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Als meine Klassenlehrerin Mitte September 2002 eher beiläufig im Unterricht erwähnte, dass singbegeisterte Sprachklässler (also wie ich) für eine Operninszenierung des Musikzweiges der Latina gesucht werden, stand für mich fest, dass ich da mitmache.
Da ich seit vielen Jahren im Kinderchor der Stadt Halle singe, war für mich das Vorsingen zur "Sichtung" der teilnehmenden Sänger vor dem späteren Dirigenten, Henry Ventur, und der Regisseurin, Heidrun von Strauch, kein Problem.
Doch das Singen an sich war eigentlich nicht der Hauptgrund meiner Teilnahme, sondern vielmehr das Kennenlernen und Zusammensein mit den Musikklässlern. Denn ich kann mich nicht erinnern, dass es vorher schon einmal ein solch großes Projekt in Zusammenarbeit von Musik- und Sprachzweig gab.
Die musikalischen Proben begannen im Januar und fanden immer einmal wöchentlich im Musikhaus der Franckeschen Stiftungen statt. Ich weiß noch genau, dass ich mich bei der 1. Probe gefühlt habe wie bei meinem 1. Schultag: Ich war umgeben von Leuten, deren Gesichter ich zwar schon einige Male gesehen hatte, aber von denen ich kaum etwas wusste. Nur zwei Gefährtinnen aus dem Sprachzweig, die ebenfalls im Kinderchor singen, waren mir bekannt.
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Die musikalischen Proben verliefen gut, sodass wie uns Anfang Mai, in den Stimmen schon recht sicher, voller Vorfreude auf die szenischen Proben stürzten. Ich hatte das Glück (na ja, wenn ich den Probenumfang betrachte, dann kann ich mich wohl kaum glücklich schätzen) zum Kreis des Gefolges der Königin Dido zu gehören. Zu diesem gehörten zwei Soprane, zwei Alti, zwei Tenöre und zwei Bässe. Da wir 8 eine größere Rolle als der Volkschor spielten, mussten wir dementsprechend auch mehr üben.
Es standen 6 Wochen fast täglichen Probens in der Aula vor uns. In dieser Zeit lernten wir auch die Solisten der Oper kennen. Diese waren Studenten des Institutes für Musikpädagogik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass es anfangs sehr mühsame und lange Proben waren, je näher die Aufführungen aber rückten, desto mehr Spaß hat es gemacht (und ich glaube, das kann ich im Namen aller Beteiligten sagen).
Besondere Anerkennung hat sich dabei unsere Regisseurin Heidrun von Strauch verdient, denn sie hat es in all den, teilweise auch sehr nervenaufreibenden, Proben geschafft, immer die Ruhe zu bewahren und hat uns Hoffnung gegeben, dass wir alles bis zur Premiere können.
Eine Woche vor der 1. Aufführung trat zum ersten Mal das begleitende Orchester des Musikzweiges hinzu. Somit bekamen wir einen kompletten Eindruck von der Musik dieser Oper. Auch probte der Stadtsingechor mit, der in der Oper den Matrosenchor sang. In der letzten Woche vor der Premiere mutierte der Freylinghausensaal zu unserem zweiten Zuhause, denn wir übten ort täglich bis zu 4 Stunden. Da aber alle Solisten und Sänger aus dem Gefolge schon 2 Stunden vor Probenbeginn anwesend sein mussten (denn wir wurden vorher reichlich geschminkt), verbrachten wir noch viel mehr Zeit dort.
Am 25. Juni 2003 fand die Generalprobe statt. Man sagt ja, je schlechter die Generalprobe ist, desto besser wird die Premiere. Und so kam es dann auch...
Punkt 20.00 Uhr betrat das Orchester den ausverkauften Freylinghausensaal; die Oper "Dido&Aeneas" begann.
