Franckeblätter Ausgabe 02/2007
Vater und Sohn Weiske
Dr. Rolf Osterwald
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Gotthold Alexander Weiske und Karl Ernst Alexander Weiske sind zwei Lehrer. die mit den Franckeschen Stiftungen in besonderem Maße verbunden waren. Beide unterrichteten an der Lateinischen Hauptschule und beide waren als Bibliothekare an der Hauptbibliothek beschäftigt
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 Alexander Weiske um 1870
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Vom Vater Alexander existiert im Archiv der Franckeschen Stiftungen ein Lebenslauf, in dem über die Zeit bis 1851 berichtet wird. Er hat folgenden Wortlaut:
Am 25. Februar des Jahres 1824 zu Katarinenrieth geboren, verließ ich, Gotthold Alexander Weiske meinen Geburtsort schon nach zwei Jahren, als mein Vater als Prediger nach Sachsenburg versetzt wurde. Die stille Abgeschiedenheit des ländlichen Lebens wurde unter der stets wachen Fürsorge einer liebenden Mutter, unter der milden Leitung eines stets freundlichen Vaters, in dem Umgange mit zwei jüngeren Schwestern und einem älteren Bruder, zu denen sich bald ein Pflegesohn meiner Eltern gesellte, in einer herrlichen Gegend zu einem lebensvollen Tummelplatz meiner Jugend, bis mein Vater, ein früherer Portenser, den Gedanken eines dereinstigen philosophischen Studiums in mir erweckte und planmäßig denselben vom ersten Unterricht an verfolgte. Zugleich machte mich mein Vater mit dem Gedanken vertraut, dass Schulpforta die beste Schule sei, auf der sich das herrliche Ziel am sichersten erreichen lasse. Dorthin war mir mein Bruder schon im 12. Lebensjahr vorausgegangen, gleichzeitig verließ mein Pflegebruder unser Haus und ich, allen Knabenumgangs beraubt, drohte zu erschlaffen, wovon ich aber durch eine plötzliche Übersiedlung nach dem Progymnasium Denndorf (?) behütet wurde. Nach Verfluss eines Jahres folgte ich meinem älteren Bruder im vierzehnten Lebensjahr nach Schulpforta. Aber eine lückenhafte Vorbereitung und eine höchst einseitige von den Lehrern noch genährte Vorliebe für Anfertigung lateinischer Gedichte ließen lange Zeit meinen Pförtner Aufenthalt ziemlich resultatlos. Mächtig muss der von meinem Vater erzeugte Vorsatz eines dereinstigen philologischen Studiums gewesen sein, da er sich durch alle getäuschte Hoffnungen wie ein großer roter Faden hindurchzog. |
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| Da starb mein Vater im Jahre 1842, sein Tod sollte mich aus meinem Gedankenleben herausreißen. Es wurde eine Vereinigung der zerstreuten Familie nötig und Gottes allwaltende Vorsehung führte uns in Halle zusammen, wo ich im Jahre 1843 in der Prima der Lateinischen Hauptschule aufgenommen wurde. Unter neuen Verhältnissen und unter neuen unvergesslichen Lehrern froh aufatmend möchte ich die zwei Jahre meiner hiesigen Schulzeit den Silberblick meines Jugendlebens nennen, wenn nicht jener Farbenglanz nur von flüchtiger Dauer wäre, aber diese Jahre mit ewiger Mahnung zur heißesten Dankbarkeit gegen Gott und meine Lehrer weit in mein Leben hineinstrahlten. Im Jahre 1845 zu Michaelis verließ ich die Anstalt, um in Halle Philologie zu studieren. Die klassischen Sprachen und besonders das Altdeutsche waren die Gegenstände, denen ich mich mit Vorliebe in die Arme warf. Nach verflossenen fünf Semestern bezog ich die Universität in Berlin, wo ich vor Pfingsten 1849 ein Examen in der Philologie, dem Deutschen, der Mathematik und Geschichte ablegte. Nach wenigen Wochen am 2ten Juli wurde mir die Vergünstigung zu Teil, mein Probejahr an der Lateinischen Hauptschule zu Halle zu beginnen, das ich nach drei Monaten durch den Einfluss des Herrn Direktors Eckstein befördert auf dem Gymnasium zu Minden fortsetzte. |
 Alexander Weiske als Klassenlehrer Jahr unbekannt Fotos: Archiv der Franckeschen Stiftungen
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 Alexander Weiske
um 1895
