auch Francke in der Bildung den zentralen Schlüssel zur grundlegenden Verbesserung der gesellschaftlichen Zustände. Dementsprechend baute er ein Schulwesen auf, das alle sozialen Schichten berücksichtigte und jedem Kind einerseits eine breitgefächerte Bildung ermöglichte, die andererseits auf die jeweiligen individuellen Begabungen zugeschnitten war. Die Schulstadt, die er hinterließ und die heute wieder als pulsierender Bildungskosmos weite Ausstrahlung besitzt, ist ein sichtbares Zeugnis der Bemühungen, die Ideen der Reformation weiterzutragen und zu verstetigen. Ebenfalls in reformatorischer Tradition begründete Francke 1710 die erste Bibelanstalt der Welt und begann durch Einsatz moderner Technik und preiswerter Materialien mit einer massenhaften Bibelproduktion, die bis in das 20. Jahrhundert hinein zu Millionenauflagen führte. Und erst das weltweite Netzwerk des Halleschen Pietismus sorgte rund 200 Jahre nach der Reformation für die Verbreitung des Luthertums über die Grenzen Europas hinweg. Diese und andere Beispiele zeigen die hohe Bedeutung des Pietismus für den Transport und die Weiterentwicklung der reformatorischen Ideen über die Epochen hinweg und das ernsthafte Bestreben, sie in ihrer jeweiligen Zeit fruchtbar zu machen."

Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke
Direktor der Franckeschen Stiftungen zu Halle

Die Franckeschen Stiftungen stellen den Halleschen Pietismus in der Nachfolge der Reformation in einer ansprechenden und verständlichen WANDERAUSSTELLUNG vor, die von einer INFOBROSCHÜRE begleiteit wird. Sie zeigt im 500. Jubiläumsjahr des Thesenanschlags, dass viele Ideen und Impulse Martin Luthers durch August Hermann Francke weitergeführt, teils neu interpretiert, teils vollendet wurden und zeitlos aktuell sind.

Sie können die Broschüre und die Wanderausstellung bestellen bei:

Friederike LippoldKultur- und Öffentlichkeitsarbeit Friederike Lippold (Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit) Friederike LippoldKultur- und Öffentlichkeitsarbeit Tel.0345 2127 431Fax0345 2127 418

PRAISE THE LORD. Konzert und CD mit Luthers Liedern auf dem Weg in die Welt

praise the Lord_CD Martin Luther hatte die Idee, das Volk mit eingängigen Liedern zu begeistern. Kirchenmusik und Liturgie sollten nicht nur zum Zuhören, sondern zum Mitsingen sein. Der hallische Theologe und Pietist August Hermann Francke sowie sein Nachfolger im Direktorenamt Johann Anastasius Freylinghausen nahmen das Erfolgsmodell der Reformation auf. So war das von Francke gegründete Waisenhaus in Halle auch ein Zentrum der Musik. Nicht Opern und Oratorien, sondern schwungvolle Lieder wurden hier gesungen und über ungekannte Mengen Gesangbücher verbreitet. Dabei spielte die internationale Vernetzung des Waisenhauses eine große Rolle auf dem Weg der Lieder nach Großbritannien und später auch nach Amerika. 1786 gab der hallische Gesandte Heinrich Melchior Mühlenberg in Nordamerika das erste Gesangbuch heraus.

Praise the Lord. Luthers Lieder auf dem Weg in die Welt 

Das Konzert kann über die Lautten-Compagney in Berlin gebucht werden.

praise the Lord_CD_Film    PraisetheLord 2013 Konzert_1    PraisetheLord 2013 Konzert_2    PraisetheLord 2013 Konzert_3    PraisetheLord 2013 Konzert_4 

 Die CD ist im Handel erhältlich: ISBN 400-9-35083-339-5;19,90 Euro

Wanderausstellung: Hallescher Pietismus und Reformation August Hermann Francke in der Nachfolge Martin Luthers

Eine zentrale Forderung Martin Luthers löste August Hermann Francke mit der Gründung des ersten Bibelwerks, der Cansteinschen Bibelanstalt, 1710 am Halleschen Waisenhaus ein. Millionen Vollbibeln und Neuer Testamente wurden hier in höchster Qualität gedruckt und preiswert verteilt. Möglich wurde diese Strategie durch die in Deutschland erstmalige Anwendung des stehenden Satzes.

