Franckeblätter Ausgabe 02/2010
ECCE-FEIER 2010
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Am Freitag, dem 19. März 2010, im Freylinghausen-Saal der
Franckesche Stiftungen
Beginn 17 Uhr
Programm
Carl Maria von Weber: Romanze für Posaune und Klavier
Begrüßung durch den Direktor der Franckeschen Stiftungen Dr. Müller-Bahlke
Begrüßung durch den Präsidenten des Freundeskreises Albrecht Koch
Johann Sebastian Bach: Sarabande aus der Partita d-Moll für Violine solo
Gedenkrede
Professor Dr. Klaus-Dieter Schwenke, Abitur 1953, OS AHF
Verlesung der Namen der Verstorbenen
Ecce des Jacobus Gallus (1550-1591)
Posaune: Lasse Kirst; Klavier: Jennifer Schmidt; Violine: Thomas Einicke;
Musikzweig des Landesgymnasiums Latina August Hermann Francke
Stadtsingechor unter der Leitung von Chordirektor Frank-Steffen Elster
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 Prof. Schwenke


 Zu den Verstorbenen der letzten beiden Jahre gehören auch
K.-H. Bourwieg
Dr. O. Bimberg
G. Bartling
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Gedenkrede
Herr Direktor, Herr Präsident,
verehrte Angehörige der verstorbenen Lehrer und Schüler
meine Damen und Herren,
liebe Freunde
Als ich vor nunmehr 63 Jahren wenige Meter von hier im Dienstzimmer des Direktors Dr. Hans Osterwald stand und glücklich war, als Fahrschüler in die August-Hermann-Francke-Grundschule aufgenommen zu werden, da konnte ich nicht ahnen, dass ich nun, fünfundsiebzigjährig, in diesem festlichen Saal unter der Galerie der Direktoren dieser ehrwürdigen Stiftungen als Redner auf einer Ecce-Feier stehen würde.
Es waren prägende Jahre für mich, diese Schulzeit in den Stiftungen von 1947 bis zum Abitur 1953, und voller Dankbarkeit erinnere ich mich meiner Lehrer, die uns Schülern in einer schwierigen Zeit nicht nur ein solides Wissen, sondern auch einen Wertekanon vermittelt haben, der in den Jahren danach in wundervoller Nachhaltigkeit wie eine gute Saat aufgegangen ist, wert, an die Generation der Kinder und Enkel weitergegeben zu werden. Die beispielhafte Erinnerungskultur unserer Stiftungen führt uns Franckianer immer wieder an unsere geistigen Wurzeln zurück. Da bleibt es nicht aus, dass wir mit zunehmendem Alter in Gedanken die Stufen unseres Lebensweges durchmessen und reflektierend den großen Bogen vom Anfang bis zum Ende unseres Lebens spannen. Am Ende des Gedankenweges steht das memento mori, das auch heute wieder diese Stunde der Besinnung und des Gedenkens bestimmt.
Im Laufe eines langen Lebens erfahren wir nur allzu oft das Unabänderliche, Endgültige, wenn der Tod in unseren harmonisch hinfließenden Tageslauf eingreift, wenn er uns entgegentritt und geliebte Menschen, Freunde, Verwandte, unsere Allernächsten, von uns reißt. Es lichten sich die Reihen unserer Weggefährten und Altersgenossen, und dort, wo bisher ein freundliches menschliches Miteinander unser tägliches Leben bereicherte, spüren wir Leere.
Erlauben Sie mir, hier einige ganz persönliche Erinnerungen einzufügen. -
Mich traf es zum ersten Male 1941 wenige Wochen vor meiner Einschulung, als „aus heiterem Himmel“ die Nachricht vom Tode meines Vaters kam. Er war 31-jährig an der Ostfront in Russland (der heutigen Ukraine) gefallen. Als Siebenjähriger konnte ich damit nur so fertig werden, dass ich das schreckliche Ereignis nicht akzeptierte. Es erschien mir als etwas Unwirkliches, es durfte nicht sein.