Dido (gespielt von Elisabeth Herrmann/Anne Preuß), die Königin von Karthago, hat sich gegen ihren Willen in den vor Karthago gestrandeten trojanischen Prinzen Aeneas (gespielt von Kai Bonitz/Sebastian Schwenke) verliebt. Er ist auch von ihr angetan. Da Dido sich aber geschworen hatte, nie wieder zu heiraten, nachdem ihr Gatte von ihrem eigenen Bruder umgebracht wurde, sträubt sie sich gegen eine Hochzeit mit Aeneas. Belinde (gespielt von Friedericke Schöder/Janette Wernecke), der Königin engste Vertraute, eine zweite Frau (Claudia Zohm/Irene Helbig) und das Gefolge der Dido hoffen aber inständig auf eine Heirat der beiden, damit Karthago wieder gesichert wird. Schließlich bekennt sich Dido zu ihrer Liebe gegenüber Aeneas und der Hochzeit steht nichts mehr im Wege. An diesem Punkt ist der erste Akt zu Ende.
Der zweite beginnt mit einer Zauberin (Ines Schumacher/Judith Loeser). Diese will das frisch verliebte Pärchen auseinander bringen und beschwört deshalb Hexen und Geister herauf. Mit Hilfe des Geistes Merkur will sie Aeneas an seinen göttlichen Auftrag, der besagte, dass er nach Italien segeln und dort ein neues Troja (Rom) errichten sollte und von Jupiter persönlich befohlen wurde, zu erinnern. Dido, Aeneas, Belinde und das Gefolge machen gerade eine Rast von der Jagd. Da zieht ein Gewitter auf, welches von den Hexen heraufbeschworen wurde. Die Jagdgesellschaft flieht vor dem Regen. Nur Aeneas verpasst den Anschluß und die Zauberin schneidet ihm den Weg ab. Sie macht ihn auf den Befehl des Jupiters aufmerksam und redet ihm ein, dass die Beziehung zu Dido nur reine Zeitverschwendung sei. Daraufhin verschwindet sie wieder. Aeneas leidet sehr, denn er merkt, wie groß seine Liebe zu Dido ist. Doch für ihn kommt nichts anderes in Frage als dem Auftrag nachzugehen. Schweren Herzens gibt er den Befehl, die Anker zu lichten.
Hier beginnt der dritte Akt. Alles ist für die Fahrt nach Italien bereit, nur Aeneas zögert noch. Dido, die von den Plänen zur Abfahrt des Aeneas gehört hatte, ist überrascht, als er sie doch noch einmal (zum letzten Mal) besuchen kommt. Er weiß nicht so recht, wie er ihr den Grund für seine Abreise erklären soll. Sie, da sie ja nichts von dem Auftrag und der Zauberin weiß und ihn auch nicht verstehen will, denkt, dass er fremdgegangen ist (um es mal auf gut Deutsch zu sagen). Dido droht mit Selbstmord, wenn er nicht sofort geht. Da bleibt Aeneas natürlich keine andere Chance und er verlässt sie für immer. Dido kann den Trennungsschmerz nicht ertragen und bringt sich selbst um. Belinde ist in ihren letzten Minuten an ihrer Seite.
Der Volkschor singt den bewegenden Abschlusschor "With drooping wings ye cupids come" ("Mit erschlafften Flügeln, ihr Liebesgötter kommt"). Mit Didos Tod geht Karthago unter; die Zauberin hat gesiegt. Mit dem Fall eines riesigen Tuchs über die Bühne ging auch die Oper zu Ende. Es folgte ein etwa 15 minütiger und tobender Applaus des Publikums mit Standing Ovations. Es gab keine Zweifel: Die Inszenierung kam bei den Zuschauern an und diese gaben ihre Zufriedenheit mit gar nicht enden wollendem Beifall an die Darsteller zurück.
Während des Stückes geschahen zwar ein paar kleine Pannen, doch die Zuhörer merkten davon nichts. Als wir die Reaktionen des Publikums sahen, wussten wir, dass sich die wochenlangen harten Proben gelohnt hatten. So verließen alle nach 1 Stunde (so lange dauerte das Stück nur) glücklich die Bühne. Anschließend gingen alle Beteiligten in das Spielehaus der Franckeschen Stiftungen, wo der Förderverein des Instrumentalzweiges eine Premierenfeier organisiert hatte. Dieser spendierte Grillwürstchen und Steaks. Zusätzlich wurde durch selbstgemachte und mitgebrachte Salate und Kuchen für unser leibliches Wohl gesorgt. Da es ein lauer Sommerabend war, saßen wir gemütlich draußen und ließen den Abend ausklingen. Anders gesagt, ging die Party bis weit nach Mitternacht und wir feierten ausgelassen.