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Der Drang, neue Schulverhältnisse kennen zu lernen, erzeugt durch den Abgang des Herrn Schulrat Suffrian vom Direktorat des Mindener Gymnasiums, verführte mich, die zwitterhafte Stellung eines wissenschaftlichen Hilfslehrers mit einer aussichtsvollen kommissarischen Beschäftigung an Stelle eines militärisch eingezogenen Lehrers an dem Simultangymnasium zu Essen zu vertauschen. Allein nach dreimonatlicher Tätigkeit musste ich meine kaum eingenommene Stelle ihrem früheren Inhaber wieder abtreten und am 15. Februar die Anstalt verlassen. Eine nachträgliche Aufforderung von Essen, die bisherige Stellung wieder einzunehmen, glaubte ich um so freudiger ausschlagen zu müssen, da der Herr Direktor Eckstein meine Bitte, zum dritten Male mein Schicksal in die Hand zu nehmen, erhört hatte und bereits im Laufe des März mich an seiner Schule provisorisch beschäftigte, an welcher ich am 1. Juni 1851 definitiv als Collaborateur angestellt worden bin. Im Jahre 1852 lieferte Weiske eine Übersetzung Walthers von der Vogelweide. Am 1. Oktober 1855 wurde er zum Oberlehrer befördert, behielt aber bis Ostern 1856 die Stelle als Erzieher in der Pensionsanstalt bei. Am 16 März 1856 verheiratete sich Alexander Weiske; seine Frau verstarb im Dezember des gleichen Jahres bei der Entbindung des ersten Kindes. Im Schulprogramm von 1858 veröffentlicht er Materialien zur Übersetzung ins Griechische und über die griechischen anomalen Verben, ferner arbeitet er an griechischer Stilistik und Lexikographie. Seine handschriftliche Arbeit an einem deutsch-griechischen Lexikon liegt in der Hauptbibliothek. Im Jahre 1860 erfolgte die zweite Heirat, doch verunglückte seine Frau drei Jahre später tödlich. Alexander Weiske heiratet 1864 zum dritten Mal. Seit dem Herbst 1867 arbeitete er als Bibliothekar in der Hauptbibliothek bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1895. Er wurde mit dem Roten Adlerorden 4. Klasse ausgezeichnet. Seinen Ruhestand verlebte er in Halle, bis er am 17. 5. 1900 verstarb. Beerdigt wurde er auf dem halleschen Stadtgottesacker. |
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Der Sohn Karl Weiske wurde am 21.1. 1863 in Halle geboren und besuchte die Lateinische Hauptschule, die er im Herbst 1881 mit dem Reifezeugnis verließ. Sein Studium begann er in Halle und setzte es in Tübingen und Berlin fort, um es in Halle zu beenden. Seine Studienfächer waren klassische Philologie und Germanistik. Im Mai 1887 legte er das Staatsexamen ab und trat im Herbst des gleichen Jahres an der Lateinischen Hauptschule sein Probejahr an. Zugleich trat er als Mitglied in das Lehrerseminar ein. Gleichzeitig nahm er die Stelle eines Subinspizienten am Alumnat des Königlichen Pädagogiums wahr. Nach Ablauf eines Jahres wurde er Hilfslehrer und zugleich Inspektionslehrer an der Pensionsanstalt. Hier hatte er auch bis 1895 seine Wohnung. 1892 wurde Karl Weiske ordentlicher Lehrer und vom Herbst 1895 an Erzieher im Alumnat des Königlichen Pädagogiums.. Letztere Stellung hatte er bis 1899 inne. Im Juli 1806 heiratete
Karl Weiske, ein Jahr später wurde ihm die Verwaltung der Hauptbibliothek übertragen.
Er veröffentlichte vorwiegend Gelegenheitsschriften, wie Mitteilungen über die Handschriften-sammlung der Hauptbibliothek und das Systematische Verzeichnis der in den Latina- und Pädagogiumsprogrammen veröffentlichten Abhandlungen. Er arbeitete ferner mit am Verzeichnis der Abiturienten der Lateinischen Hauptschule und des Königlichen Pädagogiums und an der 12.und 13. Auflage der von seinem Vater herausgegebenen "Griechischen anomalen Verba". Im Sommer 1906 erfolgte seine Ernennung zum Professor. Im Jahre 1924 tritt er in den Ruhestand.
Karl Weiske verstarb am 16. 12. 1945 und wurde neben seinem Vater auf dem Stadtgottesacker beerdigt. |
 Karl Weiske um 1895
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 Karl Weiske in der Hauptbibliothek um 1930
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 Grabanlage Familie Weiske
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 Grabstein Alexander Weiske
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Fotos: Ilse Walther
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Frau Keller vom Archiv danke ich für die Unterstützung bei der Beschaffung von Unterlagen |
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