Jahre später wurde mir bei der Lektüre der Feldpostbriefe meines Vaters aus dem Schützengraben vor der Stalinlinie die ganze Absurdität des Krieges in dramatischer Weise verdeutlicht, wo ein Mensch, der nicht hassen kann, sein Mitgefühl für die Menschen, die ihm plötzlich anonym als Feinde gegenüber stehen, verdrängen muss, wo das Töten zum Bestandteil der Selbsterhaltung wird und so Unschuldige als Teil einer Kriegsmaschinerie zu Schuldigen werden.
1969 war ein Aufenthalt in Russland Anlass zur erneuten Reflexion über das Vergangene. Ich traf eine neue Generation, der auch ich angehörte, die Ähnliches und noch größeres Leid auf der anderen Seite des Krieges erfahren hatte. Mir begegnete kein Hass, als ich nun als Kollege und Freund aus dem Westen kam, anders als knapp drei Jahrzehnte zuvor andere als Feinde kamen und hier ihren Tod fanden. Heute kündet ein großes Kreuz auf den Gräberfeldern der damals Gefallenen, von der Enkelgeneration beider Seiten Geborgenen, von Versöhnung, von Frieden für die Toten und gibt Trost den Hinterbliebenen.
Ich habe damals einen russischen Freund zum Besuch der Moskauer Uraufführung der 14. Sinfonie von Schostakowitsch eingeladen. Dieses Spätwerk des Komponisten, ein musikalischer Totentanz, ist ein einziger Aufschrei der gequälten menschlichen Kreatur, ein erschütternder Protest gegen den Tod und jegliche Tyrannei und Unterdrückung, die ihn gewaltsam herbeiführt.
Mit den ergreifenden Versen von Rainer Maria Rilke lässt der Komponist die Sinfonie ausklingen:
Der Tod ist groß/
Wir sind die Seinen lachenden Munds/
Wenn wir und mitten im Leben meinen/
Dann wagt er zu weinen/
Mitten in uns.
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Er gehört zu uns, der Tod, ist Teil unseres Lebens, wir können ihm nicht entrinnen. Er setzt den Schlusspunkt in unserem Leben. Wie oft in unserem Leben streift er uns, jagt uns Angst ein, bringt uns in existentielle Grenzsituationen. Als ich mit Mutter und Schwester in einem Behelfsbunker die erste Bombardierung des Südens von Halle rings um die Artilleriekaserne erlebte, war ich viel zu jung, um über das memento mori zu reflektieren. Es war die pure Angst um uns. Würde eine der Bomben, deren Geheul schriller und schriller wurde, je näher sie kamen, würde sie auf unseren nur primitiv abgesicherten Unterstand niedergehen und uns auslöschen? Der große Unbekannte hatte uns berührt, war warnend an uns vorbeigezogen, denn unsere Stunde hatte längst noch nicht geschlagen. Ich sollte noch das Glück erleben, eine Familie gründen zu dürfen, Kinder, Enkel und Urenkel heranwachsen zu sehen und zu erfahren, wie Wesenszüge der Voreltern in der Folge der Generationen fortleben.
„Ein Jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde. Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit………..So sah ich denn, dass nichts Besseres ist, als dass ein Mensch fröhlich sei in seiner Arbeit; denn das ist sein Teil. Denn wer will ihn dahin bringen, dass er sehe, was nach ihm geschehen wird?“
So heißt es bei dem Prediger Salomo.
Wir sollten uns bewusst werden, dass unser Lebenslauf zwischen Geburt und Tod ein immerwährendes Abschiednehmen und Neubeginnen ist. In unserer individuellen Entwicklung machen wir immer wieder Krisen durch; es ist ein Reifeprozess, bei dem wir viele Tode sterben und bei dem der bestandene Tod letztlich ein Weg zu neuem Leben ist. Diese Erkenntnis ist eines der schönsten Geschenke des Alters.
Schöner und treffender als mit Goethes Worten lässt sich das wohl kaum ausdrücken:
Und solang du das nicht hast,
Dieses Stirb und Werde,
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
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Lassen Sie mich noch ein Gedicht von Hermann Hesse anfügen, das Gedicht seines Alters, das ich immer wieder gerne zur Hand nehme.
Stufen .
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend.
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,.
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend.
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern..
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe.
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne, .
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern.
In andre, neue Bindungen zu geben..
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,.
Der uns beschützt und der uns hilft zu leben..
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,.
An keinem wie an einer Heimat hängen,.
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,.
Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten..
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise.
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen, .
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,.
