Bibliothek der Ostindischen Missionsanstalt

Die Franckeschen Stiftungen unterstützten die Dänische Mission in Tranquebar von Anfang an durch die Aussendung von Missionaren. Halle bildete das ideelle Zentrum der Ostindien-Mission, geprägt durch die Einflüsse der hiesigen Pietisten unter August Hermann Francke. Der intensive Kontakt zwischen Halle und Indien führte dazu, daß sich nach und nach immer mehr gedruckte Literatur zur Indien-Mission in den Stiftungen ansammelte. Kernstück sind die zum Teil in gedruckter Form unter dem Titel "Der Königlich Dänischen Missionarien aus Ost=Indien eingesandter ausführlichen Berichten erster Theil, Halle 1710 ... bis siebenter Theil, Halle 1760" regelmäßig veröffentlichten Diarien, Briefe und Aufzeichnungen der Missionare über ihre Tätigkeit in Indien. An diese Berichte schloß die in der Folge erschienene "Neuere Geschichte der Evangelischen Missions-Anstalt zur Bekehrung der Heiden in Ostindien", Halle 1776 - 1848 an, fortgesetzt als "Missionsnachrichten der ostindischen Missionsanstalt zu Halle", erschienen 1849 - 1880 in vierteljährlichen Heften. Diese drei Folgen von Berichten stellten lange Zeit den einzigen bzw. wichtigsten Träger des Missionsinteresses in Deutschland dar. Die Themen der Berichte umfassen Religion und Philosophie, Gesellschaftsstruktur, Literatur und Sprachen, Moral, Sitten und Gebräuche, Ackerbau und Handwerkskunst sowie Mathematik, Botanik, Medizin und Astronomie. In Ergänzung sind die genannten Berichte zum Teil im Hauptbestand der Bibliothek, zum Teil im Bestand der Missionsbibliothek zu finden. Unter den zahlreichen vorhandenen Schriften des ersten hallischen Missionars Bartholomäus Ziegenbalg (1682-1719) ist seine 1716 erschienene "Grammatica Damulica" zu erwähnen, die erste in Halle gedruckte Tamilgrammatik. Die Missionsbibliothek umfaßt heute 5.857 Bde. Sie ist in 18 Abteilungen untergliedert, die den Bestand nach sachlichen und formalen Gesichtspunkten ordnen. Dazu gehören unter anderem Biographien, Missionszeitschriften, Literatur zur Missionsgeschichte, linguistische Werke, Reiseliteratur, Geographisches und Völkerkundliches. Den größten Teil nehmen Werke zur indischen Mission ein, es gibt aber auch Abteilungen zu Amerika und Australien, zu Afrika, Asien und zur Judenmission. Eine eigene Abteilung enthält Werke in den jeweiligen Landessprachen.