Franckeblätter Ausgabe 01/2010
Was kann an Geschichte eigentlich spannend sein?!?
Sophie Müller-Bahlke
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Was kann an Geschichte eigentlich spannend sein? Die französische Revolution? Die Entdeckung Amerikas? Solche Fragen gehen wahrscheinlich den meisten Schülern durch den Kopf, wenn ihnen eine Stunde lang ein langweiliger Vortrag über solche Themen geboten wird. Wenn man sich aber mal überlegt, wieso wir heute eigentlich so leben, wie wir leben und die Antwort darauf selber herausfinden wollen, wäre es wahrscheinlich die beste Lösung, dieses Interesse mit anderen Schülern zu teilen. Mir ging es ähnlich, und so hörte ich im Sommer von der Geschichtsakademie für Schüler in den Franckeschen Stiftungen. Da diese Projektwoche sich nicht nur (wie der Name „Projektwoche“ eigentlich sagt) auf eine Woche beschränkt, sondern ein länger andauerndes Projekt ist, reicht es nicht einfach nur mal eben vorbei zu kommen, vielmehr man muss vorher eine Bewerbung einsenden in der man begründen muss, wieso man an der Akademie teilnehmen möchte und bestätigen, dass man zwischen 14 und 18 Jahre alt ist.
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 Führung durch die Stiftungen
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Letzten Sommer also habe ich mich auch beworben und besuchte dann die letzte Woche der Sommerferien jeden Tag die Franckeschen Stiftungen. Ein normal Sterblicher würde jetzt wahrscheinlich denken, dass ich eine von denen bin, die es kaum noch erwarten können, nach den Sommerferien endlich wieder früh aufzustehen. Ich kann all denen sagen, dass das nicht stimmt, denn die Schülerakademie ging vergleichsweise spät los. Am Montag-morgen also ging ich dann mit einer Freundin aus Berlin hin, die für die Woche eine der drei auswärtigen Exoten darstellte, die nicht aus Halle waren. Die anderen beiden kamen aus Kassel und Neustadt (in Bayern). Als wir dann also am Montag im
Amerikazimmer ankamen, stellten wir uns der Reihe nach vor und wurden dann durch die Stiftungen geführt. Nach einer Mittagspause hörten wir dann einen Vortrag über die Geschichte des kalten Krieges. Das Thema der Schülerakademie lautete Wendezeiten-Wendegeschichte(n), und wie unschwer zu erkennen ist, handelte die Akademie aus Anlass des 20 Jährigen Jubiläums von der Wende und der Zeit drum herum.
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 l.: Exkursion zum mdr; r.: Exkursion zum Stasi-Archiv
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Am zweiten Tag lernten wir, wie man Zeitzeugen befragt, was ein Archiv genau ist und wie man es benutzt. Solch eins besuchten wir einmal in Form des Stadtarchivs und ein anderes Mal besuchten wir das Stasiarchiv. Neben den Akademieleitern, ein paar Lehrern und den „Akademikern“ waren auch noch fünf Tutoren dabei, die Studenten an der Uni Halle sind. Diese kamen dann am Mittwoch ins Spiel, als wir uns mit vielen Keksen und den Tutoren anfreunden konnten und uns gemeinsam ein Thema aussuchen sollten. Ich beschloss, mit meiner Gruppe das Thema „Punk“ zu erforschen.
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 Ehemaliger Grenzübergang Marienborn
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Die anderen Gruppen entschlossen sich für die Themen Umweltschutz, Sichtachsentheorie, Schriftbänder der Demonstranten und um die Propaganda der SED. Die Themenwahl war uns völlig freigestellt. Es musste jedoch etwas mit der Zeit der Wende zu tun haben. Alles Genauere kann man sich auch auf der Homepage der Franckeschen Stiftungen unter „Schülerakademie“ genauer ansehen. Ab Donnerstag also arbeiteten wir zusammen mit unseren Tutoren auf unser Thema hin, wobei meine Gruppe zum Beispiel noch am gleichen Tag zum Stasiarchiv fuhr und Akten zur Punkszene in der DDR durcharbeitete. Am Freitag erfolgte dann eine erste Besprechung unserer Recherchen im Plenum.
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 l.: Marienborn; r.: Abschlussveranstaltung
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 Teilnehmer der Projektwoche
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Am Samstag, dem letzten Tag der Akademiewoche, brachen wir dann zu einer Exkursion nach Marienborn und Hötensleben auf. In Marienborn besuchten wir die Gedenkstelle der Ehemaligen Grenze, wo wir auf Wachtürme und durch die Räume geführt wurden, in denen die Personalien aufgenommen wurden. In Hötensleben wurden wir „durch die Mauer“ geführt und uns wurde die Logik erklärt, mit der die DDR die Mauer auf- und ausgebaut hat. So endete diese super interessante Projektwoche, in der wir wahrscheinlich mehr gelernt haben als in dem kompletten letzten Halbjahr in Geschichte. Doch noch war nur die Projektwoche zu Ende, aber noch nicht die Schülerakademie. Das hört sich jetzt vielleicht etwas seltsam an, aber ab dem Zeitpunkt waren die Gruppen auf sich selbst gestellt und mussten sich unter Leitung ihrer Tutoren selbst organisieren. Am Samstag, den 6. 11. 09 präsentierten zum Abschluss alle Gruppe ihre Ergebnisse im Volkspark zum 10. Tag der Halleschen Stadtgeschichte. Bei der Generalprobe lief nicht alles so gut, wie es laufen sollte. Doch wir wissen ja alle: wenn die Generalprobe misslingt, wird die Vorstellung umso besser. Und genauso war es auch. Die Präsentationen waren abwechslungsreich. Filme, Hörfeatures, Essays, jede Gruppe hatte ihre ganz eigenen Ideen umgesetzt. Alles lief glatt und sowohl wir „Akademiker“ als auch das Publikum waren mit dem Ergebnis zufrieden. Auch wenn wir alle etwas traurig waren, wieder auseinander zu gehen, haben wir alle etwas gelernt: Geschichte, ob mit oder ohne Lehrplan, kann großen Spaß machen, wenn man die Sache nur richtig angeht. Falls einer der Leser dieses Artikels nun auch Lust bekommen sollte, sich im nächsten Sommer mit zu bewerben, rate ich, es zu tun. Es lohnt sich. Die kommende Schülerakademie wird landesweit ausgeschrieben und wird während der Schulzeit in der Projektwoche aller Schulen stattfinden. Ich hoffe, dass wir uns vielleicht bei der nächsten Schülerakademie sehen. Bis dahin viele Grüße!
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 Teilnehmer bei der Einführungsveranstaltung
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