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen..
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde.
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,.
Des Lebens Ruf wird niemals enden ….
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
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 F. Beleites †
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 Zu den Verstorbenen der letzten beiden Jahre gehören auch:
A. Deutschbein
J. Pöschke
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Irgendwann, wenn unsere Stunde schlägt, heißt es dann endgültig Abschied nehmen. Mit der Trauerarbeit nehmen wir die Verstorbenen in das große Haus unserer Erinnerung auf, ihnen dort einen würdigen Platz zu geben. So werden denn auch unsere verstorbenen Lehrer und Schüler, derer wir heute gedenken, als Glieder einer langen Kette von Generationen in lebendiger Tradition in unserem Gedächtnis aufgehoben sein.
Sich auf den letzten Abschied vorzubereiten, das war ein ernstes Anliegen, solange die Menschen über ihr Woher und Wohin nachgedacht haben. Und so zieht sich auch der Satz Philosophieren heißt Sterben lernen durch die Geschichte des menschlichen Denkens von der griechischen Antike bis in die Gegenwart. Indem wir über den Tod meditieren und uns Schritt für Schritt mit ihm vertraut machen, ihn als Teil unseres Lebens verstehen lernen, verliert er seinen Schrecken. So auch sind die Worte des englischen Historikers Thomas Carlyle zu verstehen:
„Die höchste Summe allen irdischen Unglücks ist der T o d, und doch haben viele Menschen zu allen Zeiten über ihn t r i u m p h i e r t und ihn gefangen genommen, indem sie seinen p h y s i s c h e n Sieg in einen m o r a l i s c h e n Sieg für sich selbst verwandelten“
Im 90. Psalm heißt es: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden“. „Ich habe nicht gewusst, dass Sterben so leicht ist. Ich sterbe ganz ohne Hassgefühle. Vergiss nie, dass Leben nichts anderes ist als ein Wachsen in der Liebe und ein Vorbereiten auf die Ewigkeit“, schrieb Christoph Probst, als Mitglied der Weißen Rose von Hitlers Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, kurz vor seiner Hinrichtung.
Ein Freund verabschiedete sich von mir bei unserer letzten Begegnung im Wissen um sein baldiges Ende nach einem langen erfüllten Leben mit den Worten: „Ich lebe jetzt nur noch im Gedanken an die Ewigkeit“. Er wusste, dass er als Teil der Schöpfung auch nach seinem irdischen Leben in dieser Schöpfung aufgehoben sein würde, welche Dimension sich auch immer hinter dem
Begriff „Ewigkeit“ verbirgt. Die Frage, wohin der individuelle Tod uns führt, wird wohl immer in ein Geheimnis gehüllt bleiben, das nicht durch reflektierende Vernunft sondern allein durch den Glauben erschlossen werden kann.
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So heißt es in einem Gedicht von Emanuel Geibel:
„Kein Schluss der Weisheit schlägt die kühne Brücke
und nur des G l a u b e n s Flügel führt hinüber“.
Ist es nicht auch ein Zeichen von Gnade, seinen Lebensweg so vertrauensvoll zu Ende gehen zu können? Beim Gedenken an meinen feinsinnigen Freund erinnere ich mich gerne an die Worte Hermann Hesses über die Gnade: „Ich glaube, die Gnade oder das Tao oder wie man es nennen will, umgibt uns immerzu sie ist das Licht und ist Gott selbst, und wo wir einen Augenblick offen stehen, geht sie in uns ein, in jedes Kind wie in jeden Weisen“.
Eine schwere Prüfung wird der Tod für uns, wenn er lange vor seinem eigentlichen Eintritt in uns lauert und seinen dunklen Schatten auf unser Leben wirft. Unser Sprachgebrauch hat längst Wörter aus dem Unterbewusstsein assimiliert, die auf eine solche Lebenssituation hinweisen: todmüde, todkrank, sterbenskrank. Mit einer tödlichen Krankheit fertig zu werden, sie bis zum Ende mit Würde zu bestehen, ist wohl eine der größten Herausforderungen unseres Lebens. .
Ich möchte dazu eine kleine Episode anfügen, die der Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker berichtet. .