Ob private Lesekultur, die Wiege der Anstaltsdiakonie, der erste Schulgarten Deutschlands und der Beginn des Realschulwesens oder die internationale Wahrnehmung der hallischen Reformen, die den europäische Adel beeinflussten - die Wanderausstellung zeigt die vielfältigen gesellschaftlichen und kulturgeschichtlichen Wirkungen, die vom Halleschen Pietismus in der Nachfolge der Reformation ausgingen. Bartholomäus Ziegenbalg (1682-1719) oder Heinrich Melchior Mühlenberg (1711-1787) stehen für die vielen hallischen Emissäre, die das Luthertum in den entferntesten Weltregionen bekannt machten. Die Tamil Evangelical Lutheran Church (TELC) im südindischen Tranquebar und die Evangelical Lutheran Church of America (ELCA) sehen sich heute in der Nachfolge des Wirkens August Hermann Franckes.

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Mit einer Wanderausstellung(PDF, 205 kB) in deutscher und englischer Sprache werden diese kultur- und gesellschaftspolitischen Einflüsse des Wirkens August Hermann Franckes und ihre Traditionslinien ausgehend von der Reformation bis in die Gegenwart hinein gezogen. Denn die Reformen Franckes mit dem Ziel der Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftlichen Teilhabe sind heute so aktuell wie vor 300 Jahren.

In Gottes Eigenem Land. Die Geschichte Heinrich Melchior Mühlenbergs als Vater des amerikanischen Luthertums

9783898127660-cover-l  Als lutherischer Prediger erreichte Heinrich Melchior Mühlenberg 1742 im Auftrag des Halleschen Waisenhauses, den heutigen Franckeschen Stiftungen, Britisch-Nordamerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Heute wird er in den USA als Patriarch der Lutherischen Kirche in Nordamerika verehrt. Eberhard Görner hat aus diesem Stoff einen Bestseller gemacht. Bereits in der dritten Auflage ist der historische Roman über die Arbeit Mühlenbergs und seine wechselvolle Beziehung zum Delawaren-Häuptling "Fliegender Pfeil" im Mitteldeutschen Verlag erschienen.

IN GOTTES EIGENEM LAND
Heinrich Melchior Mühlenberg - der Vater des amerikanischen Luthertums
Historischer Roman, erste Auflage
ISBN 978-3-89812-766-0 I 19.90 Euro

erhältlich auch im Informationszentrum der Franckeschen Stiftungen

 

Wissensspeicher Reformation. Ausstellung zum Auftakt des Reformationsjubiläums

Eröffnung am 31. Oktober 2016 in den Franckeschen Stiftungen

Lutherbibel 

Im Herzen der Stadt Halle befindet sich eine der ältesten evangelischen Kirchenbibliotheken Deutschlands, die im Jahr 1552 begründete Marienbibliothek an der Marktkirche. Sie entstand als Reaktion auf einen Aufruf Martin Luthers an die Städte und Gemeinden, evangelische Schulen und Bibliotheken zu gründen und damit Bildung in alle Bevölkerungsschichten zu tragen. Dieses reformatorische Anliegen spiegelt sich bis heute in den Objekten der Bibliothek wieder, die über umfangreiche Bestände sowohl reformatorischer Schriften als auch später entstandene Publikationen aller Wissenschaftsgebiete verfügt.

In der Nachfolge des reformatorischen Bildungsideals begründete August Hermann Franke 1698 die Waisenhausbibliothek, die ebenso reichhaltige Bestände aus dem 16. Jahrhundert besitzt und Zeugnisse der Verbreitung des Luthertums in alle Welt durch den Pietismus verwahrt.

Anhand der Bestände dieser beiden bedeutenden halleschen Bibliotheken soll die wichtige Funktion von Bibliotheken als Speicherort für Wissen und Erinnerung aufgezeigt werden, wobei aus Anlass des Reformationsjubiläums der Fokus auf dem protestantischen Erbe liegen soll. Den Besucher erwartet die Präsentation verschiedener Sammlungsteile, die von frühen reformatorischen Drucken und der einzigartigen Privatbibliothek der Adelsfamilie von Selmenitz über die pietistische Rezeption der reformatorischen Schriften, fremdsprachige Bibeln im Dienst der Missionsarbeit bis hin zur Bibliothek als Hort von Erinnerungsobjekten wie Luthers Trinkbecher oder Melanchthons Schuh führen wird. Auch die wechselvolle Geschichte einer bis ins 20. Jahrhundert in der Marienbibliothek ausgestellte Lutherfigur, die aus der hier verwahrten Totenmaske des Reformators gestaltet war, wird in der Ausstellung beleuchtet werden.

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