Ich hatte zusammen mit einer Freundin die Idee, alle Mitwirkenden auf ein Plakat von "Dido & Aeneas" mit einer Widmung unterschreiben zu lassen und somit eine bleibende visuelle Erinnerung zu haben. Dabei entstanden Widmungen, wie: "Es lebe die geilste Oper der Welt!" (von Julia W.) oder "Eine hammergeile Oper" (von Christina S.)
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Am 26. Juni ging es mir bis etwa 18.00 Uhr noch ganz gut. Dann fuhr ich aber zum Freylinghausensaal und mir wurde klar, dass das Ereignis, auf das sich alle Beteiligten ein halbes Jahr vorbereitet hatten, in wenigen Stunden schon wieder vorüber sein würde. Mir blieben noch zwei Stunden bis zum Vorstellungsbeginn, um nervös zu werden.
Erst einmal wurden die anderen Gefolge-Leute und ich von Frau von Strauch höchst persönlich geschminkt. Die Jungs kamen sich etwas komisch vor mit Rouge auf den Wangen und Lippenstift auf dem Mund. Auch wir Mädchen konnten uns nicht gleich mit dem neuen Aussehen anfreunden. Letztendlich akzeptierte es jeder, denn auf der Bühne waren wir Schauspieler und nicht wir selbst. Zudem trugen wir der Epoche der Handlung entsprechende Kostüme. Der Stoff dafür wurde uns von der Kostümbildnerin Frau Barbara Michael zur Verfügung gestellt; zusammennähen mussten wir (bzw. die Nähmaschinen unserer Muttis und Omis) die Kleider aber selber. Das ist verständlich, da der Aufwand, ca. 100 Kostüme zu nähen, für eine einzelne Person nicht zumutbar gewesen wäre. Letztendlich gaben wir mit unseren 'original' griechischen Kleidern in den Farben Lila, Rosa, Grün oder Grau ein recht farbenfrohes Bild auf der Bühne ab.
Die Spannung und die Nervosität stiegen, als "Moppl", unser Regieassistent und Inspizient, das 1. (19.30 Uhr), das 2. (19.45 Uhr) und schließlich das 3. (19.55 Uhr) Garderobenzeichen läutete. Alle Beteiligten wünschten sich mit einem "toi, toi, toi" über die linke Schulter des anderen viel Glück und ein gutes Gelingen.
Am Abend des 27. Juni sowie des 28. Juni fanden sich wieder alle tatenfroh hinter der Bühne des Freylinghausensaals ein. Wir ließen das für uns schon fast gewohnte Prozedere des Umziehens, Schminkens, Einsingens und Wartens über uns ergehen. Die beiden folgenden Vorstellungen verliefen wie die erste sehr erfolgreich. Auch an diesen beiden Tagen war der Freylinghausensaal bis auf den letzten Platz gefüllt. Aber natürlich passierten auch Pannen, welche einfach zu einem Bühnenwerk dazugehören: jemand verlor eine Kontaktlinse während der Aufführung, jemand anderes zertrat einen Plastebecher mitten auf der Bühne (natürlich ist da auch prompt einer hinein gelaufen und dieser hinterließ dadurch ein paar Blutspuren auf der Empore). Doch dem Publikum blieben diese Missgeschicke zum Glück zum größten Teil vorenthalten. Rückblickend kann ich sagen, dass die Mitwirkung an der Oper "Dido & Aeneas" für mich ein sehr schönes Erlebnis war mit vielen neuen Erfahrungen. Ich denke, viele der anderen Beteiligten empfinden dies ebenso wie ich. Und deshalb freuen wir uns alle schon auf den September 2003, wenn das Stück wiederaufgenommen wird.
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Dirigent Henry Vetur vom Musikzweig
der Latina und Dido |
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