Einer seiner – wie er schreibt - „kraftvollsten philosophischen Schüler, auch physisch ein Bild der Gesundheit“, musste sich wenige Wochen nach seinem Doktorexamen einer ärztlichen Untersuchung unterziehen, bei welcher inoperabler Krebs festgestellt wurde. Die Frage war, dem Patienten die volle Wahrheit zu sagen oder sie zu verschweigen. Schließlich entschloss sich die Ehefrau zur Offenbarung der Wahrheit. – .
Ich zitiere den Autor: „Als ich ihn daraufhin besuchte, war er aus tiefer Unruhe in ruhige Gewissheit gewandelt, Er sagte: “Ich weiß jetzt, dass ich noch wenige Monate Zeit habe, um einige Dinge in meinem Leben zu ordnen, die ich sonst um Jahre hätte hinausschieben mögen“. Natürlich handelte es sich bei diesen Dingen um Gott. Eine Weile ging es ihm physisch besser. Ich habe ihn bis zu seinem Tod jede Woche besucht, in den Schwankungen seiner Zustände, und dieses Sterben war etwas vom Wirklichsten, was ich gesehen habe“..
Ich glaube, dass ohne unser Wissen um die Vergänglichkeit manches Meisterwerk der Musik, der Literatur und der bildenden Künste nicht entstanden wäre. Und wenn ich Schuberts Winterreise höre, bin ich jedes Mal ergriffen von der musikalischen Schönheit dieses Liederzyklus, zugleich aber teilt sich mir seine unendliche Traurigkeit mit, in der die Todessehnsucht der deutschen Romantik musikalisch so vollendet umgesetzt wurde. Schubert hatte diese Lieder ein Jahr vor seinem Tode komponiert. .
Uns darf die ungeheure Schaffensdichte der letzten vier Lebensjahre von Beethoven als ein Wunder erscheinen, als nach der Missa solemnis und der Neunten Sinfonie neben anderen Werken die späten, so gewichtigen Streichquartette entstanden..
Hat hier eine Art Vorwahrnehmung des nahenden eigenen Todes den Komponisten zu einer ungewöhnlichen Potenzierung der künstlerischen Produktivität geführt? Und mehr noch: hat sie nicht auch eine „Vergeistigung“ des Geschaffenen bewirkt? .
Hier denke ich auch an Rilkes Duineser Elegien, in denen eine bestimmte „Todesaffinität“ des Dichters ihren besonderen Ausdruck gefunden hat. .
Und ist nicht Goethes Alterslyrik ein Beispiel für höchste Sublimierung in einem dichterischen Spätwerk? Im Faust II: wird schließlich „.Alles Vergängliche.“ zu einem „.Gleichnis.“.
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 Thomas Einicke |
 Jennifer Schmidt, Lasse Kirst
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Meine Damen und Herren, liebe Freunde!
Wenn mein Blick beim Betreten dieses festlichen Raumes auf die Porträt-Galerie der Direktoren fällt, dann verweilt er gerne mit vielen Erinnerungen am Bild meines verehrten Lehrers Dr. Max Dorn. Zugleich aber wird mir bewusst, dass dieses Portrait von Ullrich Bewersdorff gemalt wurde.
Die Erinnerung an diesen hochgewachsenen, bei jeder Gelegenheit mit Zeichenstift und Papier hantierenden Lehrer verband sich immer mit meiner Vorstellung von preußischer Korrektheit im allerbesten Sinne. Vielleicht war das auch ein Grund seiner Beliebtheit als Lehrer. So war er auch weit über seine Schulzeit hinaus einer der meist eingeladenen Lehrer bei Klassentreffen Zwei Erinnerungsartikel in den Francke-Blättern des vergangenen Jahres legen schönstes Zeugnis ab, wie er als Lehrer und Künstler an Schule und Universität wirkte und sich auch als Stadtverordneter für die Erhaltung und Pflege der Kultur in der Stadt Halle einsetzte.
 U. Bewersdorff †
Dass der Wiederaufbau des alten hallischen Rathauses, für den er sich vehement einsetzte, ein Wunschtraum blieb und bei der Gestaltung des hallischen Stadtbildes der Kommerz vor dem Kunstsinn dominierte, das musste ihn schmerzlich treffen.
Folgende kleine, für Ullrich Bewersdorff charakteristische Episode ist uns von Dr. Osterwald überliefert. In einem Ateliergespräch beklagte er sich über das Desinteresse der Stadt Halle am Händeldenkmal. „Es widersprach seiner Auffassung von Achtung vor dem steinernen Denkmal und der dargestellten Person, wenn auf der Treppe ringsum biertrinkende und dönerkauende Gestalten rumlungerten. Er hatte eine ganz einfache Lösung parat. Kein Eisengitter oder Verbotsschild. Einfach lauter Blumenkästen auf die Stufen“.
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Viele von uns erinnern sich gern an die Ausstellung zu seinem 80. Geburtstag hier im Hauptgebäude. So wird sein künstlerisches Werk gleichsam eine vergegenständlichte Erinnerung für alle diejenigen, die ihn gekannt und geschätzt haben. Für uns auswärtige Franckianer aber sind die Ansichtskarten mit den künstlerisch gestalteten Motiven aus den Stiftungen immer wieder ein Gruß unseres alten Lehrers.
In dieser Stunde der Besinnung gedenke ich auch meines Freundes Manfred Richter, Abiturjahrgang 1954, verstorben 1989. Uns verband eine jahrzehntelange seltene Freundschaft. Geblieben ist die lebendige dank-
bare Erinnerung an einen liebenswerten Menschen, der eine wichtige Strecke des Lebensweges mit mir gemeinsam zurückgelegt hat.
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 Stadtsingechor
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Ich gedenke auch meines Klassenkameraden Volker Schilling, der im Dezember 2009 völlig unerwartet von uns gegangen ist. Bei unserem Treffen anlässlich des Goldenen Abiturs erschien er mir fast unverändert wie auf dem Abiturfoto, immer jugendlich, sportlich und lebensfroh. So werden seine Schulkameraden ihn auch in Erinnerung behalten.
Ein zweites Gedicht von Rilke soll tröstend am Ende meiner Ausführungen stehen.
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Jetzt bitte ich Sie, sich zur Verlesung der Namen der in den vergangenen zwei Jahren Verstorbenen von Ihren Plätzen zu erheben.
Wir erfuhren vom Ableben folgender Ehemaliger und gedenken ihrer:
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Dr. Werner Achtzehn
Prof. Dr. Peter Aley
Günter Bartling
Friedrich Beleites
Ullrich Bewersdorff
Dr. Ortrud Bimberg
Karl-Heinz-Bourwieg
Dr. Gertrud Braun
Dr. Klaus-Peter Breitel
Ernst Bretnütz
Herbert Brockhausen
Dr. August Wilhelm Christensen
Jürgen Dehne
Albert Deutschbein
Hans-Joachim Dietrich
Claus-Hartmut Fischer
Johannes Fischer
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Hans-Robert Francke
Solvej Gaukel
Susanna Gerhardt
Maria Gräser
Edith Großstück
Prof. Dr. Gerhard Haase
Dr. Peter Hoffmann
Peter Jung
Dr. Georg Kaufmann
Gerhard Kuckenburg
Helmut Kuntze
Wolfgang Lehmann
Hans Leitner
Elfriede Lempe
Henning Löhn
Günter Mertens
Gertrud Müller
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Joachim Müller
Dr. Wolfgang Müller
Gisela Nürnberger
Joachim Pöschke
Reinhold Rabe
Georg-Friedrich Schaaf
Volker Schilling
Helmut Schirbort
Ernst Schöne
Helmut Schülert
Albrecht Schumann
Anna-Magdalene Steinfeldt
Dr. Jörg Stürzebecher
Gotthilf Wahl
Klaus Weber
Rosemarie Wolff
Werner Wölffling
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Ecce von Jacobus Gallus (Handl) (1550-1591)
Ecce quomodo moritur iustus, et nemo percipit corde; viri iusti tolluntur et nemo considerat: a facie iniquitatis sublatus est iustus. Et erit in pace memoria eius. In pace factus est locus eius et in Sion habitatio eius, et erit in pace memoria eius.
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Siehe, wie der Gerechte stirbt, und niemand fühlt es im Herzen, die gerechten Männer werden dahingerafft und niemanden rührt es. Vor dem Angesicht der Ungerechtigkeit ist der Gerechte dahingerafft, und im Frieden wird sein Andenken sein. Im Frieden ist sein Ort und in Sion seine Wohnung.
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